Textdaten
<<< >>>
Autor: Wilhelm Schneidewind
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die landwirtschaftlichen Wissenschaften / Die Agrikulturchemie
Untertitel:
aus: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. Dritter Band, Zehntes Buch, S. 328–334
Herausgeber: Siegfried Körte, Friedrich Wilhelm von Loebell, Georg von Rheinbaben, Hans von Schwerin-Löwitz, Adolph Wagner
Auflage:
Entstehungsdatum: 1913
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Reimar Hobbing
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Scan auf Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[1472]
IV. Die Agrikulturchemie
Von Professor Dr. W. Schneidewind, Halle a. S.


1. Die Ernährung der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen.

Der Stickstoff.

Der bei weitem größte Teil der in das Gebiet der pflanzlichen Ernährung fallenden Arbeiten beschäftigte sich in den verflossenen 25 Jahren mit dem Stickstoff, dem zurzeit wichtigsten Pflanzennährstoff, wenn von der Kohlensäure der Luft und dem Wasser abgesehen wird.

Stickstoffassimilation durch Leguminosenbakterien.

Gleich im Jahre 1888 fand die Veröffentlichung der epochemachenden Entdeckungen Hellriegels und Wilfahrts über die Stickstoffassimilation der Leguminosen statt. Aus den umfangreichen Untersuchungen dieser Forscher ging unzweifelhaft hervor, daß nur die Leguminosen den freien Stickstoff der Luft zu assimilieren vermögen, und daß diese Stickstoffbindung vermittelt wird durch die in den Wurzelknöllchen sitzenden Bakterien, welche mit den Leguminosen in Symbiose leben. Die weiteren Forschungen über die Stickstoffassimilation durch die Leguminosen beschäftigten sich hauptsächlich mit der Art der Leguminosenbakterien und der Impfung. Während Hellriegel und Wilfarth und auch andere Forscher den Standpunkt vertraten, daß jede einzelne Leguminose für sich eine bestimmte Art von Bakterien beanspruche und nur verwandte Leguminosenarten sich vertreten könnten, steht man jetzt auf dem Standpunkt, daß es nur eine Hauptart dieser Bakterien gibt, welche sich nur den verschiedenen Leguminosen anpassen müsse. Hierfür spricht die Tatsache, daß Leguminosen, welche noch nie auf einem Kulturboden angebaut wurden, im ersten Jahre noch keine Knöllchen ansetzen und somit keinen Stickstoff assimilieren, bei weiterem Anbau aber ohne jede Impfung reichlich Knöllchen ansetzen und reichlich Stickstoff assimilieren. Dies war z. B. der Fall bei Lupinen und Serradella, welche nach Versuchen von B. Heinze auf dem Lößlehmboden der Versuchswirtschaft Lauchstädt, wo sie noch nie angebaut worden waren, vom 2. Jahre ab reichlich Knöllchen ansetzten und reichlich Stickstoff assimilierten.

Die vielen Impfversuche, welche man auf den verschiedensten Bodenarten anstellte, ergaben, daß ein durchschlagender Erfolg der Impfung nur da für das erste oder die ersten Jahre zu erwarten ist, wo die betreffenden Leguminosen noch nie angebaut wurden oder längere Zeit in der Fruchtfolge gefehlt haben. Eine Impfung kann vorgenommen werden in Form von Reinkulturen (Nitragin und Azotogen) oder in Form von Impferde, einem Leguminosenboden entnommen.

Als praktische Konsequenz der Hellriegelschen Entdeckungen hat sich ergeben eine ausgedehnte Anwendung der Leguminosen als Gründüngung zur Anreicherung des Bodens an Stickstoff. Die Gründüngung ist, wie Schultz-Lupitz zuerst nachwies, ein Hauptproduktionsfaktor für die leichten Böden, kommt aber auch bis zu einem gewissen Grade in Frage für bessere Böden (siehe Berichte der Versuchswirtschaft Lauchstädt von M. Maercker und W. Schneidewind).

[1473]

Stickstoffassimilation durch andere niedere Organismen.

