Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Telegraph“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 15 (1889), Seite 564573
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Telegraph. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 15, Seite 564–573. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Telegraph (Version vom 18.06.2022)

[564] Telegraph (griech., „Fernschreiber“, hierzu Tafeln „Telegraph I u. II“), jede Vorrichtung, welche den Austausch von Nachrichten zwischen entfernten Orten ohne Zuhilfenahme eines Transportmittels ermöglicht. Licht, Schall und Elektrizität sind die Mittel, deren man sich zur Erreichung dieses Zwecks bedienen kann; doch finden die optischen und akustischen Telegraphen nur noch zu Signalen, im Eisenbahnbetrieb, bei der Schiffahrt und im Kriegswesen Verwendung. Optische Telegraphen sind schon im Altertum angewandt worden; nach Äschylos erfuhr Klytämnestra die Eroberung von Troja durch Feuerzeichen auf den Bergen noch in derselben Nacht, obwohl eine Strecke von 70 Meilen dazwischenlag. Ähnliche Alarmfeuer waren bei den Feldzügen Hannibals, insbesondere bei den Schotten, aber auch bei den germanischen und andern Völkerschaften gewöhnliche Mittel der Telegraphie, worüber sich unter andern bei Polybios, J. Africanus und sonstigen Schriftstellern Nachrichten finden. Kleoxenos und Demokleitos (450 v. Chr.) sollen die Buchstaben des griechischen Alphabets auf fünf Tafeln verteilt und dann durch Erheben von Fackeln nach links oder rechts zuerst die Tafel, auf welcher der zu telegraphierende Buchstabe stand, darauf die Nummer des letztern selbst bezeichnet haben. Polybios (196) ließ diese Feuerzeichen durch Röhren beobachten, welche in gewissen Stellungen fixiert waren. Weitere Ausbildung erhielt der optische T. erst 1793 durch die Gebrüder Chappe, welche drei Balken an einem weithin sichtbaren Ort so an einem Gestell befestigten, daß sie in vielfachen Kombinationen eine große Zahl bestimmter Zeichen geben konnten. Zwischen Paris und Lille telegraphierte man mit diesem Apparat, unter Benutzung von 20 Stationen, in 2 Minuten, und seitdem verbreitete sich derselbe sehr schnell. In neuerer Zeit benutzt man nach dem Vorgang der Amerikaner während des Bürgerkriegs auch bei der optischen Telegraphie die Zeichen des Morsealphabets und stellt sie durch kurze und lange Lichtblitze, Stellung beweglicher Arme, Tafeln an Stangen oder Flaggen dar. Die Engländer haben im Kapland und Afghanistan den Heliographen (s. d.) angewendet. Mackenzie hat mit dem Heliographen den Taster des Morse-Apparats verbunden und fixierte auf der Empfangsstation die Lichtblitze photographisch. Spankowski hat die Lichtblitze durch Verbrennung zerstäubten Petroleums in einer Spiritusflamme, und auf

[Ξ]

Telegraph I.
Fig. 3. Schaltung für Kabelstation.
Fig. 4. Thomsons Heberschreibapparat.
Fig. 5. Schriftprobe des Heberschreibapparats.
Fig. 13. Korrektionsrad.
Fig. 16. Gegensprechschaltung von Fuchs.
Fig. 17. Gegensprechschaltung von Canter.
Fig. 18. Isolier-Doppelglocke.
Fig. 19. Querschnitte der Kabel.

[Ξ]

Telegraph.
Fig. 1. Casellis Pantelegraph.
Fig. 10. Hughes-Apparat.
Fig. 12. Druckvorrichtung des Hughes-Apparats.

[Ξ]

Telegraph II.
Fig. 2. Thomsons Spiegelgalvanometer.
Fig. 6. Normalfarbschreiber.
Fig. 7. Morse-Taste.
Fig. 8. Galvanoskop.
Fig. 9. Plattenblitzableiter.
Fig. 11. Elektromagnetsystem und Verkuppelung des Hughes-Apparats.
Fig. 14. Stiftbüchse des Hughes-Apparats.
Fig. 15. Schlitten des Hughes-Apparats mit seitlichem Kontakt.

[565] kurze Entfernungen hat man sie durch Öffnen und Schließen einer hellleuchtenden Lampe hervorgebracht. In Deutschland, Rußland u. a. O. hat man in gefesselten Luftballons durch elektrisches Licht ähnliche Zeichen gegeben. Bruce benutzte einen aus dünnem Stoff gefertigten Luftballon von 4–5 m Durchmesser, in welchem eine oder mehrere Glühlampen aufgehängt sind, deren Erglühen durch eine Leitung im Haltetau hervorgerufen wird; der Luftballon erscheint dann als glühende Kugel. Die Franzosen haben zwischen Mauritius und Réunion auf 180 km Entfernung einen optischen Telegraphen eingerichtet, bei dem die Lichtblitze einer Petroleumflamme durch Prismen verstärkt werden. Zur Zeichengebung durch bewegliche Arme bedient man sich im Festungskrieg, auch auf den Schießplätzen der Artillerie, der vierarmigen Semaphoren. In gleicher Weise erfolgt die Zeichengebung durch zwei nebeneinander stehende Leute, die in jeder Hand eine Tafel mit kurzem Stiel halten; die senkrechte Stellung derselben bedeutet Punkte, die wagerechte die Striche des Alphabets. Nachts treten an Stelle der Tafeln farbige Laternen; je nach Vereinbarung bedeutet die eine Farbe Punkte, die andre Striche. Diese Art des Telegraphierens bildet den Übergang zum Signalisieren (s. Signale), wobei gewisse Zeichen oder Armstellungen gewisse Bedeutung erhalten, die durch ein Signalbuch festgestellt sind.

Die elektrische Telegraphie

beruht auf der schnellen Fortpflanzung der Elektrizität in metallischen Leitern. Die Versuche, die Reibungselektrizität zum Telegraphieren zu benutzen, führten zu keinem praktischen Ergebnis; nachdem aber in der galvanischen oder Berührungselektrizität eine viel geeignetere Kraftform entdeckt war, benutzte Sömmerring 1809 die durch die Voltasche Säule bewirkte Wasserzersetzung zum Telegraphieren, indem er 35 Drähte zu ebenso vielen mit Buchstaben und Ziffern bezeichneten Wassergefäßen der entfernten Station leitete. Die hohen Kosten einer solchen Leitung sowie die Schwierigkeit, einen Strom von erforderlicher Stärke auf größere Entfernungen zu entsenden, ließen auch diese Idee als im großen unausführbar erscheinen. In späterer Zeit hat man die chemische Wirkung des elektrischen Stroms zur Herstellung von Schreib- und Kopiertelegraphen zu verwenden gesucht, indem man Papierstreifen mit einer farblosen Flüssigkeit tränkte, welche durch den Strom in gefärbte Bestandteile zerlegt ward, z. B. mit einer Lösung von Jodkalium oder Blutlaugensalz. Derartige Telegraphen sind angegeben worden von Davy (1838), Bain (1847), Gintl und Stöhrer (1852), haben aber keine Verbreitung gefunden.

Der Pantelegraph von Caselli (Fig. 1, Tafel I) war 1865 zwischen Paris und Lyon im Gebrauch. Ein innerhalb eines eisernen Rahmens bei D befestigtes langes Pendel mit der Eisenlinse E schwingt unter Mitwirkung eines Chronometers F und der Batterie B zwischen den Elektromagneten MM1 und überträgt durch die Zugstange de seine Bewegung auf die an dem Schlitten f befestigten Schreibstifte. Letztere bewegen sich demnach hin und her über den auf den gekrümmten Blechpulten AA1 aufliegenden, chemisch zubereiteten Papierblättern und rücken zugleich bei jeder Schwingung um eine Linienbreite auf ihrer Achse vor. Der eine Stift arbeitet nur auf dem Hingang, der andre auf dem Rückgang; es können mithin zwei Telegramme zugleich abgegeben werden.

Die Epoche der elektromagnetischen Telegraphie begann 1820 mit Örsteds Entdeckung, daß eine in der Nähe des Schließungsdrahts einer Voltaschen Säule aufgestellte Magnetnadel je nach der Richtung des Stroms nach der einen oder der andern Seite hin abgelenkt wird. Da hierzu, wenn die Nadel von zahlreichen Drahtwindungen (Multiplikator) umgeben ist, ein schwacher Strom ausreicht, so war die Möglichkeit, auf große Entfernungen zu telegraphieren, gegeben. Jedoch weder das Telegraphenmodell von Ampère und Ritchie (1820) mit 30 Nadeln und 60 Leitungsdrähten noch dasjenige von Fechner (1829) mit 24 Nadeln und 48 Drähten eignete sich zur Ausführung im großen. Erst 1832 versuchte Schilling von Canstadt, Eine Nadel mit nur zwei Leitungsdrähten anzuwenden und die verschiedenen Buchstaben durch Kombination mehrerer Ablenkungen nach rechts und links auszudrücken. Aber schon 1833 hatten Gauß und Weber zu Göttingen zwischen der Sternwarte und dem physikalischen Kabinett eine auf derselben von ihnen selbständig gefundenen Idee beruhende telegraphische Verbindung hergestellt. Von ihnen angeregt, legte Steinheil 1837 zwischen München und Bogenhausen eine 3/4 Meile lange Telegraphenleitung an; er wandte, wie Gauß und Weber, statt der gewöhnlichen galvanischen Ströme die Magnetinduktionsströme an und fixierte die Zeichen in Form einer Schrift, indem seine zwei Magnetnadeln, wenn sie abgelenkt wurden, auf einen durch ein Uhrwerk vorübergeführten Papierstreifen Punkte zeichneten. In England wurde der Nadeltelegraph durch Cooke und Wheatstone eingeführt; ersterer hatte 1836 in Heidelberg ein Modell des Schillingschen Apparats gesehen und verband sich 1837 mit Wheatstone zur Verbesserung und praktischen Verwertung der Schillingschen Erfindung.

