Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Kaisertitel, zuerst Constantin II. in einer Urkunde 331 n. Chr.
Band I,1 (1893) S. 1280 (IA)
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Alamannicus, Gothicus, Francicus, Alanicus, Vandalicus. Seit die Römer überhaupt mit den Germanen in Berührung traten, haben sie die einzelnen Stämme derselben scharf unterschieden; doch brachten dies die Kaiser in ihren Siegestiteln drei Jahrhunderte lang nicht zum Ausdruck. Die furchtbaren Verwüstungen, mit denen die Gothen im 3. Jhdt. das Reich heimsuchten, boten den Anlass, dass sich neben den allgemeinen Titel Germanicus der specielle Gothicus stellte. Dieser erscheint zuerst bei Claudius II. (CIL VIII 4876[1]), aber nur sehr selten und noch mit Germanicus abwechselnd (CIL III 3521.[2] XII 2228[3]). Dagegen führte ihn Aurelian schon ganz regelmässig neben Germanicus (CIL II 4506.[4] V 4319.[5] VI 1112[6] und sonst). Später findet er sich dann noch bei Tacitus (CIL XII 5563[7]), Probus (CIL II 3738.[8] XII 5467[9]), Constantin (CIL III 7000.[10] VIII 8412.[11] 8477[12]), Constantius II. (CIL III 3705[13]), Valentinian, Valens und Gratian (CIL VI 1175[14] und die Überschrift von Eutrops Dedicationsbrief), endlich bei Iustinian (Cod. Iust. I 27, 1). Alamannicus und Francicus traten erst viel später auf. Noch Maximian, Constantius Chlorus und Constantin iterieren nach ihren zahlreichen Siegen über die Alamannen und Franken immer nur den Titel Germanicus. Alamannicus nennt sich zuerst Constantin II. in einer Urkunde des Jahres 331 (CIL III 7000[15]); doch noch im J. 354 erscheint der Beiname so ungewöhnlich, dass sich Constantius II. nicht den Alamannensieger schlechthin, sondern den Sieger der alamannischen Germanen nennt (Germanicus Alamannicus maximus neben Germanicus maximus CIL III 3705[16]). Später kehrt er im Verein mit Francicus, das hier zum erstenmale auftritt, noch bei Valentinian, Valens und Gratian (CIL VI 1175[17]) und dann ebenso bei Iustinian wieder (Cod. Iust. I 27, 1). Die Siegestitel Alanicus und Vandalicus können wir nicht vor Iustinian (a. O.) nachweisen, doch ist es möglich, dass auch schon frühere Kaiser sie geführt haben, da in dieser späten Zeit die Titulatur in den Urkunden meist sehr unvollständig ist. Wenn die Script. hist. Aug. den Beinamen Alamannicus schon dem Caracalla (10, 6), Francicus dem Probus (11, 9) beilegen, so ist dies nur ein weiterer Beweis dafür, dass sie erst im 5. Jhdt. gelebt haben (Seeck Jahrb. f. Philol. 1890, 609). Peter Die Script. hist. Aug. 43.

[Seeck. ]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 4876
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 3521
  3. Corpus Inscriptionum Latinarum XII, 2228
  4. Corpus Inscriptionum Latinarum II, 4506
  5. Corpus Inscriptionum Latinarum V, 4319
  6. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 1112
  7. Corpus Inscriptionum Latinarum XII, 5563
  8. Corpus Inscriptionum Latinarum II, 3738
  9. Corpus Inscriptionum Latinarum XII, 5467
  10. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 7000
  11. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 8412
  12. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 8477
  13. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 3705
  14. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 1175
  15. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 7000
  16. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 3705
  17. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 1175