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herein, und ich bin bloß im Hemde… Und ich schämte mich so!“

„Gewonnen!“ schreit plötzlich Grischa, das Geld vom Teller wegraffend. „Ich hab’ gewonnen! Kontrolliert, wenn ihr wollt!“

Der Sohn der Köchin schaut empor und wird blaß.

„Ich darf also nicht mehr spielen?“ flüstert er.

„Warum?“

„Weil… weil ich kein Geld mehr hab’.“

„Ohne Geld geht es nicht!“ sagt Grischa.

Andrej sucht für alle Fälle noch einmal in seinen Taschen. Als er in ihnen nichts, außer Brotkrumen und einem zerkauten Bleistiftende findet, verzieht er seinen Mund und beginnt verzweiflungsvoll mit den Augen zu zwinkern. Gleich fängt er an zu weinen…

„Ich werde für dich setzen!“ sagt Ssonja, die seinen Märtyrerblick nicht ertragen kann. „Aber weißt du, du mußt es mir später zurückgeben.“

Das Geld wird eingezahlt und das Spiel geht weiter.

„Es wird irgendwo geläutet,“ sagt Anja und reißt ihre Augen auf.

Alle hören auf zu spielen und sehen mit geöffnetem Munde aufs dunkle Fenster. Hinter den Scheiben flackert der Widerschein der Laterne.

„Das kommt dir nur so vor.“

„In der Nacht wird nur auf dem Friedhof geläutet…“ sagt Andrej.

„Wozu läutet man denn dort?“

„Damit die Räuber nicht in die Kirche einbrechen. Vorm Läuten fürchten sie sich.“

Empfohlene Zitierweise:
Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. München: Musarion, 1920, Seite 35. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/035&oldid=- (Version vom 31.7.2018)