Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Eckersdorf

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Eckersdorf
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aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 231–232
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Eckersdorf


unweit des Zusammenflusses der rothen und weissen Weisseritz, 2 Stunden nördlich von Dippoldiswalde auf der Strasse nach Dresden gelegen.

Die rothe Weisseritz, welche sich zwischen den äusserst coupirten Höhen von Liebau, Somsdorf und Eckersdorf hindurch nach dem untern Ende von Cosmannsdorf drängt, trifft nahe von Eckersdorf in das Thal der wilden Weisseritz und nach einer kurzen Strecke, wo erstere mit letzterer fortfliesst, vereinigen sich Beide und deshalb die obige Bezeichnung der Lage des Ortes Eckersdorf.

Der schöne Bergkessel von Eckersdorf und Heilsberg gehört zu den lieblichsten Partien des Plauen’schen Grundes. Noch 4 enge, felsige, steil abfallende Seitenthäler verbinden sich demselben zur linken und erhöhen das Romantische, Schauerlich-Schöne der Gegend, welche nur zu wenig bekannt ist, um als Nebenbuhlerin der Partie von Tharandt aufzutreten.

Eckersdorf gehörte in der frühesten Zeit als Gut zur Herrschaft Rabenau, welche anfangs eigne Besitzer hatte, im Jahre 1300 aber an die Burggrafen von Dohna kam, indem Burggraf Otto sie durch seine Gemahlin Gertrud als Mitgift erhielt.

Bekanntlich verwirkte sein Nachkomme Burggraf Jeschke oder Jesky seine Güter und so fiel auch Rabenau 1402 an den Land- und Markgrafen Wilhelm, der es an das Amt Pirna wies.

So blieb es 99 Jahre lang, als ein böhmisches Lehen, ein Eigenthum oder Kammergut der Markgrafen und Kurfürsten, bis Herzog Georg es 1500 an Georg Siegismund von Miltitz verlieh.

Damals begriff die Herrschaft ausser dem Städtchen Eckersdorf, Ober-Naundorf, Börnichen, Wilmsdorf, Tossendorf, Oelsa, Haynichen und einen Weinberg bei Sörnewitz unter Dresden: Denn ein Weinberg gehörte zum Besitze eines grossen Gutes.

Die von Miltitz verkauften jedoch 1569 die Herrschaft an den Kurfürst August um die geringe Summe von 39,375 Thlr. August schlug nun die Herrschaft zum neu gebildeten Amte Dippoldiswalde, dismembrirte sie grösstentheils und wurde mit dem Vorwerke Eckersdorf, welches nun zu einem amtsässigen Gute erhoben worden war, ein Matthias Hopfenberger beliehen. Im 17. Jahrhundert kam das Gut an die Familie Krauss, aber im 18. Jahrhundert war das Geschlecht derer von Miltitz wieder damit beliehen.

Jetzt besitzt das Gut ein Herr Merbitz. Eckersdorf das Gut ist bloss nach 3 Magazinhufen und 9 Ruthen berechnet, hat aber schöne Wohngebäude und gute wohleingerichtete Wirthschaftsräume. Die herrschaftliche Wohnung besteht aus 2 Stocken und hat 17 Fenster Fronte.

Die Felder und Wiesen sind gut und üppig und die dazugehörige Waldung wohlbestanden.

[232] Es hatte bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation die Ober- und Erbgerichte und die Einwohner von Eckersdorf, deren Wohnungen auf Ritterguts Grund und Boden erbaut waren, gehörten unter die dasigen Gerichte.

Dagegen ist das Gut mit seinen Gerichtsuntergebenen von jeher nach Somsdorf eingepfarrt gewesen. An der 1736 gebauten Pfarrwohnung in Somsdorf liesst man einen ziemlich bescheidenen Wunsch: sie solle so lange stehen, als eine Schnecke die Erde umkreisen oder eine Ameise den Ocean austrinken könne.

Bemerkung verdient die durch Somsdorf seiner Länge nach ehemalige Butterstrasse, so benannt, weil man die meiste erzgebirgische Butter, die in Dresden consumirt wurde, auf derselben herbrachte. Die Strasse führte über Somsdorf, Höckendorf und die Bretmühle an der Weisseritz nach dem Pretzschendorfer Gasthof.

Durch die Eisenbahnverbindungen hat sich dieser Verkehr allerdings vermindert und die Gasthöfe zu Höckendorf und Somsdorf sind zwar immer noch frequent, aber der Erwerb derselben gegen früher doch sehr gesunken.

Uebrigens enthält der Ort Somsdorf mehre wohlgebaute Sommerwohnungen mit schönen Gärten für Dresdner Familien.

Der Ort zeichnet sich für den, welcher aus dem Gebirge kommt, durch seine enge und vollkommen niederländische Bauart auf eine recht hervorstechende Weise aus.

Sowohl das Vorgebirge, als die sanft ansteigende Höhe in Süd, welche den grossen Windberg noch übersteigt, zeigen herrliche Aussichten und den Weg nach Tharandt kann man keck einen der schönsten Spaziergänge Sachsens nennen.

Mit Somsdorf hängt Klein-Cossmannsdorf eng zusammen. Die Hinterseite der Dächer von den Häusern in Klein-Cossmannsdorf ruhen auf dem Berge, indem die Häuser an der Höhe des linken Ufer des Somsdorfer Dorfwasser liegen. An dieser Höhe hinaus, welche ein schmales 80 bis 100 Ellen hohes Vorgebirge bildet, liegen die Obstgärten und die wenigen Acker von Klein-Cossmannsdorf, welche letzterem blos durch Handarbeit nutzbar sind und auf welche man den Dünger in Körben schafft.

Die Höhe am rechten Ufer steigt fast eben so hoch in die Höhe und ist mit Schwarzholz bedeckt; an derselben giebt es viele Bergkeller, und gegenüber der Eingang eines Schachtes. In Somsdorf wurde in früheren Zeiten bedeutender Bergbau getrieben.

Die Anbauer hiesiger Gegend, vorzüglich von Somsdorf und Eckersdorf kamen auf alle Fälle aus Böhmen.

Woher aber eigentlich der Name Eckersdorf stammt, ist eben so wenig zu ermitteln gewesen, wie der Ursprung des Namens von Somsdorf.

Eckersdorf und Somsdorf, ersteres mit seinen 130 Einwohnern, welche in 20 Wohnungen leben, sind dem Gerichtsamte Tharandt zugewiesen, wogegen sie früher, wie schon erwähnt, zum Amte Dippoldiswalde gehörten.

(M. G.)