Textdaten
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Autor: Ernst Ziel
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Titel: Schiller’s letztes Kind
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aus: Die Gartenlaube, Heft 43, S. 691–693
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Schiller’s letztes Kind.


Es muß etwas Erhebendes sein um das Bewußtsein: ich bin Blut vom Blute, Geist vom Geiste eines großen Mannes. Anders und in einem höheren Lichte als dem niedrig Geborenen erscheint dem so Geweiheten die Achtung vor seinem eigenen Selbst; anders und mit gesteigerten Forderungen tritt an ihn die Welt heran. Dies hat, wenn irgend Jemand, die jüngste Tochter Schiller’s, die am 25. November 1874 verstorbene Emilie Freifrau von Gleichen-Rußwurm, ein langes Leben hindurch in

Emilie Freifrau von Gleichen-Rußwurm.
Im Juni 1872 nach dem Leben gemalt von F. Wolf in Frankfurt a. M.

vollem Umfange empfunden; führte dieses lange Leben sie doch immer und immer wieder auf den Gedanken ihrer erhabenen Abkunft hin, denn unter den Kindern unseres großen Dichters wurde wohl keines so oft genannt und so hoch gefeiert, wie sie, eine Auszeichnung vor ihren übrigen Geschwistern, welche sie nicht sowohl dem Umstande verdankt, daß sie das den Vater am längsten überlebende Kind war, wie vielmehr dem freundlich waltenden Geschicke, welches, wie man allgemein und wohl mit Recht annimmt, ihr aus der geistigen Erbschaft des Vaters einen reicheren und schöneren Antheil gewährte, als den übrigen Kindern Schiller’s.

Emilie lebte nur in ihrem Vater; denn der Gedanke der Propaganda für die geistige Saat, die er ausgestreut, war der Gedanke ihres Lebens. All die wechselnden Schicksale, welche der Schiller’sche Genius in der Würdigung durch die deutsche Nation erfuhr, die mannigfachen Schwankungen, welche seine Werke auf der steigenden und fallenden Woge der Beurtheilung des Jahrhunderts erlebten, zuerst die aus Mißgunst geborenen Angriffe einer lorbeerzerpflückenden Kritik, dann die aus ehernen Denkmalen redende Begeisterung des gesammten deutschen Volkes – alles Das hat Emilie miterlebt und mitempfunden. Und wenn ihr Leben ganz dem Gedächtnisse ihres großen Vaters geweiht war, wenn Ehrfurcht vor seiner erhabenen Mission der Mittelpunkt all ihres Fühlens und Denkens war – und so war es in der That – welch’ eine Genugthuung muß sie empfunden haben, als jener unvergeßliche November des Jahres 1859 die Fahnen entfaltete und eine Fülle von Festen und Ehren, ein Meer von Blumen und Kränzen ausgoß, um die Jahrhundertfeier von Schiller’s Geburt zu begehen!

Einmüthig, in gehobener Festesstimmung, feierte das deutsche Volk jene großen Erinnerungstage, und von dem Herzen Deutschlands, dem freundlichen, poesieumhauchten Schwaben, aus zog sich überallhin, wo die deutsche Sprache klingt, eine Kette begeisterter Kundgebungen zu Ehren unsers geliebtesten Dichtergenius; das deutsche Mutterland einte mit den Schwesterstämmen in Amerika und Australien seine Jubelrufe, und das geistigste Fest, das wir je gefeiert, es war zugleich der höchste und schönste Ausdruck des wiedererwachenden Nationalbewußtseins. Der Mittelpunkt aber all dieser festlichen Kundgebungen, gewissermaßen der Altar, an dem ein ganzes Volk seinem größten Todten huldigte, es waren die Hände seiner noch im Leben wandelnden Tochter; denn in diese Hände legten wir die schönsten Festesgaben nieder. Die in jenen Tagen Emilie v. Gleichen-Rußwurm in der blumengeschmückten Neckarstadt Stuttgart gesehen, sie wollen in ihren freudedurchleuchteten Zügen, in denen schon Schiller sein Abbild zu erkennen glaubte, einen Hauch vom Geiste ihres Vaters begrüßt haben.

