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und mit dem andern im Grabe. Der Zufall verschlug mich in eine Holzgegend. Ich hatte mit Schwellenlieferungen zu thun, lernte die Händler und ihr Geschäft kennen, das einen Zug ins Große hat. Da wechselte ich noch einmal den Beruf, trat in den Dienst eines Holzhändlers. Auch eine harte Arbeit. Nach Jahr und Tag machte ich mich selbstständig. Ich fing klein an, furchtbar klein. Habt ihr schon eine Ameise mit einem Span über ein Steinchen klettern sehen? Wie sie sich überpurzelt, den Span verliert, ihn wieder aufnimmt, sich wieder aufrafft. Ich bin ein paarmal zu Grunde gegangen und bin doch immer wieder hinaufgekommen. Was das für eine märchenhafte Energie gekostet hat und woher ich sie genommen habe, ich weiß es nicht. Nur das weiß ich: noch einmal möchte ich es nicht durchmachen. Ich habe nicht Zeit gehabt, zu heirathen, auch keine Lust; zuerst, weil es mir schlecht ging, nachher, weil es mir gut ging. Ich setzte immer meinen ganzen Gewinn an neue Unternehmungen, die Einzelheiten würden euch langweilen. Genug, ich bin oben.“

„Und wie sieht es oben aus?“ fragte Wilhelm.

„Na, nicht ganz wie in Johann dem munteren Seifensieder. Ja, wenn ich aufhörte, würde ich vermuthlich vor Langweile verrecken. Aber ich höre nicht auf, ich jage weiter. Werd’ ich mir endlich den Hals brechen, chi lo sà? Werd’ ich Dich einmal um einen Löffel Suppe bitten kommen, Wilhelm, wie die da draußen? Diese Ungewißheit ist eigentlich noch das Einzige, was mich am Leben reizt. Gesellig bin ich nicht, weil ich die Menschen kenne. Jeder will was von mir haben. Ihr da, wenn ihr mir das Stelldichein nicht gegeben hättet, als ich noch ein armer Schlucker war, ich wär’ euch ausgewichen wie der Pest… Nehmt mir’s nicht übel!“

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Theodor Herzl: Philosophische Erzählungen. Gebrüder Paetel, Berlin 1900, Seite 145. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Herzl_Philosophische_Erzaehlungen.djvu/150&oldid=- (Version vom 1.8.2018)