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Die tatarische variante Cb 1 deutet den übergang des märchens nach Russland an. Es erscheint uns jedoch zu gewagt alle in Cb 1 vorkommenden eigentümlichkeiten als in Asien entstanden und von da nach Russland gewandert zu erklären. In den tatarischen märchen ist im allgemeinen viel russischer einfluss zu verspüren. Die zauberschrift, die allenthalben in Europa bekannt ist, kann sich sehr wohl erst hier gebildet und sich von Russland zu den tataren verirrt haben. Ebenso haben möglicherweise der „wasservogel“ und das schlachten eines hundes statt der jungen erst in Europa in dem märchen fuss gefasst. Wir müssten mehr sibirische varianten kennen, um die sache bestimmter entscheiden zu können. Unsere altaische variante (Cb 2) ist stark verderbt.

In den südwestasiatischen, nordafrikanischen und Balkanvarianten sind übereinstimmungen zu bemerken, welche beweisen, dass der Balkan unter südwestasiatischem und nordafrikanischem einfluss gestanden hat. Vom Balkan ist dieser einfluss dann nach Rumänien, Österreich-Ungarn und sogar bis nach Russland gedrungen. Auf diese weise haben wahrscheinlich verbreitung gefunden das „huhn“: Nordost-Afrika (Lb 2, Ma 4), Balkanhalbinsel (He 2, 6, Ia), Rumänien (Fe 1), Österreich-Ungarn (Jg), Russland (H 1, Hb, Hc 2), der Jude als der nach dem vogel trachtende: Südwest-Asien (La, Lb 1), Nord-Afrika (Lb 2, Ma 1, 3, 4), Balkanhalbinsel (He 2, 5, 6, Ia), Ungarn (Bh, Dd 4), westslaven (Hd 2, 6), Russland (Hb, Hc 2), und der empfänger des vogels auf der wallfahrt: Südwest-Asien (Lh 1), Nord-Afrika (Ma 3, 4), Balkanhalbinsel (He 2). Zusammenhang zwischen dem Balkan und Russland beweist auch der empfang des zaubervogels vom glück oder auf anweisung des glückes (H 6, Hc 1, 2, 4, He 2, Ia), der sich von Russland zu den östlichen finnen verbreitet hat (Ai 1, 2, 6, Aj 2, Am 1, Ap 6, Aq 5).

Die nordafrikanischen varianten sind eng mit den südwestasiatischen verwandt.

Die mitteleuropäischen varianten bilden eine gruppe für sich, zu der auch die italienischen und spanischen gehören. Das verreistsein des empfängers des vogels und seine frau in einem verhältnis mit dem dem vogel nachstellenden sind verschwunden,

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Antti Aarne: Vergleichende Märchenforschungen. Société Finno-ougrienne, Helsingfors 1908, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aarne_Vergleichende_M%C3%A4rchenforschungen.djvu/215&oldid=- (Version vom 31.7.2018)