Pomologische Monatshefte:1. Band:5. Heft:Ueber den Werth mehrerer Obstfrüchte

Pomologische Monatshefte
Band 1, Heft 5, Seite 153–156
Georg Liegel
fortgesetzt von:
Pomologische Monatshefte:1. Band:4. Heft:Ueber den Werth mehrerer Obstfrüchte
fortgesetzt als:
Pomologische Monatshefte:1. Band:6. Heft:Ueber den Werth mehrerer Obstfrüchte
fertig
  >>>
Ueber mehrere Kirschen aus einem aus Belgien neu bezogenen Sortimente
[153]
Ueber den Werth mehrerer Obstfrüchte.
Vom Hrn. Dr. G. Liegel, Apotheker zu Braunau am Inn.
(Fortsetzung von Heft IV.)

40. Königspflaume von Tours. I. Rang. Royale de Tours.

Liegel’s system. Anleitung zur Kenntniß der Pflaumen. II. Heft, S. 241.

Eine große, ovalrunde, roth-blaue Damaszene[WS 1]. Ist wegen Größe und Frühzeitigkeit der Frucht und vorzüglich wegen reichlicher Tragbarkeit des Baumes eine der ersten Früchte, obwohl ihr süßes Fleisch eine Spur einer feinen Weinsäure hat, was aber vielen zusagt. Wenn man nur für eine Damaszene Raum im Garten hätte, so ist es diese Frucht. Zeitigt im zweiten Drittel des August nach der Johannispflaume. Kommt auch vor unter dem Namen Diel’s Königspflaume. Oberdieck’s Anleitung. S. 463.

Anm. d. Red. Die in meiner Anleitung aufgeführte Diel’s Königspflaume ist schon im Wuchse von der Königspflaume von Tours, welche Diel als Königin von Tours versandte und ich von dem Hrn. Verfasser auch als Königspflaume von Tours erhielt, ganz verschieden. Beide haben aber auch im Hannover’schen, bei reicher Tragbarkeit etwas säuerlichen Geschmack; die von mir p. 463. meiner Schrift aufgeführte Königspflaume der man zum Unterschiede von Mayer’s Königspflaume jetzt häufig den Namen Diel’s Königspflaume gibt, wird vielmehr die folgende, Nr. 53, seyn.
O.

53. Königspflaume. I. Rang. Royale.

Liegel’s system. Anleitung. II. Heft, Seite 243.

Eine große, plattgedrückte, runde, roth-blaue Damaszene.

Diese schöne, edle Frucht ist größer und süßer, als die Königspflaume von Tours, der Baum aber weniger tragbar. Verdient in jeder Obstpflanzung einen Platz, da man sie auch noch zu den frühen Pflaumen zählen kann. Zeitigt nach der Königspflaume von Tours im letzten Drittel des August.

57. Violette Jerusalemspflaume. I. II. Rang.

Liegel’s system. Anleitung. II. Heft, Seite 54.

Eine ansehnlich große, violett-blaue, eiförmige Zwetsche.

Diese Frucht hat einen der gemeinen [154] Hauszwetsche ähnlichen Geschmack, der allgemein beliebt ist. Zeitigt nach und nach, hält sich am Baume lange gut, dieser trägt fast jährlich, und oft strotzend. Verdient die allgemeinste Anpflanzung in einer vor rauhen Winden halbgeschützten Lage. Zeitigt im zweiten Drittel des September. Siehe Oberdieck’s Anleitung, S. 461, der sie zu den besten Früchten zählt.

Der Verfasser erhielt davon Zweige von Diel im Jahre 1822, als Wahre blaue Eierpflaume, später von demselben als Violette Jerusalemspflaume. Von andern Orten erhielt ich sie noch einige Male als Große Myrabolane. Oberdieck’s Anleitung, S. 461.

92. Grüne Dattelzwetsche. II. Rang.

Liegel’s system. Anleitung. II. Heft, Seite 116.

Eine ansehnlich große, gelblich-grüne, auffallend lange Zwetsche.

Ich pflanzte von dieser Frucht schon vor mehr als 25 Jahren zwei Bäume und erhielt seit dieser langen Zeit selten nur einzelne, vollkommene Früchte; überdieß zerspringen sie im Regen, auch schon lange vor der Zeitigung. Sie ist zwar, vollständig ausgezeitigt, eine schöne, große, gute Zwetsche, aber für den hiesigen Boden und Klima unbrauchbar. In der neuen Zeit erhielt ich sie einige Mal als Berliner-Pflaume, und auch als Susina Verdaclia longa, scheinet auch als Weiße indische Pflaume verbreitet zu seyn. Liegel’s Beschreibung neuer Obstsorten. I. Heft, S. 155.