Außer den Leguminosenbakterien gibt es, wie man später feststellte, auch noch andere, im Boden freilebende, niedere Organismen, welche den Boden fortwährend mit Stickstoff anreichern. Auf eine Stickstoffanreicherung des Bodens durch solche Organismen wurde zuerst hingewiesen von Berthelot, Frank, Caron und F. Kühn. Bestimmt nachgewiesen wurde die Fähigkeit der Stickstoffassimilation bei den Clostridiumorganismen durch Winogradsky, bei den blaugrünen Algen (Cyanophyceen) durch Beyrinck, Heinze u. a. und vor allem bei den sog. Azotobakterorganismen von Krüger, Schneidewind, Beyrinck, Gerlach, Vogel, Heinze, Freudenreich, Koch, Hiltner u. a. Die letzteren, praktisch wichtigsten Organismen sind in Reinkultur zuerst von Krüger hergestellt worden. Durch zahlreiche Versuche hat man dann festgestellt, daß unser Boden durch diese Organismen eine nennenswerte Anreicherung von Stickstoff erfährt, besonders bei Zuführung von geeigneten Kohlenstoffverbindungen als Kohlenstoffquelle für jene Organismen. Als solche sind erkannt worden: Verrottete organische Substanzen, so wie sie sich im Stalldünger, den Pflanzenrückständen, Humusstoffen usw. befinden, oder in Form von isolierten organischen Verbindungen, wie Zucker, Stärke, Zellulose usw., nach längerer Lagerzeit im Boden. Wissenschaftlich-praktische Versuche über die Stickstoffanreicherung des Bodens durch diese Organismen sind ausgeführt worden von Schneidewind, D. Meyer und Munter. Nach diesen Versuchen war der Stickstoffgewinn durch jene Organismen einschließlich der kleinen Stickstoffmengen, welche der Boden durch die atmosphärischen Niederschläge und Ammoniakabsorption seitens des Humus erfährt, auf einem humosen Lößlehmboden bei Pflanzenbestand größer als die Stickstoffverluste, welche der Boden erleidet, dagegen auf gebrachtem Boden kleiner als die Stickstoffverluste, welche im letzteren Falle durch das Auswaschen des gebildeten Salpeters eine große Höhe erreichten.

Künstliche stickstoffhaltige Düngemittel.

Eine hohe Steigerung haben unsere Bodenerträge durch eine zweckmäßigere Anwendung der künstlichen stickstoffhaltigen Düngemittel erfahren. Die beiden herrschenden Stickstofformen sind noch der Chilesalpeter (Natronsalpeter) und das schwefelsaure Ammoniak, welches in der Praxis meistens als Ammoniaksuperphosphat angewendet wird. Im Durchschnitt der vielen Gefäß- und Feldversuche, welche über die Wirkung dieser beiden Stickstofformen angestellt wurden, hat der Salpeter etwas mehr geleistet und den Pflanzen etwas mehr Stickstoff geliefert als das schwefelsaure Ammoniak. Als Gründe für die etwas schlechtere Ausnutzung des Ammoniakstickstoffs sind nach Untersuchungen von Wagner, Pfeiffer, Lemmermann, Krüger, Schneidewind, D. Meyer, Munter, Wiegner u. a. anzuführen: 1. Die Stickstoffverluste, welche das Ammoniaksalz durch Verdunstung erfährt, hervorgerufen durch den Kalk des Bodens. Nennenswerte Verluste dieser Art finden nur auf kalkreichen Böden und hauptsächlich bei Oberflächendüngung statt. 2. Die Festlegung des Ammoniaks durch die Zeolithe des Bodens. Nach dieser Richtung hin kommen hauptsächlich in Frage stark absorbierende Tonböden in Zeiten der Trockenheit. 3. Eine stärkere Umwandlung des Ammoniakstickstoffs [1474] durch niedere Organismen, da derselbe eine bessere Stickstoffquelle für die niederen Organismen ist und länger im Boden verweilt als der Salpeter. Im übrigen haben die Versuche ergeben, daß die verschiedenen Kulturpflanzen sich gegen diese beiden Stickstofformen verschieden verhalten. So hat Krüger durch einwandfreie Sterilisationsversuche, bei welchen der Ammoniakstickstoff als solcher von den Pflanzen aufgenommen werden mußte, festgestellt, daß z. B. die Kartoffel und der Hafer für das Ammoniaksalz mindestens ebenso dankbar sind als für den Salpeter, umgekehrt z. B. die Rübe, besonders die Futterrübe, den Salpeter vorzieht. Hiermit stehen im Einklang die nach dieser Richtung von Wohltmann, Schneidewind, D. Meyer, Munter u. a. ausgeführten Feldversuche. In einzelnen Fällen will man ja auch, wie z. B. bei der Braugerste, stickstoffärmere Produkte gewinnen, was mit dem Ammoniaksalz leichter zu erreichen ist als mit dem intensiv wirkenden Salpeter.

