Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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ein Amt im Orient bei Cicero
Band II,1 (1895) S. 342343
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Arabarches, mit dem dazu gehörigen Arabarchia, kommt zuerst bei Cicero ad Att. II 17, 3 vor: velim ex Theophane expiscere, quonam in me animo sit Arabarches (so der Codex Mediceus). Offenbar gebraucht Cicero dies Wort ironisch und zwar, wie allgemein angenommen wird, mit Bezug auf Pompeius, den er in demselben Brief wiederholt Sampsiceramus nennt mit ironischer Anspielung auf jenen arabischen Emir von Emesa, dessen Macht ebenso wie die der übrigen Fürsten und Emire Pompeius bei seiner Anwesenheit in Syrien brach, Mommsen R. G. III 131. A. heisst also hier nichts anderes als Araberfürst mit starker Hervorhebung der etymologischen Bestandteile – Ἄραψ und ἄρχειν – und mit Anspielung auf des Pompeius Berührung mit jenen in Syrien angesiedelten Araberstämmen und deren Häuptlingen. Ob Cicero dies Wort selbst gebildet oder aber dasselbe irgendwo als Bezeichnung eines Amtes im Orient – vgl. u. die Inschriften – gehört und nur ironisch angewandt hat, wissen wir nicht; was er aber damit sagen will, scheint mir nicht zweifelhaft zu sein. Ähnlich verwendet Iuvenal (I 130) dies Wort in den Versen: atque triumphales, inter [343] quas ausus habere nescio quis titulos Aegyptius atque Arabarches (so die Hss.), cuius ad effigiem non tantum meiere fas est. Also unter den Triumphalstatuen auf dem Forum, die früher nur um Rom in Krieg und Frieden verdienten Römern gesetzt wurden, sind jetzt auch Ausländern Statuen mit Aufschriften gewidmet, Leuten, bei deren Bild man nicht blos meiere (sed etiam cacare) sollte. Mit grosser Geringschätzung spricht hier der Dichter; allerdings für die Bedeutung des Wortes a. lernen wir aus dieser Stelle nichts, denn ganz offenbar ist dasselbe hier gerade wie bei Cicero höhnisch verwandt und der Begriff ‚Ausländer‘ durch zwei Ethnika – Aegyptius, Arabarches –‚ wobei natürlich der in dem letzteren Worte steckende Begriff ἄρχειν an Bedeutung vor dem ersten Compositionselement zurücktritt, ausgedrückt. Haeckermann Beiträge zur Kritik und Erklärung Iuvenals in Jahns Archiv XV (1849) 550 versteht Aegyptius und Arabarches vom Crispinus, der allerdings aus Ägypten stammte, aber doch nicht dort das Amt und die Würde eines Alabarchen bekleidet hat. Ebenso war Tib. Iulius Alexander, auf den Weidner die Verse bezieht, nicht a., sondern praefectus Aegypti.

Diese beiden Schriftstellerzeugnisse lehren uns nur die ironische Verwendung des Wortes a. Allerdings stehen ihnen zwei Inschriften gegenüber, wo a. den Inhaber eines Amtes und zwar in Ägypten bedeutet, CIG 4751: Κλαύδιος Γέμινος ἀραβάρχης καὶ ἐπιστράτηγος Θηβαίδος und 5075: μετὰ Ἰουλίου Πτολεμαίου υἱοῦ Ἀπολλωνίου ἀραβάρχου τοῦ προγεγραμμένου. Genaueres lernen wir auch hieraus nicht.

Bekanntlich gab es Alabarchae – beide Worte sind in den Hss. oft mit einander vermengt. In der Cicerostelle schreiben gegen den Mediceus andere Hss. alabarches; ebenso schwankt im Codex Iustin. IV 61, 9 die Schreibung zwischen alabarchiae und arabarchiae. Mir scheint Schürer Die Alabarchen in Ägypten, Ztschr. für wiss. Theologie XVIII 13f. recht zu haben mit seiner Annahme, dass beide Wörter identisch und alabarches mit einem namentlich im Koptischen häufigen Wechsel von ρ in λ allmählich für a. sich festgesetzt und eingebürgert hat. Über Alabarches hat Seeck Bd. I S. 1271 gehandelt. Ist die obige Annahme richtig, muss die Ableitung des ἀλαβάρχης von ἄλαβα, Tinte, verkehrt sein. A. ist jedenfalls von Arabia – so heisst der östlich vom Nil gelegene Teil Ägyptens (s. unten S. 351) – abgeleitet wie θηβάρχης von Θῆβαι und bezeichnet ein Amt, das auf diesen Landstrich Bezug hatte.

Dass diese ägyptische Würde eines Arabarchen weder bei Cicero noch bei Iuvenal gemeint sein kann, scheint mir klar zu sein.