Der Nadeltelegraph von Wheatstone und Cooke, welcher auf englischen Eisenbahnlinien noch gegenwärtig vereinzelt in Gebrauch ist, enthält zwei auf gemeinschaftlicher horizontaler Achse befestigte, im Ruhestand vertikal stehende Magnetnadeln, deren eine sich innerhalb einer Multiplikatorrolle, die andre als Zeiger auf der Vorderseite des Apparatgehäuses befindet; sie bilden ein sogen. astatisches Nadelsystem, indem ihre gleichnamigen Pole nach entgegengesetzten Seiten gekehrt sind. Zum Zeichengeben dient der im untern Teil des Apparats angebrachte sogen. Schlüssel, durch dessen Drehung die Nadeln sämtlicher in die Leitung eingeschalteter Apparate so abgelenkt werden, daß sie mit der Stellung, die man dem Handgriff jeweilig gegeben hat, parallel stehen. Durch Kombinationen von Ablenkungen nach rechts und links werden die Buchstaben ausgedrückt. Der Doppelnadeltelegraph derselben beiden Erfinder, eine Zusammensetzung zweier Nadelapparate der eben beschriebenen Art, erfordert eine doppelte Drahtleitung, gestattet aber eine raschere Korrespondenz. Die Nadeltelegraphen haben den Vorteil, daß zu ihrem Betrieb schon sehr schwache Ströme ausreichen; sie eignen sich deshalb vorzugsweise zur Verwendung auf Kabellinien, wo sie in der Form empfindlicher Galvanometer auch heute noch benutzt werden.

Das Spiegelgalvanometer von Thomson (Fig. 2 auf Tafel II), welches auf den meisten längern Unterseekabeln als Empfänger dient, besteht aus einer Multiplikatorrolle mit vielen Umwindungen, innerhalb deren eine ungemein leichte, kleine Magnetnadel an einem Kokonfaden freischwebend aufgehängt ist. An der Magnetnadel ist ein kleiner Spiegel befestigt, welcher das in der Richtung von D einfallende Bild einer dem Instrument gegenübergestellten Lichtquelle C (gewöhnlich einer Petroleumflamme) nach E auf einen dunkel gehaltenen Schirm AB reflektiert. Die [566] Schraube s dient dazu, das Lichtbild im Ruhezustand auf den Nullpunkt einzustellen, der gekrümmte Magnet NS, den Einfluß des Erdmagnetismus zu neutralisieren, indem man denselben längs des Stäbchens t verschiebt. Jeder noch so schwache Strom, welcher die Umwindungen des Galvanometers durchläuft, lenkt die Nadel ab; mit dieser dreht sich auch der Spiegel, und das Lichtbild auf der Wand bewegt sich dem entsprechend von seinem Ruhepunkt nach rechts oder links. Ein bei x eintretender und bei y zur Erde geführter positiver Strom bewegt die Nadel und den Lichtschein nach der einen, ein negativer nach der andern Seite; durch passende Gruppierung der Ablenkungen wird das Alphabet gebildet. Das Abtelegraphieren erfolgt mit einer Doppeltaste, welche nach Belieben positive oder negative Ströme in die Leitung zu schicken gestattet. Fig. 3 (Tafel I) zeigt die gebräuchlichste Schaltung für zwei durch ein Unterseekabel K verbundene Stationen A und B. T1T2 sind die Doppeltasten, G1G2 die Spiegelinstrumente, B1B2 die Batterien; C1C2 stellen Kondensatoren von beträchtlichem Ladungsvermögen dar, die behufs Unschädlichmachung der Erdströme zwischen Kabel und Apparaten eingeschaltet werden; U1U2 endlich sind Kurbelumschalter, welche beim Geben die Doppeltaste, beim Empfangen das Galvanometer mit dem Kondensator in Verbindung bringen. Die Doppeltaste besteht aus zwei Hebeln mit Knöpfen, welche im Ruhezustand gegen eine obere Querschiene federn, beim Tastendruck aber diese verlassen und mit der untern Querschiene in leitende Verbindung treten. Da zwischen beiden Querschienen die Batterie eingeschaltet ist, während der eine Tastenhebel mit der Erde E, der andre mit der Leitung in Verbindung steht, so wird beim Niederdrücken der einen oder der andern Taste entweder ein + oder ein − Strom in die Leitung fließen.

An die Stelle des Spiegelgalvanometers ist jetzt vielfach der Heberschreibapparat (Syphon recorder) von Thomson (Fig. 4, Tafel I) getreten. Eine Multiplikatorrolle S aus feinem Drahte, die um einen Rahmen gewickelt ist, hängt freischwebend und leichtbeweglich zwischen den Polen eines kräftigen Elektromagnets MM; sie verhält sich genau wie die Nadel des Spiegelinstruments. Der ankommende Strom durchläuft die Spule und lenkt sie nach rechts oder links ab; diese nimmt dabei einen feinen Glasheber t mit, der durch Kokonfäden mit ihr verbunden ist, und dessen Spitze einem bewegten Papierstreifen unmittelbar gegenübersteht, ohne ihn jedoch zu berühren. Der Glasheber taucht mit seinem kürzern Ende in ein Tintenfaß aus Metall K, welchem durch eine eigenartig konstruierte, im Apparat selbst angebrachte Elektrisiermaschine B stets eine elektrische Ladung erteilt wird, die genügt, um aus der Heberöffnung nach dem Papierstreifen hin beständig kleine Tintentröpfchen abzuspritzen. In der Ruhelage des Multiplikators steht die Heberöffnung über der Mitte des Streifens; die übergerissenen Tintentröpfchen zeichnen mithin eine punktierte gerade Linie mitten auf den Streifen. Lenkt ein ankommender Stromimpuls die Multiplikatorrolle und mit ihr den Heber ab, so verwandelt sich die Gerade in eine Schlangenlinie, und zwar weicht die Punktreihe je nach der Stromrichtung oberhalb und unterhalb ab (Fig. 5, Tafel I).

Die wichtigste Förderung hat die Telegraphie erfahren durch die Anwendung von Elektromagneten. Wheatstone bediente sich derselben zuerst zur Herstellung eines Läutwerkes, welches seinem Nadeltelegraphen als Alarmvorrichtung beigegeben war, bald aber auch zur Konstruktion seines Zeigertelegraphen (1839), bei welchem ein durch ein Uhrwerk getriebener Zeiger durch eine am Anker eines Elektromagnets angebrachte Hemmungsvorrichtung von der entfernten Abgangsstation aus nach Belieben vor jedem der am Rande des Zifferblattes verzeichneten Buchstaben angehalten werden kann. Auch Kramer, Siemens u. Halske, Froment, Breguet u. a. haben Zeigertelegraphen konstruiert, die indessen nur selten noch benutzt werden.

Die größte Verbreitung erlangte der 1836 von Morse erfundene Schreibapparat. Derselbe besteht aus einem Elektromagnet mit beweglichem Anker, dessen Hebel auf einem durch Uhrwerk vorübergeführten Papierstreifen Punkte und Striche erzeugt. In den Reliefschreibern geschah dies durch einen an dem freien Ende des Ankerhebels befestigten stählernen Stift, welcher, sobald der Anker von dem Elektromagnet angezogen wurde, sich gegen den zwischen zwei Walzen des Laufwerkes durchgezogenen Papierstreifen anlegte und in demselben kürzere oder längere Eindrücke hinterließ, je nachdem die zum Schließen der Batterie dienende Taste nur einen Augenblick oder längere Zeit niedergedrückt wurde. In neuerer Zeit finden die Morseapparate vorzugsweise als Farbschreiber Verwendung, in welchen die Hebelbewegung des Ankers benutzt wird, um den Papierstreifen gegen ein Farbrädchen oder umgekehrt ein Farbrädchen gegen den Papierstreifen anzudrücken. Der Siemenssche Normalfarbschreiber der deutschen Reichstelegraphenanstalten mit Morsebetrieb ist in Fig. 6 auf Tafel II abgebildet. E ist der hufeisenförmige Elektromagnet, dessen Kerne mit Polschuhen U versehen sind. Den Polen gegenüber befindet sich der hohle, oben aufgeschlitzte Eisenanker K, der durch eine Preßschraube in dem Messinghebel H1 befestigt ist; letzterer hat seine Achse im Innern des Apparatgehäuses W. Die Auf- und Abwärtsbewegung des Ankerhebels wird begrenzt durch die Kontaktschrauben C1C2 des Messingständers T. In dem Rohr B befindet sich eine regulierbare Abreißfeder, während durch Drehung der Mutter M1 das ganze Elektromagnetsystem gehoben oder gesenkt werden kann. Der federnde Ansatz F2 des Ankerhebels läßt sich durch die Stahlschraube s höher oder tiefer stellen; er trägt den Stift t1 und die Achse q1, um welche sich ein zweiarmiger Hebel H4 gelenkartig bewegen läßt. Unterhalb H4 befindet sich ein in die vordere Apparatwange eingeschraubter Stahlstift t2, auf welchen der längere Arm von H4 sich auflegt, wenn die Schraube s angezogen wird; der kürzere Arm verläßt dann den Stift t1, und die beiden Teile F2H4 bilden einen Knickhebel, so daß H4 sich hebt, wenn F2 sich senkt, und umgekehrt. Wird dagegen die Schraube s nachgelassen, so legt sich der kürzere Arm von H4 gegen t1, und die Bewegungen von F2 und H4 erfolgen im gleichen Sinn. Im letztern Fall ist der Apparat für Arbeitsstrom verwendbar, wobei die telegraphischen Zeichen durch das Entsenden eines Batteriestroms in die vorher stromfreie Leitung gebildet werden, während die erstere Stellung der Schraube s dem Arbeiten mit Ruhestrom entspricht, bei welchem die Zeichen durch Unterbrechungen der für gewöhnlich vom Strom durchflossenen Leitung entstehen. Der Hebel H4 trägt in seinem hakenförmig gestalteten Ende die Achse des vom Laufwerk in drehender Bewegung erhaltenen Farbrädchens O3, welches mit seinem untern Rand in die Öffnung des Farbgefäßes F taucht. Durch die Führungswalzen O1O2 wird der Papierstreifen über r3x1t oberhalb des Farbrädchens vorübergeführt, [567] um über die Platte P nach links abzulaufen. T1 ist die Federtrommel des Laufwerkes mit der Handhabe G zum Aufziehen und dem Kontrollstern C zur Begrenzung der Federspannung.

