Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl I/Zehntes Capitel

Neuntes Capitel Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, I. Band (1875)
von Charles Darwin
Elftes Capitel


[360]
Zehntes Capitel.
Secundäre Sexualcharactere der Insecten.

Verschiedenartige Bildungen, welche die Männchen zum Ergreifen der Weibchen besitzen. — Verschiedenheiten zwischen den Geschlechtern, deren Bedeutung nicht einzusehen ist. — Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern in Bezug auf die Grösse. — Thysanura. — Diptera. — Hemiptera. — Homoptera; Vermögen, Töne hervorzubringen, nur im Besitze der Männchen. — Orthoptera; Stimmorgane der Männchen, verschiedenartig in ihrer Structur; Kampfsucht; Färbung. — Neuroptera; sexuelle Verschiedenheiten in der Färbung. — Hymenoptera; Kampfsucht und Färbung. — Coleoptera; Färbung; mit grossen Hörnern versehen, wie es scheint, zur Zierde; Kämpfe; Stridulationsorgane allgemein beiden Geschlechtern eigen.

In der ungeheuren Classe der Insecten sind die Geschlechter zuweilen in ihren Locomotionsorganen von einander verschieden und oft auch in ihren Sinnesorganen, wie in den kammförmigen und sehr schön gefiederten Antennen der Männchen vieler Species. Bei einer der Ephemeren, nämlich Chloëon, hat das Männchen grosse, säulenförmig vorspringende Augen, welche dem Weibchen vollständig fehlen.[1] Die Punktaugen fehlen bei den Weibchen gewisser anderer Insecten, wie bei den Mutilliden, welche auch der Flügel entbehren. Wir haben es aber hier hauptsächlich mit Bildungen zu thun, durch welche das eine Männchen in den Stand gesetzt wird, ein anderes zu besiegen, und zwar entweder im Kampfe oder in der Bewerbung, durch seine Kraft, Kampfsucht, Zierathen oder Musik. Die unzähligen Veranstaltungen, durch welche das Männchen fähig wird, das Weibchen zu ergreifen, können daher kurz übergangen werden. Ausser den complicirten Gebilden an der Spitze des Hinterleibs, welche vielleicht als [361] primäre Organe[2] angesehen werden müssen, „ist es,“ wie Mr. B. D. Walsh[3] bemerkt hat, „erstaunlich, wie viele verschiedene Organe von der Natur zu dem scheinbar unbedeutenden Zwecke umgestaltet worden sind, dass das Männchen das Weibchen festzuhalten im Stande sei.“ Die Kinnladen oder Mandibeln werden zuweilen zu diesem Zwecke benutzt. So hat das Männchen von Corydalis cornuta, einem mit den Libellen u. s. w. ziemlich nahe verwandten Insect aus der Ordnung der Neuroptern, ungeheure gekrümmte Kiefer, welche viele Male länger als die des Weibchens sind; auch sind sie glatt, statt gezähnt zu sein, wodurch das Männchen in den Stand gesetzt wird, das Weibchen ohne Verletzung festzuhalten.[4] Einer der Hirschkäfer von Nordamerica (Lucanus elaphus) gebraucht seine Kiefer, welche viel grösser als die des Weibchens sind, zu demselben Zwecke, aber wahrscheinlich auch zum Kampfe. Bei einer der Sandwespen (Ammophila) sind die Kiefer in beiden Geschlechtern nahezu gleich, werden aber für verschiedene Zwecke gebraucht. Die Männchen sind, wie Professor Westwood bemerkt, „ausserordentlich hitzig und ergreifen ihre Genossen mit ihren sichelförmigen Kiefern um den Hals“,[5] während die Weibchen diese Organe zum Graben in Sandbänken und zum Bauen ihrer Nester benutzen.

Die Tarsen der Vorderfüsse sind bei vielen männlichen Käfern verbreitert oder mit breiten Haarpolstern versehen und bei vielen [362] Gattungen von Wasserkäfern sind sie mit einem runden platten Saugapparate ausgerüstet, so dass das Männchen sich an dem schlüpfrigen Körper des Weibchens festhalten kann. Es ist ein viel ungewöhnlicheres Vorkommen, dass die Weibchen mancher Wasserkäfer (Dytiscus) ihre Flügeldecken tief gefurcht und bei Acilius sulcatus dicht mit Haaren besetzt haben, als Halt für das Männchen. Die Weibchen einiger anderer Wasserkäfer (Hydroporus) haben ihre Flügeldecken zu demselben Zweck puncturirt.[6]

Fig. 9. Crabro cribrarius.
Obere Figur das Männchen, untere Figur das Weibchen.

