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Douglasii, langsam in ihren Bewegungen und beißt nicht, hat aber ein schreckliches Ansehen; „wenn sie gereizt wird, springt sie in einer äußerst drohenden Art auf Alles zu, was man ihr vorhält, öffnet gleichzeitig den Mund weit und zischt hörbar, worauf sie ihren Körper aufbläht und andere Zeichen des Zorns blicken läßt“.[1]

Mehrere Arten von Schlangen blähen sich gleichfalls auf, wenn sie gereizt werden. In dieser Hinsicht ist die Puff-Otter (Clotho arietans) merkwürdig; nachdem ich aber dieses Thier sorgfältig beobachtet habe, glaube ich doch, daß es dies nicht thut zum Zwecke der scheinbaren Vergrößerung seines Körperumfangs, sondern einfach um eine große Menge Luft einzuathmen, so daß es seinen überraschend lauten, harschen und lang ausgezogenen zischenden Laut hervorbringen kann. Die Cobra-de-capellos (Brillenschlangen) schwellen sich, wenn sie gereizt werden, ein wenig auf und zischen mäßig; zu derselben Zeit aber heben sie ihren Kopf in die Höhe und breiten mittelst ihrer verlängerten vorderen Rippen die Haut zu beiden Seiten des Halses zu einer großen platten Scheibe, dem sogenannten Schilde, aus. Mit weit geöffnetem Munde nehmen sie dann ein schreckenerregendes Aussehen an. Der hierdurch erreichte Vortheil muß beträchtlich sein, um den damit verbundenen Verlust an Schnelligkeit (obschon diese noch immer bedeutend ist) zu compensiren, da sie im ausgebreiteten Zustande doch nicht ebenso gut auf ihre Feinde oder ihre Beute losstürzen können, nach demselben Princip nämlich, nach welchem ein breites dünnes Stück Holz nicht so schnell durch die Luft bewegt werden kann als ein dünner runder Stock. Eine nicht giftige Schlange, Tropidonotus macrophthalmus, eine Bewohnerin Ost-Indiens, breitet, wenn sie gereizt wird, gleichfalls die Halshaut aus und wird daher häufig irrthümlich für ihre Landesgenossin, die Cobra, gehalten.[2] Diese Ähnlichkeit dient vielleicht dem Tropidonotus als ein gewisser Schutz. Eine andere nicht giftige Schlange, die Dasypeltis von Süd-Africa, bläht sich auf, breitet ihren Hals aus und zischt und schießt auf jeden Eindringling in ihr Bereich.[3] Viele andere Schlangen zischen unter ähnlichen Umständen. Sie schwingen auch ihre


  1. s. die Schilderung der Lebensweise dieses Thieres von Dr. Cooper, citirt in ,Nature', 27. Apr. 1871, p. 512.
  2. Dr. Günther, Reptiles of British India, p. 262.
  3. Mr. J. Mansel Weale ‚Nature', 27. Apr. 1871. p. 508.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/102&oldid=- (Version vom 31.7.2018)