Zum Schließen und Öffnen des Stroms dient die in Fig. 7 auf Tafel II abgebildete Taste, ein um die Achse q in dem Ständer L drehbarer Messinghebel B mit zwei Kontakten R und T, von denen R im Zustand der Ruhe durch die Wirkung der Spiralfeder F gegen die Schiene s3 gepreßt wird, während beim Drücken auf den Knopf O die leitende Verbindung zwischen R und s3 aufgehoben, dagegen zwischen T und s1 hergestellt wird. Ob Strom vorhanden ist, erkennt man an dem Galvanoskop (Fig. 8, Tafel II), dessen Zeiger n an einem zwischen Drahtumwindungen in senkrechter Ebene drehbar aufgehängten Winkelmagnet befestigt ist und je nach der Richtung des Stroms nach rechts oder links ausschlägt. Als Schutzmittel gegen Beschädigungen der Apparate durch den Blitz (s. Blitzableiter) dient der Plattenblitzableiter (Fig. 9, Tafel II). Die mit den Leitungen und den Apparaten verbundenen Messingplatten P1P2 haben Querreifeln und sind innerhalb des Rahmens R mit dem abnehmbaren, auf der Unterseite mit Längsreifeln versehenen Deckel d so angeordnet, daß sie für gewöhnlich sowohl untereinander als von Rahmen und Deckel isoliert bleiben, aber im Bedarfsfall mittels des Stöpsels s gegenseitig und mit dem Deckel leitend verbunden werden können. Letzterer steht über den Rahmen und die Klemmschraube k mit der Erde in Verbindung; etwanige aus der Leitung kommende Blitzschläge vermögen die geringe Entfernung zwischen Leitungs- und Deckplatte leicht zu überspringen und werden von dort unschädlich zur Erde abgeleitet.

Die Verbindung der beschriebenen Apparate untereinander und mit der Batterie ergibt sich aus den

Fig. I. Endamt in einer Arbeitsstromleitung.
Fig. II. Endamt in einer Ruhestromleitung.

Stromläufen (Textfig. I für Arbeitsstrom und Textfigur II für Ruhestrom), in welchen T die Taste, A den Schreibapparat, G das Galvanoskop, B den Blitzableiter, LB die Linienbatterie, E den zur Erde und L den zur Leitung führenden Draht bezeichnen.

Wo die Stärke des ankommenden Stroms zur Ingangsetzung der Schreibapparate nicht ausreicht, schaltet man in die Leitung ein Relais. Dasselbe besteht aus einem Elektromagnet mit leicht beweglichem Ankerhebel, welcher durch die anziehende Kraft des Stroms an eine Kontaktschraube gelegt wird und dadurch eine Ortsbatterie schließt, deren Strom dann den Schreibapparat in Bewegung setzt. Relais mit besonders lautem Anschlag dienen unter dem Namen Klopfer auch zum Aufnehmen von Telegrammen nach dem Gehör. In den sehr empfindlichen polarisierten Relais sind die Eisenkerne der Elektromagnetrollen auf Stahlmagneten befestigt und dadurch dauernd magnetisiert.

Das durch internationale Vereinbarungen festgesetzte Morsealphabet besteht aus Punkten und Strichen in nachstehender Gruppierung:

a ⋅−
ä ⋅−⋅−
b −⋅⋅⋅
c −⋅−⋅
d −⋅⋅
e
f ⋅⋅−⋅
g −−⋅
h ⋅⋅⋅⋅
ch −−−−
i ⋅⋅
j ⋅−−−
k −⋅−
l ⋅−⋅⋅
m −−
n −⋅
o −−−
ö −−−⋅
p ⋅−−⋅
q −−⋅−
r ⋅−⋅
s ⋅⋅⋅
t
u ⋅⋅−
ü ⋅⋅−−
v ⋅⋅⋅−
w ⋅−−
x −⋅⋅−
y −⋅−−
z −−⋅⋅
1 ⋅−−−−
2 ⋅⋅−−−
3 ⋅⋅⋅−−
4 ⋅⋅⋅⋅−
5 ⋅⋅⋅⋅⋅
6 −⋅⋅⋅⋅
7 −−⋅⋅⋅
8 −−−⋅⋅
9 −−−−⋅
0 −−−−−
. ⋅⋅⋅⋅⋅⋅
, ⋅−⋅−⋅−
; −⋅−⋅−⋅
: −−−⋅⋅⋅
? ⋅⋅−−⋅⋅
! −−⋅⋅−−

Die wagerechten Elementarzeichen erscheinen auf dem Papierstreifen sehr gestreckt, was die Leichtigkeit des Ablesens beeinträchtigt; auch nimmt die Darstellung der Striche durch längern Tastendruck eine größere Zeit in Anspruch und vermindert die Leistungsfähigkeit der Apparate. Der Apparat von Estienne, welcher in neuerer Zeit von der deutschen Reichstelegraphenverwaltung vielfach verwendet wird, stellt die Striche und Halbstriche senkrecht zur Längsrichtung des Papierstreifens und benutzt zur Erzeugung derselben je einen Strom von gleicher Dauer, aber entgegengesetzter Richtung. An nachstehendem Wort (Berlin) in Morse- und in Estienneschrift kann der Unterschied erkannt werden:

−⋅⋅⋅ ⋅ ⋅−⋅ ⋅−⋅⋅ ⋅⋅ −⋅ (Morse.)
(Estienne.)

Der Estienne-Apparat besitzt an Stelle des Schreibrädchens zwei Schreibfedern, welche die Farbe durch Kapillarwirkung aus dem Farbebehälter entnehmen [568] und auf den Streifen übertragen. Sie werden durch die beiden Zinken eines gabelförmigen Hebels in Bewegung gesetzt, der sich unter dem Einfluß der Stromwirkungen nach rechts oder links anlegt. Die Schreibfläche der einen Feder ist doppelt so breit als diejenige der andern; erstere dient zur Darstellung der Striche, letztere zur Erzeugung der Punkte. Die Gabelwelle trägt auf der Rückseite des Apparats eine Zunge aus weichem Eisen, deren oberes Ende zwischen die Polschuhe eines Elektromagnets ragt, während das untere Ende durch den beweglichen Polschuh eines unterhalb des Apparatgehäuses gelagerten Stahlmagnets eine magnetische Polarisation erhält, so daß Ströme verschiedener Richtung die Zunge in entgegengesetztem Sinn ablenken. Zum Betrieb des Apparats dienen Wechselströme, deren Entsendung mittels einer Doppeltaste erfolgt.

Eine ausgiebigere Benutzung der Telegraphenleitungen wird auch durch die automatische Telegraphie erreicht. Sie überträgt die Abtelegraphierung der Zeichen einer mechanischen Vorrichtung, die bei vollkommner Regelmäßigkeit der Schrift eine beträchtlich größere Geschwindigkeit zu erreichen gestattet, als dies der menschlichen Hand möglich ist. Wheatstone, dessen automatischer Apparat in England mit großem Erfolg verwendet wird, benutzt zum Geben einen gelochten Papierstreifen und zum Empfangen einen schnell laufenden polarisierten Farbschreiber. Das Lochen des Streifens geschieht unabhängig von der eigentlichen Abtelegraphierung an besondern Stanzapparaten. Der vorbereitete Streifen durchläuft sodann den Geber, dessen Thätigkeit er mittels zweier vertikal stehender Nadeln reguliert, die auf Kontakthebel wirken und jedesmal in Thätigkeit treten, sobald ein ausgestanztes Loch dem Nadelende den Durchgang gestattet. Der Apparat arbeitet mit Wechselströmen, wobei jedem Elementarzeichen zwei entgegengesetzt gerichtete Ströme von gleicher Dauer entsprechen, von denen der eine den Schreibhebel des Empfängers wider den Papierstreifen legt, der andre die Zurückführung bewirkt. Außer Wheatstone haben noch Bain, Siemens, Little u. a. automatische Telegraphen konstruiert.

Nächst dem Morse-Apparat findet im Betrieb der europäischen Telegraphenverwaltungen der Typendrucktelegraph von Hughes (Fig. 10, Tafel I) die ausgedehnteste Verwendung. Sein Mechanismus ist weniger einfach, aber seine Leistungsfähigkeit bedeutend größer als diejenige des Morse-Apparats, vor welchem er außerdem den Vorzug besitzt, daß die Telegramme in gewöhnlicher Druckschrift ankommen, mithin für jedermann ohne Übersetzung lesbar sind. An der Vorderseite des Tisches befindet sich die Klaviatur, bestehend aus 28 Tasten, welche mit den Buchstaben, Ziffern und Interpunktionszeichen beschrieben sind und beim Niederdrücken die Verbindung zwischen Batterie und Leitung herstellen; dahinter, zwischen den aufrecht stehenden Apparatwangen, ist das mit einem Gewicht von 60 kg bewegte Laufwerk, verbunden mit einer Bremsvorrichtung und der in einem gußeisernen Ansatzstück des Apparattisches gelagerten Regulierlamelle, angeordnet; links neben dem Laufwerk das Elektromagnetsystem, und an der Vorderwand des Apparats sieht man die Druckvorrichtung mit dem Typenrad, wozu noch die auf der rechten Seite befestigte Papierrolle gehört. Die Vorrichtung auf der linken hintern Ecke der Tischplatte ist ein Umschalter, welcher die Richtung des Telegraphierstroms beliebig zu wechseln gestattet. Vgl. Sack, Der Drucktelegraph Hughes (2. Aufl., Wien 1884).

Das Elektromagnetsystem des Hughes-Apparats (Fig. 11 der Tafel II) besteht aus einem kräftigen Stahlmagnet in Hufeisenform, auf dessen Pole zwei von Elektromagnetrollen E umgebene hohle Kerne von weichem Eisen so aufgesetzt sind, daß dieselben die Verlängerung der Pole bilden und an ihren obern, mit Polschuhen versehenen Enden selber entgegengesetzte Magnetpole besitzen. Den Polschuhen gegenüber und im Ruhezustand auf diesen aufliegend, befindet sich der flache Eisenanker E1E2, welcher zwischen zwei Messingständern T um die Zapfenschrauben s leicht drehbar eingelagert und mit zwei nach unten reichenden Stahlfedern ee versehen ist, die sich gegen die Stellschrauben b1b2 anlegen. Unter Mitwirkung dieser Federn erfolgt das Abschnellen des Ankers, sobald ein Strom von solcher Richtung den Elektromagnet durchfließt, daß dessen Polarität dadurch geschwächt wird. Der Anker stößt bei seinem Abfallen gegen den Hebel einer Sperrvorrichtung, löst diese aus und bewirkt dadurch die Verkuppelung der Druckvorrichtung mit dem Laufwerk und den Abdruck desjenigen Zeichens, welches sich in diesem Moment an der untersten Stelle des Typenrades befindet. Weil nun die anziehende Kraft des Magnets nicht ausreicht, um den abgeschnellten Anker unter Überwindung der durch die Spannfedern ausgeübten Gegenkraft wieder auf die Polschuhe zurückzuführen, so überträgt Hughes diese Arbeit der Mechanik des Apparats, indem er durch ein auf der Druckachse befestigtes Exzenter F1 den rechtsseitigen Arm des Auslösehebels G wieder emporheben und dadurch den Anker auf die Polschuhe niederdrücken läßt, die ihn dann bis zum nächsten Stromimpuls festhalten. Gleichzeitig wird während dieses Vorganges die Kuppelung selbstthätig wieder aufgehoben, die Druckachse bleibt stillstehen, und der Auslösehebel nimmt, nachdem er den Anker zurückgeführt hat, seine alte Stellung wieder ein.

