Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Komödiendichter aus Athen, Platons Zeitgenosse
Band I,2 (1894) S. 1953 (IA)–1954 (IA)
Bildergalerie im Original
Register I,2 Alle Register
Linkvorlage für WP   
* {{RE|I,2|1953|1954|Amphis 2|[[REAutor]]|RE:Amphis 2}}        

2) Amphis (auch Ἄμφίας geschrieben, Kurzname etwa für Ἄμφικράτης), Komödiendichter aus Athen (Suidas), ausdrücklich zu den μέσοι κωμικοί gerechnet bei Pollux VII 17 (wenn hier nicht Ἄμφιδος aus Ἄλέξιδος verderbt ist). Die Fragmente (6. 13 K.) bestätigen, dass er Platons Zeitgenosse war, und dass er die Phryne in ihrer Blütezeit (frg. 24 K.), d. h. die zweite Hälfte des 4. Jhdts., erlebte. Die Komödientitel würden allein genügen, um ihn als Dichter der mittleren Komödie zu erkennen. Von 28 Titeln, die uns bewahrt sind, weisen neun auf mythologische Stoffe (Ἀθάμας Ἀκκώ? Ἀλκμέων Ἑπτὰ ἐπὶ Θήβαις Καλλιστώ Ὀδυσσεύς Οὐρανός? Ὀπώρα Πάν). Den Inhalt kennen wir annähernd wenigstens von der Ὀπώρα.[1954] Der Dichter hat ein anmutiges Märchen ersonnen: der Hundstern verliebt sich, zu der Zeit da noch die Sterne ihren Platz am Himmel verlassen durften, in die schöne Opora; an ihrer Sprödigkeit entflammt sich sein Herz in so gefahrvoller Weise, dass auf das Jammern der Menschen die Götter einschreiten und ihm die Geliebte geben (Schol. German. p. 94). Andere Titel führen in das tägliche Leben, entweder Typen der arbeitenden Klasse, Ἀλείπτρια Ἀμπελουργός Ἔριθοι (männlich) Κονιατής Κουρίς, oder Charaktertypen, Κυβευταί Πλάνος Φιλάδελφοι Φιλέταιρος. Ein Hetärenname ist nicht nachweisbar (Λευκαδία ist unsicher), das Hetärenleben selbst berührt der Dichter in üblicher Weise (frg. 23 K.). Ein aristophanisches Thema scheint die Γυναικοκρατία aufgefrischt, aber wohl in anderem Sinne behandelt zu haben als die Lysistrate. Unter Γυναικομανία lässt sich Verschiedenes denken. Mit der modernen Musik, wohl vom Standpunkt der alten Generation, beschäftigt sich der Διθύραμβος, vielleicht auch der Ἰάλεμος (hässlich frg. 20) und die Σαπφώ. Der Δακτύλιος (wenn der Ring als ἀναγνωρισμός eine Rolle spielte) mag sich der neuen Komödie genähert haben. Viele Titel hat A. mit Alexis, einige auch mit Antiphanes gemeinsam. Eine Ἀλείπτρια z. B. hat es von Antiphanes gegeben, die auch unter Alexis Namen ging (Ath. III 123 b), und ebenso von Diphilos (Et. M. 61, 10), wenn der Überlieferung Glauben zu schenken ist. Bei der gewaltigen Production der Dichter der mittleren Komödie ist es wohl glaublich, dass manche ein älteres, beliebtes Stück neu auflegten und unter ihrem Namen aufführten (Herm. XXIV 44); ob sich damit alle Fälle erledigen, bleibt dahingestellt. Meineke hist. cr. 403. Fragmente bei Meineke III 301. Kock II 236.

[Kaibel. ]