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aus auf die Behandlung und Begünstigung der ihr nahestehenden Docenten und Extraordinarien, auf die Berufung der einheimischen und fremden Lehrer, kurz auf die gesammten, mit dem Universitätsleben eng verbundenen Fragen. Wer in der Clique drin ist, bleibt straflos. Für ihn gelten keine Anstands- und Sittenregeln. Aber wehe, wenn er austritt oder gar die Mysterien der Clique verräth. Aus anfänglicher Gleichgültigkeit entwickelt sich Hass, Klatschsucht, Verleumdung jeglicher Art, und der vielgefeierte deutsche Professor wird – ein brutales Thier.

Der einzelne, welcher einer Clique nicht angehört, steht ihr macht- und wehrlos gegenüber. Er kann so tüchtig sein, wie er will, es wird sich für ihn keine Majorität finden. Selbst ein allgemeiner Senat wird durch das Gift der Clique verseucht, und die unbefangenen und selbständigen Beurtheiler pflegen in der Minorität zu bleiben. Wenn man dem Opfer der Clique wissenschaftlich nicht beikommen kann, so wird irgend eine andere Parole herumgegeben, z. B. er sei ein sehr mittelmässiger Lehrer (in der Clique sitzen aber nicht selten ganz unbrauchbare Lehrer), er sei widerwärtig, zanksüchtig, vertrage sich mit Keinem u. s. w. Und wenn dieses Gift nicht genügend gewirkt hat, so giebt man schnell eine stärkere Dosis: man tastet seinen Charakter an, wo durch Zufall ein kleiner Angriffspunkt sich darzubieten scheint. Man spricht von schmutziger Behandlung in Geldsachen und scheut sich zuletzt

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Hans Flach: Der deutsche Professor der Gegenwart. Leipzig 1886, Seite 122. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Flach_Der_deutsche_Professor.djvu/130&oldid=- (Version vom 18.8.2016)