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eine gänzliche Verarmung stattgefunden hat und die preussische Kriegscontribution nicht hat aufgebracht werden können. Diese Calamität hatte nun Misswachs und Viehsterben im Gefolge und das Rittergut welches nicht wenig dadurch gelitten, hat mehrmals nach dieser traurigen Zeit unfreiwillig seine Besitzer wechseln müssen. Im Jahre 1791 ist das Gut an den Besitzer von Thürmsdorf Hauptmann Daverko verkauft worden, welches derselbe nach 3jährigem Besitz, während dem er die Bergschänke zum Gute brachte, 1794 an den Oberstleutnant Max Hiob von Uechtritz verkaufte. Dieser hat durch Zukauf des am Schlossberge gelegenen Halbhufengutes die Besitzung wesentlich verbessert und vergrössert. Auch scheinen einige Bauanlagen aus dieser Zeit sich herzuschreiben, welche jedoch von keinem Belang sind; dagegen erwähnenswerth erscheint, dass in dieser Besitzperiode die Niederjagd auf den Grundstücken gegen einen Canon von dem Staatsfiskus acquirirt worden ist.

Im Jahre 1798 kaufte Amtshauptmann Moritz von Wilke, auch Besitzer des Ritterguts Ammelshain, das Gut Neustruppen und transferirte von dort ein Lehnsquantum von ca. 20,000 Thlr. auf letzteres. Auch dieser Besitzer hat durch Zukauf die Besitzung vergrössert und durch Abtrennung einiger kleinen Wiesenparzellen unter dem Schlossberge, den Anbau mehrerer Häuser begünstigt und dadurch das Dorf Neustruppen bedeutend vergrössert. Der französische Krieg in den Jahren 1809 bis 1814 hat auch in der Gegend von Pirna gewüthet und die Besitzer von Neustruppen sind namentlich 1813 arg gezüchtigt, ihr Hab und Gut geplündert und die Wirtschaftsgebäude eingeäschert worden, so dass nach den sehr nassen Jahren 1816 und 1817 die Gebrüder von Wilke als Nachfolger ihres Vaters das Gut im Jahre 1821 an den Uhrmacher und Capitain der Nationalgarde in Dresden Samuel Müller verkauften, welches derselbe bis 1830 besessen hat. Derselbe hat durch abermaligen Zukauf eines nahe gelegenen Bauerguts das Areal vergrössert und dem herrschaftlichen Wohnhause durch Erbauung eines schönen Thurmes ein schlossartiges Ansehen gegeben; nicht minder auch aus besonderem Wohlgefallen und zu wesentlichem Nutzen eine gute Schlaguhr daselbst angebracht. Schon im Jahre 1830 verkaufte pp. Müller dieses Gut an den Commissionsrath Heinrich August Blochmann, welcher zu damaliger Zeit Vorsteher des neubegründeten Soldatenknabenerziehungsinstituts auf Kleinstruppen war. Zu bequemer Bewirthschaftung seines Gutes wurde selbiges mit Kleinstruppen durch Verpachtung verbunden, und der Besitzer, als guter Landwirth rühmlichst bekannt, liess es auch an Verbesserung des Ackerbaues und der Viehzucht nicht fehlen, da beides durch die frühere Bewirthschaftungsweise auf einen sehr dürftigen Zustand reducirt worden war. Nächst den Meliorationen im Felde hatte er auch sein Augenmerk auf die Gebäude gerichtet und die Erbauung einer grössern Scheune so wie den Anbau eines Stalles für nöthig erachtet.

Kaum war nun dies einigermaassen hergestellt, so verkaufte derselbe im Jahre 1836 das Gut an den jetzigen Besitzer Chr. Otto Schubart aus Dresden. Es musste nun demselben vor Allem daran gelegen sein die Verbesserung der Felder und Wiesen fortzusetzen, den Culturzustand und mit diesem die Ertragsfähigkeit zu erhöhen, so auch dem Gute eine solche äussere Gestalt zu geben, damit es mit Recht den Namen einer angenehmen Besitzung führen kann. Durch Zukauf einer Holzparzelle vom Rathe zu Pirna und Abtrennung der Bergschänke und sogenannten Hofemühle (welche zu dem im Jahre 1795 erkauften Bauerngute gehörte und verfallen war) an der Struppen-Königsteinerstrasse, wurde dem Areale eine günstige Gestalt gegeben. Der Anbau von Stallungen, so wie die wirthschaftlichen Einrichtungen im Herrenhause und dessen Arrangements in den Wohnräumen, die Anlegung eines Gewächshauses und neuen Hofthores haben wesentlich zur Verschönerung beigetragen nicht minder auch die Bewirthschaftung erleichtert. Um den Hof herum Anlagen von Obstpflanzungen, Erweiterung des Lust- und Gemüsegartens geben den Besitzungen freundliches Ansehen welches durch die Naturschönheiten des Meissener Hochlandes noch gehoben wird.

Gehört auch das Gut zu den kleinsten Rittergütern Sachsens, so gehört es doch gewiss zu denjenigen, welche durch ihre schöne Lage und durch die vorhandene Cultur des Grund und Bodens als sehr anmuthige, interessante und gesunde Aufenthalte bezeichnet werden können. – Hat das Grundstück durch Verbesserung der Oeconomie und Gebäude an Rentabilität gewonnen, so sind nicht minder auch die Vortheile zu erwähnen, welche dasselbe in neuester Zeit errungen hat.

Bei Einführung der neuen Verfassung im Königreich Sachsen 1831 wo das Gut in die Liste der Rittergüter eingetragen wurde, erhielt dasselbe nur die passive Wählbarkeit zu den Landtagen. Durch die im Jahre 1847 angeordnete Revision, welche durch die Einführung der neuen Grundsteuer bedingt wurde, erhielt das Gut die active Wählbarkeit. Ferner ist durch die Neugestaltung der Justizpflege und Verwaltung die Aufhebung der Patrimonial-Gerichte nothwendig geworden; aber schon ehe das Gesetz erschien wurden hier im J. 1848 die Gerichte an den Staat abgetreten und dadurch dem Gute eine Erleichterung verschafft. Bis zu dieser Zeit war auch die Ablösung der Frohnen und sonstiger Prästationen erfolgt, so dass nun nach endlicher Ablösung der Candanien dem Rittergute nur noch die angestammten Rechte verblieben, welche im Jahre 1854 von Regierung und Ständen den Besitzhabern der Rittergüter garantirt worden sind. –

Das Bild, welches dieser Beschreibung beiliegt, lässt Neustruppen von der südöstlichen Seite sehen, von wo aus man eine schöne Aussicht in das Meissener Hochland geniesst.

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Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_II.djvu/108&oldid=- (Version vom 3.6.2018)