Seit langer Zeit war man bestrebt, den Luftstickstoff auf elektrochemischem Wege in eine für die Pflanze geeignete Form überzuführen. Dies ist in den letzten 10 Jahren mit praktischem Erfolg gelungen. Es werden augenblicklich 4 Formen auf diesem Wege gewonnen: 1. Der Kalkstickstoff, nach dem Verfahren von Frank-Caro. Zur Gewinnung dieses Produktes wird zunächst Kalziumkarbid hergestellt, welches unter geeigneten Bedingungen den Luftstickstoff zu binden vermag und hierbei in Kalziumzyanamid (Ca CN2) übergeführt wird, welch letzteres durch die sich ausscheidende Kohle schwarz gefärbt ist und mit „Kalkstickstoff“ bezeichnet wird. 2. Der Kalksalpeter (Norgesalpeter) nach den beiden Verfahren von Birteland - Eyde und Schönherr. Dieser Salpeter wird durch Oxydation des Luftstickstoffs vermittels des elektrischen Flammenbogens gewonnen. Hierbei entsteht zunächst Stickoxyd, welches dann weiter zu Stickstoffdioxyd und schließlich zu Salpetersäure umgewandelt wird. 3. Der Harnstoff, welcher nach dem Verfahren von Immendorff aus dem Kalkstickstoff gewonnen wird. 4. Ammoniaksalze (Salpetersaures Ammoniak oder Schwefelsaures Ammoniak). Zur Gewinnung dieser Salze wird zunächst nach dem Verfahren von Haber synthetisch aus Wasserstoff und dem Stickstoff der atmosphärischen Luft unter Druck und Benutzung von Katalysatoren Ammoniak gewonnen, welches mit einer aus der Luft gewonnenen Salpetersäure oder mit Schwefelsäure zu salpetersaurem bezw. schwefelsaurem Ammoniak verarbeitet wird. Über die Wirkung dieser Produkte sind zahlreiche Gefäß- und Feldversuche ausgeführt worden u. a. von Wagner, Gerlach, Schneidewind, D. Meyer, Munter, Stutzer und Immendorff. Diese Versuche haben ergeben, daß der Kalksalpeter (Norgesalpeter) ebenso wirkt wie der Chilesalpeter, das salpetersaure Ammoniak und der Harnstoff ungefähr wie das schwefelsaure Ammoniak, während der Kalkstickstoff in seiner Wirkung etwas hinter diesen Formen zurückbleibt. Von diesen Produkten werden jetzt in größeren Anlagen hergestellt der Kalksalpeter und der Kalkstickstoff. Ihr Handelspreis hat sich dem der beiden herrschenden Stickstofformen, des Chilesalpeters und des schwefelsamen Ammoniaks, angepaßt.

Auch mit den organischen stickstoffhaltigen Düngemitteln (Fleischmehl, Fischmehl, Blutmehl, Peruguano usw.) sind weitere Versuche angestellt worden. Diese Versuche, [1475] welche vorzugsweise von Schneidewind, D. Meyer und Munter ausgeführt wurden, haben ergeben, daß diese Düngemittel auf den leichten Böden, für welche sie nur in Frage kommen, mehr eine Beachtung verdienen als Frühjahrsdünger wie als Herbstdünger, da sie, im Herbst gegeben, in den meisten Jahren während der Herbst- und Wintermonate außerordentlich große Stickstoffverluste erleiden, so daß die Wirkung einer Herbstdüngung auf leichten durchlässigen Böden unter Umständen fast Null sein kann.

Umfangreiche Versuche sind angestellt worden über den Einfluß von frischen organischen Substanzen (frischem Kot, unzersetztem Stroh oder isolierten organischen Substanzen, wie Stärke, Zucker, Pentosanen, Holzfaser usw.) auf die Ausnutzung der löslichen Stickstoffverbindungen (Salpeter und Ammoniaksalz). Alle diese Versuche, so wie solche besonders von Wagner, Stutzer, Gerlach, Krüger, Schneidewind, D. Meyer, Munter, Pfeiffer und Lemmermann ausgeführt wurden, haben ergeben, daß frische organische Substanzen die Stickstoffausnutzung und damit die Wirkung der löslichen Stickstoffverbindungen herabdrücken. Die Gründe hierfür sind: 1. Eine Reduktion des Salpeters durch denitrifizierende Organismen, welche ihren Einfluß bei Gegenwart von frischen organischen Substanzen besonders in feuchten Böden ausüben. 2. Eine Überführung der löslichen Stickstoffverbindungen in Eiweiß, woran sich sämtliche niedere Organismen (Bakterien und Pilze) beteiligen können. Man hat in der Praxis beobachtet, daß häufig frischer Stalldünger, welcher wesentlich höhere Mengen von wirksamem Harnstickstoff enthält als ein alter verrotteter Stalldünger, schlechter wirkt als der letztere. Dies ist auf jene Erscheinung zurückzuführen.

