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hin, preßte die Hand an seine heiße Stirn, an seine heißeren Lippen - sprang auf und verließ sie schnell. Was war denn das? sagte Cornelie halblaut als er verschwunden war.

„Was war denn das? fragte Gotthard sie später. Ich bin bis daher immer einen Zoll ungefähr größer gewesen als der Doktor Brand; aber heut Mittag als er von Ihnen kam .… ich schwöre Ihnen, Gräfin, er ging um einen Kopf höher als ich an mir vorüber. Wodurch haben Sie ihn urplötzlich so groß gemacht .… wenn ich fragen darf?“

Cornelie erröthete wie ein kleines Mädchen.

„Warum gingen Sie fort, als er zu mir kam? sagte sie: - da hätten Sie es mit erleben können. Nun haben Sie die Gelegenheit versäumt.“

Eifersucht, dachte Gotthard bei sich selbst, ist ein Zeichen von Leidenschaft. Mir däucht sie hat Lust sich bei mir zu regen.

Aber sie hatte nicht Lust! Gotthard begleitete den Hofmarschall und seine Töchter von Strasburg bis Cöln und nach Schlangenbad; aber bis zu einer unwiderstehlich mächtigen Passion brachte er es nicht. Er fand nur das Leben mit Cornelien unsäglich angenehm - und das ist ja weit glücklicher für sie und für mich als der Strudel der Leidenschaft, sagte er oft zu sich selbst.

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 205. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/209&oldid=- (Version vom 31.7.2018)