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wohlwollen, weil hier der Student eine ganz andere Rolle spielt, als in den grösseren Städten, und jene ritterlichen Tugenden des Mittelalters, die unserem Studententhum anhaften, hier am meisten gepflegt werden und in Ansehen stehen. Wir können uns aber nicht denken, dass wegen des sehr geringen Procentsatzes der recht vermöglichen oder adligen Studenten willen, welche jene ritterlichen Vergnügungen noch heute bis auf die Hefe zu geniessen pflegen, eine Einrichtung bestehen lassen sollte, welche für das allgemeine zweifellos verderblich wirken muss. Aber auch den vermöglichen Studenten sollte der Staat die Gelegenheit des bequemen Bummelns nicht zu leicht machen. Denn so wenig wir leugnen wollen, dass aus dieser nur dem Vergnügen nachgehenden Studentengesellschaft einzelne Männer ersten Ranges hervorgegangen sind (es scheint überflüssig, an Namen ersten Ranges zu erinnern), so sicher ist es, dass der Durchschnitt die von ihm geforderten Leistungen nicht erfüllt, weder in der Rechtsprechung, noch in der Medicin. Ausserdem aber wäre es doch endlich an der Zeit, auch das deutsche Studententhum von jenem Flitterwerk mittelalterlichen Treibens zu befreien, welches in unsere Zeit nicht mehr hineinpasst und durch seine hohle Form, sein Gepränge, seine Ueberflüssigkeit nicht nur in allen anderen Culturstaaten Kopfschütteln erregt, sondern auch im schroffsten Gegensatz zu den ernsten Forderungen der Jetztzeit steht. Aus

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Hans Flach: Der deutsche Professor der Gegenwart. Leipzig 1886, Seite 256. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Flach_Der_deutsche_Professor.djvu/264&oldid=- (Version vom 17.8.2016)