Die Siegel der deutschen Kaiser und Könige Band 5/Zollernscher Stamm

Kurfürstenkollegium Die Siegel der deutschen Kaiser und Könige Band 5 (1913) von Otto Posse
Deutsche Kaiser, Zollernschen Stammes
Einleitung
[131]
B
Deutsche Kaiser, Zollernschen Stammes
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Kaiser Wilhelm I., der Große und Kaiser Friedrich III.


1. Originalstempel.

Großes Staatssiegel. Die Feststellung des kaiserlichen Wappens erfolgte durch kaiserlichen Erlaß d. d. Coblenz, 3. August 1871, der bestimmt, daß als kaiserliches Wappen der schwarze, einköpfige, rechtssehende Adler mit rotem Schnabel, Zunge und Klauen ohne Zepter und Reichsapfel, auf dem Brustschilde den mit dem Hohenzollernschilde belegten preußischen Adler über demselben (d. h. über dem Reichsadler) die Krone in der Form der Krone Karls des Großen, jedoch mit zwei sich kreuzenden Bügeln, in Anwendung gebracht werde. Durch einen allerhöchsten Befehl vom 18. Oktober 1871 wurden Bestimmungen getroffen über den Adler, über die Krone und das Wappen des neuen Reiches, über die Krone und das Wappen des Kaisers und des Kronprinzen, sowie über deren Standarten. Danach liegt auf der Brust des schwarzen, rot bewehrten und gezungten Reichsadlers der königlich preußische Wappenschild, silbern, darin ein schwarzer, goldbewehrter, rotgezungter und mit der Königskrone gekrönter Adler, der mit der rechten Klaue das goldene Königszepter, mit der linken einen blauen, goldbereiften und bekreuzten Reichsapfel hält. Seine Flügel sind mit goldenen Kleestengeln belegt, auf der Brust trägt er den von Silber und schwarz gevierten zollernschen Stammschild. Um den königlich preußischen Wappenschild schlingt sich die Kette des hohen Ordens vom Schwarzen Adler, wenn nicht der Reichsadler selbst in einen Schild gesetzt wird. Über dem Haupte des Reichsadlers schwebt die Reichskrone, von der zwei goldene mit Arabesken verzierte Bänder abfliegen, bestehend aus einem goldenen Stirnreif, der aus vier größeren und vier kleineren, abwechselnd nebeneinander gestellten, oben abgerundeten, mit Brillanten eingefaßten goldenen Schildchen gebildet ist. In den größeren Schildchen zeigt sich je ein aus Brillanten zusammengesetztes gerades Kreuz, das in den Winkeln von gleich geformten Kreuzlein begleitet wird. In den kleineren Schildchen des Stirnreifes erscheint der ebenfalls mit Brillanten besetzte Reichsadler, über dessen Haupt ein achtstrahliger Stern schwebt. Auf den größeren Schildchen ruhen vier goldene, reich verzierte Bügel, die im Scheitelpunkte, wo sie zusammentreffen, in ein Blattornament endigen, aus dem sich der blaue, goldbereifte, bekreuzte und mit Steinen geschmückte Reichsapfel erhebt. Die Reichskrone ist gelb oder golden gefüttert, und eine Mütze, mit Goldstoff überzogen, ragt über die Schildchen des Stirnreifs bis zur halben Höhe der Bügel empor. Abb. Seyler in Siebmachers Wappenbuch I. 1, II, Taf. 17, 1 (IV, Taf. 71, 1).


2. Originalstempel.

Das große Wappen. Der unter No. 1 beschriebene Schild wird gehalten von zwei bärtigen wilden Männern, die mit goldenen Franzen eingefaßte, an goldenen Lanzenstangen befestigte, nach außen abfliegende Standarten tragen. Der Schildhalter zur Rechten hält die preußische, der zur Linken die brandenburger Standarte. In ersterer silbernen ist der preußische Adler mit dem zollernschen Stammschild belegt. In letzterer, auch silbernen, der brandenburger goldbewehrte und gekrönte, auf den Flügeln mit goldenen Kleestengeln belegte rote Adler, mit dem Wappenschilde der Burggrafen von Nürnberg: nämlich einem goldenen, von einer aus Rot und Silber gestückten Einfassung umgebenen Schildlein, worin ein doppeltgeschwänzter, rotbewehrter, gezungter und gekrönter schwarzer Löwe erscheint. Über dem Wappen erhebt sich das kuppelförmige, mit Hermelin ausgeschlagene Kaiserzelt aus Goldstoff, mit einem Muster, in dem der schwarze Reichsadler und die goldene Reichskrone abwechseln. Auf dem rotemaillierten Goldreifen, der die Kuppel umschließt, steht in Goldschrift der preußische Wahlspruch GOTT MIT UNS. Auf dem Gipfel des Zeltes ruht die Reichskrone, über die das Nationalbanner hervorragt. Letzteres zeigt unter den ausgespannten Fittigen eines preußischen Adlers die deutschen Farben senkrecht nebeneinander: Schwarz-Weiß-Rot. Abbildung Seyler a. O. Taf. 18, 1 (IV, Taf. 71, 2).


