Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Stadt in Böotien
Band I,2 (1894) S. 2360 (IA)–2361 (IA)
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2) Stadt an der Nordküste von Boiotien, nahe der lokrischen Grenze (daher Ἀνθηδόνα τ’ ἐσχατόωσαν, Il. II 508), am nördlichen Abhange eines [2361] vom Nordfusse des Messapiongebirges hart an die Küste vortretenden Hügels, auf dessen Spitze sich noch Reste der alten Akropolis erhalten haben. Die Stadt, von geringem Umfange, war halbkreisförmig angelegt, die Agora mit Bäumen bepflanzt und von einer doppelten Reihe von Hallen umgeben, der Hafen durch zwei starke Steindämme, von denen man noch bedeutende Überreste erkennt, geschützt; in der Stadt selbst lagen Tempel der Kabeiren, Demeter und Persephone, ausserhalb ein Tempel des Dionysos und Gräber der Aloiden. Um 300 und später gehörte A. zum boiotischen Bunde (Larfeld Syll. inscr. Boeot. 15. 181. 274). Durch Sulla wurde sie nach seinem Siege über Archelaos, den Feldherrn des Mithradates, zerstört (Plut. Sulla 26), aber bald wiederhergestellt. Die Einwohner, von thrakischer Abstammung (Lykophron bei Steph. Byz.), berüchtigt wegen ihrer Habsucht, lebten vom Fischfang, dem Einsammeln der Purpurmuscheln und Meerschwämme und vom Schiffbau; als ihren Stammvater und den Schützer ihrer Erwerbszweige verehrten sie den mythischen Glaukos (s. d.) und zeigten noch am Ufer die Stelle, wo derselbe ins Meer gesprungen und in einen Seedaemon verwandelt worden sein sollte. Das Gebiet der Stadt ist meist bergig und brachte daher wenig Getreide, aber guten Wein hervor, Herakleides descr. Gr. I 23ff. Paus. IX 22, 5ff. Strab. IX 400. 404. Skyl. 59. Ps.-Skymn. 500. Plin. n. h. IV 25. Mela II 45. Athen. VII 316a. Plut. qu. gr. 19. Bei dem jetzigen Lukisi; vgl. Leake Northern Greece II 272. Ulrichs Ann. d. Inst. 1836, 19f. Bursian Geogr. von Griechenl. I 214f. Grabungen der Amerikaner im J. 1889 haben allerlei Fundamente am Hafen, vielleicht auch einen kleinen Tempel, Handwerkszeug in Bronze und Inschriften aufgedeckt. Americ. Journ. of Art and Archaeol. VI 1890, 96.