Textdaten
<<< >>>
Autor: Karl Brandt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Hirsch todt!
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 569, 579
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[569]

Mit Genehmigung der Photographischen Gesellschaft in Berlin.

Hirsch todt!0 Nach einem Gemälde von C. F. Deiker.

[579] Hirsch todt! (Zu dem Bilde S. 569.) Hirsch – Schweißhund – das edelste Wild des deutschen Waldes – der edelste Hund des deutschen Jägers! C. F. Deiker, der berühmte Düsseldorfer Jagdmaler, zeigt uns heute den Schluß einer Art von Hirschjagd, die früher ausschließlich im Hannoverschen betrieben wurde, die von hier aus aber mit dem Schweißhunde, einer specifisch hannoverschen Rasse, auch in einige andere Hirschreviere verpflanzt worden ist – das „Lanciren“ des Feisthirsches.

Der hannoversche Schweißhund ist mittelstark, roth oder gestromt ohne weiße Abzeichen, im Gesicht schwarz gebrannt und muß die Eigenschaft haben, sowohl auf einer gesunden Hirschfährte am Riemen nachzuziehen und dieselbe selbst dann zu halten, wenn sie durch die frischeren eines Rudels führt, als besonders auch nach 24 Stunden noch die Schweißfährte eines kranken Stückes „auszuarbeiten“ und dem Jäger zu helfen, dasselbe zur Strecke zu bringen.

August ist es, das Geweih ist „verreckt und gefegt“, und jetzt beginnt des weidgerechten Jägers schönste Zeit, die Jagd auf den Feisthirsch.

Ein starker Hirsch hält zu Felde, aber er tritt so spät aus und hält so früh wieder zu Holze, daß dir nur die frische Fährte zeigt, daß er draußen gewesen ist. So schlau ist aber der alte Bursch, daß er bei Mondschein sich hütet, das Feld anzunehmen. Da heißt es, den Hirsch zu bestätigen. Das ist eine uralte Weidmannskunst oder, wie der mittelhochdeutsche Ausdruck will, „Jagelist“. Söllmann, der Schweißhund, wird „zur Fährte gelegt“, er hält sie bis zu einer Fichtendichtung. Hier wird er „abgetragen“ (nicht mit dem Riemen von der Fährte gezogen), die Fährte wird „verbrochen“, d. h. ein frischer Fichtenbruch auf dieselbe gelegt und dann mit dem Hunde die Dickung „umschlagen“, um zu sehen, ob der Hirsch in derselben stehen geblieben ist. Söllmann fällt aber keine Fährte wieder an – der Hirsch ist bestätigt.

Einige Stunden später werden Jäger auf den Wechseln weit von einander („verloren“) angestellt, du aber erhältst den besten Posten, auf dem Rückwechsel, dort, wo der Hirsch die Dickung angenommen hat. Der Jäger umschlägt mit Söllmann die Dickung noch einmal, um sich zu vergewissern, ob der Hirsch auch stehen geblieben ist, dann legt er den Schweißhund wieder zur Fährte und beide verschwinden im dichten Gebüsch.

Der Hund liegt fest im Riemen und zieht den Jäger vorwärts. Hin und her geht’s durch die Fichten – endlich wird der Hirsch „gesprengt“ oder „aus dem Bette aufgethan“; aber das edle Wild flieht nicht sofort aus dem schützenden Buschwerk, sondern zieht in demselben umher – langsam, aber sicher folgt ihm am Riemen Söllmann. Du aber stehst vor der Dickung mit gespannter Büchse in aufgeregter Erwartung – es ist so still um dich her, kein Ton schlägt an dein Ohr – höchstens kreischt einmal ein Häher – ein Eichkätzchen hüpft über den Weg oder ein Goldhähnchen schlüpft durch das Fichtengeäst – kein Laut – nichts verräth, daß du auf Hirschjagd bist.

Da – was ist das? – ein leises Streifen an den Büschen – langsam hebt sich die Büchse, das Herz droht vor Aufregung zu zerspringen – – alles wieder still, du hörst nur das Hämmern in deiner Brust. Drei lange, bange Minuten – – wieder streift es an den Büschen, die Zweige knacken – – und „hast recht, Söllmann! schon’ dich! schone!“ tönt es leise aus der Dickung zu dir herüber. Der Hirsch ist dem Rande der Pflanzung entlang gezogen – dicht hinter ihm folgt der Jäger mit dem Hunde.

Wieder ist eine lautlose Stunde verstrichen, die heiße Hundstagssonne brennt dir auf den Scheitel – die Aufmerksamkeit läßt schon nach – – vielleicht schleicht sogar der Gedanke sich in dein Jägerherz: wenn der Hirsch doch erst heraus wäre, selbst wenn’s auf einer andern Stelle knallte – – da, ganz unerwartet, plötzlich fliegt 80 Schritt von dir ein rothes Etwas aus den Fichten – du siehst die Umrisse in der Ueberraschung, der Aufregung nur verschwommen – ein starkes Geweih – die Büchse ist am Backen – das Korn liegt dicht vor dem Rothen – Knall – Pulverdampf – Kugelschlag! Du siehst den Hirsch in hoher Flucht in der Luft erscheinen, dann stürmt er durch Ginster und Schmielen in weitem Halbkreis um dich herum – jetzt wird er langsamer – du siehst den Schweißfleck dicht hinter dem Blatte – er bleibt stehen – wie jubelt’s in deiner Brust – das Geweih, der Kopf wird ihm zu schwer, er senkt ihn tief herab zur Erde – – sein Haar sträubt sich, verendet bricht er zusammen, der König der Wälder, und das Horn des Jägers, das die Genossen ruft, singt ihm den lustigen Grabgesang. Karl Brandt.