Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Königshofen“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 10 (1888), Seite 1
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Königshofen. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 10, Seite 1. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:K%C3%B6nigshofen (Version vom 17.01.2023)

[1] Königshofen, 1) Stadt im bad. Kreis Mosbach, Amt Tauberbischofsheim, an den Linien Heidelberg-Würzburg und K.-Mergentheim der Badischen Staatsbahn, 201 m ü. M. und am Einfluß der Umpfer in die Tauber, hat Gipsbrüche, Obst- u. Weinbau und (1885) 1461 meist kath. Einwohner. Hier 2. Juni 1525 Sieg der Truppen des Schwäbischen Bundes über die aufrührerischen Bauern des Odenwaldes unter Georg Metzler. – 2) K. im Grabfeld, Bezirksstadt im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, an der Fränkischen Saale, 269 m ü. M., hat eine restaurierte kath. Pfarrkirche in gotischem Stil (mit 68 m hohem Turm), ein Kapuzinerkloster, ein schönes Rathaus, 2 Schrannengebäude, ein Amtsgericht, bedeutende Gipsbrüche und (1885) 1848 meist kath. Einwohner. K. war schon zur Zeit Karls d. Gr. ein Königshof (villa regia) und hieß ursprünglich Salz. 1241 wurde der Ort von den Grafen von Henneberg befestigt, kam 1354 an Würzburg und ward im Dreißigjährigen Krieg 1631 von den Schweden erobert und niedergebrannt; 1830 wurden die Festungswerke auf Abbruch versteigert. – 3) Ortschaft vor dem Weißenturmthor von Straßburg im Elsaß und zur Stadtgemeinde Straßburg gehörig, nahe der Mündung der Breusch in die Ill und an der Eisenbahn nach Basel, von der hier eine Abzweigung nach Kehl stattfindet, ist bekannt durch den Abschluß der Kapitulation von Straßburg 28. Sept. 1870, morgens 2 Uhr.

Königshofen, Jakob Twinger von, deutscher Chronikenschreiber des 14. Jahrh., geb. 1346 zu Straßburg, trat in den geistlichen Stand, wurde 1382 zum Priester geweiht, 1386 Pfarrer in Drusenheim und 1395 Kapitelherr am Thomasstift in Straßburg. Er starb 27. Dez. 1420 in Königshofen. Zuerst schrieb er eine Chronik in lateinischer Sprache, die nie zum Drucke kam, dann eine in deutscher Sprache, welche in drei Kapiteln die Weltgeschichte, dann in zwei die der Straßburger Kirche, des Elsaß und der Stadt Straßburg behandelt und für 1382–1414 von originalem Wert ist. Seine Darstellung ist populär und durch Legenden, Anekdoten und Schwänke aus dem Volksmund unterhaltend. Den originalen Teil sowie einen bis 1420 fortgeführten Auszug daraus, der zuerst 1474 zu Augsburg erschien und zuletzt von Schilter (Straßb. 1698), mit historischen Anmerkungen und Kupfern versehen, herausgegeben wurde, hat Hegel in den „Chroniken der deutschen Städte“ (Bd. 8 u. 9: Straßburger Chroniken, Leipz. 1870–71) publiziert. Die Handschriften seiner Werke sind 1870 mit der Straßburger Stadtbibliothek verbrannt.