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Böhlen


⅜ Stunde von Rötha nordwestlich, 2¼ Stunde nordöstlich von Pegau, 2 Stunden von Groitzsch, 3 Stunden von Leipzig und ¾ Stunde von Zwenkau gelegen, durch einen Busch von der Pleisse aus geschieden. Die Harth beginnt jenseits der Höhe in Nordwesten, ½ Stunde von hier.

Der Name kommt vom serbischen Biely Weiss und hängt wohl mit dem Orte Belini in Serbien zusammen.

Man hält Bohlen für das Bichili, welches 1145 vom Kloster Bosau nebst 3 andern Dörfern an Otto von Rötha vertauscht wurde. Im Jahre 1220 kommt Heinrich und 1236 Berth von Bolin als markgräfl. Meissn. Vasall vor. Im 16. Jahrhundert und zwar 1522 hatte Bernhardt von Breitenbauch Böhlen und im Besitze dieser Familie blieb es lange.

Erst 1645 gelangte es an die Herren von Osterhausen, unter welchen Ernst Abraham (gest. 1708) an Kirche, Pfarrer und Arme starke Legate aussetzte. Später war die Familie von Brandenstein damit beliehen, nachdem ein Herr Heinrich Karl von Brandenstein mit einer Fräulein Johanne Magdelena von Osterhausen sich ehelich verbunden hatte.

Im Jahre 1793 brachte Herr Johann Christoph Richter, Kaufmann in Leipzig, das Gut käuflich an sich. Nach ihm besass es einige Jahre lang der Kaufmann und Wachstuchfabrikant Schindler in Leipzig und im Jahre 1823 brachte es der Königl. Sächs. Kammerherr von Helldorf an sich, dessen ältester Sohn Königl. Sächsischer Kammerjunker und Forstmeister in Nossen, der jetzige Besitzer und der Patron der Kirche und Schule ist.

Das Rittergut liegt angenehm, hat schöne Gebäude und gute Oeconomie, es wurde sonst 1½ Ritterpferd geleistet.

Auch gehört dazu eine sehr grosse Ziegelei. Bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation war ein Antheil von Gaulis den hiesigen Gerichten unterworfen.

Böhlen ist als Anhaltepunkt der sächs. Baier’schen Eisenbahn eben so bekannt geworden, wie der erste Stationsort von Leipzig Gaschwitz.

Nach Böhlen wie nach Gaschwitz fahren in den Sommermonaten vorzüglich Sonntags von Leipzig aus viele Hundert von Menschen, um dann in den benachbarten Orten Vergnügen und Freude aufzusuchen.

Es wird selten an den Eisenbahnen wieder vorkommen, dass so viele Menschen nach einem Punkte sich vereinigen, wie gerade hier.

Es führt von Böhlen ein angenehmer Weg nach Rötha, nach Zöpen und weiter nach Borna.

Auch durch die Harth nach Zwenkau findet der Wandrer einen angenehmen Weg. Ueberhaupt ist die ganze Lage von Böhlen anziehend, da Felder mit Holz und Wiesen abwechseln.

Ausser dem Rittergute befindet sich im Orte eine Kirche und eine Schule.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 235. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/360&oldid=- (Version vom 7.1.2019)