Die Phosphorsäure.

Die beiden herrschenden Phosphorsäuredünger sind das Superphosphat und das Thomasmehl geblieben. Auch die neueren Versuche haben ergeben, daß das Superphosphat sich mehr für die besseren und schweren Böden, das Thomasmehl sich mehr für die Sandböden eignet. Rüben, welche sehr schnell nach einer leicht aufnehmbaren Phosphorsäure verlangen, gibt man zweckmäßig auch auf leichten Böden die Phosphorsäure oder einen Teil der Phosphorsäure in Form der wasserlöslichen Superphosphatphosphorsäure, während die kalkliebenden Leguminosen mit ihrem größeren Lösungsvermögen auch auf den besseren Böden für das Thomasmehl sich sehr dankbar erwiesen haben. Die Wirkung der Knochenmehlphosphorsäure hat nach den neu angestellten Feldversuchen ihrem Preise nicht entsprochen. Rohphosphate, auch die etwas leichter zersetzbaren, wie das Agrikulturphosphat, kommen nach den angestellten Versuchen nur für saure Hochmoorböden in Frage. Ein Auswaschen von löslicher Phosphorsäure ist, wie Lysimeterversuche von Gerlach ergaben, bei dem jetzigen Kulturzustand unserer Böden nicht mehr zu befürchten, auch nicht auf den Sandböden, welchen man im Laufe der Jahre so viel Kalk zugeführt hat, daß dieser die Phosphorsäure zu binden vermag.

Das Kali.

Durch eine stärkere und sinngemäßere Anwendung der Kalisalze ist die Produktion in Deutschland in den letzten 25 Jahren nicht unerheblich gestiegen. Kalidüngungsversuche, die jetzt die Grundlage für die richtige Anwendung [1476] der Kalisalze bilden, sind in den verflossenen Jahren in außerordentlich großer Anzahl ausgeführt worden, besonders seit Mitte der 90iger Jahre, wo zu den bis dahin nur verwendeten Staßfurter Rohsalzen das 40%ige Kalisalz, ein Halbfabrikat aus dem Carnallit, hinzukam. Kainit, Sylvinit, Hartsalz und 40%iges Kalisalz sind seit jener Zeit die für Deutschland in Frage kommenden Kaliformen. Alle diese Formen enthalten das Kali in Form von Chlorkalium, auch der Kainit, der nach früherer Auffassung das Kali in Form von schwefelsaurem Kali enthalten sollte. Um gleiche Mengen von Kali dem Boden zuzuführen, kommen auf 1 Zentner 40%iges Kalisalz 3⅓ Zentner Kainit. Aus diesem Grunde eignet sich, wie auch die Versuche ergaben, der Kainit im allgemeinen mehr für den leichten Boden, das 40%ige Kalisalz mehr für die besseren Böden, da diese durch die höheren Kainitgaben leicht eine Verkrustung erfahren. Die angestellten Versuche haben aber auch gelehrt, daß die verschiedenen Kulturpflanzen sich gegen die beiden Kaliformen verschieden verhalten. Es gibt Kulturpflanzen, welche sehr dankbar für die Nebensalze des Kainits und solche, welche gegen dieselben sehr empfindlich sind. Dankbar für die Nebensalze, speziell für das Kochsalz, sind die Rüben, besonders die Futterrüben, und auch das Getreide; sehr empfindlich gegen die Nebensalze ist die Kartoffel. Aus diesem Grunde kann man, wenn man eine Verkrustung des Bodens nicht befürchtet, den Rüben und dem Getreide auch auf besseren Böden die Kalidüngung in Form von Kainit geben, während man der empfindlichen Kartoffel zweckmäßig die Kalidüngung immer in Form des 40%igen Kalisalzes gibt, auch auf den Sandböden.

Die Kalidüngungsversuche haben auch gelehrt, daß nicht nur die kaliärmeren Sand- und Hochmoorböden dankbar für die Kalidüngung sind, sondern auch bis zu einem gewissen Grade die besseren kalireichen Böden, besonders bei schwacher Viehhaltung, wo man das Kalibedürfnis der Kulturpflanzen durch den Stalldünger nicht zu decken vermag.