Die Druckachse bildet die vordere Verlängerung der Schwungradwelle. Letztere trägt auf ihrem freien Ende ein mit feinen, schief geschnittenen Zähnen versehenes Sperrrad z und einen Zapfen, auf welchen die Druckachse mit ihrem hintern, entsprechend ausgehöhlten Ende aufgeschoben ist. Auf dem hintern Ende der Druckachse ist das zweiarmige Querstück FF befestigt, welches einerseits die drehbare Sperrklinke n, anderseits die gegen die Sperrklinke drückende Feder f trägt. Ein Ansatzstück F2 legt sich im Ruhestand gegen den Anschlag G2 des Auslösehebels G, während ein an der Sperrklinke angebrachter kegelförmiger Ansatz auf einem an dem Winkel p befestigten prismatischen Stahlstück m, der sogen. schiefen Ebene, ruht. Senkt sich der rechte Arm des Auslösehebels G, so gleitet der kegelförmige Ansatz der Sperrklinke von der schiefen Ebene herunter, die Sperrklinke gelangt dadurch zum Eingriff in die Zähne des Sperrrades, und die Verkuppelung der Druckachse mit der an der Bewegung des Laufwerkes beständig teilnehmenden Schwungradachse tritt ein. Nach Vollendung einer Umdrehung trifft indessen der Sperrkegel von rechts her wieder auf den prismatischen Ansatz m, steigt an demselben in die Höhe u. hebt dadurch den Sperrkamm aus den Zähnen des Sperrrades; die Verkuppelung wird mithin jedesmal selbstthätig wieder aufgehoben. Die Druckachse c (Fig. 12, Tafel I) ist an ihrem vordern, außerhalb des Apparatgehäuses L1 befindlichen, in dem Messingwinkel J gelagerten Teil mit mehreren verschiedenartig geformten Nasen versehen, welche die Druckvorrichtung in Thätigkeit setzen. Das Typenrad A trägt auf seiner Peripherie die Buchstaben, Ziffern und Satzzeichen in erhabener Gravierung; [569] es sitzt mit noch zwei andern Rädern, dem in der Figur sichtbaren Korrektionsrad B und dem sogen. Friktionsrad, auf derselben Achse, jedoch so, daß nur das Friktionsrad an der Bewegung des Laufwerkes teilnimmt, während die auf einer Buchse befestigten vordern Räder sich vollständig frei um die Achse bewegen und an deren Umdrehungen nur dann sich beteiligen, wenn sie mit dem Friktionsrad durch eine ähnliche Einrückvorrichtung, wie sie zur Verkuppelung der Schwungradwelle mit der Druckachse dient, verbunden werden.

An dem mit 28 scharfen Zähnen versehenen Korrektionsrad B (Fig. 13, Tafel I) befindet sich der mit dem Typenrad durch eine besondere Buchse verbundene Figurenwechsel. Letzterer besteht aus dem zweiarmigen Hebel hh1, dessen Arm h innerhalb eines runden Ausschnitts der Stahlscheibe w spielt. Je nachdem der eine oder der andre Vorsprung dieser Scheibe eine Zahnlücke bedeckt, nimmt der Hebel und damit das Typenrad eine um ein Feld der Zeichenfolge verschobene Stellung ein. Da nun auf dem Umfang des Typenrades Buchstaben und Ziffern, bez. Satzzeichen miteinander abwechseln, erfolgt in dem einen Fall der Abdruck vom Buchstaben, im andern von Ziffern und Satzzeichen. Das Umlegen des Wechselhebels bewirkt ein Daumen der Druckachse c, welcher bei jeder Umdrehung in eine Zahnlücke des Korrektionsrades trifft und dessen Stellung in der Weise berichtigt, daß er durch den auf die abgerundeten Zähne desselben ausgeübten Druck das Korrektionsrad und mit ihm das Typenrad etwas vorschiebt, wenn es zurückgeblieben, und zurückdrückt, wenn es vorangeeilt war. Die Lücken unter den Vorsprüngen des Wechselhebels entsprechen zwei freien Feldern des Typenrades, welche zur Herstellung der Zwischenräume dienen. Im Ruhezustand liegt der Korrektionsdaumen auf der an dem Ebonitwinkel T1 (Fig. 12) befestigten isolierten Feder und stellt dadurch eine leitende Verbindung zwischen dem Körper des Apparats und dem Elektromagnet her.

Der Abdruck der Zeichen geht in der Weise vor sich, daß das Papierband wider die in voller Drehung begriffene Typenscheibe geschleudert wird und von den mit Druckerschwärze befeuchteten Typen diejenige abdrückt, welche in dem betreffenden Augenblick an der tiefsten Stelle des Rades sich befindet. Dieses Emporschnellen des über die Druckrolle D2 (Fig. 12) geführten Papierbandes bewirkt ein Daumen der Druckachse, welcher gegen die obere Nase des um S drehbaren Druckhebels D1 trifft; gleichzeitig findet ein Fortrücken des Papierstreifens um eine Typenbreite statt, indem durch einen andern Ansatz der Druckachse der Hebel K1K2 und mit ihm der Arm K4 niedergedrückt wird, wobei dessen hakenförmiger Ansatz in die Zähne eines mit der Druckrolle verbundenen Sperrrades eingreift und hierdurch die Druckrolle dreht.

Der dreiarmige Einstellhebel U1U2U3 dient dazu, das Korrektionsrad und das Typenrad außer Verbindung mit dem Laufwerk zu bringen und in der Ruhelage festzuhalten. Ein auf den Knopf o des horizontalen Hebelarms U1 ausgeübter Druck bringt zunächst den als Träger von o dienenden Stift in Berührung mit der darunter befindlichen, an dem Ebonitstück e befestigten Blattfeder, welche über t2T2 unmittelbar mit der Leitung in Verbindung steht; erst wenn hierdurch der Elektromagnet ausgeschaltet ist, folgt der Hebel dem Druck nach unten und bewirkt durch einen Ansatz des Arms U2, welcher die Blattfeder a mit ihrem Stahlansatz v in den Bereich eines an der Sperrklinke des Korrektionsrades angebrachten Stiftes bringt, die Aufhebung der Verbindung zwischen dem Korrektions- und Typenrad und dem Laufwerk. Die Auslösung des Einstellhebels und Einlösung der Verkuppelung mit dem Sperrrad erfolgt durch Anschlagen eines Ansatzstiftes der Druckachse wider das verlängerte Ende von U2.

Die Stromgebung beim Hughes-Apparat erfolgt mittels einer Klaviatur von 28 Tasten, die in zwei Reihen übereinander angeordnet sind (Fig. 10); die obere Reihe ist schwarz, die untere weiß. Alle Tasten, mit Ausnahme der ersten und fünften weißen, von links anfangend, sind mit je einem Buchstaben und einem Ziffer-, bez. Satzzeichen versehen. Die weißen Tasten dienen zur Herstellung der Zwischenräume; sie entsprechen den Nasen des Wechselhebels und werden deshalb auch angeschlagen, wenn von Buchstaben auf Ziffern oder umgekehrt übergegangen werden soll. Die Tastenhebel T (Fig. 14 der Tafel II) haben ihren Drehpunkt in Achsen, welche an der untern Fläche einer starken Gußeisenplatte P1 befestigt sind; auf dieser Platte ruht mittels des flantschartigen Ansatzes R die Stiftbüchse P, welche an ihrem untern Rand J mit senkrechten Einschnitten versehen ist. Beim Niederdrücken einer Taste hebt das durch einen Einschnitt in die Stiftbüchse eingreifende freie Ende des Tastenhebels T einen darüber ruhenden Kontaktstift S mit seinem obern hakenförmigen Ende längs der schrägen Fläche des konischen Ringes k aus der Stiftscheibe N und bringt ihn in den Weg des um eine senkrechte, innerhalb der Stahlhülse b gelagerte Achse w über der Stiftscheibe kreisenden Schlittens, welchem durch konische Verzahnung mit der Typenradachse gleiche Winkelbewegung mit dem Typenrad erteilt wird. Beim Loslassen der Taste wird der Stift durch die Feder f in seine Ruhelage zurückgezogen.

Auf die Schlittenachse w (Fig. 15 der Tafel II) ist eine Stahlbuchse B mit vorspringenden Rändern aufgeschoben. An der Achse unwandelbar befestigt, befindet sich das gabelförmig ausgeschnittene Messingstück G, dessen mittlerer vorragender Teil an seinem untern Ende ein geschweiftes Stahlstück R1, die sogen. Streichschiene, trägt. Die beiden äußern Arme dienen als Achslager für den beweglichen Teil g1, dessen nach außen liegendes Mittelstück den abwärts gekehrten, abgeschrägten Stahlstreifen e, die Lippe, enthält. Das andre Ende des beweglichen Teils bildet einen Winkelhebel, welcher mit einem seitlich angebrachten Stahlstift a auf dem weitern Rande der Buchse B ruht und diese bei aufsteigender Bewegung der Lippe e abwärts drückt. An der linken Seite der vordern Apparatwange unterhalb der Achse des Auslösehebels ist der Messingwinkel P1 angeschraubt; er bildet das Lager für den zweiarmigen Kontakthebel HH1. Rechts trägt dieser Hebel einen seitlich angebrachten Stahlstift, welcher unter den obern vorspringenden Rand der Hülse greift, so daß beim Auf- und Niedergang derselben die an dem linken Hebelarm angebrachte Blattfeder F1 abwechselnd die Kontaktschrauben c1 und c2 berührt, von denen jene mit der Batterie, diese mit der Erde verbunden ist, während der Hebel selber über den Körper des Apparats und die Elektromagnetrollen mit der Leitung in Verbindung steht. Jedesmal, wenn der Schlitten einen gehobenen Kontaktstift passiert, wird mithin durch das Niedergehen der Buchse B und des Hebelarms H1 ein Strom in die Leitung gesandt, der sowohl auf dem gebenden als auf dem empfangenden Amte die Apparate zum Ansprechen bringt und den Abdruck des betreffenden Buchstabens bewirkt. Die Umlaufgeschwindigkeit des Schlittens beträgt 100–120 Umdrehungen in der Minute.

