Marienkäfer als Handelsartikel

Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Marienkäfer als Handelsartikel
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aus: Das Buch für Alle, Illustrierte Familienzeitung, Jahrgang 1914, Heft 25, S. 561
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Commons
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[561] Marienkäfer als Handelsartikel. – Kalifornien ist bekanntlich nicht nur das Land des Goldes, sondern heutzutage weit mehr ein Dorado für Weizen- und Obstbau. Der letztere wurde nun in den Jahren 1909 und 1910 durch das massenhafte Auftreten der die Fruchtknospen zerstörenden Blattläuse auf das schwerste gefährdet. Alle Versuche, der gefährlichen Schädlinge durch Bespritzen der Zweige mit scharfen Flüssigkeiten Herr zu werden, schlugen fehl, da man durch die ätzenden Mittel gleichzeitig auch die jungen Knospen zum Absterben brachte.

In dieser Not wandten sich die Obstzüchter an einen Fachmann, den an der Universität in San Franzisko wirkenden Professor Warner, um Rat und Hilfe. Warner lenkte sofort die Aufmerksamkeit der tatsächlich hart in ihrer Existenz bedrohten Obstplantagenbesitzer auf den bisher kaum beachteten Marienkäfer als den Spezialfeind und eifrigen Vertilger der Blattläuse. Er riet, man solle die Marienkäfer, die nach seinen Erfahrungen im Winter, zu Klumpen unter der Schneedecke zusammengeballt, hauptsächlich in geschützten Gebirgstälern leicht massenhaft zu finden seien, in großen Mengen sammeln und im Frühjahr in den Obstfeldern aussetzen, wo sie dann sofort ihren Vernichtungskrieg gegen die Blattläuse beginnen würden.

Ein probeweise auf einer Obstplantage angestellter Versuch mit den unscheinbaren, gefleckten, rotbraunen Käfern zeitigte im Sommer 1911 glänzende Resultate. Die Menge der von dem Versuchsfelde geernteten Früchte war fast doppelt so groß als die eines gleich großen, mit Marienkäfern nicht besetzten Landstückes. Daraufhin wurden von den Obstzüchtern im folgenden Winter ganze Expeditionen zum Einsammeln der Marienkäfer in die Berge geschickt. Sie brachten reiche Beute heim. Die Stellen, wo man unter dem Schnee auf „Käfernester“ stößt, sind nämlich, wie Professor Warner richtig angegeben hatte, insofern leicht zu finden, als man in der Nähe stets große Mengen abgeworfener Käferschalen antrifft. Die „Käfernester“ selbst ähneln einem aus dünnen Zweigen, Kiefernadeln und Laub hergestellten Balle, der einen Durchmesser bis zu fünfzig Zentimeter besitzt, und dessen Kern aus einigen Tausenden der nützlichen Insekten besteht. Nur diese Art der Überwinterung macht es möglich, die kleinen Tierchen gleich in solchen Massen einzusammeln, daß es sich verlohnt, sie auf die Blattläuse loszulassen. An einem Tage wurden zum Beispiel in den Schluchten des Koloradoplateaus nicht weniger als 180 Kilogramm Marienkäfer gefunden.

Im Winter 1912 auf 1913 haben die Marienkäferexpeditionen nach den neuesten Veröffentlichungen Warners nicht weniger als 90 Millionen der kleinen, jetzt so gesuchten Insekten gesammelt.

W. K.