Kalidüngungsversuche in größerem Maßstabe sind ausgeführt worden von Maercker, Schneidewind, D. Meyer, Munter, Wagner, Gerlach, Baeßler u. a.

Der Kalk und die Magnesia.

Zahlreiche Versuche, welche D. Meyer über die Wirkung der verschiedenen Kalt- und Magnesiaformen anstellte, haben ergeben, daß auf kalkbedürftigen Böden, mit ausreichenden Mengen von Magnesia, welch letztere wohl bis jetzt kaum auf einem Kulturboden ins Minimum geraten ist, der kohlensaure Kalk und die kohlensaure Magnesia bzw. der Ätzkalk und die gebrannte Magnesia, welch letztere im Boden sehr bald in kohlensaure Salze übergeführt werden, eine gute Wirkung zeigen, während dies bei anderen Kalk- und Magnesiasalzen, wie z. B. den schwefelsauren Salzen, nicht der Fall ist. Die günstige Wirkung der kohlensauren Salze wird in erster Linie auf die neutrale bis schwach alkalische Bodenreaktion, welche sie erzeugen, zurückzuführen sein. Dolomitische Mergel und gebrannte dolomitische Kalke zeigten dieselbe günstige Wirkung als die reinen Kalkmergel bzw. die reinen gebrannten Kalke; es sind daher die dolomitischen Mergel und Kalke nach ihrem Kalk- und Magnesiagehalt zu bewerten. Auch die Anwendung von kieselsäurereichen gebrannten Kalken, welche früher für die Kalkdüngung verworfen wurden, sind nach Versuchen von Immendorff ohne Bedenken anzuwenden.

[1477]

2. Die Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere.

Eine ganz neue Grundlage hat die Fütterungslehre durch die Kellnerschen Forschungen erhalten. Als wertbestimmend für die einzelnen Futtermittel und als Grundlage für die Berechnung von Futterrationen galten die verdaulichen Nährstoffe. Man nahm an, daß die verdaulichen Nährstoffe in allen Futtermitteln: Körnern, Ölkuchen, Kartoffeln, Rüben, Heu, Stroh usw., die gleiche Wirkung äußerten. Durch langjährige, mühevolle Untersuchungen Kellners mit Hilfe des bekannten Pettenkoferschen Respirationsapparates ist nun festgestellt worden, daß die verdaulichen Nährstoffe in den verschiedenen Futtermitteln eine ganz verschiedene Wirkung zeigen, daß also die bisherige Rechnung nach verdaulichen Nährstoffen nicht richtig ist. Es kommt, so zeigte Kellner, nicht allein auf die Menge der einzelnen verdaulichen Nährstoffe an, sondern auch auf die Form, in welcher sie dem Tiere geboten werden. Die günstigste Form für die Produktionsfütterung ist die mehlartige Beschaffenheit der Futtermittel, so wie sie der größte Teil unserer Kraftfuttermittel aufweist. Die verdaulichen Nährstoffe solcher Futtermittel wirken wie die isolierten Nährstoffe, d. h. es wird durch 1 kg verdaulicher Stoffe dieser Futtermittel derselbe Körperansatz erzielt als durch 1 kg isolierter Nährstoffe. Es wirken das verdauliche Eiweiß dieser Futterstoffe wie z. B. das isolierte Kleberprotein, das Fett derselben wie z. B. das Erdnußöl, die Kohlehydrate wie das Stärkemehl. Ganz anders wirkten nun bei den Kellnerschen Versuchen die verdaulichen Nährstoffe in den Rauhfutterstoffen. Während die verdaulichen Nährstoffe in Form der mehlartigen Kraftfuttermittel sich als vollwertig erwiesen, haben wir bei den Rauhfutterstoffen einen erheblichen Produktionsausfall zu verzeichnen, der je nach der Art des Rauhfutters ein verschiedener ist. So beträgt z. B. derselbe nach den Kellnerschen Versuchen bei dem harten Weizenstroh bis zu 80%, bei dem weicheren Kleeheu immer noch 30%. Dieser Produktionsausfall ist nach Kellner zurückzuführen auf die große Kauarbeit, welche diese Stoffe dem Tiere verursachen, auf die Belastung des Verdauungsapparates durch diese Stoffe und auf gewisse Fäulniserscheinungen, wodurch ein größerer Teil der verdaulichen Stoffe verbraucht wird, somit für die Produktion verloren geht. Nahe heran an die Kraftfuttermittel mehlartiger Beschaffenheit kommen mit ihrem Produktionswert die nackten Getreidekörner und die Leguminosenkörner und auch die wasserreichen Massenfuttermittel der Wirtschaft: Schnitzel, Kartoffeln, Rüben usw. In der Mitte zwischen den Kraftfuttermitteln mehlartiger Beschaffenheit und den Rauhfutterstoffen liegen mit ihrem Produktionswert die Abfälle der Müllerei und Gärungsgewerbe, wie Roggenkleie, Weizenkleie, getrocknete Biertreber, getrocknete Schlempe usw.