Kaiserin Augusta


1. Originalstempel.

Königin von Preußen. Zwei gegeneinander gelehnte Schilde, rechts Preußen, links Sachsen, darüber die Königskrone. Als Schildhalter rechts der wilde Mann mit Keule, links ein Löwe (aus dem Erbwappen der Königin). Beide stehen auf Arabesken, um die ein Band mit der Devise GOTT MIT UNS gewunden ist (IV, Taf. 71, 3).


2. Originalstempel.

Deutsche Kaiserin. Unter kaiserlichem Zeltdach zwei aneinander gelehnte, von Schildhaltern wie No. 1 gehaltene Schilde, um die sich die Kette des schwarzen Adlerordens schlingt, rechts der Kaiserschild, links der Schild mit dem Wappen des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach (abg. Hefner, Wappenbuch I, Taf. 36) (IV, Taf. 71, 4).


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Friedrich III.


1. Großes Staatssiegel.

Der Stempel Wilhelms I. (IV, Taf. 71, 1) wurde während dessen kurzer Regierungszeit benutzt.


2. Originalstempel.

Deutscher Kaiser. Der Reichsadler, mit Kette des schwarzen Adlerordens, über dem Haupte die deutsche Kaiserkrone (IV, Taf. 71, 5).


Kaiserin Friedrich


1. Originalstempel.

Kronprinzessin des deutschen Reiches. Zwei aneinander gelehnte Schilde, rechts der Kaiserschild, links englischer Schild. Über dem Schilde die Kaiserinnenkrone (Abb. Seyler a. O. 18, 2) (IV, Taf. 71, 6).


2. Originalstempel.

Kronprinzessin des deutschen Reiches. Dieselben Schilde mit der Krone des Kronprinzen (Abb. Seyler a. O. 20, 1) (IV, Taf. 71, 7).


Wilhelm II.


1. Originalstempel.

Großes Staatssiegel. Darstellung wie IV, Taf. 71, 1. Reicher gestaltet im Jahre 1889 (IV, Taf. 72, 1).


2. Originalstempel.

Darstellung des Siegelbildes = Kaiser Friedrich III. No. 2 (IV, Taf. 72, 2).


3. Originalstempel.

Der von Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm II. geschaffene und in Verbindung mit dem Adlerschild, ohne sonstige Prachtstücke, geführte kaiserliche Helm und Helmschmuck besteht aus einem gekrönten goldenen Spangenhelm, an dem als Halskleinod das Zollernschildchen an goldener Kette hängt. Aus der Krone wächst der Reichsadler (ohne Brustschild) zwischen zwei durch die Sachsenknorpel der Flügel gehaltenen Standarten: rechts die kaiserliche, links die königliche. Über dem Adler schwebt die Kaiserkrone mit abfliegenden, um die Schäfte der Standarten geschlungenen Bändern (IV, Taf. 72, 3).


4. Originalstempel.

Schild mit dem Reichsadler und Kette des Ordens vom schwarzen Adler, auf dem Schilde die Kaiserkrone (IV, Taf. 72, 4).


5. Originalstempel.

Darstellung wie No. 4 (IV, Taf. 72, 5).


6. Originalstempel.

Darstellung wie No. 4 und 5 (IV, Taf. 72, 6).


Kaiserin Augusta Viktoria


Originalstempel.

Unter dem mit der seit 1871 (Abb. Seyler a. O. Taf. 48, 2) eingeführten Kaiserinnenkrone bedeckten kaiserlichen Zeltdache zwei aneinandergelehnte Schilde, rechts der Kaiserschild, links der Schild, geviert von Schleswig und Holstein, mit Herzschild Oldenburg (IV, Taf. 72, 7).


Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen


Originalstempel.

Darstellung wie IV, Taf. 72, 2 im Sechspaß. Um den kronprinzlichen, mit einer roten Borde eingefaßten Adlerschild schlingt sich die Kette des schwarzen Adlerordens. Über dem Haupte des Adlers die Krone des Kronprinzen: ein mit Brillanten besetzter Stirnreif, aus dem sich vier gerade Kreuze und, abwechselnd mit diesen, vier Reichsadler erheben, die sämtlich mit Steinen geschmückt sind. Auf den oberen Rand der Krone stützen sich vier halbrunde, goldene, mit Perlen besetzte Bügel, die im Scheitelpunkte, wo sie zusammentreffen, einen blauen, goldbereiften und bekreuzten Reichsapfel tragen. Die Krone ist mit einer Mütze von purpurfarbigem Sammet gefüttert. Abbildung der Krone bei Seyler a. O. Taf. 20, 1 (IV, Taf. 72, 8).

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