In der That soll Emilie auch bezüglich ihrer äußeren Erscheinung unter den Schiller-Kindern dasjenige gewesen sein, welches dem großen Vater am meisten glich. Das diesen Zeilen beigegebene vortreffliche Portrait der edlen Frau, welches im Juni 1872, also wenige Monate vor ihrem Tode von dem kunstgewandten Maler F. Wolf in Frankfurt aufgenommen wurde und für das ähnlichste Bildniß derselben gilt, bestätigt diese allgemein angenommene Ansicht vollkommen. In diesem ruhig und tief blickenden Auge lebt etwas vom milden Ernste Schiller’s, während der gekniffene Mund und das markirte Kinn Zeugniß dafür ablegen, daß die ausharrende Energie des Vaters nicht zu den geringsten Vermächtnissen gehörte, welche er der Tochter hinterließ. Bei dem wieder herannahenden Geburtstage Schiller’s dürfte der gegenwärtige Zeitpunkt zur Veröffentlichung des Portraits seiner Tochter sowie einiger Worte über ihr Leben und Wirken besonders geeignet erscheinen.

Als Emilie in’s Leben trat – es war am 25. Juli 1804 in Jena – waren die Tage Schiller’s bereits gezählt, und als er für immer die Augen schloß, hatte sie den zehnten Monat noch nicht zurückgelegt. So konnte das Bild des verewigten Vaters kraft eigener Anschauung nicht in ihr leben, aber mit hingebender Pietät pflegte die zartsinnige Mutter, Charlotte von Schiller, in dem Kinde das Andenken Schiller’s. Sie, die in [692] dem Geiste des großen Gatten so ganz aufgegangen war, erzog die Tochter unter den unmittelbaren Nachwirkungen seines Schaffens und im Sinne der von ihm gehegten und verfochtenen Ideale.

Weimar, damals auf dem Höhenpunkte seiner geistigen Blüthe, war der Schauplatz der ersten Kindheit Emiliens. Unter der Pflege einer zärtlichen Mutter, im Kreise fröhlicher Geschwister verlebte sie in der Stadt an der Ilm herrliche Kinderjahre, und einzelne besonders schöne Momente aus jener Zeit, wie die Ausflüge nach Rudolstadt zu der Großmutter, der Frau von Lengefeld, gehörten auch noch in den Tagen des Alters zu den liebsten Erinnerungen Emiliens, wie auch eine in den zwanziger Jahren mit der Mutter gemeinsam unternommene Reise nach dem Reichenberg bei Backnang, wo der älteste Bruder Karl (gestorben zu Rottweil 1857) als würtembergischer Förster wohnte, ihr immer lebhaft im Gedächtniß blieb.

Ein hartes Schicksal traf aber die inzwischen zu voller Jungfrauenschönheit herangeblühte Emilie, als ihre theure Mutter in Folge eines Nervenschlages aus dem Leben schied, nachdem die fast Erblindete noch kurz zuvor eine Augenoperation glücklich überstanden hatte. Dieses von der ganzen Familie schmerzlich empfundene Ereigniß trat bekanntlich am 9. Juli 1826 zu Bonn ein, wohin sich Charlotte von Schiller nach einem längeren Besuche bei ihrem Sohne Ernst (gestorben zu Vilich 1841) in Cöln begeben hatte, wo derselbe als preußischer Appellationsrath beamtet war.

