Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Gaultheria“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 6 (1887), Seite 955
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Gaultheria. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 6, Seite 955. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Gaultheria (Version vom 20.08.2021)

[955] Gaultheria Kalm. (Scheinbeere, Theeheide), Gattung aus der Familie der Erikaceen, meist niederliegende Sträucher und Halbsträucher mit immergrünen, lederigen, bisweilen gegenständigen, häufig gesägten Blättern, einzelnen axillären oder in achsel- oder endständigen Trauben stehenden Blüten und vom fleischig gewordenen Kelch umschlossenen Beeren. Etwa 90 Arten, meist in Nordamerika und auf den Andes Südamerikas, wenige in Asien und Australien. G. procumbens L. (Bergthee), im Alleghanygebirge Nordamerikas, südlich bis Nordcarolina, ein auf der Erde kriechender Strauch mit aufrechten Ästen und Zweigen, bis 4 cm langen, kurzgestielten, rundlichen bis verkehrt-eiförmigen, kurzstachelspitzigen, schwach gesägten Blättern, weißen oder rötlichen Blüten und roten Beeren, liefert in seinen Blättern den Thee von Kanada und wird auch als reizendes, harntreibendes Mittel benutzt. Durch Destillation mit Wasser gewinnt man daraus das ätherische Gaultheriaöl (Wintergrünöl). Dies ist farblos, wird an der Luft rötlich, schmeckt süßlich gewürzhaft, riecht angenehm, besteht aus Salicylsäuremethyläther und einem Kohlenwasserstoff (Gaultherilēn) und dient zum Parfümieren der Seife, zu Fruchtäthern, in Nordamerika als Carminativum, Geschmackscorrigens und als Volksheilmittel. Die Beeren des Bergthees werden besonders vom Wild verzehrt. G. Shallon Pursh, im westlichen Nordamerika, wird 1 m hoch, hat in Trauben gestellte, weiße und rote Blüten und dunkel purpurrote Beeren, welchen die Vögel stark nachstellen. Die Pflanze wird deshalb von den Jagdliebhabern vielfach angepflanzt und war vor längerer Zeit auch in England und Schottland weit verbreitet. Die Beeren sind sehr wohlschmeckend, man zerstampft sie und trocknet den Brei zu einer Art Brot. Bei uns kultiviert man die Gaultherien als Ziersträucher.