Lindaraja’s Gefangenschaft und Befreiung

Textdaten
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Autor: Otto Heinrich von Loeben
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Titel: Lindaraja’s Gefangenschaft und Befreiung
Untertitel:
aus: Wünschelruthe - Ein Zeitblatt. Nr. 1, S. 3/4
Herausgeber: Heinrich Straube und Johann Peter von Hornthal
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht
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Erscheinungsort: Göttingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[3]
Lindaraja’s Gefangenschaft und Befreiung.


     Harmlos gleitet hin das Schiffchen,
Eine von den schönsten Barken,
Auf dem abendklaren Strome
Durch des Landes blüh’nde Marken.

5
     Auf den Sitzen, in der Runde

Hingezogen, drängt zum Kranze
Holder Jungfraun Jugendblüthe
Sich zusammen wie im Tanze

     Mit des Wassers goldnen Wellen;

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Und wie eine höhre Pflanze,

Königin der andern Schönen,
Raget Ein’ im Lilienglanze

     Aus den Blumen, aus den Wogen
Auf zum wolkenfreien Azur,

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Der sie einzufassen eilet,

Perle, in sapphirnen Lazur.

Und vom Ufer fügt das Grüne
Um das Kleinod noch Smaragden,
Und das Feuer der Demanten

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Reiht sich dran aus Wasserschachten.


     Also schwimmt wie eine Krone
In den Abend hin der Nachen,
Wie die Sonne dort versinket,
Scheint ein’ andre zu erwachen.

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     Die so fähret auf den Fluten,

Ist ein’ edle Morendame
Aus den Königreichen Spaniens,
Lindaraja ist ihr Name.

[4]

     Lindaraja, sprich, was blickst du

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Traurig und auch sinnig ahnend

In das Wasser, seinen Weg sich
Hin zu nahem Schlosse bahnend?

     Auf dem Schloß am Wasser wohnet,
Der den Gatten ihr erschlagen,

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Und in edler Morenfehde

Stolzen Sieg davon getragen.

     Er ist Graf von Barcelona,
Will die Wittwe nun empfangen,
Und sie soll im Schloß vergessen

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Daß sie einsam und gefangen.


     Dieses überdenkt sie trauernd,
Wie sie kommt dem Pallast nahe,
Vor des Grafen Anblick schauernd,
Den sie nimmer noch ersahe.

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     Sinnend steht sie, wenn sie senket

Ihre Augen nach den Wassern,
Vor’ger Tage still gedenket;
Und mit immer, immer nassern

     Blicken denkt sie eines Ritters,

50
Eines Spaniers ohne Tadel,

Den sie einst durch goldnen Gitters
Blumen grüßte, Blum’ an Adel.

     Der ihr Herz ihr dann gewonnen,
Den ihr weißer Arm umfangen,

55
Der in ihrer Augen Bronnen

Sah sein Ritterbildniß prangen,

     Dem sie in die Seele stralte
Auch ihr Herz zur Gegengabe,
In sein Herz es brennend malte

60
Mit des Blickes Zauberstabe.


     Liebewund von Amors Pfeile,
Zog der Ritter drauf von dannen,
Auf der letzten Küsse Rosen
Viele heiße Zähren rannen. –

65
     Sinnig sieht sie, wie das Bild ihr

Auf des Wassers Grund sich male,
Aus dem Spiegel ihr entgegen
Schimmre in der Thrän’ Opale.

     Und die Süßigkeit der Thräne

70
Wird verbittert vom Gedanken,

Daß sie, treulos dem Gemale,
Um ihn schlug der Arme Ranken.

     Seinen Namen nannt’ er niemals,
Wollt’ sein Bild ins Herz nur graben,

75
Thränen möchten’s dort bald löschen,

Bald vom Staub gereinigt haben. –

     Und jetzt sind sie unterm Schlosse,
Auf dem luftigen Altane
Steht der Graf von Barcelona,

80
Sieht hernieder zu dem Kahne.


     Schönern Ritter sah man niemals
Neigen sich vor einer Dame,
Und sein Antlitz sagt, ihn schmücke
Auch des bravsten Ritters Name.

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     Lindaraja unter Thränen

Blickt empor, wie Tön’ erschallen,
Und dann läßt sie plötzlich wieder
Ihre Blicke niederfallen.

     Plötzlich knüpft die Perlenschnüre

90
Fest sie an des Halses Glanze,

Und den Jungfraun allen sagt sie:
Fröhlich! spielt und singt zum Tanze!

     In die Wellen will ich tanzen,
Mich in Thränen zu begraben,

95
Denn ach! was mein Herz begehret,

Dran soll sich mein Herz nicht laben.

     Diesen Ritter, diesen Ritter,
Der den Gatten mir erschlagen, …
O ich kenn’ ihn, diesen Ritter,

100
Aber mehr kann ich nicht sagen.


          Lindaraja! ruft der Ritter,
Lindaraja! vom Altane,
Und sie ruft noch: leb’ wohl, Ritter!
Und entschwebt dem goldnen Kahne.

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Selber eine Perlenwelle,

Schwimmt sie fort im Wassertanze,
Und bald folgt’ ihr eine Quelle
Von viel heißer Thränen Glanze.

O. H. Graf von Loeben.