Nach dem Tode der Mutter verlebte Emilie das nächste Jahr unter der liebevollen Obhut ihrer Tante, der geistvollen Karoline von Wolzogen, in Jena. Als ein Beweis dafür aber, daß die Freunde Schiller’s ihre treue Anhänglichkeit an den Verewigten auch auf dessen Kinder übertrugen, muß die freundliche Einladung angesehen werden, in Folge deren Emilie den Winter von 1827 bis 1828 in Berlin theils im Hause Wilhelm von Humboldt’s, theils in dem des Geheimen Raths Ruß als Gast zubrachte. Dieser Aufenthalt der Schiller-Tochter in der preußischen Residenz führte sie zuerst in die große Welt und das vornehme Leben der Salons ein und wurde für ihre Zukunft von entscheidender Bedeutung; denn hier war es, wo ihr Verhältniß zu dem ihr schon von früher bekannten nachmaligen bairischen Kammerherrn Adalbert von Gleichen-Rußwurm, einem Sohne des durch seine mikroskopischen Untersuchungen geschätzten Naturforschers, ein immer innigeres und tieferes wurde. Schon im nächsten Julimonate wurde sie demselben zu Etzelbach, einem Dorfe zwischen Rudolstadt und Jena, vermählt und lebte seitdem an der Seite ihres hochbegabten Gatten ein beglücktes und beglückendes Leben. – Es war ein bedeutungsvolles Zusammentreffen, daß Schiller denselben Adalbert von Gleichen-Rußwurm, welcher der Gatte seiner Tochter werden sollte, fünfundzwanzig Jahre zuvor über die Taufe gehalten hatte. Im Hinblick auf seine Pathenschaft schrieb Schiller im Jahre 1803 an die Eltern des Täuflings:

„Mein Herz ist Ihnen Beiden mit der redlichsten Freundschaft ergeben; urtheilen Sie daraus, wie innig es mich gefreuet, daß Sie mich durch ein neues und so liebes Band an sich knüpfen wollen! Möchte ich es erleben, Ihrem Sohne einmal etwas zu sein und den Namen seines Pathen wirklich zu verdienen!“

Wie glücklich wäre Schiller gewesen im Anschauen der mit allen inneren und äußeren Gütern des Lebens gesegneten Ehe seiner Tochter und seines Pathenkindes! Doch das Schicksal nahm ihn zu früh, viel zu früh dahin. Er hat das Glück seiner Tochter nicht mehr geschauet. Aber in treuer und inniger Pietät hat diese Tochter das Andenken des Vaters gepflegt.

Schloß Greifenstein ob Bonnland in bairisch Franken, der Sitz des Gleichen’schen Ehepaares, hat fast alle Notabilitäten der Zeit in Kunst und Wissenschaft in seinen Räumen ein- und ausgehen und manches schöne, auf begeisterter Verehrung unserer classischen Literatur gegründete Freundschaftsbündniß sich knüpfen sehen. Von Greifenstein aus gingen die Fäden des Schillercultus in alle Lande; denn die Pflege der Dichtungen ihres großen Vaters, die Vervollständigung und Reinigung seiner Werke, die Sammlung der von ihm hinterlassenen Entwürfe und Notizen, sowie die Herbeischaffung von Material zu einer Biographie Schiller’s, das waren die freigewählten und mit Liebe und Ausdauer gepflegten Hauptlebensaufgaben Emiliens. Daraus entwickelte sich für die immer thätige Frau die ausgebreitetste Correspondenz mit den ersten Männern der Literatur und der Wissenschaft, und es in kaum ein großer Name der Zeit, dessen Träger nicht, wenigstens vorübergehend, mit ihr in persönlicher oder schriftlicher Verbindung gestanden hätte.

