Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Die schöne Buche
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 426–427
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Originalherkunft:
Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
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[426]
Die schöne Buche.

Nahe dem Dörfchen Steinsfurth führt, an dem Abhang eines Berges, ein Fußpfad durch ein freundliches Wäldchen bis nach Kirchardt. Ueberrascht fühlt sich hier der Wanderer [427] beim Anblick eines wunderschönen Baumes. Seine Zweige sind so dicht, daß man von fern eine große dunkelgrüne Laube zu sehen vermeint, und in der That, wenn du die Zweige auseinander biegst und in das schattige Heiligthum eintrittst, da ergreift dich freudiges Erstaunen. Rings unter dem reichen Laubnetze wölbt sich die lieblichste kühle Halle, die kein Sonnenstrahl zu durchdringen vermag.

Als ich das erste Mal hier ruhte, drängte sich mir unwillkürlich die sinnige Dichtung der Alten auf. Eine holde Dryade, dachte ich, wohnt in dieser schönen Buche, wartet ihrer mit sorgsamer Pflege und spricht zu mir in sanftbewegten Blättern. Ein altes Männchen mit eisgrauen Haaren, das ebenfalls hier Schatten suchte, erzählte mir Folgendes von diesem Baume:

„Schon von meiner Großmutter hörte ich, daß vor alten Zeiten ein gelber Zwerg hier auf diesem Platze gewohnt habe. Oft erschien er den Leuten, besonders den armen Holzlesern, denen er ihre Bürde aufladen half. Wenn diese nach Hause kamen, fanden sie meistens einiges Geld in dem Bündel versteckt. Dieser Zwerg soll zu seinen Lebzeiten ein stattlicher Ritter gewesen seyn. An der Stelle, wo die Buche steht, fand er eines Tages die Leiche seiner Geliebten, welche von wilden Thieren zerrissen worden war. Er begrub sie auf derselben Stätte, pflanzte die Buche auf ihr Grab und trauerte daselbst viele Jahre lang, bis auch ihn die stille Gruft mit der Theuern vereinte.

Liebende Pärchen wallfahrteten seither oft zu der geheiligten Buche, schwuren sich darunter ewige Treue, und Segen folgte ihrer Verehelichung. Noch jetzt, erscheint gleich der Zwerg nicht mehr sichtbar, ist er Beschützer dieses Baumes. Niemand wagt es, ihn zu beschädigen und solch ein Frevel würde gewiß auch nicht ungerochen bleiben.“

(Siehe „Badische Wochenschrift.“ 1807. Nr. 34. Der Name des Einsenders ist nicht angegeben.)