Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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sagenhafter Feldherr d. Meder u. Zerstörer Ninives
Band II,1 (1895) S. 405406
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Arbakes (Ἀρβάκης). 1) Sagenhafter Feldherr der Meder und Zerstörer von Ninive. Von der Arbakessage gab es zwei Versionen. Die eine, nach Athenaios (XII 529a) herrschende, ist für uns nur durch Duris vertreten (FHG II 473); die andere geht auf Ktesias zurück (frg. 20 M.). Uns liegt sie vor bei Diodor (II 24–28), Synkellos (Chron. Pasch. 166 D), Athenaios (XII 528. 529) und Nikolaos von Damaskos (frg. 9). Von Diodor und Athenaios wird Ktesias, von Synkellos Diodor als Quelle ausdrücklich citiert. Der Bericht des Nikolaos stimmt, soweit ein Vergleich möglich ist, mit Diodor überein. Die Einzelheiten, die er allein mitteilt, fügen sich ohne Schwierigkeit in Diodors Bericht ein. Daher lässt auch er sich als Vertreter der ktesianischen Version verwerten.

Nach Duris wurde A. über das weibische Wesen Sardanapals, den er durch Vermittlung des Eunuchen Sparameizes zu Gesichte bekam, so entrüstet, dass er ihn auf der Stelle niederstach. Nach Ktesias war der Verlauf umständlicher. A. befehligte für ein Jahr das medische Contingent in Ninive (Diod. II 24) und verkehrte daselbst mit dem Chaldaier Belesys, dem Führer des babylonischem Aufgebotes. Dieser sagte ihm nach Vorzeichen (genau erzählt von Nikolaos) voraus, dass er über das ganze Reich Sardanapals herrschen werde. A. versprach, wenn die Prophezeiung eintreffe, Belesys die Statthalterschaft von Babylonien unter Befreiung vom Tribut zu geben. A. setzte sich jetzt mit den Heerführern der [406] anderen unterworfenen Völker in Verbindung und bestach einen Eunuchen, der ihm die Gelegenheit verschaffte, den König zu sehen. Der Anblick Sardanapals bestärkte ihn in seinen Hoffnungen. Er verabredete mit Belesys, er wollte die Meder und Perser, jener sollte die Babylonier und Araber zum Abfalle bringen. Am Ende ihres Dienstjahres kehrten beide in ihre Heimat zurück, am Ende des folgenden Jahres führten sie ein aus den genannten vier Völkern gebildetes Heer gegen Ninive heran. In drei Schlachten siegte Sardanapal, in der dritten wurde A. selbst verwundet. Die meisten Heerführer beabsichtigten unverrichteter Sache umzukehren. Aber Belesys versicherte, wenn man noch fünf Tage warte, werde Hülfe kommen. Nach fünf Tagen zog eine Streitmacht aus Baktrien heran, welche zu Sardanapal beordert war, aber zu den Empörern überging (Diod. II 26). Durch einen nächtlichen Überfall eroberte A. das feindliche Lager und vernichtete in zwei Schlachten das assyrische Heer. Die Belagerung währte zwei Jahre; im dritten riss eine Hochflut (wie Diodor sagt, des Euphrat) 20 Stadien der Stadtmauer nieder. Nachdem Sardanapal sich inmitten seines Hofstaates und seiner Schätze verbrannt hatte, drangen die Empörer in die Stadt ein. A. wurde von allen als König anerkannt. Bei der Verteilung der Beute wurde er von Belesys betrogen (Diod. II 29), verzieh ihm aber diesen Betrug, nachdem er entdeckt worden war. Durch diese Grossmut gewann A. allgemeines Ansehen. Ninive wurde in Dörfer aufgelöst, der auf die Meder fallende Teil der Beute nach Ekbatana geschafft. Der Name A. findet sich auf Keilschriften für einen medischen Häuptling (v. Gutschmid Neue Beiträge 92); Marcus Niebuhr Gesch. Assurs und Babels 325f. erklärte ihn für identisch mit Phraortes und leitete die 28 Jahre, die er regiert haben soll, aus einem Missverständnisse des Ktesias her (a. a. O. 115. 326). Eine ausführliche Kritik der Sage giebt Duncker Gesch. d. Altert. II⁵ 456ff., eine kurze Schrader Keilschr. u. Geschichtsf. 514.