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war. Sein Tod erfolgte 1518 und von seinen fünf Söhnen überliess Ernst, Dompropst zu Prag und Meissen, Hohnstein (1524) Ernst II. von Schönburg, behielt aber die Böhmischen Güter noch lange Zeit. Dieser Ernst von Schleinitz hielt einst in Herzog Georgs Gegenwart eine heftige Disputation mit Luther, und starb 1548. Abraham von Schleinitz, vermählt mit Anna von Miltitz, aus dem Hause Scharfenberg, besass auch Dahlen. Er war der letzte seines Hauses, der das Rittergut Schleinitz besass; denn 1598 kamen seine Güter an den vierundzwanzigjährigen Reichspfennigmeister und Geheimrath Christoph vom Looss, der Maria von Schleinitz, Abrahams Tochter, zur Gemahlin hatte. Der Herr vom Looss stand in hoher Gnade bei dem Churfürsten Christian II., der ihn oft auf dem Rittergute Schleinitz besuchte. Von der Loosse’schen Familie kaufte Schleinitz 1667 der Kammerherr Joachim Christian von Bose, und 1716 legte Dietrich von Bose, dem auch Runstädt gehörte, den hiesigen, vormals weitberühmten Schlossgarten an. Dietrich von Bose war Inspector der Fürstenschule zu Meissen und ein sehr wissenschaftlicher Mann, der die hier befindliche, drei tausend Bände starke, namentlich aus historischen Werken bestehende, fideicommissarisch hierher gehörige Bibliothek bedeutend vermehrte und deren Benutzung allen Gelehrten gestattete. Sein Sohn und Nachfolger, Carl Gottlob Bose, war ebenfalls Inspector der Meissner Fürstenschule und besass ausser Schleinitz auch Petzschwitz, Graupzig, Gödelwitz und Runstädt. Von der Familie Bose gelangte Schleinitz 1773 an den ungeheuer reichen Domprost von Zehmen, alsdann an den Kammerherrn Moritz Sebastian August von Zehmen und endlich an Herrn Friedrich August Ludwig von Zehmen.

In dem Schlosse zu Schleinitz befindet sich seit vielen Jahrhunderten eine Kapelle, die bis zur Reformation von einem besonderen Altaristen bedient wurde. An derselben ist der jedesmalige Pastor zu Leuben mit einer Jahresbesoldung von fünfundzwanzig Thalern als Schlossprediger und der Schullehrer daselbst mit zwölf Thalern zwölf Groschen als Organist angestellt, wofür beide Herren auf Verlangen des Besitzers in der Kapelle Gottesdienst und Communion zu verrichten haben. Der Altar dieser Kapelle ist mit einigen trefflichen Gemälden geschmückt und enthält die Jahreszahl 1518.

Eingepfarrt ist Schleinitz nach dem zum hiesigen Rittergute gehörigen Leuben, mit siebzig Häusern und über fünf hundert Einwohnern. Die hiesige Kirche steht erst seit 1607 unter Schleinitzer Patronat und war vor der Reformation der Jungfrau Maria geweiht. Der lutherische Gottesdienst begann hier 1540 unter dem Pfarrer Andreas Peisske, welcher 1557 starb. Seit 1560 ist wegen der starken Parochie in Leuben auch ein Diakonat gegründet worden. Ausser Leuben und Schleinitz sind hierher eingepfarrt: Ketzergasse (das östliche Leuben), Badersen, Dobschütz, Eulitz, Graupzig, Lossen, Mertitz, Mattelwitz, Nelkanitz, Perba, Petzschwitz, Praterschütz, Pröda, Rasslitz, Schwochau, Stahna, Wahnitz und Wauden.

M.     




Ulbersdorf.


Ulbersdorf liegt anderthalb Stunden südlich von Neustadt bei Stolpen, eine Stunde südwestlich von Sebnitz, anderthalb Stunden nordöstlich von Schandau und anderthalb Stunden östlich von Hohnstein in einer von Norden nach Süden hinlaufenden Vertiefung an der, Huthberg genannten, 1117 Fuss über das Meer steigenden Höhe, von welcher man eine köstliche Aussicht nach der Sächsischen Schweiz geniesst. Das Dorf zählt mit dem Rittergute, der Kirche, Pfarre, Schule und dem Gemeindehause neunzig Hausnummern, nämlich das Erbgericht, die Mühle an der Sebnitzbach, vier Pfarrbauergüter, zwölf Anspännergüter, vier Gärtnerwohnungen und einundsechszig Häuser mit mehr als fünfhundert Einwohnern.

Das Dorf ist deutschen Ursprungs und erhielt seinen Namen ohne Zweifel von einem seiner ersten Besitzer, der Albrecht hiess, denn in Urkunden kommt der Ort oft als Olbrigtsdorf, Olbersdorf und Albersdorf vor. Er wird zuerst in einer Urkunde von 1310 genannt, wo er ein Besitzthum der reichbegüterten Böhmischen Herren Birk von der Duba war. Wie lange diese Familie Ulbersdorf besass, ist nicht bekannt, wahrscheinlich aber wird aus einigen Rechnungen, dass die Herren von der Duba das Gut im Laufe des fünfzehnten Jahrhunderts entweder verkauften oder doch einen ihrer Vasallen damit belehnten, indem 1460 auf hiesigem Schlosse der Junker Hans von Körbitz hauste, welcher von der Stadt Pirna eine Last Salz kaufte, aber nur zum Theil bezahlte, worauf der Rath zu Pirna den Schuldner durch Hansen von Saalhausen an seine Verpflichtung erinnern liess. Im sechszehnten Jahrhundert finden wir Ulbersdorf im Besitze der Familie von Hermsdorf, und zwar 1534 Wolfs von Hermsdorf und 1560 Hansens von Hermsdorf. Des Letzteren

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_II.djvu/135&oldid=- (Version vom 3.6.2018)