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auf und unterhält mich mehr als ich es sagen kann.“

„Eustach! wie bist Du gut! wie bist Du liebenswürdig! rief Cornelia in seinen Armen. O, Alles bist Du! Auch klug und schön.“

„Schön wol nicht mehr,“ sagte er nicht ohne Fatuität und überschüttete sie mit Liebkosungen.

Aber er war, wenn nicht schön-was fast immer höchst ungefährlich - so doch fascinirend, und dadurch sehr gefährlich. Er hatte eine Haltung, ein Lächeln, eine Wendung des Kopfes, Blicke, welche nur ihm eigen zu sein schienen, - wenigstens erinnerte man sich nie, sie bei einem andern Mann bemerkt zu haben. Er hatte seine Erscheinung, und den Effect welchen sie, nach den Individualitäten modifizirt, hervorbringen mußte, so früh und so eifrig studirt, daß ihm die Erfolge dieses Studiums zur Natur geworden waren. Er kannte seine Stimme, seine Bewegungen, sein Mienenspiel, wie man die einer geliebten Person zu kennen pflegt. Lag ihm daran zu bestechen und für den Augenblick zu gewinnen, so gelang ihm das neunzehn Mal unter zwanzig, sogar bei Männern. Nur aber sich erhalten auf seiner Höhe, das konnte er bei längerer und naher Bekanntschaft nicht - mogte es auch nicht, weil er sich über jeden Besitz blasirte; denn

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/038&oldid=- (Version vom 31.7.2018)