Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Kleingera

Textdaten
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Autor: O. M.
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Titel: Kleingera
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 66–68
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB DresdenCommons
Kurzbeschreibung:
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Kleingera.


Das Dorf Kleingera liegt eine halbe Stunde nordöstlich von Elsterberg und eine halbe Stunde südlich von Greiz auf der rechten Seite des Elsterflusses am Wege nach Plauen. Dasselbe besteht ausser dem hiesigen altschriftsässigen Rittergute aus sechsundzwanzig Häusern mit etwa hundertsiebzig Einwohnern und ist in die Kirche zu Elsterberg eingepfarrt. Ein Theil der hiesigen Einwohner gehört unter das nahe Rittergut Coschütz. – In der Nähe Kleingeras befindet sich ein Pechofen.

Zu welcher Zeit Kleingera gegründet wurde lässt sich nicht ermitteln, [67] doch ist es ohne Zweifel sorbischen Ursprungs. Südlich vom Dorfe erhebt sich eine Anhöhe, die Burgleithe genannt, auf welcher in grauer Vorzeit eine Burg gestanden haben soll, über welche freilich keine urkundlichen Nachrichten vorhanden sind, doch macht die Lage des Berges diese Volkssage sehr wahrscheinlich. – Dass die mächtige Dynastenfamilie auf der nahen Burg zu Elsterberg rund um das Hauptschloss eine nicht geringe Anzahl fester Häuser besass, auf denen ihre Lehnsleute wohnten, ist bekannt, und somit liegt die Möglichkeit sehr nahe, dass auch zu Kleingera eine solche Vasallenburg stand, denn dieser Ort wird schon in den frühesten Zeiten als Besitzthum der Herren auf Elsterberg genannt. Diese alte vornehme Familie stammte aus dem Hause Lobdaburg und bildete eines der mächtigen Geschlechter welche nur dem Kaiser gehorchten. Schon im Jahre 1198 kommt urkundlich ein Ritter Rayner von Elsterberg vor, der auf dem Elsterberger Schlosse wohnte, 1227 Heinrich von Elsterberg, 1275 Conrad von Elsterberg, und 1313 bis 1356 die Gebrüder Busso und Hermann von Elsterberg. Diese verbanden sich mit Markgraf Friedrich dem Gebissenen, Herrmann von Lobdaburg, Albrecht von Lobdaburg-Leuchtenburg, dem Erzbischof Burkard von Magdeburg, einigen Harzgrafen, den Burggrafen Albert und Heinrich von Leissnig und dem Burggrafen Erkenbrecht von Starkenberg gegen den Voigt von Gera, welcher seinerseits von dem Voigte zu Weida, Friedrichen von Schönburg, Heinrich von Wildenfels, Eberhard von Voigtsberg und dessen Brüdern, den Rittern von Tannrode, Heinrichen von Kirchdorf und Albrecht dem Kunthen unterstützt wurde. Die Fehde hatte ihren Grund in den Anmassungen, welche die immer mächtiger werdenden Voigte gegen die kleineren Dynastengeschlechter ausübten, wie sie denn auf Kosten des Arnshaugkischen Hauses die Herrschaften Mühldorf und Pausa, und später Schleiz, Saalburg, Burg und Lobenstein an sich gebracht hatten. Die Fehde wurde mit grosser Erbitterung geführt und dabei eine Anzahl von Schlössern zerstört, darunter die Burg bei Zollgrün und die im neunten Jahrhundert bei Dörflas erbaute Waldsburg. Da Markgraf Friedrichs vielbewegtes Leben ihm nicht gestattete seine ganze Macht zu diesem Kriege zu verwenden so gelang es den Lobdaburgern auch nicht einen erheblichen Vortheil über die gewaltigen Voigte zu erlangen, ja sie mussten sich sogar zu einer Sühne entschliessen, über welche eine noch sehr interessante Urkunde vorhanden ist. Sie beginnt: „Wir Friederich von gots gnaden lantgreve zcu Duringen, Marchgreve zcu Missne unnd in dem Ostirlante, Hern in dem lante zcu Plisne, bekennen an Disme offen brive, daz wir untruwen globet haben Heinrich dem Eldern voyte von Gera eine rechte Sune vor uns und vor vnse Frunthe vnde vor vnse Helfer – – wir nemen ouch in vnse Sune vnse liben Schwegern vruen Elzebeten, di Landgreuinnen was czu Duringen – – vnd binamen alle di di durch vnsen wilen sie sint geistlich oder wernlich mit disme Orleyge begreffen sint gewest vnde alle vnse Lant und alle vnse Lüte. – – Disse Sune haben geteydinget zcu Altenburg der Edel Mann Er Albrecht von Hackeborn vnde Er Busse von Elstirberg, Ludewick von Blankenhain, Gunther von Salza, Hartmann von Bulwitze, Günther von der Plewenitz, Johannes von Nuchenhowe, Meister Walther vnsr Obersthe Scribere vnde Cunrat Scribere von Arnstathe.“

