Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Bischof v. Jerusalem 386-417 n. Chr.
Band IX,2 (1916) S. 18041805
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42) Bischof von Jerusalem 386–417, Nachfolger des Kyrillos. Er galt als ein glänzender Redner und gelehrter Theologe, hat das Mönchtum gefördert und die Anziehungskraft der heiligen Stätten in Jerusalem klug verwertet. Berühmt geworden ist er durch das Schicksal, das ihn seit 392 in die origenistischen und 415 in die pelagianischen Streitigkeiten hineinzog. Publiziert hatte er im J. 392, als Hieronymus sein Werk de vir. ill. herausgab, noch nichts, der Fortsetzer Gennadius dagegen kennt von ihm c. 31 ein Buch adversum obtrectatores studii sui in quo ostendit se Origenis ingenium non fiden secutum. Offenbar handelt es sich hier um die Apologie, die er 395, auf dem Höhepunkt der durch Epiphanius in Palästina angefachten (s. Hieron. ep. 51 die lateinische Übersetzung des ersten Streitbriefs von Epiphanius gegen J.), durch Hieronymus geschürten Kämpfe wider die Origenisten, verfaßt und zunächst dem Bischof Theophilus von Alexandreia überreicht hat. Das Werk ist verloren, wie auch weitere Briefe des J. aus diesem [1805] Anlaß; dagegen ist ein an ihn gerichtetes Antwortschreiben von Bischof Anastasius von Rom, wohl 400 abgefaßt, erhalten. Der Ton ist nicht gerade freundlich, ebensowenig der in einem durch Hieronymus’ Klagen 416 veranlaßten Brief des Bischofs Innocentius (ep. 32) von Rom. Aus der von Hieronymus 395 niedergeschriebenen, aber erst später, vielleicht nach des J. Tod veröffentlichten Streitschrift l. contra Ioannem Hieros. ad Pammachium (Migne Patr. lat. 23, 355–396), doch auch aus dessen Kampf- und Schmähschriften wider Rufinus, namentlich aus ep. 82 ad Theophilum lernen wir Inhalt und Charakter von J.s Apologia, sogar einzelne Sätze im Wortlaut kennen. Auf den Synoden zu Jerusalem im Sommer und zu Diospolis im Dezember 415 suchte er den von Hieronymus wie von den Afrikanern befehdeten Mönch Pelagius der Kirche, und vor allem in der Kirche den Frieden zu erhalten: in dieser Zeit hat er ein ‚Bekenntnis‘ aufgesetzt, das als einziges aus der griechischen Kirche hinter der Trinitäts- und Naturenlehre die Soteriologie entwickelt. Auch dies ist nur in syrischer Übertragung in dem Werk des alexandrinischen Bischofs Timotheus Aelurus gegen das Chalcedonense (um 459) auf uns gekommen: zuerst hat es publiziert und mit deutscher Übersetzung begleitet C. P. Caspari in ‚Quellen zur Geschichte des Taufsymbols‘ I, Christiania 1866, wo S. 161–218 in der Weise Tillemonts das gesamte für J. verfügbare Material verarbeitet worden ist. Der Origenismus ist wie der Pelagianismus trotz aller Fürsprache des J. zuletzt doch von der Kirche verdammt worden; der Abfall des Theophilus von Origenes im J. 400 zwang den J. zum Nachgeben; immerhin beweist seine Korrespondenz mit J. Chrysostomus, wovon nur dessen Brief 88 (von 405/6) erhalten ist, daß er nicht etwa Parteifreund des Theophilus wurde; den Abschluß der pelagianischen Debatten in Rom hat er nicht mehr erlebt. Seinen guten Ruf als orthodoxe Autorität haben seine Gegner nicht zu untergraben vermocht.