124. Violette Diaprée. I. Rang. Diaprée violette.

Liegel’s system. Anleitung. II. Heft, Seite 79.

Eine fast mittelgroße, schwarzblaue Zwetsche.

Sie gehört zu den besten Früchten, so zum rohen Genuß, als zum Dörren geeignet, gibt vortreffliche Prünellen. Zeitigt im letzten Drittel des August, gehört daher noch zu den frühen Früchten, wo Zwetschen hochgeschätzt werden. Ich möchte mich kaum irren, wenn ich diesem Baum in Hinsicht seiner Fruchtbarkeit den ersten Platz einräume, nur Schade, daß sich die Frucht wegen strotzender Tragbarkeit des Baumes auf die kleine Seite neigt. Oberdieck’s Anleitung, S. 454.

Anm. d. Red. Zeigte sich auch im Hannoverschen höchst werthvoll, wie auch in Hohenheim.

100. Wahre Frühzwetsche. I. Rang.

Liegel’s system. Anleitung. II. Heft, Seite 6.

Eine mittelgroße, dunkelblaue, verschoben ovale Zwetsche.

Diese Frucht verdient alles Lob, besonders da sie Anfangs September schon zeitigt. Allein dessen Baum trägt hier selten und nie viele Früchte; obwohl ich zwei Bäume seit vielen Jahren in einer vortheilhaften Lage besitze. Ich habe davon vielfältig Zweige versendet, es wäre zu wünschen, daß von andern Orten ebenfalls über diese edle Frucht berichtet würde. Ich erhielt sie auch unter den Benennungen: Frühe gemeine Zwetsche, August-Zwetsche. Oberdieck’s Anleitung, Seite 459.

261. Wangenheim’s Frühzwetsche. I. Rang.

Liegel’s Beschreibung neuer Obstsorten. I. Heft, S. 14.

Eine mittelgroße, dunkelblaue, ovale Zwetsche.

Diese Frucht ist in allem sehr ähnlich der Wahren Frühzwetsche. Zeitigt mit und nach derselben im ersten Drittel des [155] September und ist häufiger Vermehrung werth, indem der Baum in einer warmen Lage reichlich tragbar ist. Die Frucht steht zwar im hohen Geschmacke jener nach, man kann sie aber 14 Tage vor der gemeinen Zwetsche auf den Markt bringen, was ihr großen Werth gibt.

Ich erhielt davon Zweige von Dittrich aus Gotha mit Namen Wangenheim’s Pflaume, s. dessen system. Handbuch der Obstkunde, II. Bd. Seite 199.

257. Lucas’s Frühzwetsche. I. Rang.

Liegel’s Beschreibung neuer Obstsorten. I. Heft, S. 54.

Eine stark mittelgroße, dunkel-violette, eiförmige Zwetsche.

Eine sehr brauchbare, gute, der gemeinen Zwetsche im Geschmacke und Form ähnliche Frucht. Zeitigt mit der Wahren Frühzwetsche, Anfangs September. Der Baum, im Garten c, in einer ganz freien Lage, trägt fast jährlich, und oft reichlich, ist daher allgemein zu empfehlen, da um diese Zeit Zwetschen noch selten sind.

Ich erzog diese Frucht aus dem Stein der Johannispflaume, und beschrieb sie in den vereinigten Frauendorfer Blättern 1844, S. 197. als: Nr. 339. der Sämling der Johannispflaume, I. Generation, III. Baum und gab

auch unter dieser Benennung Zweige ab. Erst im Jahre 1851 erlaubte ich mir, den verdienstvollen Namen Lucas, jetzigen k. Garten-Inspektor zu Hohenheim, damit zu ehren. Oberdieck’s Anleitung, Seite 458.

Anm. d. Red. Zeigte sich auch im Hannoverschen ebenso werthvoll.

O.

41. Catalonischer Spilling. I. Rang.

Eine kleine, gelbe, ovale Damaszene – Zwetsche.

Sie hat einen lieblich angenehmen Geschmack, und ist die früheste Pflaume. Zeitigt Ende Juli, verdient daher in jedem Garten einen Platz, verlangt aber eine warme, geschützte Lage. Der Baum trägt wohl fast jährlich, aber selten bedeutend. Heißt auch Catalonische Pflaume, Gelbe Frühpflaume, Jaune hative. Prune jaune hative. Oberdieck’s Anleitung, S. 472.