Im Jahre 1354 brach eine neue Fehde los, der Voigtländische Krieg genannt, in welcher die Herren von Elsterberg mit den Voigten und einer Anzahl mächtiger Grafen gegen den Kaiser zu trotzen wagten. Den Markgrafen von Meissen wurde die Vollstreckung der ausgesprochenen Acht übertragen und bald zog der thüringische Landvoigt Heinrich von Brandenstein mit einem Aufgebote der Reichsstädte Erfurt, Nordhausen und Mühlhausen und einem Böhmischen Hülfscorps unter Anführung des Grafen von Hohenstein heran. Die Böhmen umzingelten die Burg Elsterberg, verwüsteten alle dazu gehörigen Edelhöfe und Dörfer und erstiegen endlich nach langem Widerstande das Schloss, wo Alles über die Klinge springen musste. Nur zwölf Edelleute, darunter Busso der jüngere von Elsterberg, wurden gefangen und wenige Stunden nachher auf dem Marktplatze zu Elsterberg öffentlich enthauptet. – Von den Gebrüdern Busso und Hermann von Elsterberg wird nur Letzterer noch einmal genannt (1358) wo er seine Rechte und Gerichte zu Osmeritz dem Nikolaihospital zu Jena abtrat. Der Burg Elsterberg und aller dazu gehörigen Güter, (wie Coschütz, Kleingera, Nosswitz etc.) waren die Herren von Elsterberg für immer verlustig.

Nach der Vertreibung der Elsterberge blieben deren Güter eine Zeit lang im Besitz der Markgrafen, bis sie nach und nach von diesen an verschiedene Edelleute verlehnt wurden. Elsterberg mit Coschütz und Kleingera kam an einen Ritter Heinrich von Bünau, dessen Sohn, Heinrich 1473 starb. Er hinterliess ebenfalls einen Sohn Heinrich, der 1498 mit dem Herzog Heinrich von Sachsen nach Jerusalem zog und dort zum Ritter vom heiligen Grabe geschlagen wurde, auch begleitete er den genannten Fürsten nach Compostella in Spanien. Nach mehreren Herren von Bünau, als Besitzern Kleingeras, wird 1607 Rudolph von Bünau als ein sehr gewandter Staatsmann genannt. Er war Apellationsrath und Stiftsrath und zeigte sich unter Anderem sehr geschickt bei Beseitigung der Missverständnisse, welche wegen der Weimarischen Vormundschaft entstanden. Sein Enkel, Heinrich von Bünau auf Kleingera, Frankenhof [68] und Kunsdorf, Greizischer Oberhofmarschall, hinterliess einen Sohn, Rudolf von Bünau, der Obersteuereinnehmer wurde und 1759 auf hiesigem Herrenhause mit Tode abging. Zu Anfange dieses Jahrhunderts gelangte Kleingera an die Familie Döhler, welcher das Gut in der Person des Herrn I. Döhler noch jetzt gehört.

Die vielen Schicksale, welche die Herrschaft Elsterberg betrafen, haben grösstentheils auch das ihr angehörige Kleingera berührt, namentlich die oben erwähnten Fehden, bei deren einer vielleicht die auf der Burgleithe gestandene Burg ihren Untergang gefunden haben mag. Ob der Hussitenkrieg seine blutigen Fittiche auch hier schwang, darüber fehlen alle Nachrichten, während des Bauernkrieges aber war unter den hiesigen Unterthanen grosse Erbitterung gegen den Gutsherrn, die indessen glücklicher Weise nicht in Thätigkeiten ausartete, da noch zu rechter Zeit die Kunde von Thomas Münzers Niederlage und Gefangenschaft anlangte; es wurden jedoch einige der lautesten Schreier festgenommen, nach Zwickau gebracht und dort enthauptet. Im Jahre 1632 brach im hiesigen Schlosse Feuer aus, wobei zwei Leute von einer stürzenden Wand erschlagen wurden, auch fehlte es in dieser Zeit nicht an Kriegesdrangsalen und Seuchen.

Zu dem Rittergute Kleingera gehören ausser dem Dorfe Kleingera das Dorf Reuth mit acht Häusern einer Mühle und sechszig Einwohnern, ein Theil von Nosswitz, ein Theil von Scholis, das Dorf Tremnitz mit zweiundzwanzig Häusern und hundertzwanzig Einwohnern und einzelne Häuser in Pfannenstiel.

O. M.