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Posseck


liegt ungefähr 200 Schritte östlich von der Strasse, die von Oelsnitz nach Hof führt, ist von ersterer Stadt 21/2, von letzterer 2 Stunden, von der bairischen Grenze aber nur 100 Schritte entfernt. Es liegt in einer Ebene, die im Süden zum nahen Fichtelgebirge führt. Ein kleines Wasser, das in die Regnitz mündet, fliesst durch den Ort. In der Nähe des Dorfes, auf der Gassenreuther Höhe, hat man eine schöne Fernsicht nach allen Himmelsgegenden, besonders aber nach dem Fichtel- und Erzgebirge. Die Einwohner nähren sich vom Landbau, sowie vom Wirken, Nähen und Handarbeiten; auch giebt es hier Weber-, Schneider-, Schuhmacher- und Tischlermeister, sowie auch eine Schmiede, einen Bäcker-, einen Böttcher- und einen Töpfermeister.

Der Ort hat jährlich zwei Jahrmärkte, von denen der erste am Tage Petri Paul, der andere aber am zweiten Montag nach Michaelis gehalten wird und hat überhaupt das Ansehen eines Marktfleckens.

Der Ort ist von den Sorben schon angelegt. Die ersten bekannten Besitzer des Schlosses im 11. Jahrhundert waren die Herren von Posseck, die in demselben hier mitten im dichten Holze, von Wällen und Gräben umgeben, hausten. Ein undurchdringliches Dickicht schützte es lange vor Ueberfällen und feindlichen Angriffen. Erst im Hussitenkriege wurde es von den Feinden mit heimgesucht und theilweise zerstört, weshalb wir von dem eigentlichen alten Schlosse keine richtige Vorstellung uns mehr machen können. Es ist nach dem Kriege restaurirt, im 30jährigen Kriege wieder zerstört und dann von Neuem nothdürftig hergestellt worden, so dass die Wälle und Gräben vollständig verschwunden sind. Die in der Abbildung befindlichen Gebäude sind die seit dem 30jährigen Kriege wieder hergestellten. Seit dieser Zeit ist eine besondere Aenderung damit nicht vorgenommen worden, da die Herrschaften von Posseck nur eine geringe Zeit des Jahres sich hier aufhielten.

Nach den Herren von Posseck gelangte deren Besitzung durch Verwandtschaft mit der Reitzensteinischen Familie schon im 14. Jahrhundert an die letztre, deren Stammgut im Königreich Baiern sich befindet und deren Verwandtschaft in dem früheren alten Voigtlande weit verzweigt war. Doch im Jahre 1651 besass Posseck Wolf Christian von Reitzenstein, welcher das für seine Gerichtsuntergebenen damals schwere Jahr 1647 mit durchlebte, wo die Possecker, Nentzschauer, Gassenreuther, Trogennauer, Gattendörfer, Hartmannsreuther mit aller beweglichen Habe in dem damals noch sehr festen mit Wällen und Gräben umgebenen, mit Zugbrücken versehenen Schlosse Sachsgrün eine sichere Zufluchtsstätte fanden, welches abseits von der Heerstrasse lag.

Auch im 18. Jahrhundert war die Familie von Reitzenstein noch mit Posseck beliehen. Denn 1706 besass solches Frau Dorothea Carol. von Reitzenstein, geb. von Renzsch auf Goldcronach.

Von der Letztern scheint es an einen gewissen von Zauthier gekommen zu sein, der es wieder der von Reitzensteinschen Familie überliess, bis es von derselben an das von Feilitzsche Geschlecht auf Clettstädt bei Langensalza kam. Im Jahre 1843 starb der königl. sächsische pensionirte Rittmeister, Herr Christoph Ernst von Feilitzsch als Besitzer von Posseck, welcher das Gut seinen Erben hinterliess, bis vor vier Jahren von der Wittwe des Herrn Rittmeister von Feilitzsch der Rittergutsbesitzer Opitz auf Netzschkau solches erkaufte, welcher solches wieder an Herrn Döhler sen. auf Kleingera im Jahre 1854 käuflich abtrat.

Posseck ist ein nicht unbedeutendes Gut, obschon die Felder nicht der besten Bodenclasse angehören, so hat es doch gute Wiesen und einen ungemein grossen Holzbestand. In letzterer Hinsicht wurde es bis hieher zu den vorzüglichern Gütern des Voigtlandes gerechnet. Zum Gute gehört auch Schäferei und Ziegelei, und das Vorwerk Neubrambach. Das

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 155. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/235&oldid=- (Version vom 7.1.2017)