Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Beiname der Ktesylla auf Kos
Band VII,2 (1912) S. 26632664
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4) Ktesylla wurde in Iulis auf Keos verehrt als Aphrodite Ktesylla, an anderen Orten auf Keos als Ktesylla H. Die Legende besagte nach Nikander bei Anton. Lib. 1: als Ktesylla, die Tochter des Alkidamas aus Iulis, bei den Pythien in Karthaia am Altar des Apollon tanzte, entzückte ihr Anblick den Hermochares aus Athen; er schrieb auf einen Apfel einen Eid bei Artemis, daß er sie heiraten wolle, und warf der Ktesylla diesen Apfel im Artemis-Heiligtume zu; [2664] ihr Vater Alkidamas willigte unter einem Eid bei Apollon in die Heirat ein, brach dann aber den Schwur und verlobte sie einem andern; Hermochares drang in das Artemision ein, wo Ktesylla der Artemis opferte, entführte das Mädchen nach Athen und heiratete sie, doch bei der ersten Geburt starb sie, da die Gottheit noch wegen des väterlichen Meineids zürnte, und wurde in eine Taube verwandelt (vgl. Ovid. met. VII 368ff.) Hermochares aber erhielt vom Orakel den Auftrag, das Ktesylla-Heiligtum in Iulis zu stiften. Diese Legende, die ihre Parallele in der Sage von Akontios und Kydippe (s. d.) hat, motiviert sowohl die Gleichsetzung der Ktesylla mit Aphrodite wie mit Artemis H. Was dem Wesen der Ktesylla mehr entspricht, läßt sich nicht entscheiden, vgl. Wernicke o. Bd. II S. 1358 Nr. 22.

[Jessen. ]