Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „X“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 16 (1890), Seite 795
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X. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 16, Seite 795. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:X (Version vom 15.09.2022)

[795] X (ix), x, lat. X, x, das Zeichen für den Doppellaut ks. In den ältesten griechischen und italienischen Inschriften findet sich dafür noch ks geschrieben, das wahrscheinlich von dem phönikischen Samech abstammende einfache Zeichen x fand erst 403 v. Chr. unter dem Archon Eukleides Aufnahme in das athenische Alphabet, von wo aus es in die gemeingriechische und später als drittletzter Buchstabe in die römische und die neuern Schriften gelangte. Die germanischen Sprachen wenden das x in der Regel nur in Fremdwörtern an, einschließlich der romanischen Wörter der englischen Sprache; deutsche Wörter mit x sind Axt, Nixe, Hexe, Axe, das aber häufiger Achse geschrieben wird. Die englische Endsilbe xion ist kshn auszusprechen. Die Franzosen sprechen das x in fremden Wörtern wie ks, in heimischen wie s. Die Italiener schreiben es im Anlaut nur noch in einzelnen Fremdwörtern, wie xilografia (jetzt aber auch meist silografia geschrieben), und verwandeln es sonst in s, z. B. in esaudire, lat. exaudire, oder in ss, z. B. in Alessandria. Das spanische x bezeichnet in heimischen Wörtern in der Regel ein scharfes ch, z. B. in Don Quixote, spr. kichōte, ist aber in der jetzigen Orthographie meistens durch j verdrängt worden; in Fremdwörtern hat es den Laut ks beibehalten, in gewissen Fällen wird es wie s gesprochen (z. B. extranjero, jetzt estranjero geschrieben). Die Slawen kennen das x nur in Fremdwörtern, und auch in diesen bezeichnen sie es meist mit ks. Die Redensart: ein X für ein U machen heißt ursprünglich s. v. w. das Doppelte anrechnen (nämlich statt einer V eine X, die aus zwei V gebildet ist, setzen), dann überhaupt s. v. w. etwas weismachen.

Abkürzungen.

Als Zahlzeichen im Griechischen ξ = 60, ͵ξ = 60,000, im Lateinischen X = 10. In römischen Schriften ist X = Denarius, weil derselbe aus 10 As bestand; in der Mathematik zeigt x eine unbekannte, noch zu suchende Größe an (daher in der Umgangssprache xmal, s. v. w. unbestimmt wievielmal). Im kanonischen Recht bedeutet es den ersten Teil der Dekretalen; in ältern medizinischen Schriften ist x = Unze.

XP, in der Telegraphie = exprès payé, „Eilbote bezahlt“.
ΧΡ (griech., auch ☧) = „Chr.“ (Christusmonogramm, s. d.).
Xr., früher = Kreuzer (Münze).