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Titel: Die Protestanten-Bibel
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aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 446
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[446] Die Protestanten-Bibel. Wenige Monate sind seit dem Erscheinen der ersten Hälfte der von Dr. Paul Wilhelm Schmidt und Dr. Franz von Holtzendorff herausgegebenen „Protestanten-Bibel Neuen Testaments“ (Leipzig, Barth) verstrichen, und schon liegt mit der soeben versandten zweiten Hälfte das Werk vollendet da. Zu den Zeiten Luther’s und Melanchthon’s konnte der deutsche Bibeltext, wie diese beiden Männer bewiesen haben, aus den Händen einzelner hervorgehen und sich die Anerkennung von Volk und Kirche erwerben. Anders heute, wo es sich um eine den Forderungen der Gegenwart Rechnung tragende Neugestaltung des deutschen Bibeltextes handelt. Die neue deutsche Bibel mußte mit Nothwendigkeit das Product der einmüthigen Gesammtarbeit der verschiedenen gegenwärtigen theologischen Richtungen sein. Als ein solches liegt die „Protestanten-Bibel“ heute vollendet vor uns. Sie ist ein Commentar des Neuen Testamentes, welcher unter Beibehaltung und theilweiser Berichtigung des Luther’schen Textes sich an die denkenden deutschen Laien und die im liberalen Sinne forschenden Gelehrten wendet. Dem Texte sind erläuternde Anmerkungen hinzugefügt. Jedem Buche dieses Neuen Testaments ist eine Einleitung vorausgeschickt worden, welche über Entstehung, Abfassung etc. der betreffenden Glaubensurkunde gemeinverständliche Mittheilungen macht. Anmerkungen und Einleitungen stammen aus der Feder der hervorragendsten Theologen unserer Zeit und sind ihrer Mehrzahl nach im Geiste der sogenannten „Tübinger Schule“ gehalten. Gegenüber dem längst in allen Gesellschaftskeisen empfundenen Bedürfnisse, zu einem tieferen Verständnisse der Bibel durchzudringen, gegenüber dem in mancher Beziehung ungenügenden Religionsunterrichte in unseren Schulen, gegenüber endlich den großartigen Reform-Ergebnissen, welche die Geschichts- und Bibel-Forschung der letzten Decennien ergeben haben, dürfen wir die „Protestanten-Bibel“, welche unter Ausscheidung des Wunder- und Fabel-Materials den sittlichen Gehalt des Christenthums zur Geltung zu bringen sucht, als ein treffliches und in jedem Sinne zeitgemäßes Werk deutscher Forschung und deutscher Tüchtigkeit freudig begrüßen und einer allgemeinen Beachtung um so mehr auf das Wärmste empfehlen, als eine heftige Polemik gegen dieses Erzeugniß freisinniger Forschung seitens der landläufigen Theologie leider wohl nicht ausbleiben dürfte.