Magnetisch gewordene Uhren und ihre Heilung

Textdaten
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Autor: Bw.
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Titel: Magnetisch gewordene Uhren und ihre Heilung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 195
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[195] Magnetisch gewordene Uhren und ihre Heilung. Die Anzahl der Uhren, die den Dienst versagen, weil einzelne ihrer Teile magnetisch geworden sind, ist nicht gering. Da wird es denn ein Trost für alle Besitzer solcher erkrankten Uhren sein, daß man auch diesem Schaden jetzt mit verhältnismäßig leichter Mühe vermittelst einer Entmagnetisierungsmaschine abzuhelfen versteht. Der nach Angaben des Redakteurs der „Deutschen Uhrmacher-Zeitung“, W. Schultz in Berlin, gebaute Apparat, der sich im Besitze des deutschen Uhrmacherbundes befindet, beruht auf folgendem Prinzip: ein magnetischer Gegenstand verliert seinen Magnetismus, wenn man ihn in den Mittelpunkt der von einem stärkeren Magneten ausstrahlenden Kraftlinien bringt, ihn hier in rasche Drehung versetzt und zugleich den auf ihn einwirkenden Magnetismus langsam abschwächt und zuletzt auf Null reduziert. Zur Ausführung dieser Idee dient in unserem Falle eine kleine, einer Uhrmacherdrehbank ähnliche Maschine, auf welcher die Taschenuhr im genauen Mittelpunkt der Drehungsachse eingespannt und in sehr schnelle Rotation gesetzt wird. Es ist dabei große Vorsicht und die Stützung der feinsten Mechanismen, wie z. B. der „Unruhe“, durch untergelegte Papierblättchen u. dergl., nötig, um die Taschenuhr bei der schnellen Rotation von 600 bis 700 Touren in der Minute vor anderweitigen Verletzungen zu bewahren. Der rotierenden Uhr gegenüber und in ihrer nächsten Nähe stehen die Pole eines von zwölf galvanischen Elementen erregten Elektromagneten. Eine mechanische Übertragung zwischen der Rotationsachse und dem Elektromagneten bewirkt, daß sich der letztere bald nach dem Beginn der Rotation ganz allmählich von der Uhr entfernt, bis nach einigen Minuten seine Kraft aufhört, auf sie zu wirken; jetzt hat auch die Uhr selbst ihren Magnetismus verloren und ihren normalen Gang wiedergewonnen. Die ersten, freilich erst nach langen, mühseligen Versuchen gelungenen Resultate dieser Methode bewirkten einen starken Zulauf aller Uhrmacher, denen magnetisch gewordene Taschenuhren zur Behandlung übergeben waren, zur Entmagnetisierungsstelle des deutschen Uhrmacherbundes in Berlin (Jägerstraße). Vier Monate nach der etwa zu Beginn des vorigen Jahres erfolgten Aufstellung der Maschine waren dem Bureau 86 Uhren zur Heilung übergeben worden, und insgesamt mag sich die Zahl der bis jetzt an dieser Stelle und zwar völlig unentgeltlich behandelten Uhren auf 200 Stück belaufen. Jetzt hat man den Apparat, da sein Betrieb in den Thätigkeitsrahmen des Uhrmacherbundes nur wenig hineinpaßt, anderen bewährten Händen übergeben müssen. Bw.