[570] Bei allen bis jetzt beschriebenen Telegraphenapparaten bleibt zur Trennung der einzelnen Buchstaben oder Schriftzeichen die Leitung eine Zeitlang unbenutzt. In der Multiplex- oder Vielfachtelegraphie werden diese notwendigen Pausen ausgefüllt mit der Schriftbildung auf einem zweiten, dritten etc. Apparat, wobei die Leitung nacheinander mit sämtlichen Apparaten in Verbindung tritt. Allen Vielfachapparaten gemeinsam ist die Einrichtung einer kreisförmigen Verteilerscheibe aus isolierendem Material, auf welcher je nach Anzahl der Apparate eine größere oder geringere Menge metallischer Sektoren befestigt sind, die mit den einzelnen Apparatsätzen in Verbindung stehen. Über diesen Sektoren schleift eine metallische Feder, an welcher die Leitung liegt; letztere nimmt bei jeder Umdrehung einmal aus jedem Apparatsatz die entsprechend vorbereiteten Telegraphierströme auf und führt sie auf dem andern Amt über eine gleichlaufende Verteilereinrichtung dem betreffenden Empfangsapparat zu.

Der vierfache T. von Meyer ist auf die Übermittelung von Morsezeichen berechnet, die an vier Klaviaturen mit je acht Tasten vorbereitet werden. Der Verteiler enthält 50 voneinander isolierte Lamellen verschiedener Breite, von denen 32 mit den Tasten der Klaviaturen verbunden sind, während die übrigen teils mit der Erde in Verbindung stehen und die nötigen Zwischenräume bewirken, teils für die Herstellung des Synchronismus benutzt werden. Die Schriftbildung erfolgt senkrecht zur Längsrichtung des Papierstreifens in polarisierten Empfangsapparaten.

Während Meyer und Baudot bei ihrem sechsfachen Typendruckapparat die Leitung jedesmal für eine Zeit an ein Apparatpaar legen, welche zur Erzeugung eines telegraphischen Zeichens ausreicht, läßt Delany die Wechsel so rasch aufeinander folgen, daß die Nachwirkung in den Elektromagneten sozusagen die stromlosen Pausen überbrückt und jeder Apparat ohne Rücksicht auf die andern arbeitet. Eine schwingende Stimmgabel vermittelt die Stromsendung durch den Elektromagnet eines phonischen Rades, dessen Achse eine über der Verteilerscheibe schleifende Kontaktfeder trägt. Je nach der Anzahl der einzuschaltenden Apparate sind die Kontaktplatten der Verteilerscheibe untereinander zu Gruppen vereinigt, so daß jeder Apparat in der Sekunde gleich oft mit der Leitung in Verbindung tritt. Erfolgt diese Verbindung häufig genug, z. B. 30mal in der Sekunde, so wirkt dies bezüglich des Telegraphierens ebenso, als ob die Leitung beständig am Apparat läge. Die Delanysche Einrichtung kann teils mit Morse, teils mit Typendruckapparaten betrieben werden und vermag angeblich bis zu 72 Telegrammen gleichzeitig zu befördern.

Den gleichen Zweck einer bessern Ausnutzung der Telegraphenleitungen hat man auch zu erreichen gesucht durch das Doppelsprechen (gleichzeitige Beförderung zweier Telegramme auf demselben Draht in gleicher Richtung) und das Gegensprechen (gleichzeitige Beförderung in entgegengesetzter Richtung). Bis jetzt hat sich nur das Gegensprechen bleibenden Eingang erringen können. Die erste diesem Zweck entsprechende Schaltung wurde 1853 von Gintl vorgeschlagen; ihm folgten Frischen, Siemens u. Halske, Edlund, Maron u. a. In neuerer Zeit sind einfache Methoden von Gattino, Fuchs und Canter angegeben worden. Fuchs, dessen Schaltung in Fig. 16 (Tafel I) schematisch dargestellt ist, schaltet eine mit einem Hilfshebel a versehene Taste zwischen die beiden Elektromagnetrollen mm des Schreibapparats, so daß der abgehende Strom nur die eine, der ankommende aber beide Rollen durchläuft: bei entsprechender Regulierung bleibt daher der Apparat des gebenden Amtes in Ruhe, während der Empfangsapparat anspricht. Drücken beide Ämter gleichzeitig Taste, so geben die mit entgegengesetzten Polen an Leitung liegenden Batterien einen doppelt so starken Strom, der die magnetisierende Wirkung der einen Rolle entsprechend verstärkt und auf beiden Ämtern das Ansprechen der Apparate herbeiführt, wobei jeder Apparat dem Batteriestrom des andern Amtes gehorcht.

In der Schaltung von Canter (Fig. 17, Tafel I) sind die beiden Elektromagnetrollen mm des Farbschreibers ebenfalls getrennt, und die Taste, hier eine gewöhnliche, liegt zwischen ihnen; außerdem ist zwischen Mittelschiene und Ruheschiene der Taste ein Rheostat R angebracht, in welchen so viel Widerstand eingeschaltet wird, daß beim Niederdrücken der Taste der eigne Apparat nicht anspricht und die magnetisierende Kraft im Empfangsapparat die gleiche bleibt, ob nur auf einer oder auf beiden Seiten gearbeitet wird. Die Batterien liegen mit gleichen Polen an der Leitung. In oberirdischen Leitungen bis zu 350 km Länge sind mit diesen Schaltungen befriedigende Resultate erzielt worden; auf größere Entfernungen und in Kabelleitungen wird ihre Verwendung durch das Auftreten der Ladungserscheinungen erschwert.

Als Elektrizitätsquellen werden in der Telegraphie vorzugsweise galvanische Elemente (s. Galvanische Batterie) benutzt; doch beginnt man neuerdings auch die Dynamomaschinen als Stromerzeuger für telegraphische Zwecke nutzbar zu machen.

Zum Bau der oberirdischen Telegraphenlinien bedient man sich imprägnierter Stangen von 7–10 m Länge und 12–15 cm Zopfstärke, an welche Isolationsvorrichtungen von Porzellan auf eisernen Stützen festgeschraubt werden. Die deutsche Reichstelegraphenverwaltung verwendet die von Chauvin angegebene Doppelglocke (Fig. 18, Tafel I) auf hakenförmiger Schraubenstütze. Zur Herstellung der Leitungen wird in der Regel verzinkter Eisendraht von 2,5–5 mm Durchmesser benutzt; in neuerer Zeit kommt auch Bronze zur Verwendung. Die unterirdischen Linien bestehen aus Kupferdrähten oder Kupferlitzen, die mit Guttapercha isoliert sind; gewöhnlich werden 4 oder 7 solcher Adern zu einem Kabel verseilt und mit einer Schutzhülle von verzinkten Eisendrähten umgeben. Die in der Reichstelegraphenverwaltung gebräuchlichen Querschnitte sind aus Fig. 19 (Tafel I), zu ersehen. Für die Überschreitung von Gewässern gibt man den Kabeln eine zweite Schutzhülle von stärkern Drähten und schließt sie außerdem in verzinkte gußeiserne Gelenkmuffen ein. Unterirdische Leitungen sind weniger Beschädigungen ausgesetzt, erfordern aber vorzügliche Isolation und bedeutende Anlagekosten, während ihre Benutzbarkeit auf längern Strecken durch die den Kabeln anhaftenden Ladungserscheinungen eine gewisse Einschränkung erfährt. Schon bei Entstehung der elektrischen Telegraphie angewendet, haben dieselben erst seit 1876 eine größere Verbreitung erlangt, nachdem die deutsche Reichstelegraphenverwaltung mit der Anlage ihres ausgedehnten unterirdischen Liniennetzes bahnbrechend vorangegangen war. 1886 besaß Deutschland 5648 km, Frankreich 1661 km, Großbritannien 1146 km und Rußland 289 km unterirdische Linien.

Ungleich rascher und kräftiger haben sich die unterseeischen Verbindungen entwickelt. Die großen Seekabel sind ähnlich konstruiert wie die Landkabel, enthalten aber wegen der unvermeidlichen Induktion nur Einen Leiter. 1851 wurde das erste brauchbare [571] Seekabel zwischen Dover und Calais ausgelegt, 1866 die erste Kabelverbindung zwischen Europa u. Amerika hergestellt. 1886 dienten bereits 12 Kabel dem telegraphischen Verkehr beider Weltteile: 8 davon gehen aus von Großbritannien und Irland, 2 von Frankreich nach Nordamerika; 2 Kabel endlich verbinden Portugal mit Südamerika. 1887 betrug die Gesamtlänge der bestehenden unterseeischen Kabel 113,565 Seemeilen, darunter 103,396 Seemeilen im Besitz von Privatgesellschaften und nur 10,169 unter staatlicher Verwaltung.

Besondere Gestaltung erfährt die Telegraphie für bestimmte Zwecke, namentlich im Eisenbahnwesen, in der Feuerwehr und im Haus. Die Benutzung im Haus beschränkt sich meist auf die Anlage von Läutwerken (s. d.), welche mit Tableauanzeiger verbunden werden, um dort, wo das Läutwerk ertönt, den Aufgabeort des Signals zu erkennen. Diese Vorrichtungen gestalten sich zu Diebssicherungen, wenn das Läutwerk bei unbefugter Öffnung eines Fensters oder einer Thür in Thätigkeit tritt. Man bringt hier Kontakte an, die am Tag bei offener Thür, aufgezogenem Rollladen etc. geschlossen sind, dann aber nicht auf das Läutwerk wirken, weil noch an einer andern Stelle durch eine Einstellvorrichtung der Strom unterbrochen ist. Werden nun abends Thüren und Fenster geschlossen (die Kontakte geöffnet), so schließt man bei der Einstellvorrichtung den Strom, und das Läutwerk schlägt an, sobald nun eine Thür oder ein Fenster geöffnet wird; das Tableau zeigt den Angriffspunkt. Derartige Vorrichtungen können auch zu andern Zwecken benutzt werden: sie melden an einer entfernten Stelle, wenn im Dampfkessel der Wasserstand zu niedrig steht, wenn im Gewächshaus oder in der Trockenkammer eine bestimmte Temperatur erreicht ist etc. Für manche dieser Zwecke wird die elektrische durch pneumatische Telegraphie ersetzt. Diese benutzt dünne, starkwandige Bleiröhren, welche von einem Ort zum andern eine vollkommen luftdichte Leitung herstellen. Am Aufgabeort ist in diese ein hohler Gummiball eingeschaltet, der beim Zusammendrücken die in ihm enthaltene Luft durch das Bleirohr in eine aus ebenen Wänden gebildete Gummikapsel am andern Ende der Leitung treibt und dieselbe aufbläst. Diese Volumveränderung der Kapsel kann leicht benutzt werden, um ein sichtbares oder, wie bei der pneumatischen Klingel, ein hörbares Zeichen zu geben. Vorteilhafte Anwendung findet die pneumatische Verbindung zur Verbindung von Uhren mit einer Normaluhr (vgl. Uhr).