Bei dem Männchen von Crabro cribrarius (Fig. 9) ist es die Tibia, welche in eine breite hornige Platte mit äusserst kleinen häutigen Flecken erweitert ist, wodurch sie ein eigenthümliches siebartiges Ansehen erhält.[7] Bei den Männchen von Penthe (einer Gattung der Käfer) sind einige wenige der mittleren Antennenglieder erweitert und an der unteren Fläche mit Haarkissen versehen, genau denen an den Tarsen der Carabiden gleich „und offenbar zu demselben Zwecke“. Bei männlichen Libellen sind die Anhänge an der Spitze des Schwanzes in „einer fast unendlichen Verschiedenartigkeit zu merkwürdigen Formen modificirt, um sie fähig zu machen, den Hals des Weibchens zu umfassen“.

Endlich sind bei den Männchen vieler Insecten die Beine mit eigenthümlichen Dornen, Höckern oder Spornen besetzt oder das ganze Bein ist gebogen oder verdickt — (dies ist aber durchaus nicht unabänderlich ein sexueller Character); — oder [363] ein Paar oder alle drei Paare sind, und zwar zuweilen zu einer ganz ausserordentlichen Länge, ausgezogen.[8]

Fig. 10. Taphroderes distortus (stark vergrössert). Obere Figur das Männchen, untere Figur das Weibchen.

In allen Ordnungen bieten die Geschlechter vieler Species Verschiedenheiten dar, deren Bedeutung nicht zu erklären ist. Ein merkwürdiger Fall ist der von einem Käfer (Fig. 10), dessen Männchen die linke Mandibel bedeutend vergrössert hat, so dass der Mund in hohem Maasse verzerrt ist. Bei einem andern carabiden Käfer, dem Eurygnathus,[9] haben wir den, soweit es Mr. Wollaston bekannt ist, einzigen Fall, dass der Kopf des Weibchens, allerdings in einem variabeln Grade, viel breiter und grösser ist als der des Männchens. Derartige Fälle liessen sich in beliebiger Zahl anführen. Sie sind auch unter den Schmetterlingen unendlich zahlreich; einer der ausserordentlichsten ist der, dass gewisse männliche Schmetterlinge mehr oder weniger atrophirte Vorderbeine haben, wobei die Tibien und Tarsen zu blossen rudimentären Höckern reducirt sind. Auch weichen die Flügel in den beiden Geschlechtern oft in der Vertheilung der Adern[10] und zuweilen auch beträchtlich in dem Umrisse von einander ab, so bei Aricoris epitus, wie mir im British Museum Mr. A. Butler gezeigt hat. Die Männchen gewisser südamericanischer Schmetterlinge haben Haarbüschel an den Rändern der Flügel und hornige Auswüchse auf den Flächen des hinteren Paars.[11] Bei mehreren britischen Schmetterlingen sind, wie mir Mr. Wonfor gezeigt hat, nur die Männchen theilweise mit eigenthümlichen Schuppen bekleidet.

Der Zweck der Leuchtkraft beim weiblichen Leuchtkäfer ist vielfach Gegenstand der Erörterung gewesen. [364] Das Männchen leuchtet schwach, ebenso die Larven und selbst die Eier. Einige Schriftsteller haben vermuthet, dass das Licht dazu diene, die Feinde fortzuschrecken, andere, dass es das Männchen zum Weibchen leite. Endlich scheint Mr. Belt[12] die Schwierigkeit gelöst zu haben: er findet, dass alle Lampyriden, welche er darauf versucht hat, allen insectenfressenden Säugethieren und Vögeln äusserst widerwärtig sind. Es steht nun mit der später mitzutheilenden Ansicht des Mr. Bates in Einklang, dass viele Insecten die Lampyriden streng nachahmen, um für solche gehalten zu werden und der Zerstörung zu entgehen. Er glaubt ferner, dass die leuchtenden Arten davon Vortheil haben, dass sie sofort als ungeniessbar erkannt werden. Wahrscheinlich lässt sich dieselbe Erklärung auf die Elateren ausdehnen, bei welchen beide Geschlechter stark leuchten. Es ist unbekannt, warum die Flügel des weiblichen Leuchtkäfers sich nicht entwickelt haben; in dem jetzigen Zustand gleicht derselbe aber sehr einer Larve, und da so viele Thiere von Larven sich ernähren, können wir wohl verstehen, warum das Weibchen so viel leuchtender und auffallender als das Männchen geworden ist und warum selbst die Larven auch leuchten.

