Ode zum Jahreswechsel 1916/1917

Textdaten
<<< >>>
Autor: Erich Mühsam
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ode zum Jahreswechsel 1916/1917
Untertitel:
aus: Brennende Erde. Verse eines Kämpfers, S. 49
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1920
Verlag: Kurt Wolff Verlag
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: München
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[49] ODE
zum Jahreswechsel 1916/1917
Es birst ein Jahr und fährt in die Ewigkeit.
Ein Jahr des Todes und dunkler Geschicke voll
stürzt es dem vorigen nach in sein Blutmeer,
räumt es der Zukunft die trostlosen Stätten.
5
Die kommt gezogen zögernd im Faltenkleid,
umraucht vom Kriege, doch über dem Haupte schon
dämmert ihr neblig ein flackernder Lichtkranz.
Naht sich dem Weltall die Hoffnung auf Frieden?
Es betet brünstig, wer noch an Götter glaubt,
10
sie möchten enden den schrecklichen Völkermord,
über den Trümmern verschütterter Sehnsucht
Schöneres aufbaun, als Grabmäler decken.
Denn unten faule ewig in Staub und Schutt
der arge Geist, der den Menschen in Waffen schliff.
15
Nimmer erwache den Völkern die Machtgier:
Feindin der Schönheit und Urgrund des Hasses.
Die Tränen aber, jeglichen Tropfen Bluts,
der Mütter Leid und der Bräute zerstörtes Glück,
sammelt im Herzen zu eifernder Andacht,
20
wehrend dem Kriegszorn mit sieghafter Liebe.