Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Stauchitz

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Stauchitz
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 198–199
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Stauchitz


in alten Urkunden Stuchowitz (vom sorbischen Worte Stuck, das Haltmachen), bei Seerhausen, an der alten Strasse von Meissen nach Oschatz, in einer romantischen Lage gelegen, in welcher es von einer Seite von Gehölzen hoher Eichen, reizender Wiesen und fruchtbaren Feldern umgeben ist.

Oschatz ist vom Dorfe nordwestlich zwei Stunden entfernt.

Die alte frühere Ritterburg von Stauchitz, deren Besitzer die Herren von Stauchitz waren, existirt nicht mehr, sowie auch die Ahnen der Herren von Stauchitz, welche alle nur ihre Vornamen führten, sämmtlich unermittelt geblieben sind. Erst im 15. Jahrhundert wird es lichter um hiesige Geschichte. Denn zu Mitte dieses Jahrhunderts besass das Rittergut Wiesand von Ragewitz, dessen Vettern Kunz und Wiesand von Ragewitz auf Stösitz waren. Dann kam Stauchitz an das Geschlecht derer von Schleinitz. Georg von Schleinitz besass es ums Jahr 1466. Dann folgte Wolf, auch Wolfgang von Schleinitz, welcher Ragewitz und Zöschau besass, von welchem es dessen zweiter Sohn, der kurfürstlich sächsische Geheim-Rath Georg von Schleinitz übernahm und zwar im Jahre 1527. Letzrer war auch mit Grubnitz, Ragewitz und Mautitz belieben. Dann nahmen es in gemeinschaftliche Lehn Georg von Schleinitz’ Erben und Brüder, Abraham, Georg und Johann Georg. Der Letzte starb unvermählt in Stauchitz und ward am 30. Juni 1607 in Staucha beigesetzt.

Abraham von Schleinitz, der Aeltere, war ums Jahr 1593 auch Lehnsherr auf Mautitz und starb am 17. Januar 1621 in Stauchitz. Dieser hinterliess fünf Kinder und darunter drei Söhne: Abraham, Wolf Albrecht und Valten Dietrich. Wolf Albrecht wurde Erb-, Lehn- und Gerichtsherr von Stauchitz. Später zog derselbe auf sein Gut nach Goldhausen, da in Folge des 30jährigen Krieges zu seinem Gute Stauchitz Concurs entstanden war. Stauchitz kam in Folge dieses Concurses an die Familie von Lüttichau, und zwar an den Kammerherrn, Kreishauptmann und Kriegs-Commissar Georg Rudolph von Lüttichau. Er erstand das Gut im Jahre 1651 und starb daselbst am 11. November 1703. Sein Sohn erster Ehe, August Hieronymus von Lüttichau auf Noschkowitz und Kettnitz, liess das alte Schloss in Stauchitz völlig rasiren und baute das in der Abbildung befindliche Herrenhaus. Nach seinem im Jahre 1726 erfolgten Ableben folgte Rudolph August von Lüttichau als Sohn und einziger Erbe, welcher das Gut bis 1735 besass.

Von 1735 finden wir Herrn Hans Bastian von Zehmen, kurfürstlicher Hof-Justien- und Appellationsrath, als Besitzer von Stauchitz und Erbherr auf Weissdorf, Weissig, Ober-Wutzschwitz und Nieder-Steina. Nach seinem Tode folgte dessen zweiter Sohn Friedrich von Zehmen, Hof- und Justitienrath, Gerichtsherr auf Schleinitz und Graupzig. Letzrer starb 1812 und wurde derselbe in Staucha beigesetzt. Nach ihm übernahm sein jüngster und ihn allein überlebender Bruder Heinrich Ludwig von Zehmen das Gut, der zugleich Gerichtsherr von Graupzig, Gödelitz, Schmölln bei Bischofswerda und Weissig bei Kamenz war. Dieser um Stauchitz hochverdiente Mann segnete im Jahre 1832 das Zeitliche und von ihm erbte Georg Christian Ludwig von Zehmen, königlich sächsischer Rittmeister Gerichtsherr auf Weissig bei Kamenz das Gut Stauchitz.

Nach seinem Ableben übernahm dessen Sohn, Eduard Victor von Zehmen 1849 die väterliche Besitzung, womit derselbe jetzt noch beliehen ist.