Verschiedenheit in der Grösse beider Geschlechter. — Bei Insecten aller Arten sind gewöhnlich die Männchen kleiner als die Weibchen; und diese Verschiedenheit kann oft schon im Larvenzustande nachgewiesen werden. Die Verschiedenheit zwischen den männlichen und weiblichen Cocons des Seidenschmetterlings (Bombyx mori) ist so beträchtlich, dass sie in Frankreich durch eine eigenthümliche Methode des Wägens von einander geschieden werden.[13] In den niederen Gassen des Thierreichs scheint die bedeutendere Grösse der Weibchen allgemein davon abzuhängen, dass sie eine enorme Anzahl von Eiern entwickeln und dies dürfte auch in einer gewissen Ausdehnung für die Insecten gelten. Dr. Wallace hat aber eine viel wahrscheinlichere Erklärung aufgestellt. Nach einer sorgfältigen Beobachtung der Entwickelung der Raupen von Bombyx Cynthia und Yamamai und besonders einiger zwerghafter, aus einer zweiten Zucht mit unnatürlicher Nahrung gezogener Raupen fand er, „dass in dem Verhältniss [365] als der individuelle Schmetterling schöner ist, auch die zu seiner Metamorphose erforderliche Zeit länger ist; und aus diesem Grund geht dem Weibchen, welches das grössere und schwerere Insect ist, weil es seine zahlreichen Eier mit sich herumzutragen hat, das Männchen voraus, welches kleiner ist und weniger zu zeitigen hat“.[14] Da nun die meisten Insecten kurzlebig und vielen Gefahren ausgesetzt sind, so wird es offenbar für das Weibchen von Vortheil sein, sobald als möglich befruchtet zu werden. Dieser Zweck wird dadurch erreicht werden, dass die Männchen zuerst in grosser Anzahl reif werden, bereit der Ankunft der Weibchen zu warten, und dies wird natürlich wiederum, wie Mr. A. R. Wallace bemerkt hat,[15] eine Folge der natürlichen Zuchtwahl sein; denn die kleineren Männchen werden zuerst die Reife erlangen und werden daher eine grosse Zahl von Nachkommen hervorbringen, welche die verkümmerte Grösse ihrer männlichen Erzeuger erben werden, während die grösseren Männchen, weil sie später reif werden, weniger Nachkommen hinterlassen werden.

Von der Regel, dass die männlichen Insecten kleiner sind als die weiblichen, gibt es indess Ausnahmen und einige dieser Ausnahmen sind auch verständlich. Grösse und Körperkraft werden für Männchen von Vortheil sein, welche um den Besitz der Weibchen kämpfen, und in diesem Falle, wie z. B. bei dem Hirschkäfer (Lucanus), sind die Männchen grösser als die Weibchen. Es gibt indess andere Käfer, von denen man nicht weiss, dass sie mit einander kämpfen, und von denen doch die Männchen die Weibchen an Grösse übertreffen; die Bedeutung dieser Thatsache ist unbekannt. Aber bei einigen dieser Fälle, so bei den ungeheuren Formen der Dynastes und Megasoma, können wir wenigstens sehen, dass keine Nothwendigkeit vorliegt, dass die Männchen kleiner als die Weibchen sein müssten, damit sie vor ihnen den Reifezustand erreichen; denn diese Käfer sind nicht kurzlebig und es würde demnach auch hinreichende Zeit zum Paaren der beiden Geschlechter vorhanden sein. So sind ferner männliche Libelluliden zuweilen nachweisbar grösser und niemals kleiner als die weiblichen,[16] [366] und wie Mr. MacLachlan glaubt, paaren sie sich allgemein mit den Weibchen nicht eher, als bis eine Woche oder vierzehn Tage verflossen sind und bis sie ihre eigenthümlichen männlichen Färbungen erhalten haben. Aber den merkwürdigsten Fall, welcher zeigt, von welch complicirten und leicht zu übersehenden Beziehungen ein so unbedeutender Character, wie eine Verschiedenheit in der Grösse zwischen den beiden Geschlechtern, abhängen kann, bieten die mit Stacheln versehenen Hymenoptern dar. Mr. Fred. Smith theilt mir mit, dass fast in dieser ganzen grossen Gruppe die Männchen in Uebereinstimmung mit der allgemeinen Regel kleiner als die Weibchen sind und ungefähr eine Woche früher als diese ausschlüpfen; aber unter den Bienen sind die Männchen von Apis mellifica, Anthidium manicatum und Anthophora acervorum, und unter den grabenden Hymenoptern die Männchen der Methoca ichneumonides grösser als die Weibchen. Die Erklärung dieser Anomalie liegt darin, dass bei diesen Species ein Hochzeitsflug absolut nothwendig ist und dass die Männchen grösserer Kraft und bedeutenderer Grösse bedürfen, um die Weibchen durch die Luft zu führen. Die bedeutendere Grösse ist hier im Widerspruche mit der gewöhnlichen Beziehung zwischen der Grösse und der Entwickelungsperiode erlangt worden; denn trotzdem die Männchen grösser sind, schlüpfen sie doch vor den kleineren Weibchen aus.

