Franz Joseph Werfer
Versuch einer medizinischen Topographie der Stadt Gmünd
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Tage hat dieser Monat 9, trübe 13, 8 mit Regen und 1–2 mit Schnee. Der mittlere Barometerstand ist 27’’. 11’’’, 0; der höchste Thermometerstand + 15°, der tiefste + 5°.

Der November hat gewöhnlich anfänglich noch angenehme, ja etwas warme Tage, welche aber gegen die Mitte durch frostige Regen mit häufigen und sehr stürmischen Winden bald unterbrochen werden; zu Ende des Monats ist der Schnee nicht selten schon häufig, zerfließt aber schnell wieder, indem es gewöhnlich gleich darein regnet; häufige und Starke Nebel, die erst spät im Thale verschwinden, trüben die Atmosphäre, und fallen Nervenschwachen, und kränkelnden Menschen oft lästig und schwer. Man rechnet auf diesen Monat 9 heitre, 9 trübe und wolkichte Tage, 7 mit Regen, und 5 mit Schnee. Der mittlere Barometerstand ist 27’’. 8’’’, 7; der höchste Thermometerstand + 9°, und der tiefste 0.

Der Dezember bringt uns erst recht frostige und kalte Tage mit häufigen Regen und Schneegestöber; besonders stürmisch geht es um die Winter-Sonnenwende zu. Zwar ist die Kälte noch nicht anhaltend streng, wohl aber darf man diesen ganzen Monat schon zu unserm Winter rechnen, der zu dessen Verlängerung viel beyträgt. Er hat 7 heitre, 12 trübe und neblichte, 6 Regentage und eben soviel mit Schnee. Der mittlere Barometerstand ist 7’’. 5’’, 8; der höchste Thermometerstand + 6°, und der tiefste - 6°.

Im Ganzen kann man im Jahr hindurch über 100 heitre Tage annehmen[,] ganz heitre, wo sich am ganzen Himmel kein Wölkchen, und selbst am Horizont keine auch noch so kleine Dunstdecke zeigt, sind auch

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nicht gar selten, und wir dürfen immer 20–25 solche rechnen. Die Gewitter sind meistens zahlreich und oft schwer mit häufigen und starken Schloßen begleitet, richten auch manchmal mehr oder weniger Schaden an, doch entzünden sie selten; sie steigen gewöhnlich in Westen auf, theilen sich gerne süd-westlich unter der Stadt an den hohen Bergen, und ziehen gegen Osten und Norden seitwärts an der Stadt ohne Schaden vorüber; nur wenn solche sehr schnell daher rollen, und mehr in unsrer Nähe entstehen, ziehen sie gerade über die Stadt hin. Winde haben wir keine regelmäßige, aber stark und häufig sind dieselben im Frühjahr, Herbst und Winter, und besonders beym Wechsel der Jahrszeiten. Sie kommen meistens von West- und Nordwest, bey andauernd heitern Wetter von Süd-Ost und Nord-Ost, am seltensten sind die ganz von Osten her. Die Luft im Thale ist abwechselnd trübe und feucht, heiter und trocken, doch im Ganzen mehr das erstere, daher auch zum Theil das häufigere Vorkommen der Katarrhe, Rheumatismen, der Gicht und Wassersucht. Eigentlich unreine mit schädlichen Dünsten geschwängerte Luft haben wir nicht bald, indem die häufig durch das Thal streichenden Winde dieselbe stets in Bewegung erhalten und reinigen, auch nirgends in der Nähe Sümpfe und Moräste sind, deren giftige Exhalationen sie verpesten, oder andere schädliche Effluvien[1] unsers Bodens, die sie verunreinigen könnten. Indessen fällt der häufig stattfindende Luftwechsel manchen beschwerlich, und schnell folget oft auf warme und heitere Tage, zumal im Herbst und Frühling wieder nasse, mehr frostige und unbehagliche Witterung; doch sind plötzliche Uebergänge


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Effluvium, lat.; Ausfluss