Das herrschaftliche Wohnhaus ist ein prächtiges massives Gebäude und dessen innere Räume bewahren das Münzcabinet des Friedrich von Zehmen.

Heinrich Ludwig von Zehmen errichtete 1828 die massive Scheune und 1829 das ebenfalls massive Wirthschaftsgebäude.

In dem sogenannten alten Walle soll, einer Sage nach, in der Vorzeit eine Ritterburg gestanden haben und der nahe liegende Burgberg, ein zum Rittergute Hof gehöriges Feldstück, giebt ihr eine ziemliche Wahrscheinlichkeit.

Das alte schriftsässige Rittergut hält 8 Scheffel Garten, 34 Scheffel Wiesen, 160½ Scheffel Ackerland, 8 Scheffel Holz und 2 Scheffel Weinbergs-Land.

[199] Dieses Weinbergsland wurde im Jahre 1839 in gewöhnliches Ackerfeld verwandelt, im Frühlinge das Winzerhaus mit den Nebengebäuden abgetragen und die darunter befindliche Kellerei eingerissen.

Der früheren Gerichtsbarkeit von Stauchitz war das Dorf Stauchitz, ein Theil von Arntitz, ein Theil von Clanschütz und ein Theil von Binnewitz unterworfen. In älterer Zeit gehörten auch die Dörfer Ottowich und Glaucha dazu, wurden aber bei einer brüderlichen Theilung zu Noschkowitz geschlagen.

Wegen der im Jahre 1725 nach Hubertusburg angelegten Poststrasse ward das bisher in Seerhausen befindliche Postamt im Jahre 1726 nach Stauchitz verlegt und zwar in das massive Haus, welches Rudolph August von Lüttichau eigends dazu erbaut hatte. Im Jahre 1816 ward es aber nach Klappendorf transferirt, wohin am 20. September das ganze Postwesen abging.

Nachdem Herr Heinrich Ludwig von Zehmen die alte Schänke im Jahre 1821 erkauft hatte, so legte er die Gast- und Schänkgerechtigkeit in das erledigte sonstige Posthaus und dessen jüngster Sohn, der Rittmeister Georg Christian Ludwig von Zehmen verkaufte dasselbe 1827 an den damaligen Pachter. Von nun an führte es den Namen: Gasthaus zur alten Post. Von demselben Herrn von Zehmen wurde auch die alte Schänke an einen gewissen Lehmann verkauft. Das Gemeindehaus ward von der Gemeinde 1838 ebenfalls verkauft und das alleinige Eigenthum eines Privaten.

Das Dorf besteht aus 44 Häusern, worunter ein Gasthof und eine Schmiede, auch eine Mahl-, Schneide- und Oelmühle an der von der Fahrenbach abgeleiteten Mühlgraben, aus einem Halbhufengute und neun Gärtnergütern.

Die Hausbesitzer und ihre Miethbewohner sind theils Handarbeiter, theils Handwerker, namentlich Maurer und Zimmerleute.

Stauchitz ist nach Staucha eingekircht, wie wir dies schon bei der Beschreibung des letztern Ortes näher erwähnt haben.

In früherer Zeit, und zwar bis zum Jahre 1670, hatte Stauchitz auch keine eigene Schule, sondern die Kinder gingen nach dem nahen Blosswitz in die Schule.

Allein bald nachher kam eine sogenannte Wandelschule in den Gang, welche bis 1824 fortdauerte, wo dann auf Veranlassung und durch Unterstützung des Gerichtsherrn, Heinrich Ludwig von Zehmen ein besonderes Schulhaus an die alte Poststrasse erbaut wurde, dessen feierliche Einweihung am 19. October des genannten Jahres erfolgte.

Zu diesem Baue erhielt die Gemeinde 60 Thaler von dem damaligen hohen Ober-Consistorium. Seit 1835 bildet Stauchitz einen eignen Schulbezirk, an welchen sich nur das nach Jahna eingepfarrte Dorf Raitzen angeschlossen hat.

Collator über die Schule ist die dasige Gerichtsherrschaft. Möge die Vorsehung lange noch in alle Zeiten über das Zehmensche Haus walten, welches um Mit- und Nachwelt sich stets unsägliche Verdienste erworben hat.

Stauchitz gehört jetzt zum Gerichtsamte Oschatz.
(M. G.)