Wir wollen nun die verschiedenen Gattungen durchgehen und dabei solche Thatsachen auswählen, wie sie uns besonders hier angehen. Die Lepidoptern (Tag- und Nachtschmetterlinge) sollen für ein besonderes Capitel aufgespart bleiben.

Ordnung: Thysanura. — Die Glieder dieser Ordnung sind für ihre Classe niedrig organisirt. Sie sind flügellose, trüb gefärbte, sehr kleine Insecten mit hässlichen, beinahe misförmigen Köpfen und Körpern. Die Geschlechter sind nicht von einander verschieden; sie bieten aber eine interessante Thatsache dar dadurch, dass sie zeigen, wie die Männchen selbst auf einer tiefen Stufe des Thierreichs den Weibchen eifrig den Hof machen können. Sir J. Lubbock[17] beschreibt den Sminthurus luteus und sagt: „Es ist sehr unterhaltend, diese kleinen Wesen mit einander coquettiren zu sehen. Das Männchen, welches viel kleiner als das Weibchen ist, läuft um dasselbe her; sie stossen [367] sich einander, stellen sich gerade gegen einander über und bewegen sich vorwärts und rückwärts wie zwei spielende Lämmer. Dann thut das Weibchen, als wenn es davonliefe, und das Männchen läuft hinter ihm her mit einem komischen Ansehen des Aergers, überholt es und stellt sich ihm wieder gegenüber. Dann dreht sich das Weibchen spröde herum, aber das Männchen, schneller und lebendiger, schwenkt gleichfalls rundum und scheint es mit seinen Antennen zu peitschen. Dann stehen sie für ein Weilchen wieder Auge in Auge, spielen mit ihren Antennen und scheinen durchaus nur einander anzugehören.“

Ordnung: Diptera (Fliegen).— Die Geschlechter weichen in der Farbe wenig von einander ab. Die grösste Verschiedenheit, die Mr. Fr. Walker bekannt geworden ist, bietet die Gattung Bibio dar, bei welcher die Männchen schwärzlich oder vollkommen schwarz und die Weibchen dunkel bräunlich-orange sind. Die Gattung Elaphomyia, welche Mr. Wallace[18] in Neu-Guinea entdeckt hat, ist äusserst merkwürdig, da die Männchen mit Hörnern versehen sind, welche dem Weibchen vollständig fehlen. Die Hörner entspringen von unterhalb der Augen und sind in einer merkwürdigen Weise denen der Hirsche ähnlich, indem sie entweder verzweigt oder bandförmig verbreitert sind. Bei einer der Arten sind sie an Länge der des ganzen Körpers gleich. Man könnte meinen, dass sie zum Kampfe dienen; da sie aber in einer Species von einer schönen rosenrothen Farbe sind mit Schwarz gerändert und mit einem blassen Streifen in der Mitte, und da diese Insecten überhaupt eine sehr elegante Erscheinung haben, so ist es vielleicht wahrscheinlicher, dass die Hörner zur Zierde dienen. Dass die Männchen einiger Diptern mit einander kämpfen, ist gewiss, denn Professor Westwood[19] hat dies mehrere Male bei einigen Arten von Tipula gesehen. Die Männchen andrer Diptern versuchen allem Anscheine nach die Weibchen durch ihre Musik zu gewinnen; H. Müller[20] beobachtete eine Zeit lang zwei Männchen einer Eristalis, die einem Weibchen den Hof machten; sie schwebten über ihr, flogen von der einen auf die andere Seite und machten gleichzeitig ein hohes [368] summendes Geräusch. Mücken und Mosquitoes (Culicidae) scheinen einander gleichfalls durch Summen anzulocken. Prof. Mayer hat neuerdings ermittelt, dass die Haare an den Antennen der Männchen im Einklang mit den Tönen einer Stimmgabel schwingen, die innerhalb der Reihe von Tönen liegen, welche das Weibchen gibt. Die längeren Haare schwingen sympathisch mit den tieferen, die kürzeren Haare mit den höheren Tönen. Auch Landois versichert, wiederholt einen ganzen Schwarm von Mücken durch das Hervorbringen eines besondern Tones herabgelockt zu haben. Es mag noch bemerkt werden, dass die geistigen Fähigkeiten der Zweiflügler wahrscheinlich höher als bei den meisten andern Insecten sind, in Uebereinstimmung damit, dass ihr Nervensystem so hoch entwickelt ist.[21]