Emiliens hauptsächlichstes Streben war bei dieser Thätigkeit darauf gerichtet, die Einwirkung ihrer Mutter auf die geistige Entwickelung Schiller’s, das so überaus edle und die schönsten geistigen Früchte zeitigende Verhältniß ihrer Eltern zu einander der Mit- und Nachwelt in seinem wahren Lichte vor’s Auge zu stellen. Aus diesen mit seltener Umsicht betriebenen Bestrebungen der Frau von Gleichen ging im Jahre 1855 ihr treffliches Buch „Schiller und Lotte“ hervor, welches das deutsche Volk mit freudigem Danke aufgenommen hat. Ihrer Mutter widmete sie außerdem noch ein eigenes mit dem verdienstvollen Professor Urlichs[WS 1] in Würzburg gemeinsam verfaßtes Werk unter dem Titel „Charlotte von Schiller und ihre Freunde“, welches fünf Jahre später erschien. Rechnen wir zu diesen beiden Hauptwerken Emiliens noch ihr Buch über die Beziehungen des Dichters zu Eltern und Geschwistern (1859), die Herausgabe von Schiller’s Kalender und seiner hinterlassenen dramatischen Entwürfe und Fragmente (1867), soweit dieselben nicht schon früher veröffentlicht wurden, so ergiebt sich eine Summe literarischer Thätigkeit, welche uns hohe Achtung für die reichbegabte Schiller-Tochter einflößt.

Von besonderem Interesse ist unter diesen Publicationen der Kalender ihres Vaters, welcher uns eigenhändige Niederschriften des Dichters aus der Zeit vom 17. Juli 1795 bis zu seinem Tode mittheilt, Notizen, welche uns theils interessante Einblicke in die Werkstatt seines Schaffens eröffnen, theils aber uns in sein Familienleben einführen und somit einen doppelten Werth in Anspruch nehmen dürfen, einen literarhistorischen und einen biographischen. Da finden wir Aufzeichnungen über Schiller’s Correspondenzen, über gefaßte dichterische Pläne, über Anfänge, Fortschritte, Abschlüsse und Aenderungen seiner Dichtungen, über empfangene und gemachte Besuche, über Familien- und persönliche Ereignisse etc., meistens Mittheilungen, welche zur Charakteristik des seltenen Mannes einen nicht zu unterschätzenden Beitrag liefern. Den Abschluß der Sammlungen Emiliens bilden die Mittheilungen aller über den ganzen Erdkreis verbreiteten Comités für die Säcularfeier der Geburt Schiller’s an die Tochter des Gefeierten, eine schätzenswerthe Fundgrube für den Culturhistoriker. Aus ihrem Nachlasse aber wird, sicherem Vernehmen nach, der bisher ungedruckte Briefwechsel Schiller’s mit seiner Schwester Christophine und deren Mann Reinwald herausgegeben werden. Derselbe beginnt mit dem denkwürdigen Jahre 1782, in welchem der Dichter als heimathloser Flüchtling in Bauerbach bei der Frau von Wolzogen unter dem Namen Ritter sichern Schutz und freundliche Aufnahme fand und hier, durch seinen Schwager Reinwald mannigfach unterstützt, „Cabale und Liebe“ und „Fiesco“ vollendete, den Plan des „Don Carlos“ entwarf und sich bereits mit der „Maria Stuart“ beschäftigte. Alle Stadien in der Entwickelung Schiller’s von jener Zeit an sind in dieser Sammlung, welche der Freiherr Wendelin[WS 2] von Maltzahn in Weimar zu Weihnachten d. J. herausgeben wird, vertreten.

Tritt uns das Bild der Tochter Schiller’s aus ihrem literarischen Wirken als das einer in hohem Grade intelligenten und allseitig gebildeten Frau entgegen, einer Frau, welche nicht nur einen großen Namen trug, sondern dieses großen Namens auch würdig war, so lernen wir sie von einer wahrlich nicht minder schönen Seite kennen, wenn wir sie in dem betrachten, was über ihr häusliches Leben berichtet wird.

