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eines hülflosen Menschen sind in jedem einzelnen dieser Punkte genau das Umgekehrte. Auf Tafel VI. können wir uns vorstellen, daß eine der Figuren auf der linken Seite eben gesagt hat: „was wollen Sie damit sagen, daß Sie mich beleidigen?“ und eine der Figuren auf der rechten Seite würde antworten: „ich konnte wahrhaftig nicht anders!“ Der hülflose Mensch zieht unbewußterweise die Muskeln seiner Stirne zusammen, welche Antagonisten derjenigen sind, welche das Stirnrunzeln bewirken, und hierdurch hebt er seine Augenbrauen in die Höhe. Zu gleicher Zeit erschlafft er die Muskeln um den Mund, so daß der Unterkiefer herabhängt. Der Gegensatz ist in jeder Einzelnheit vollständig, nicht bloß in der Bewegung der Gesichtszüge, sondern auch in der Stellung der Gliedmaßen und der Haltung des ganzen Körpers, wie in der beistehenden Tafel zu sehen ist. Da der hülflose oder sich entschuldigende Mensch häufig wünscht, seinen Seelenzustand zu zeigen, so handelt er dann in einer auffallenden oder demonstrativen Art und Weise.

In Übereinstimmung mit der Thatsache, daß das feste Einstemmen der Ellenbogen und das Ballen der Fäuste Geberden sind, welche durchaus nicht bei Menschen aller Rassen allgemein sind, wenn sie sich indignirt fühlen und vorbereitet sind, ihren Feind anzugreifen, so scheint es fast, als würde ein hülfloser oder entschuldigender Seelenzustand in vielen Theilen der Erde einfach durch das Zucken mit den Schultern ausgedrückt, ohne daß die Ellenbogen nach innen gedreht und die Hände geöffnet würden. Ein Mensch oder ein Kind, welches halsstarrig ist, oder einer, der irgend einem großen Unglücke gegenüber resignirt ist, hat in beiden Fällen keine Idee, durch active Mittel Widerstand leisten zu wollen, und er drückt diesen Seelenzustand dadurch aus, daß er einfach seine Schultern erhoben hält; oder er kann auch möglicherweise seine Arme über der Brust zusammenschlagen.


Zeichen der Bejahung oder Billigung und der Verneinung oder Misbilligung: Nicken und Schütteln des Kopfes. — Ich war begierig, zu ermitteln, wie weit die gewöhnlichen Zeichen der Bejahung und Verneinung, wie wir sie gebrauchen, über die Erde verbreitet sind. Es sind in der That diese Zeichen in einem gewissen Grade für unsere Gefühle ausdrucksvoll, da wir ein senkrechtes Nicken der Billigung mit einem Lächeln unsern Kindern gegenüber machen, wenn wir ihr Betragen billigen, und unsern Kopf seitwärts


Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 249. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/267&oldid=- (Version vom 31.7.2018)