Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV.djvu/257

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Die Entstehung der Gebäude des Fürstenhofes, als des Hauptgutes von Grossschirma, kann man schon in das 11. Jahrhundert zurückversetzen, wo die Anbauungen hier an der Lossnitz und dem Schirmbache begannen.

Zu Anfang des 10. Jahrhunderts war die ganze hiesige Gegend noch von dem böhmischen Riesengebirge bis an den Zellerwald mit Schwarzholz besetzt, rings herum aber von Slaven, insbesondere von Wenden, und hier namentlich von Lusitzern bewohnt. In hiesiger Gegend wohnten vorzüglich die Lusitzer an dem von ihnen genannten Bach Lusitz und verehrten wahrscheinlich auf der südlichen Anhöhe von Schirma in einem Birkenhaine einen Götzen. Noch bis vor einigen 20 Jahren stand ein Theil dieses Busches, welcher Lausebusch genannt wurde, auf einer Anhöhe, die eine schöne Aussicht gewährt; jetzt ist solcher gerodet und in Ackerland verwandelt, welches zum Kammergute oder zum jetzigen Staatsgute gehört.

Nach Verdrängung dieser Völker durch Heinrich und durch seinen Nachfolger Otto mit Hilfe der Sachsen über die Elbe bis an die Spree, bekam das neue Land von ihnen den Namen Lausitz, das verlassene wurde aber von Sachsen behauptet. Die grossen Schwarzwälder wurden gelichtet und Burgen und Dörfer angelegt. Der sumpfige Boden wurde urbar gemacht und von grünenden Fluren umgeben, reiheten Gehöfte sich an Gehöfte.

Bei der Gründung des Klosters Altenzelle bei Nossen wurden die meisten hiesigen Orte, auch Grossschirma mit den Vorwerken oder vielmehr die Gebäude, woraus später der Fürstenhof gebildet wurde, sammt Grossschirma im Jahre 1162 von Otto, dem Reichen unter die Gerichtsbarkeit dieses Klosters gestellt und demselben selbst einverleibt. Erst nach Säcularisirung des Klosters Altenzelle wurde mit diesen Orten 1545 der Kanzler des Herzogs Moriz, Dr. Mordeisen beschenkt, dessen Sohn einen grossen Theil davon 1587 an Kurfürst Christian wieder abtrat.

Fürstenhof war inzwischen an einen gewissen Martini gekommen, von welchem es erst, wie oben schon erwähnt worden ist, solches 1636 die Gemahlin Georg I. Magdalena Sybilla als Wittwensitz gegen das Erbgericht in Langhennersdorf eingetauscht hat, seit jener Zeit ist es mit dem Vorwerk oder Kammergut Grossschirma vereint und wird von dem Pachtinhaber des ersteren zugleich mit verwaltet. Wenn der Fürstenhof bisweilen auch das Klöppel-Vorwerk genannt wird, so darf man darunter eigentlich nicht ein und dasselbe Vorwerk verstehen.

Denn Fürstenthal oder das Klippelvorwerk ist noch ein zweites, zu Schirma gehöriges im sogenannten Fürstenthale d. i. im untersten Thale der Lossnitz oder des Münzbachthales gelegenes Vorwerk. Dieses Klippelvorwerk hat seinen Namen von den Töchtern eines ehemaligen Besitzers, Adam von Meyra erhalten, welche viel geklöppelt haben sollen und sei daher Klöppel genannt worden. Am 22. Juni 1636 kaufte die Kurfürstin Magdalena Sibylla den Klippel vom gedachten Martini, schlug einige Bauergüter dazu und pflegte auf ihren Reisen von Dresden nach Altenburg hier zu verweilen.

Nachher schlug man Klippel zum Fürstenhof. Das gesammte Kammergut wird bald nach dem Fürstenhof, bald nach dem Hauptgute im untersten Theile von Grossschirma genannt.

Die Gebäude des Fürstenhofes sind gross und schön und wahrhaft fürstlich eingerichtet.

Ungefähr ¼ Stunde nördlich von Fürstenhof liegt das königl. Bergwerk, der Churprinz am Gehänge des Muldenthales, welches einen reichen, interessanten Prospect liefert.

Die ganze hiesige Gegend ist wohl eine der belebtesten und volkreichsten vom ganzen Sachsenland. Durch das freundliche Muldenthal werden die Annehmlichkeiten dieser Gegend noch erhöht.

Vorzüglich bietet sich beim Dorfe Rothenfurth, dessen Mittelpunkt dem Fürstenhofe gegenüber liegt, die schönste Ansicht hiesiger Gegend dar.

In mannigfaltigen Gruppen erhebt sich das Dorf mitten durch Saatgefilde an beiden Seiten eines Baches, gleichsam in den Wolken.

Wenn man von hier aus die Anbauungen schärfer beobachtet, so wird man Fahrwege und Fusssteige gewahr, welche von Menschen belebt und in den Abendstunden von den Grubenlichtern der Bergleute magisch beleuchtet werden.

Eine andere schöne Ansicht bekommt man von diesem Dorfe auf dem Wege von Freyberg her, wo sich das Muldenthal unsern Augen immer mehr aufthut, je näher man kommt. Hier bildet Rothenfurth mit seiner langen Reihe von Häusern, welche bald am Ufer der Mulde, bald am Abhange der Felder und Felsen stehen, einen reizenden Hintergrund,

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/257&oldid=- (Version vom 17.8.2017)