Im Glücke demüthig und bescheiden, im Unglücke gefaßt und thatkräftig, stets von zarter Liebe und treuer Hingebung, war sie als Gattin und Mutter gleich vollendet. Die ersten Jahre ihrer Ehe brachten ihr durch Krankheiten und Todesfälle in ihrer Familie manche Prüfungen; so namentlich durch den Tod ihres im Jahre 1833 gebornen Töchterchens. Hohe Mutterfreude wurde ihr dagegen zu Theil, als ihr der 25. October 1839 einen Sohn schenkte, den noch heute lebenden talentvollen Maler Heinrich Ludwig von Gleichen. Später, als der Sohn heranwuchs, wechselte der Aufenthalt der Familie zwischen Greifenstein und Meiningen, wo ersterer in eine Pension gegeben worden war, und dann zwischen Greifenstein und Würzburg, wo [693] der Sohn die Schule besuchte. An letzterem Orte hatte Emilie den tiefen Schmerz, ihre treffliche Schwester Caroline, Wittwe des sächsischen Bergrathes Junot, welche von Rudolstadt, wo sie einem Erziehungsinstitute vorstand, zu ihr auf Besuch gekommen war, durch den Tod zu verlieren. Hart traf sie ferner das Geschick, als 1865 die Gattin ihres damals erst seit sechs Jahren vermählten Sohnes, Elisabeth, geborene Freiin von Thienen-Adlerflycht, im Wochenbette starb. Aber was das Herz einer Frau vermag, wenn Liebe es kräftigt und hebt und wenn ein klarer Geist und ein starker Wille ihm die Bahnen vorzeichnen, die es zu wandeln hat, das zeigte sich jetzt an der Tochter Schiller’s.

Kaum hatte sie der Mutter ihres Enkels die Augen zugedrückt, so trat sie, die schon alternde, mit jugendlicher Frische und Energie in die nur allzufrüh leer gewordene Mutterstelle ein. Mit aufopfernder Liebe und Treue hat sie die Erziehung ihres Enkels geleitet – bis an ihr Ende. Dieses trat nach fünftägiger Krankheit, einer Lungenentzündung („das ist mein Schiller’scher Husten; den verliere ich nicht wieder,“ hatte die Kranke noch kurz vor ihrem Hinscheiden gemeint), ohne Kampf ein. Die Beisetzung der Leiche fand zwei Tage darauf in der Familiengruft neben dem Sarge der Schwiegertochter statt. Außer dem Gatten und dem Sohne waren, wie berichtet wird, noch der Neffe Friedrich von Schiller (Karl’s Sohn) und zwei Brüdersöhne des Wittwers bei dem Acte zugegen, der in einfacher Feierlichkeit von Statten ging.

Mit Emilie von Gleichen-Rußwurm ist das letzte Kind Schiller’s dahingegangen. Das unmittelbare Blut des großen Mannes wandelt nicht mehr unter uns – aber in zwei Enkeln, dem eben erwähnten Friedrich von Schiller und Emiliens Sohn Ludwig, lebt noch fort, was an ihm sterblich war. Unsterblich aber sind die sich ewig erneuernden Ernten, die aus dem Samen seines geistigen Schaffens aufgehen; denn diesen hat der Fittig der Cultur über alle Welt ausgestreut, und das Tiefste und Zarteste, was wir empfinden, das Schönste und Erhabenste, was wir denken, das Edelste und Mannhafteste, was wir thun – es hängt, oft uns unbewußt, zusammen mit unserm Schiller. In diesem Sinne ist er unser Aller Erzieher und Vater geworden; in diesem Sinne sind wir Alle seine Schüler, seine Söhne.

Daß wir es aber in so vollem Umfange sind, wie heute, dazu hat zu einem nicht geringen Theile die thatkräftige Pietät der edeln Frau beigetragen, welcher diese Zeilen sich widmeten. Und darum soll, wenn wir in Dankbarkeit den Namen Schiller’s nennen, auch derjenige seiner Tochter nicht ungenannt bleiben.

Ernst Ziel.



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Urlich
  2. Vorlage: Wedelin