Volkswirtschaftliches. Gesetzgebung und Verwaltung.

Für die finanzielle Behandlung des Telegraphen kommt wesentlich in Betracht, daß der T. nur von einzelnen Klassen, nicht, wie Post und Eisenbahn, von der Gesamtheit aller benutzt wird. Zur Zeit haben an dem Telegrammverkehr etwa teil: die Regierungs- und Staatstelegramme mit 12 Proz., die Handelstelegramme mit 52, die Börsentelegramme mit 13, die Zeitungstelegramme mit 8 und die Familientelegramme mit 15 Proz. In Europa entfällt gegenwärtig nur auf 3 Einw. ein jährlich abgesandtes Telegramm; mindestens drei Viertel der Bevölkerung stehen dem Telegrammverkehr ganz fern, und es ist daher zu fordern, daß die Kosten der Telegraphie durch den Tarif vollständig gedeckt und Zuschüsse aus Staatsmitteln ausgeschlossen sind.

Die Telegraphie wurde von vornherein durch die meisten Staaten in öffentliche Verwaltungen genommen; außer Nordamerika befinden sich nur noch in wenigen andern überseeischen Ländern die dem öffentlichen Verkehr dienenden Telegraphen in Privathänden. Großbritannien, der einzige europäische Staat, wo der Telegraphenbetrieb in Privathänden länger das Feld behauptete, sah sich 1868 veranlaßt, ungeachtet der Abneigung gegen jede Art staatlicher Einmischung, welcher in dem englischen Volkscharakter liegt, die Telegraphen in Staatsverwaltung zu übernehmen. Die Entschädigung, welche England damals für die noch dazu unzulänglichen Anlagen der vormaligen Privatgesellschaften zahlen mußte, betrug erheblich mehr als der Aufwand, welchen das ganze übrige Europa bis dahin für den Telegraphenbau verwendet hatte. Die großen überseeischen Kabelverbindungen sind mit wenigen Ausnahmen im Betrieb von Privatgesellschaften. Hier begünstigt den Privatbetrieb der Umstand, daß ein einzelner Staat völkerrechtlich nicht befugt ist, Telegraphenverbindungen zwischen zwei durch das Meer getrennten Ländern für sich allein zu monopolisieren, ferner, daß das mit den Kabelverbindungen verknüpfte ungewöhnlich hohe Risiko die Bedeutung des spekulativen Moments erhöht und die Privatthätigkeit besser an die Stelle der Thätigkeit der öffentlichen Gewalten treten läßt.

Die Gesetzgebung hat die Regalität der Telegraphen in Frankreich, Österreich, Großbritannien, Italien, der Schweiz, Niederlande, Portugal, Serbien, Rumänien, Griechenland, Britisch- und Niederländisch-Indien festgestellt, wobei Eingriffe in das staatliche Alleinbetriebsrecht meist mit Strafe gegen diejenigen, welche einen Telegraphen ohne Konzession anlegen, bedroht sind. In Deutschland gründet sich das Telegraphenregal auf Art. 48 der Reichsverfassung, wonach das Telegraphenwesen für das gesamte Gebiet des Deutschen Reichs als einheitliche Staatsverkehrsanstalt einzurichten ist. Eine kodifizierte Gesetzgebung wie die der Post besteht für die deutsche Telegraphie nicht; vielmehr ist die Regelung des Verhältnisses zum Publikum verfassungsmäßig der reglementären Anordnung vorbehalten. Diese Anordnungen sind durch die Telegraphenordnung vom 13. Aug. 1880 erlassen.

Die Fernsprechanlagen werden in Deutschland ebenfalls als unter das Telegraphenregal fallend betrachtet, und es werden nach § 28 der Telegraphenordnung die Bedingungen für derartige Anlagen vom Reichspostamt festgesetzt. Die Berechtigung von Behörden und Privatpersonen zum Betrieb von Telegraphen ist neuerdings in Deutschland im Verordnungsweg dahin festgestellt worden, daß ohne Kontrolle der Telegraphenverwaltung zugelassen werden können: a) den Landesbehörden die Anlage von Telegraphen zu Zwecken, welche nicht unter das Ressort der Telegraphenverwaltung fallen, solange die Anlagen nicht als Verkehrsanstalten gebraucht werden; b) Privatpersonen die Anlage von Telegraphen innerhalb der eignen Gebäude und Grundstücke, vorausgesetzt, daß der Besitzer innerhalb seiner Grenzen bleibt und mit der Anlage fremde Grundstücke sowie öffentliche Wege und Straßen nicht überschreitet.

Das Telegraphenfreiheitswesen (Gebührenbefreiung für Reichsdiensttelegramme etc.) ist durch kaiserliche Verordnung vom 2. Juni 1877 geregelt. Durch Gesetz sind in Bezug auf das Telegraphenwesen nur hinsichtlich der Sicherung der öffentlichen Telegraphenanlagen Bestimmungen in den § 317 bis 320 des Reichsstrafgesetzbuchs getroffen, wonach die vorsätzliche Beschädigung der Telegraphenanstalten mit Gefängnis von 1 Monat bis 3 Jahren und die fahrlässige Störung des Betriebes mit Gefängnis [572] bis zu 1 Jahr oder mit Geldbuße bis 900 Mk. bedroht ist.

Die Haftpflicht der Telegraphenverwaltung für die Beförderung von Telegrammen richtet sich nach den internationalen Verträgen und nach der Gesetzgebung der einzelnen Staaten. In Art. 2 und 3 des internationalen Telegraphenvertrags von St. Petersburg vom 10. (22.) Juni 1875 haben die Telegraphenverwaltungen erklärt, in Bezug auf den internationalen Telegraphendienst keine Verantwortung zu übernehmen. In gleicher Weise haben auch die einzelnen Staaten die Garantie für Telegramme teils durch Gesetz, wie in Frankreich, Niederlande, Belgien und der Schweiz, teils durch Verordnung abgelehnt. Die deutsche Telegraphenordnung vom 13. Aug. 1880 bestimmt in § 24 über die Gewährleistung, daß die Telegraphenverwaltung für die richtige Überkunft der Telegramme oder deren Zustellung innerhalb bestimmter Frist nicht garantiert und Nachteile, welche durch Verlust, Verstümmelung oder Verspätung der Telegramme entstehen, nicht vertritt. Die entrichtete Gebühr wird jedoch erstattet: a) für Telegramme, welche durch Schuld des Telegraphenbetriebs gar nicht oder mit bedeutender Verzögerung in die Hände des Empfängers gelangt sind, b) für verglichene Telegramme, welche infolge Verstümmelung nachweislich ihren Zweck nicht haben erfüllen können. Die zivilrechtliche Haftbarkeit, welche den Telegraphenbeamten nach den allgemein rechtlichen Grundsätzen für dolus und culpa obliegt, wird durch die vorstehenden Bestimmungen nicht berührt. Die Verwaltung und der Betrieb der Telegraphie ist gegenwärtig in allen größern Staaten, in Deutschland seit 1876, mit der Postverwaltung vereinigt (s. Post, S. 275), und besonders in Deutschland wurden erhebliche Erfolge durch diese Vereinigung erzielt. Nicht nur wurde der Geschäftsbetrieb der Telegraphenanstalten durchgehend reorganisiert, sondern es trat auch eine durchgreifende Vervollkommnung der technischen Telegraphenbetriebseinrichtungen ein, für deren Ausbildung bei der Finanznot der frühern selbständigen Telegraphenverwaltungen nicht immer die erforderlichen Mittel zu Gebote gestanden hatten. In dieser Beziehung ist namentlich hervorzuheben: die Anlage unterirdischer Telegraphenlinien; die frühzeitige Einführung des Fernsprechwesens; die Steigerung des Schnellverkehrs innerhalb der Reichshauptstadt durch Anlage einer Rohrposteinrichtung, seiner Zeit der ersten Anlage dieser Art, welche zugleich den telegraphischen und den brieflichen Verkehr vermittelt; endlich die Förderung der Anlage neuer internationaler Telegraphenverbindungen und die Vermehrung der unterseeischen Kabelverbindungen etc. Weiteres über die Telegraphengebühren, die internationalen Abkürzungen im Telegraphenverkehr etc. s. Telegramm. Die gegenwärtige Entwickelung des Telegraphenwesens in Europa zeigt die nachfolgende Tabelle:

Übersicht des Telegraphenverkehrs der Länder Europas im Jahr 1887.
Länder Staats­tele­graphen Eisenbahn- und Privat­tele­graphen Staats­tele­gra­phen­anstal­ten Eisen­bahn- und Privat­tele­gra­phen­anstal­ten Eine Tele­graphen­anstalt entfällt auf Beför­derte Tele­gramme (in- und auslän­dische) Auf 100 Einw. ent­fallen aus­gelief. Tele­gramme
Linien Lei­tungen Linien Lei­tungen QKilo­meter Ein­wohner
Kilom. Kilom. Kilom. Kilom.
Belgien 6596 31854 1153 822 109 31,6 6418 4631470 54,8
Bulgarien (1885) 2649 3902 65 525071 22,5
Dänemark 4206 11226 2006 5132 165 267 91,7 4585 1346315 37,3
Deutschland 89197 317143 24328 70224 11071 3919 36,0 3126 21750348 38,0
Frankreich (1887/88) 101654 324919 16390 115984 5945 3430 56,4 4151 37435585 80,3
Griechenland (1886) 5520 6618 1378 1378 166 7 367,7 12068 845707 34,5
Großbritannien und Irland 48659 260679 27149 5208 1602 46,5 5447 55182775 140,2
Italien 30932 86757 2334 26787 2192 1637 77,4 7561 8796264 26,7
Luxemburg 401 718 81 690 30 43 35,4 2922 85843 27,0
Montenegro (1885) 338 338 15 628,9 19067
Niederlande 4903 17234 2797 7589 358 299 50,2 6775 3734065 58,2
Norwegen 7494 13987 1583 2531 149 179 970,1 6049 968833 37,8
Österreich (1886) 25706 69510 14142 35241 1635 1724 89,3 6593 7195146 22,9
Bosnien, Herzegowina (1886) 2790 5568 483 585 79 25 491,3 12847 314234 14,9
Portugal 5137 11948 274 1 335,4 16548 919560 14,2
Rumänien (1886) 5245 9880 2402 5518 122 195 521,0 15899 1225857 26,4
Rußland (1886) 107571 204033 30645 62891 1694 1836 6293,5 28765 10290791 9,4
Schweden 8345 21304 3844 12484 179 765 458,7 5016 1242374 17,0
Schweiz 7060 17102 991 5723 1115 178 32,0 2190 3331155 85,3
Serbien (1886) 2843 4035 431 861 68 46 427,0 16936 485398 22,5
Spanien (1886) 17853 43446 8252 20629 542 340 574,9 18970 2481420 14,8
Türkei, europäische (1882) 23388 41688 443 21 565,5 14294 1133286 17,1
Ungarn 17633 45381 1479 23794 702 930 197,5 9644 6196830 17,5