Anm. d. Red. Güte war im Hannover’schen ebenso, die Tragbarkeit aber, wenigstens in sechs Jahren, wo ich in Sulingen einen schönen jungen Baum hatte, höchst gering. Seitdem mißglückte es einen neuen Baum schon anzuziehen. Vielleicht ist das von Diel erhaltene Reis etwas krank gewesen.
O.

88. Scanarda[WS 2]. I. II. Rang.

Liegel’s Beschreibung neuer Obstsorten. I. Heft, S. 37.

Eine mittelgroße, gelbe, lang umgekehrt-eiförmige Zwetsche.

Gehört zu den guten Frühzwetschen. Zeitigt im ersten Drittel des August, hält sich wegen ihrem festen Fleische lange am Baume, der in einer halbgeschützten Lage ziemlich fruchtbar ist; eine neue Frucht.

Ich erhielt davon Zweige aus der Zentralobstbaumschule in Gratz im Jahre 1836, angeblich aus Pavia.

15. Johannispflaume. I. Rang.

Liegel’s system. Anleitung. II. Heft, Seite 208.

Eine kleine, schwarz-blaue ovale Damaszene.

Ist eine der frühesten Früchte, schon reif im ersten Drittel des August, und dabei von einem sehr edlen Geschmacke. Die Tragbarkeit des Baumes in etwas geschützter Lage ist zwar nicht immer, aber doch öfters strotzend. Darf in keinem Garten fehlen. Oberdieck’s Anleitung, S. 461.

Es kommen davon folgende Synonyme vor, Noire de Montreuil, Damas noir hative, Prune de St. Cyr, Prune de St. Jean, schwarze Frühpflaume. Ich cultivire noch drei andere kleine, blaue Frühpflaumen: 197 Frühe Leipziger

[156] Damaszene, 365 Rothe Frühdamaszene, 354 Frühe schwarze Pflaume; letztere erhielt ich erst vor einigen Jahren von Herrn Superintendenten Oberdieck, die ebenfalls schon getragen hat und eine gute Frucht ist. Siehe dessen Anleitung 467.

Anm. d. Red. Obwohl ich bisher nur Früchte von dem von Diel erhaltenen Reise der Johannispflaume hatte, so zweifle ich doch nicht, schon lange durch Diel die rechte gehabt zu haben, da das von Herrn Dr. Liegel bezogene Reis ganz dieselbe, leicht kenntliche Vegetation hat. Daher ist es mir auffallend, daß, während allermeistens die Johannispflaume gelobt wird, meine Bäume, sowohl in Sulingen, als Nienburg, theils nie voll trugen, theils stets so sehr harzende Früchte hatten, daß diese ohne allen Werth waren. Ich schob das auf den sandigen Boden; da indeß Herr Dr. Liegel solchen auch hat, so müssen weitere Forschungen ergeben, was hier die geringe Güte der Frucht veranlaßte.

O.

9. Große Zuckerzwetsche. I. Rang.

Liegel’s system. Anleitung. II. Heft, Seite 81.

Eine mittelgroße, schwarz-blaue, ovale Zwetsche.

Ist eine sehr gute Frucht, nur etwas größer, als die gemeine Zwetsche; schon reif zu Ende August. Der Baum trägt sparsam und selten reichlich, ist in unserem Klima einer der unfruchtbarsten Pflaumen-Bäume, den ich schon mehr als 50 Jahre kenne. Sie heißt nur groß im Verhältniß einer kleinen Zuckerzwetsche. Der Baum hat auffallend große Blätter. Heißt hier Belzzwetsche, auch bisweilen Ananaszwetsche, aus Böhmen erhielt ich sie als Kladrauerzwetsche. Oberdieck’s Anleitung, S. 473.?

Anm d. Red. Ich habe vermuthet, daß die im Hannover’schen sehr verbreitete, sehr tragbare Jakobizwetsche die Große Zuckerzwetsche sey, von welcher ein schöner Baum in Nienburg mir plötzlich abstarb, nachdem ich nur ein paar unvollkommene Früchte gesehen hatte. Nachdem Herr Dr. Liegel seine Große Frühzwetsche Nr. 270. beschrieben hat, scheint es mir wahrscheinlich, daß diese die hiesige Jakobizwetsche sey.
O.
(Fortsetzung folgt.)

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Damanszene
  2. Vorlage: Scanada (vgl. Anzeige von Druckfehlern)