Eine Fahrt im Luftschiff von Amerika nach Europa

Textdaten
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Titel: Eine Fahrt im Luftschiff von Amerika nach Europa
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 736–737
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Eine Fahrt im Luftschiff von Amerika nach Europa.

Schon in Nr. 41 d. Bl. ist erzählt worden, daß der Amerikaner Lowe die Absicht hat, in einem Luftballon über das Weltmeer zu schiffen und uns in Europa einen Besuch zu machen. Er ließ sich zu diesem Zweck den größten Ballon fertigen, den er „die Stadt New-York“ nannte, der einen Durchmesser von 130 Fuß, eine Höhe von 200 Fuß, ein Gewicht von 70 Centnern hat, über 400 Centner tragen und 725,000 Cubikfuß Gas fassen kann. Zu diesem Riesenballon wurden sechstausend Ellen Zeug verwendet. Um ihn her liegt ein Geflecht von Flachsstricken; von diesen hängt ein Korb herab und unter dem letztern ist noch ein Boot angebracht. Der Korb (von dessen Innern wir eine Ansicht geben) ist von spanischem Rohr gebaut und mit Leinwand überdeckt. In ihm läuft rund an den Seiten herum eine Art Sopha und darüber sind nicht nur Pflöcke u. s. w. zum Aufhängen von Instrumenten und Kleidungsstücken, sondern auch Fenster mit Glas angebracht. Geräumige Kisten enthalten die nothwendigen Lebensmittel. Selbst ein Ofen fehlt nicht darin, der aber nicht durch Kohlen oder Holz geheizt werden soll, sondern durch ungelöschten Kalk und in dem sich auch ein Kochapparat befindet. In der Mitte des Korbbodens endlich ist eine Fallthüre angebracht, durch welche man auf einer Strickleiter in das darunter hängende Boot steigen kann. Dieses ist ein neuerfundenes Rettungsboot, 30 Fuß lang, 7 Fuß breit und 4 Fuß tief, und hat eine Decke von Kautschuk, unter welche die kühnen Reisenden sich flüchten können, wenn sie ihr Boot in das Meer hinablassen müssen. Zu diesem Zweck ist es auch mit einer Ericson’schen Wärmemaschine von vier Pferdekräften versehen, die, mit feinen Kohlen und Spiritus geheizt, das Boot ziemlich rasch durch die Meerfluth treiben kann. Der Gebrauch von Feuer in Geräthen an einem Ballon ist etwas ganz Neues, da bisher kein Luftschiffer dasselbe zu benutzen wagte, weil Alle sich vor der Gefahr fürchteten, das Feuer könne sich dem Gas mittheilen und eine Explosion verursachen. Lowe hat dagegen das feste Vertrauen, ohne Gefahr Feuer in seinem Ofen und seiner Maschine führen zu können.

Lowe’s Ballon mit dem Rettungsschiff.

Die wunderlichen Anhängsel, die man an dem Boote sieht, sind erstens ein Ruder, das aus einem acht Fuß langen und vorn drei Fuß breiten dünnen Holze besteht, und zweitens ein Treibrad von 8 Fuß im Durchmesser, das zur Leitung des Ballons dienen soll. Aus Fürsorge werden die Reisenden ein zweites ähnliches, aber kleineres Rad mit sich nehmen.

Das Boot soll durch die Lebensmittel und durch Wasser – genug für zehn Personen auf sechs Monate – die nöthige Schwere erhalten. Für den Fall, daß es nöthig würde, den Ballon abzuschneiden und sich in das Boot zu begeben, ist dieses auch mit einem Anker von 100 Pfund versehen.

Eine neue Vorrichtung will man benutzen, um die verschiedenen Luftströmungen zu prüfen. Es ist dies ein sehr langer Strick mit einem Bleigewicht am Ende und mit Flaggen an verschiedenen Punkten. Der Strick wird herunterhängen und die Richtung der Fähnchen daran die Richtung der Luftströmungen angeben, so daß die [737] Reisenden diejenige Strömung zu wählen im Stande sind, welche sie für die vortheilhafteste halten.

Um mit Schiffen oder Städten in Verbindung treten zu können, wird der Ballon hundert kleine Fallschirme und eben soviel Kautschuksäcke mit Briefen und Zeitungen mit sich nehmen und dieselben auf große Schiffe und auf Städte hinablassen, über die man hinfährt. Daß es dem neuen Fahrzeuge an den verschiedensten Instrumenten nicht fehlt, versteht sich von selbst, da mehrere Naturforscher die Reise mit zu machen und allerlei Experimente anzustellen gedenken.

So viel man von den Regionen weiß, welche die kühnen Reisenden durchschiffen wollen, gibt es eine Luftströmung, die unveränderlich, in einer gewissen Höhe, von Westen nach Osten geht. Das Hauptbestreben wird also zunächst sein, diese Strömung zu erreichen und zu benutzen. Gelangen sie gleich im Anfang dahin und bleiben sie auf der ganzen Fahrt darin, so würden sie Spanien schon nach drei Tagen erreichen. Sollte die Luftströmung abweichen oder der Ballon aus derselben herausgetrieben werden, so gedenkt man entweder im Norden, in England oder Frankreich, oder im Süden, in Spanien, Portugal oder Afrika, zu landen.

Die Stube im Korbe.

Damit es der Reise auch an einer ausführlichen und getreuen Beschreibung nicht fehle, wird die Expedition ein New-Yorker Journalist begleiten, und um nichts zu versäumen, was von dem Fortgang der Reise etwa Nachricht geben kann, nimmt man auch eine Anzahl Brieftauben mit, die mit Reiseberichten von Zeit zu Zeit losgelassen werden sollen.

Es bleibt nur noch zu erwähnen, daß Carlincourt Lowe, der Unternehmer, ein junger Mann von siebenundzwanzig Jahren ist, der Chemie studirte und sehr bald der Luftschifffahrt sich widmete. Bereits hat er sechsunddreißig glückliche größere und kleinere Luftreisen gemacht, und die Vorbereitungen zu der Fahrt über den Ocean beschäftigen ihn seit länger als einem Jahre. Sein großer Ballon mit der ganzen fertigen Einrichtung ist gegenwärtig in New-York ausgestellt, die Zeit der Abfahrt aber noch nicht fest bestimmt.