Aus den Kellnerschen Forschungen geht also hervor, daß die Rechnung nach verdaulichen Nährstoffen nicht richtig ist, sondern daß die Futterbewertung und die Berechnungen der Rationen nach dem Produktionsvermögen der Futtermittel vorzunehmen sind. Das Produktionsvermögen der Futtermittel erstreckt sich einerseits auf die Erzeugung von Körperfett, Milchfett, Milchzucker und nutzbarer Muskelkraft, woran sämtliche Nährstoffe, sowohl die stickstoffhaltigen als die stickstofffreien, teilnehmen können, andererseits auf die Erzeugung von stickstoffhaltigen Stoffen (des Fleisches, der Milch und Wolle), woran direkt nur das Eiweiß teilnehmen kann. Der erste Teil der Produktionswirkung [1478] findet nun in der Kellnerschen Fütterungslehre seinen Ausdruck in den sog. Stärkewerten, der letzte Teil in dem Gehalt des Futters an verdaulichem Eiweiß. Seit dieser Erkenntnis rechnet man jetzt fast allgemein nicht mehr mit verdaulichen Nährstoffen, sondern mit verdaulichem Eiweiß und den von Kellner für die einzelnen Futtermittel ermittelten Stärkewerten. Daß diese Rechnung eine richtigere ist, zeigen u. a. auch wissenschaftlich-praktische Fütterungsversuche, welche Schneidewind mit seinen Mitarbeitern D. Meyer und Gröbler in der Versuchswirtschaft Lauchstädt ausführte.

Besondere Beachtung verdienen auch noch die neueren Forschungen von Zuntz. Kellner hat durch Respirationsversuche die Verluste ermittelt, welche die einzelnen Kohlehydrate durch die Methangärung im tierischen Körper erleiden. Zuntz stellte nun fest, daß diese Verluste, welche die kohlehydratreichen Futtermittel (Rüben, Kartoffeln usw.) erleiden, verhältnismäßig gering sind, wenn eine getrennte Fütterung in der Weise stattfindet, daß die kohlehydratreichen Futtermittel früh für sich allein und abends die eiweißreichen Kraftfuttermittel in Verbindung mit den Rauhfutterstoffen verabreicht werden, oder umgekehrt. Weiter stellte Zuntz fest, daß die Methangärung stark vermindert wird durch eine Beigabe von Sauerfutter, deren Milchsäure in hohem Maße die Methangärung herabzudrücken und damit die Ausnutzung der kohlehydratreichen Futtermittel zu erhöhen vermag. Hierauf ist jedenfalls die in der Praxis beobachtete günstige Wirkung des Sauerfutters bei der Mast und der Milchviehhaltung zurückzuführen. Von besonderem Interesse sind auch die vielen Versuche, welche über die Wirkung der Amide, des Nahrungsfettes und der Reizstoffe auf Milchertrag und Beschaffenheit der Milch ausgeführt wurden. So hat u. a. Morgen mit seinen Mitarbeitern Berger, Fingerling und Westhauser festgestellt, daß gewisse Reizstoffe den Milchertrag und auch die Fettmenge zu erhöhen vermögen.

Umfangreiche Fütterungsversuche sind im letzten Jahrzehnt angestellt worden mit den neuerdings gewonnenen Trockenprodukten (Trockenkartoffeln, getrockneten Diffusionsrückständen, getrocknetem Rübenkraut, getrockneter Hefe usw.). Alle diese Versuche haben, soweit diese Produkte eine tadellose Beschaffenheit aufwiesen, welche mit den neueren Trocknungsapparaten zu erzielen ist, ein für die Trockenprodukte günstiges Ergebnis gebracht. Zahlreiche Versuche sind angestellt mit den verschiedenen Kraftfuttermitteln, auf Grund deren eine zweckmäßigere Verwertung derselben seitens der Praxis ermöglicht wurde.