[Litteratur.] Rother, Der Telegraphenbau (4. Aufl., Berl. 1876); Ludewig, Der Bau von Telegraphenlinien (2. Aufl., Leipz. 1870); Derselbe, Der Reichstelegraphist (4. Aufl., Dresd. 1877); Zetzsche (Galle), Katechismus der elektrischen Telegraphie (6. Aufl., das. 1883); Derselbe, Handbuch der elektrischen Telegraphie (Berl. 1877–87, Bd. 1–4); Derselbe, Die Kopiertelegraphen, Typendrucktelegraphen und Doppeltelegraphie (Leipz. 1865); Derselbe, Die Entwickelung der automatischen Telegraphie (Berl. 1875); Weidenbach, Kompendium der elektrischen Telegraphie (2. Ausg., Wiesb. 1881); Grawinkel, Die Telegraphentechnik (Berl. 1876); Merling, Die Telegraphentechnik (Hannov. 1879); Canter, Der technische Telegraphendienst (3. Aufl., Bresl. 1886); Schellen, Der elektromagnetische T. (6. Aufl. von Kareis, Braunschw. 1882–88); Derselbe, Das atlantische Kabel (das. 1867); Calgary u. Teufelhart, Der elektromagnetische T. (Wien 1886); „Beschreibung der in der Reichstelegraphenverwaltung gebräuchlichen Apparate“ (Berl. 1888); Wünschendorff, Traité de télégraphie sous-marine (Par. 1888); Sack, Verkehrstelegraphie (Wien 1883); v. Weber, Das Telegraphen- und Signalwesen der [573] Eisenbahnen (Weim. 1867); Schmitt, Das Signalwesen der Eisenbahnen (Prag 1878); Kohlfürst, Die elektrischen Einrichtungen der Eisenbahnen und das Signalwesen (Wien 1883); Zetzsche, Geschichte der elektrischen Telegraphie (Bd. 1 des erwähnten Handbuchs, Berl. 1876); Derselbe, Kurzer Abriß der Geschichte der elektrischen Telegraphie (das. 1874); Telegraphenbauordnung (Wien 1876); Dambach, Das Telegraphenstrafrecht (das. 1871); Ludewig, Die Telegraphie in staats- und privatrechtlicher Beziehung (Leipz. 1872); Meili, Das Telegraphenrecht (2. Aufl., Zürich 1873); Fischer, Die Telegraphie und das Völkerrecht (Leipz. 1876); Schöttle, Der T. in administrativer und finanzieller Beziehung (Stuttg. 1883); Über die Militärtelegraphie s. d., über Haustelegraphie s. Läutewerke, elektrische.


Jahres-Supplement 1890–1891
Band 18 (1891), Seite 909911
korrigiert
Indexseite

[909] Telegraph (Fortschritte, Betriebsergebnisse). I. Ausland. Überall haben die auf die räumliche Ausdehnung und Verdichtung des Leitungsnetzes sowie auf die Erleichterung in der Benutzung der Beförderungsgelegenheiten gerichteten Bestrebungen einen namhaften Zuwachs der telegraphischen Verkehrsmittel zuwege gebracht. Die automatische Telegraphie (s. Telegraph, Bd. 15, S. 568) ist infolge der stetigen Vervollkommnung der Apparate und technischen Betriebseinrichtungen zu einem solchen Grade ausgebildet worden, daß vermittelst des Wheatstoneschen Schnellschreibers, welchem ein nach seinem Erfinder, dem Engländer Stroh, benannter verbesserter Lochapparat beigegeben worden ist, unter günstigen Verhältnissen bis 600 Wörter in der Minute befördert werden können. Während dieser Apparat namentlich für Übermittelung von langen Preßtelegrammen in England in Gebrauch ist, hat Frankreich für den Verkehr zwischen Paris und den Hauptbörsenplätzen den Multiplexapparat von Baudot (s. Telegraph, Bd. 15, S. 570) allgemein eingeführt. Die Ersetzung der lästigen hydro-galvanischen Batterien durch andre Stromquellen ist mit Erfolg versucht worden. Seit längerer Zeit schon wird seitens der Western Union Telegraph Company in Amerika der durch Dynamomaschinen erzeugte Induktionsstrom für den Betrieb ihres weitverzweigten Leitungsnetzes und seitens der französischen Telegraphenverwaltung für den Betrieb einzelner bei der Zentralstation in Paris eingeführter Leitungen verwendet. Über die Ersetzung des Batteriestroms durch Sammlerbatterien s. unten Deutschland. Die unterirdische Führung der Leitungsdrähte ist nach deutschem Vorgang in Frankreich und Amerika nachgeahmt worden und steht in England bevor. Das unterirdische Leitungsnetz Frankreichs verbindet Paris mit Lyon, Marseille, Bordeaux, Havre, Lille und Nancy und hat einen Kostenaufwand von 30,060,000 Mk. erfordert. Die Unterseetelegraphie hat 1889 und 1890 Erweiterungen von hervorragendster Wichtigkeit, daneben aber auch höchst bemerkenswerte Änderungen erfahren; denn außer den vielen neuen Kabelverbindungen für den internationalen Verkehr ist auch mit der bisher allgemein geübten Praxis: die Herstellung und den Betrieb größerer internationaler Kabelverbindungen ausschließlich der Privatindustrie zu überlassen, zum erstenmal in weiterm Umfang gebrochen worden. Über Deutschland wird in dieser Beziehung weiter unten besonders gesprochen werden. Großbritannien hat eine neue Linie von Porthcurno nach Lissabon, Cadix, Gibraltar, Malta und Zante hergestellt, die einen weitern Absatzweg nach Indien und Australien darstellt. Auf Italien entfällt die Linie Massaua-Assab-Perim. Für die transatlantischen Kabel ist das Jahr 1889 insofern von besonderer Bedeutung, als mit demselben der 1885 begonnene Gebührenkrieg beigelegt und eine Einigung aller beteiligten Kabelgesellschaften in der Weise erzielt worden ist, daß nunmehr, unter Zugrundelegung einer einheitlichen Gebühr, die sämtlichen Einnahmen in eine gemeinsame Kasse fließen. Die Verteilung unter die verschiedenen Gesellschaften erfolgt dann nach Maßgabe der Zahl der jeder einzelnen Gesellschaft gehörigen Kabel. In Mittel- und Südamerika sind folgende Kabelverbindungen an das Welttelegraphennetz angeschlossen worden: ein Kabel von Santiago auf Cuba nach Porto Plato auf Haïti. Eine neu hergestellte Landlinie verbindet Porto Plato mit San Domingo im S. von Haïti. San Domingo ist seinerseits durch ein Kabel über Curassao mit La Guayra in Venezuela verbunden, während von Curassao ab ein Kabel ostwärts nach Paramaribo in Surinam und von hier weiter nach Vizeu in Brasilien führt, wo es durch die vorhandenen Landlinien über Para (Belem) oder San Luiz (Maremham) weitern Anschluß findet. In Asien verdient die zwischen Futschou und Tamsui auf der Insel Formosa hergestellte Kabelverbindung Erwähnung. Die Verbindungen an der Westküste von Afrika, welche nur bis Loanda reichten, sind durch ein Kabel über Mossamedes bis zur Kapstadt vervollständigt worden. Ein neues Kabel, von den Kapverdischen Inseln ausgehend, nimmt seinen Weg über Bathurst, Freetown, Bageida, Lagos nach Bonny. An der Ostküste ist von Sansibar eine Zweiglinie nach dem Festland gelegt, welche die Orte Bagamoyo und Dar es Salam an das Welttelegraphennetz anschließt.

Die gesamte Länge der Kabel, welche gegenwärtig in der Welt benutzt werden, beträgt 115,000 Seemeilen oder 213,325 km; davon sind 208,560 einaderig und nur 4765 km mehraderig. 192,000 km gehören den verschiedenen Kabelgesellschaften, und nur 21,325 km sind Eigentum von 16 verschiedenen Staaten. Unter diesen nimmt Frankreich mit 5920 km die erste, Deutschland mit 1113 km die sechste Stelle ein.

Der Verkehr auf den submarinen Kabeln hat insofern eine Verbesserung erfahren, als fast sämtliche Kabel mit dem von Muirhead und Taylor erfundenen Gegensprechsystem (gleichzeitige Beförderung von Telegrammen auf demselben Drahte in entgegengesetzten Richtungen) betrieben werden. Es [910] bedeutet dies eine Verdoppelung der Leistungsfähigkeit der Kabel und ist in Hinsicht auf die enormen Herstellungskosten großer Unterwasserleitungen von höchster Wichtigkeit. Einen weitern Fortschritt bedeutet es, daß die Kabel unter völkerrechtlichen Schutz gestellt sind (s. Kabelschutzkonvention).

In Nordamerika, dem einzigen Lande, in welchem die Telegraphie in den Händen von Privatgesellschaften ist, unter denen die Western Union Company eine Stellung einnimmt, neben welcher das Dasein einiger andrer Gesellschaften nur als ein geduldetes erscheint, hat die Bewegung zu gunsten der Verstaatlichung der Telegraphie und Vereinigung derselben mit der Post nicht nachgelassen. Infolgedessen ist unter Begünstigung der Regierungsorgane und mit staatlicher Beihilfe die Postal Telegraph Company ins Leben gerufen worden, welche zunächst die südlichen Staaten, wo das Leitungsnetz der Western Company noch ziemlich dünn ist, zum Felde ihrer Thätigkeit genommen hat. Ein großes Telegraphennetz erstreckt sich bereits von Cincinnati nach Louisville (Kentucky), Chattanooga, Rome (Georgia), Nashville (Tennessee) hinunter bis New Orleans. Im Bau begriffen sind Linien von Kansas nach Topeka, nach Denver (Colorado) und nach Utah, von wo aus die Linien bis nach Kalifornien geführt werden sollen.

