Die Papierfabrik von Grimm und v. Otto in Doberschau bei Bautzen

Textdaten
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Autor: Diverse
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Titel: Die Papierfabrik von Grimm und v. Otto in Doberschau bei Bautzen
Untertitel:
aus: Album der Sächsischen Industrie Band 2, in: Album der Sächsischen Industrie. Band 2, Seite 37–39
Herausgeber: Louis Oeser
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Louis Oeser
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Erscheinungsort: Neusalza
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
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Papierfabrik v. Grimm & v. Otto in Doberschau bei Bautzen.

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Papierfabrik von Grimm & v. Otto in Schlungkwitz.

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Die Papierfabrik von Grimm und v. Otto in Doberschau bei Bautzen.


Eine Stunde südlich von Bautzen liegt in der Nähe der Spreeufer das uralte Dorf Doberschau mit seinem ansehnlichen Rittergut. In früheren Urkunden wird der Ort Dobrisch oder Dubrisch genannt und man nimmt an, daß er seinen Namen von den hier häufig wachsenden Eichen (dub) erhalten. – Ehemals stand hier die königliche Burg Dobrus, welche schon 1228 urkundlich erwähnt wird, und die der Hauptort eines Burgwarts war. Der Burgberg bezeichnet jetzt noch die Stelle, wo diese längst verschwundene Veste gestanden. – In der Nähe von Doberschau, zwischen diesem Ort und dem Dörfchen Schlungkwitz befindet sich eine zweite historische Merkwürdigkeit, ein alter sorbischer Rundwall, (wendisch Rodschischtscho – alte verfallene Burg) von dem Volk fälschlich Schweden- oder Hussitenschanze genannt, welcher einst von den fleißigen sorbischen Bewohnern der Umgegend sowohl als Opferplatz bei ihren gottesdienstlichen Feierlichkeiten, als auch zur Vertheidigung gegen die übermächtig vordringenden Deutschen benutzt wurde. Dieser Rundwall, hoch über dem Ufer der Spree gelegen, gehört zu den wohlerhaltneren [38] und ansehnlicheren derartigen in der Lausitz nicht eben seltenen Denkmäler an die heidnische Vorzeit, und hat einen Umfang von vierhundert Schritt.

In der Nähe des Rittergutes, im tiefen Thal der Spree, eingeengt zwischen bewaldeten Berghängen, finden wir den ansehnlichen Gebäudecomplex der Papierfabrik von Grimm und v. Otto. Die Gebäude bestehen in

einem Hauptgebäude,
drei Nebengebäuden und
einem Wohngebäude.

Außer diesem gehört noch ein Beiwerk bei dem zehn Minuten von der Hauptfabrik entfernten Dorf Schlungkwitz dazu, am Ufer der Spree, der vorhin erwähnten Sorbenschanze gegenüber gelegen, welches

ein Hauptgebäude und
zwei Nebengebäude

besitzt.

Hierzu gehören noch Garten, Felder und Wiesen.

Das Etablissement beschäftigt sich allein mit Papierfabrikation, und es finden seine Erzeugnisse in den Zollvereinsstaaten ihren Hauptabsatz. Die Fabrik besitzt an Maschinen

eine Papiermaschine von Bryan Donkin u. Co. in London,
eine Papiermaschine von Escher, Wyß u. Co. in Zürich,
vier Turbinen (in Doberschau), die eine von 40 Pferdekraft, zwei zu 22 und eine zu 8 Pferdekraft,
eine Turbine von 35 Pferdekraft (in Schlungkwitz),
vier und zwanzig Halb- und Ganzzeug-Holländer,
vier Bleichholländer,
eine Zeugpreßmaschine,
eine Centrifugaltrockenmaschine und
eine Dampfmaschine nach Woolfschem System, von 50 Pferdekraft.

Das Etablissement beschäftigt 130 bis 140 Leute, unter diesen 3 Comptoiristen, 3 Maschinisten und 125 bis 130 Fabrikarbeiter und Arbeiterinnen, von Letzteren 43. Die Zahl der gewöhnlichen Arbeiter und Arbeiterinnen wechselt oft, da die Getreide- und Kartoffelernte Viele zu Hause beschäftigt; im Spätherbst und Winter kommen sie dann zahlreich wieder.

In Bautzen befindet sich das Comptoir und das Verkaufslager der Fabrik.

Von Ausstellungen sind bis jetzt nur die in Leipzig vom Jahre 1846 und die in München 1854 beschickt worden und es erhielt die Fabrik

in Leipzig die große silberne Medaille und
in München die große bronzene Ehren-Medaille.

Besitzer dieses Etablissements sind gegenwärtig die Herren Carl Wilhelm Grimm, Carl Moritz v. Otto, Herrmann Wilhelm Grimm und Bernhard Oscar Grimm.

An der Stelle der heutigen Fabrikgebäude in Doberschau befand sich seit Jahrhunderten schon eine Mahlmühle. Diese erkaufte im Jahre 1835 Herr Carl Wilhelm Grimm, in der Absicht, sie in eine Papierfabrik zu verwandeln. Der neue Besitzer erhöhte durch ein neues Wehr und durch Vertiefung des Abflußgrabens das ursprüngliche Gefälle von acht Fuß (sächsisch Maas) bis auf sechszehn ein halb Fuß englisch, und erbaute in den Jahren 1836 und 1837 die zu einer Schäuffelenschen Maschine nöthigen Gebäude und Holländer. 1841 trat Herr Moritz v. Otto als Teilnehmer in das Geschäft ein und von [39] da an datirt sich die heutige Firma. Es wurde nun die zweite Maschine nebst Zubehör aufgestellt. 1852 wurde die Schäuffelensche Maschine verkauft und an deren Stelle eine vollkommnere von Escher, Wyß u. Co. nebst Turbinen und Holländer aufgestellt. 1857 und 1858 erhielt das Etablissement neue Erweiterung durch den Neubau des zur Maschine von Donkin gehörigen Werks, durch sechs neue Holländer und durch Aufstellung einer fünfzig pferdekräftigen Dampfmaschine.

Das Beiwerk in Schlungkwitz wurde im Jahr 1846 auf der Stelle einer Mahlmühle neu erbaut und in den Jahren 1856 und 1857 durch Aufstellung einer Turbine, sechs eisernen Holländern und zwei votirender Donkinscher eiserner Kochkessel umgebaut und verbessert.