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mit einem Stirnrunzeln schütteln, wenn wir dasselbe misbilligen. Bei kleinen Kindern besteht der erste Act der Verneinung in einem Zurückweisen der Nahrung, und ich habe wiederholt bei meinen eignen Kindern bemerkt, daß sie dies durch ein seitliches Wegziehen ihres Kopfes von der Brust oder von irgend etwas, was ihnen in einem Löffel angeboten wurde, ausdrückten. Bei der Annahme von Nahrung und dem Einnehmen derselben in ihren Mund neigen sie ihren Kopf vorwärts. Seitdem ich diese Beobachtungen machte, ist mir mitgetheilt worden, daß auf dieselbe Idee auch Charma[1] gekommen ist. Es verdient Beachtung, daß bei dem Annehmen oder Aufnehmen der Nahrung nur eine einzelne Bewegung des Kopfes nach vorwärts gemacht wird, und ein einfaches Nicken schließt eine Bejahung ein. Verweigern andererseits Kinder Nahrung, besonders wenn sie ihnen aufgenöthigt werden soll, so bewegen sie ihren Kopf häufig mehrmals von Seite zu Seite, wie wir es thun, wenn wir in der Verneinung unsern Kopf schütteln. Überdies wird im Falle eines Zurückweisens der Kopf nicht selten zurückgeworfen oder der Mund geschlossen, so daß diese Bewegungen gleichfalls dazu gelangen könnten, als Zeichen einer Verneinung zu dienen. Mr. Wedgwood bemerkt über diesen Gegenstand,[2] daß „wenn die Stimme mit geschlossenen Zähnen oder Lippen zum Tönen gebracht wird, sie den Laut der Buchstaben n „oder m hervorbringt. Wir könnten daher den Gebrauch der Partikel ,ne‘ um die Verneinung auszudrücken und möglicherweise auch das griechische μή in demselben Sinne hieraus erklären.“

Daß diese Zeichen angeboren oder instinctiv sind, wenigstens bei Angelsachsen, wird dadurch in hohem Grade wahrscheinlich gemacht, daß die blinde und taube Laura Bridgman beständig ihr Ja mit dem gewöhnlichen affirmativen Nicken und ihr Nein mit unserm negativen Schütteln des Kopfes begleitete. Hätte nicht Mr. Lieber das Gegentheil angegeben,[3] so würde ich gemeint haben, daß sie diese Geberde erlangt oder gelernt hätte, besonders in Anbetracht ihres wunderbar feinen Gefühlssinnes und der scharfen Wahrnehmung der Bewegungen Anderer. Bei mikrocephalen Idioten, welche so geistig verkümmert


  1. Essai sur le langage, 2. edit., 1846. Ich bin Miss Wedgwood für diese Mittheilung sowie für einen Auszug aus diesem Werke sehr verbunden.
  2. On the origin of Language, 1866, p. 91.
  3. On the vocal sounds of Laura Bridgman: Smithsonian Contributions, Vol. II, 1851, p. 11.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 250. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/268&oldid=- (Version vom 31.7.2018)