Der internationale Telegraphenverein umfaßt 44 Telegraphenverwaltungen, die sich auf folgende Staaten verteilen: Deutschland, Ägypten, Argentinische Republik, Südaustralien, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, Cuba, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Britisch-Indien, Kotschinchina, Niederländisch-Indien, Italien, Japan, Kap der Guten Hoffnung, Luxemburg, Montenegro, Natal, Neuseeland, Neusüdwales, Niederlande, Norwegen, Österreich, Persien, Philippinen, Portugal, Puerto Rico, Rumänien, Rußland, Schweden, Schweiz, Senegal, Serbien, Siam, Spanien, Tasmania, Tunesien, Türkei, Ungarn und Victoria. Von den 22 Privattelegraphengesellschaften, welche dem Verein nicht angehören, haben 11 sich den Festsetzungen des Petersburger Vertrags unterworfen, die 11 übrigen haben sich zwar den Vertragsbestimmungen nicht gefügt, richten sich jedoch im allgemeinen nach den Festsetzungen des internationalen Dienstreglements und stehen in regelmäßigem Schriftwechsel mit dem internationalen Telegraphenbüreau in Bern. Dieses letztere ist nach Artikel 14 des internationalen Telegraphenvertrags von Petersburg das Zentralorgan, welches unter die Oberaufsicht der schweizerischen Telegraphenverwaltung gestellt ist und den Zweck hat, die auf die internationale Telegraphie bezüglichen Nachrichten jeder Art zu sammeln, zusammenzustellen und zu veröffentlichen, die Anträge auf Abänderungen der Tarife oder der Ausführungsübereinkunft zum Hauptvertrag in die Wege zu leiten, die angenommenen Änderungen bekannt zu geben und im allgemeinen alle Fragen zu studieren und alle Arbeiten auszuführen, mit welchen es im Interesse der internationalen Telegraphie betraut wird. Die Kosten, welche aus dieser Einrichtung entstehen und welche die Summe von 70,000 Fr. für das Jahr nicht übersteigen dürfen, werden von den dem Telegraphenverein angehörenden Staaten gemeinschaftlich getragen. Vgl. folgende statistische Übersicht.

Stand des Telegraphenwesens in den Hauptländern (Anfang 1890).
  Länder Staats-Tele­graphen- Eisenbahn- u. Privat­tele­graphen- Beför­derte Tele­gramme
An­stalten Linien Lei­tungen An­stalten Linien Lei­tungen
  km km   km km
1 Deutschland 12431 98391 334083 3977 26435 74897 25847836
2 Belgien 830 6462 30819 105 378 3243 172810
3 Bulgarien 117 4484 6796 19 694697
4 Dänemark 162 4416 12077 207 1566 4833 1506401
5 Frankreich 5959 89482 281763 3412 16900 170000 37264162
6 Griechenland 175 7012 8136 7 955839
7 Großbritannien und Irland (1888) 5494 49468 295438 1621 ? ? 59558902
8 Italien 2437 34915 99122 1369 2297 31096 8499749
9 Luxemburg 50 404 760 44 98 759 89244
10 Niederlande 399 5153 18089 315 2838 8084 4118195
11 Norwegen 159 7505 14250 191 1538 2532 1372979
12 Österreich 1867 26677 73006 1778 15081 36065 8080309
  Bosnien und Herzegowina 77 2806 5869 25 264996
13 Portugal 286 5402 12307 1 870568
14 Rumänien 163 5306 13180 190 1325352
15 Rußland (1888) 1849 112886 217640 1900 9033 66898 10180889
16 Schweden 175 8676 22529 811 3334 12877 1708752
17 Schweiz 1253 7151 17872 94 1127 6563 3843088
18 Serbien (1888) 68 2516 4139 48 391 768 387885
19 Spanien (1887) 586 21062 51292 359 11812 34049 3462597
20 Türkei (1887) 573 32190 50194 19 2094037
21 Ungarn 746 18693 47918 956 1199 25431 3963068
22 Britisch-Ostindien 788 54200 160683 1974 4741 9068 3483570
23 Japan 240 10615 29986 10 2674191
24 Vereinigte Staaten von Nordamerika (Western Union Telegr. Co.) 18470 287793 1042792 54108326

II. Deutschland. Im innern Verkehr hat die deutsche Telegraphenverwaltung ihr Bestreben, das Leitungsnetz möglichst zu verdichten und durch Einrichtung neuer Telegraphenanstalten den Bedürfnissen der Bevölkerung, namentlich auf dem platten Lande, entgegenzukommen, unausgesetzt im Auge behalten und steht, was Länge der Leitungen und Zahl der Anstalten anlangt, nach wie vor an erster Stelle. Die vielseitige Gestaltung des Telegraphenbetriebs und das Bedürfnis, mit der Entwickelung der Elektrotechnik erfolgreich Schritt zu halten, hat dazu geführt, eine außerhalb des Betriebs stehende Amtsstelle, das Telegrapheningenieurbüreau, ins Leben zu rufen, welches die Fortschritte auf denjenigen Gebieten [911] der Elektrotechnik, die für die Aufgaben der Telegraphenverwaltung von Bedeutung sind, prüfen, neue Vorschläge zu technischen Einrichtungen machen, von andern Seiten vorgeschlagene oder anderwärts bestehende Einrichtungen begutachten, neu angelieferte Telegraphenmaterialien und Apparate abnehmen, Beamte in der Handhabung von Meßinstrumenten und in Bearbeitung technischer Fragen unterweisen sowie elektrische Beleuchtungsanlagen prüfen und abnehmen soll. Das Personal besteht aus 2 Obertelegrapheningenieuren, 3 Telegrapheningenieuren und dem erforderlichen Hilfs- und Büreaupersonal.

Den vorhandenen Apparaten ist der Wheatstonesche Schnellschreiber (s. oben, S. 909) hinzugefügt worden, wodurch namentlich die umfangreiche Zeitungskorrespondenz eine erheblich beschleunigte Beförderung erfahren hat. Als wichtigstes Ereignis aber darf die Ersetzung der hydrogalvanischen Batterien durch Sammlerbatterien angesehen werden, mit welchen zunächst auf dem Berliner Haupttelegraphenamt 1889 ein erfolgreicher Versuch gemacht worden ist. Es sind zunächst 25 Batterien von Tudorakkumulatoren in Betrieb gesetzt worden, deren Strom nach drei Richtungen verteilt ist. Derselbe versorgt 68 Leitungen, in welche 41 Morse- und 27 Hughesapparate eingeschaltet sind. Die drei Systeme umfassen: eins mit 36 Leitungen zu 34 Volt, eins mit 12 Leitungen zu 40, eins mit 13 Leitungen zu 50, eins mit 6 Leitungen zu 60 und eins mit einer Leitung zu 80 Volt. Die Batterien arbeiten einen Monat, werden aber gewöhnlich alle 10 Tage mittels eines Siemens-Dynamo durch einen Gasmotor von 8 Pferdekräften geladen. Die Sammler sind in Bezug auf die elektromotorische Kraft mit den bisherigen Telegraphenelementen gleichwertig, übertreffen die letztern aber in Bezug auf den innern Widerstand. Derselbe ist bei ihnen so klein, daß auch bei Entnahme verhältnismäßig starker Ströme die Klemmenspannung der Batterie fast unverändert bleibt, so daß man viele Telegraphenleitungen aus einer Batterie speisen kann; daraus folgt, daß die sämtlichen galvanischen Batterien eines großen Telegraphenamtes durch verhältnismäßig wenige Sammlerzellen ersetzt werden können und auf diese Weise Raum erspart und die Bedienung vereinfacht wird.

In umfangreicher Weise wurde der T. in Deutschland neuerdings in den Dienst der öffentlichen Wohlfahrt gestellt. Die Einrichtung, den T. in den Stromgebieten zu einem einheitlich geregelten Wasserstandsmeldedienst zu benutzen, ist erweitert und vervollkommt worden. Durch die schnelle telegraphische Verbreitung der Wasserstands-, Eisgangs- etc. Nachrichten an die Regierungen, Landratsämter, Wasserbauinspektionen und an die durch die elementaren Ereignisse besonders bedrohten Gemeinden oder Privatpersonen ist es ermöglicht worden, rechtzeitig Vorsichtsmaßregeln zu treffen, und die Einrichtung hat sich bei den in jedem Jahr wiederkehrenden Überschwemmungen etc. als segensreich bewiesen. Bei einer großen Anzahl von Verkehrsanstalten, bei welchen für den gewöhnlichen telegraphischen Verkehr ein ununterbrochener Dienst nicht erforderlich oder thunlich war, ist eine nächtliche Dienstbereitschaft zur Beförderung von Telegrammen durch Aufstellung von elektrischen Weckvorrichtungen eingerichtet worden, um entweder während der ganzen Nacht oder wenigstens für gewisse Nachtstunden die Beförderung von Telegrammen für dringliche Fälle sicherzustellen. Über Unfallmeldedienst s. Fernsprecher, S. 271.

Der Besitzstand von Unterseekabeln ist erheblich vermehrt worden. Zur Verbesserung des unmittelbaren Telegrammverkehrs zwischen Deutschland und Dänemark, insbesondere zwischen Berlin und Kopenhagen, ist in Gemeinschaft mit der dänischen Telegraphenverwaltung ein vieraderiges Kabel von Warnemünde bis Gjedser auf Falster verlegt worden. Ferner ist der Übergang der deutsch-englischen Kabel Emden-Lowestoft und Greetsiel-Valentia (Irland) aus dem Besitz der Vereinigten deutschen Telegraphengesellschaft in das Eigentum des Reiches durchgeführt. Das erstgenannte Kabel dient zum Austausch für den deutsch-englischen Verkehr, das letztgenannte für denjenigen der deutsch-amerikanischen Korrespondenz. Auf Veranlassung der deutschen Regierung ist das Kabel der Londoner Eastern and South African Telegraph Company, welches über Sansibar nach Port Natal führt, von Sansibar aus durch eine Zweiglinie mit dem Festland verbunden worden, so daß seit Oktober 1890 die drei in der deutschen Interessensphäre in Ostafrika eingerichteten deutschen Telegraphenanstalten: Sansibar, Bagamoyo und Dar es Salam an das Welttelegraphennetz angeschlossen sind. Über die Ergebnisse der 1890 stattgefundenen internationalen Telegraphenkonferenz s. d. (S. 913). Vom 1. Febr. 1891 ab ist die Telegrammgebühr im innern Verkehr auf 5 Pf. für das Wort (mindestens jedoch 50 Pf. für das Telegramm) herabgesetzt worden.