Seite:Geschichte des Dithmarscher Krieges.djvu/099

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Heinrich Rantzau: Geschichte des Dithmarscher Krieges

Unruhe hervorzurufen, zurückgefordert, unter dem Vorwande, daß die Fürsten zur größeren Sicherung gegen die Bauern eine stärkere Bedeckung nötig hätten. Das den Feinden abgenommene Geschütz teilte man nachher in drei Teile, so daß jeder der Fürsten, wenn ich nicht irre, 36 Stück erhielt. Im ganzen fanden sich ca. 100 schwerere und leichtere Geschütze, die auf Rädern vorwärts geschafft wurden, mit Ausnahme derjenigen, deren Wagen beim Gebrauch zerbrochen waren. Die Menge der kleineren Waffen, Lanzen oder Speere, war noch bedeutender, denn mit ihnen gerade verstanden die Bauern auf dem lehmigen Boden am leichtesten zu kämpfen. Es muß zugestanden werden, daß die Dithmarscher in der Benutzung der Geschütze die größte Geschicklichkeit bewiesen hatten. Die Soldaten räumten nicht ohne Bewunderung ein, daß die Dithmarscher in der Aufstellung und Handhabung der Kanonen eine Gewandtheit gezeigt hätten, wie sie nur von dem geübtesten Heere erwartet werden könnte. Auch in der Schlacht bei Heide war die Aufstellung der Geschütze geradezu bewundernswert, obwohl der Erfolg ihrer Kriegsführung diesmal nicht günstig war. Unter den abgelieferten Geschützen befanden sich ferner drei Mauerbrecher, die, den Inschriften zufolge, die Fürsten von Holstein in früheren Kriegen verloren hatten. Die unter dem König Johann verlorene Danebrogsfahne war infolge schlechter Aufbewahrung fast vermodert und als ein kümmerlicher Ueberrest abgegeben worden. Sie wurden in dem Dom von Schleswig niedergelegt und dort zum Andenken an den glücklich errungenen Sieg aufbewahrt. Nach Auslieferung aller Diplome und Schenkungsakten, sowie deren Bestätigungsurkunden wurde der Friede abgeschlossen. Zur Bewachung des Landes blieb indessen das Schonwesiussche Korps unter Anführung Wriesbergs noch acht Tage lang in dem Dithmarsischen Dorfe Schafstedt, bis das Fußvolk auseinandergegangen war. Darauf zogen sie nach Holstein, wo der Sold für die letzten acht Tage, das sogenannte Donativ, ihnen ausgezahlt wurde. Die Obersten, Hauptleute und Fahnenträger erhielten außerdem noch ehrende Geschenke. Auch den übrigen Truppen gegenüber bewiesen die Fürsten ihre Freigiebigkeit. Jedoch erhielten nur diejenigen Soldaten Auszeichnungen,

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Rantzau: Geschichte des Dithmarscher Krieges. Heider Anzeiger G. m. b. H., Heide 1914, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dithmarscher_Krieges.djvu/099&oldid=- (Version vom 18.4.2023)