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unter vier Augen bezaubernder sein, jene sind es im Salon.“

„Ich werde die Polinnen beobachten, Eustach.“

„Nein, Kind, nein! Nicht beobachten! Beobachtung ist wiederum ganz deutsch .… so recht pedantisch. Mit der Beobachtung nimmt man leichter die Fehler und Schattenseiten, als die Lichtpunkte wahr, die sich nur einer unbefangenen, so zu sagen gedankenlosen Hingebung offenbaren. Mit der Beobachtung würdest Du vielleicht bei den charmanten Polinnen etwas Frivolität, etwas Neigung für die Intrigue entdecken, und dann ihre Liebenswürdigkeit en grippe nehmen. Gehe nur freundlich mit ihnen um, und Du wirst sicher ganz von selbst einen Theil Deiner norddeutschen Steifheit und Unbeholfenheit abstreifen .… Du hast alle Anlagen zu ungenirter Grazie.“

Er wußte in Blick und Ton das anmuthigste Lob zu legen, und Cornelie hätte mit Freuden ihr halbes Leben hingegeben, wenn sie in der andern Hälfte eine Polin hätte werden können. Sie hatte eine unbedingte Liebe zu ihm, die durch seine Launen nicht im Geringsten gestört wurde; - auch nicht dadurch, daß sie zuweilen seine Ansichten nicht ganz theilen, und nicht völlig in seine Meinungen eingehen konnte. Denn die Jahre waren nicht spurlos

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/044&oldid=- (Version vom 31.7.2018)