Die verschütteten Silber-Gruben

Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Die verschütteten Silber-Gruben
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 1, S. 156–157
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1816
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: [1]
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[156]
97.
Die verschütteten Silber-Gruben.
Mündlich, am Harz.

Die reichsten Silberbergwerke am Harz waren die schon seit langen Jahren eingegangenen beiden Gruben: der große Johann und der goldene Altar (bei Andreasberg?). Davon geht folgende Sage. Vorzeiten, als die Gruben noch bebaut wurden, war ein Steiger darüber gesetzt, der hatte einmal, als der Gewinn groß war, ein paar reiche Stufen bei Seite gelegt, um, wenn der Bau schlechter und ärmer seyn würde, damit das fehlende zu ersetzen und immer gleichen Gewinn hervorzubringen. Was er also in guter Absicht gethan, [157] das ward von andern, die es bemerkt hatten, als ein Verbrechen angeklagt, und er zum Tode verurtheilt. Als er nun niederkniete und ihm das Haupt sollte abgeschlagen werden, da betheuerte und beschwur er nochmals seine Unschuld und sprach: „so gewiß bin ich unschuldig, als mein Blut sich in Milch verwandeln und der Bau der Grube aufhören wird; wann in dem gräflichen Haus, dem diese beiden Bergwerke zugehören, ein Sohn geboren wird mit Glas-Augen und mit Reh-Füßen, und er bleibt am Leben, so wird der Bau wieder beginnen, stirbt er aber nach seiner Geburt, so bleiben sie auf ewig verschüttet.“ Als der Scharfrichter den Hieb gethan und das Haupt herabfiel, da sprangen zwei Milchströme statt des Bluts schneeweiß aus dem Rumpf in die Höhe und bezeugten seine Unschuld. Auch die beiden Gruben gingen alsbald ein. Nicht lange nachher ward ein junger Graf mit Glas-Augen und Reh-Füßen geboren, aber er starb gleich nach der Geburt und die Silberbergwerke sind nicht wieder aufgethan, sondern bis auf diesen Tag verschüttet.