Nachtrag zu dem Aufsatze: Über Wasserstraßen und deren Verhältnis zu den Eisenbahnen.

Textdaten
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Autor: Wasserbau-Inspektor v. Martens
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Titel: Nachtrag zu dem Aufsatze: Über Wasserstraßen und ihr Verhältnis zu den Eisenbahnen
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aus: Gewerbeblatt aus Württemberg
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Erscheinungsdatum: 1869
Verlag: Cotta
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Kurzbeschreibung: Vorstellung der Drahtseilschifffahrt
siehe auch: Tauerei
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Nachtrag zu dem Aufsatze: „Ueber Wasserstraßen und deren Verhältniß zu den Eisenbahnen".

Der Veröffentlichung dieses Aufsatzes verdankt der Verfasser einige interessante Mittheilungen über die neuesten Fortschritte des Prinzips der Schifffahrt mit versenkter Kette und die Bestrebungen, demselben in veränderter Gestalt weitere Verbreitung zu verschaffen.

Das neue patentirte System der Herren de Mesnil und Eyth (letzterer aus Württemberg), welches in einer von ihnen herausgegebenen [79] Broschüre[1] näher beschrieben ist, unterscheidet sich von der durch Bouquié auf der Seine eingeführten Kettenschifffahrt hauptsächlich dadurch, daß die Kette durch ein Drahtseil ersetzt ist und die zur Vermeidung des Gleitens des Taues nöthige Reibung durch eine eigenthümliche Konstruktion der Trommel erzeugt wird. Die Vortheile der Verwendung von Drahtseilen anstatt der Ketten sollen aber hauptsächlich darin bestehen, daß erstere bei gleicher Festigkeit 4–5mal leichter sind als letztere, was der möglichst vollständigen Ausnutzung der Betriebskraft zu gut kommt. Ferner ist bei Drahtseilen die Möglichkeit gegeben, zwei oder mehrere Taue in die Sohle eines Flusses oder Kanals zu legen, weil die Taue über einander weggleiten ohne sich zu verwirren, was bei Ketten nicht der Fall ist; es ist dieses aber da von Werth, wo wegen geringen Gefälls auch die Thalfahrt mit Hilfe des Tauschleppers zu geschehen hat.

Mit diesem neuen System wurde nach dem „Commercial Advertiser von Buffalo“ am 2. Juni 1867 auf dem Kanal zwischen Buffalo und Albany eine Probe gemacht, welche namentlich auch deßhalb von allgemeinerem Interesse ist, weil die Wassertiefe des Kanals zur Zeit dieses Versuchs nur 21/2 Fuß betrug. Ein Drahtseil von 5/8 Zoll Durchmesser war auf die Länge von einer Meile im Kanal versenkt. Das mit etwa zweihundert Tonnen Kohlen beladene Boot Elisa hatte eine kleine Dampfmaschine von 4 Pferdekräften auf dem Verdeck, in der Nähe des Bugs. Neben der Schleuße, von welcher aus die Fahrt begann, ist ein langes Wehr, dessen überfließendes Wasser auf eine größere Entfernung eine starke Strömung im Kanal verursacht; die Fahrt abwärts ging demnach hauptsächlich mit deren Hilfe.

Als das Boot sich dem unteren Ende des Taues genähert hatte, wurde es angehalten und die Maschine umgekehrt. Ein von vier Pferden gezogenes und mit 110 Tonnen Kohlen beladenes Boot, das eben ankam, wurde der Elisa nun angehängt. Mit Hilfe der schwachen Dampfmaschine und des Taues wurde nun die ganze Last von 310 Tonnen Kohlen gegen eine starke Strömung in 28 Minuten eine englische Meile (1609 Meter) weit zu Berg gefördert; bei dem gewöhnlichen Leinzug wären hiezu 8 Pferde nöthig gewesen.

Weitere Versuche mit diesem System wurden in Belgien (bei Lüttich, wo ein regelmäßiger Dienst mit 1 Tauschlepper und 10 angehängten Booten eingeführt ist) und der Normandie angestellt, welche von dem besten Erfolg begleitet gewesen sein sollen und geeignet erscheinen, die großen Erwartungen zu verwirklichen, welche von diesem neuen System der Fluß- und Kanalschifffahrt gehegt werden.


  1. Steam Cable-Towing, a new system of towing on canals and rivers. Patented by O. Mesnil and M. Eyth. New-York 1868.