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gegen jene zusammenhaltet, zu deren Abwehr es bestimmt ist, und solange ihr euch nicht gegen jenen aufhetzen lasset, der es euch beschaffen will.“

610 (5.) Jetzt endlich wich, wenn auch noch in großer Erregung, die Hauptmasse der überlisteten Gegner. Nur 2000 Bewaffnete machten Miene, sich auf Josephus zu stürzen. Doch gelang es ihm früher noch, sich in das Innere seines Hauses zu retten, vor welchem nun der Haufe eine sehr drohende Haltung annahm. Ihm gegenüber griff nun Josephus zu einer neuen List. 611 Er stieg nämlich auf das Dach und suchte durch Winken mit der Hand die lärmende Menge zur Ruhe zu mahnen. Er wisse ja gar nicht, sagte er, was sie denn eigentlich von ihm wollten, da er in dem wirren Geschrei gar nichts ausnehmen könne. Er sei indes bereit, in allem sich ihren Aufträgen zu fügen, wenn sie zu einer ruhigen Besprechung einige Unterhändler zu ihm ins Haus schicken wollten. 612 Auf diese Worte hin traten die Rädelsführer mit den betreffenden galiläischen Häuptern in das Haus. Sofort ließ sie Josephus tief ins Innere des Gebäudes zerren, die Hofthüre wieder absperren und sie dann solange geißeln, bis bei allen die Eingeweide bloß lagen. Währenddessen wartete der Haufe in der Umgebung des Hauses in der Meinung, dass die hineingegangenen Männer nur in der Hitze ihrer Auseinandersetzung die Zeit überschritten hätten, 613 als sich plötzlich auf den Befehl des Josephus das Thor wieder öffnete, und die Männer, blutüberströmt, herausgejagt wurden. Das rief unter der bisher so bedrohlichen Menge eine derartige Bestürzung hervor, dass alles die Waffen wegwarf und Reißaus nahm.

614 (6.) Dieser Vorfall diente aber nur dazu, die Eifersucht des Johannes noch höher zu spannen. Er legte jetzt dem Josephus eine andere Falle. Er stellte sich krank und bat den Josephus schriftlich um die Erlaubnis, zur Herstellung seiner Gesundheit die warmen Bäder von Tiberias gebrauchen zu dürfen. 615 Da Josephus damals den gefährlichen Menschen noch nicht durchschaut hatte, so schrieb er der dortigen Stadtobrigkeit und empfahl den Johannes ihrer Gastfreundschaft und sonstigen Obsorge. Erst zwei Tage hatte dieser davon Gebrauch gemacht, als er auch schon den eigentlichen Zweck seiner Anwesenheit zu verwirklichen suchte. Den einen suchte er durch seine Spiegelfechtereien, den anderen durch Bestechung den Kopf zu verrücken und sie zum Abfall von Josephus zu bereden. 616 Davon bekam indes Silas, den Josephus zur Beobachtung der Vorgänge in der Stadt aufgestellt hatte, Wind und benachrichtigte ihn unverweilt brieflich von der ganzen gegen ihn eingefädelten Verschwörung. Als Josephus den Brief erhalten, machte er sich auf und kam nach einem starken Nachtmarsch beim Morgengrauen vor Tiberias an. 617 Obwohl Johannes

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 229. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/229&oldid=- (Version vom 18.2.2020)