Ordnung: Hemiptera (Wanzen). — Mr. J. W. Douglas, welcher besonders den britischen Arten seine Aufmerksamkeit gewidmet hat, ist so freundlich gewesen, mir eine Schilderung ihrer geschlechtlichen Verschiedenheiten zu geben. Die Männchen einiger Species sind mit Flügeln versehen, während die Weibchen flügellos sind. Die Geschlechter weichen auch von einander in der Form des Körpers, der Flügelscheiden, der Antennen und der Tarsen ab. Da aber die Bedeutung dieser Verschiedenheiten vollständig unbekannt ist, so mögen sie hier übergangen werden. Die Weibchen sind allgemein grösser und kräftiger als die Männchen. Bei britischen und, soweit Mr. Douglas es weiss, auch bei exotischen Species weichen die Geschlechter gewöhnlich nicht sehr in der Farbe ab; aber in ungefähr sechs britischen Arten ist das Männchen beträchtlich dunkler als das Weibchen, und in ungefähr vier andern Arten ist das Weibchen dunkler als das Männchen. Beide Geschlechter einiger Arten sind sehr schön gefärbt; und da diese Insecten einen äusserst ekelhaften Geruch von sich geben, so dürften ihre auffallenden Farben als ein Zeichen für insectenfressende Thiere dienen, dass sie ungeniessbar sind. In einigen wenigen Fällen scheinen die Farben direct als Schutzmittel zu dienen. So theilt mir Prof. Hoffmann mit, dass er eine kleine rosa und grüne [369] Art kaum von den Knospen an den Lindenstämmen, welche dies Insect aufsucht, hätte unterscheiden können.

Einige Arten der Reduviden bringen ein schrillendes Geräusch hervor und bei Pirates stridulus wird angegeben,[22] dass dies durch die Bewegung des Halses innerhalb, der Höhle des Prothorax hervorgebracht werde. Westring zufolge bringt auch Reduvius personatus ein Geräusch hervor. Ich habe aber keinen Grund zu vermuthen, dass dies ein sexueller Character ist, ausgenommen, dass bei nicht socialen Insecten ein lautproducirendes Organ von keinem Nutzen sein kann, wenn es nicht geschlechtliche Rufe hervorbringt.

Ordnung: Homoptera (Zirpen). — Jeder, der in einem tropischen Wald umhergewandert ist, wird über den Klang erstaunt gewesen sein, den die männlichen Cicaden hervorbringen. Die Weibchen sind stumm, wie schon der griechische Dichter Xenarchus sagt: „Glücklich leben die Cicaden, da sie alle stimmlose Weiber haben“. Der von ihnen hervorgebrachte Laut konnte deutlich an Bord des Beagle gehört werden, als dieses Schiff eine viertel englische Meile von der Küste von Brasilien entfernt vor Anker lag, und Capitain Hancock sagt, dass der Laut in der Entfernung von einer englischen Meile gehört werden könne. Früher hielten sich die Griechen, wie es die Chinesen heutigen Tages thun, diese Insecten in Käfigen wegen ihres Gesanges, so dass derselbe für die Ohren mancher Menschen angenehm sein muss.[23] Die Cicadiden singen gewöhnlich während des Tages, während die Fulgoriden Nachtsänger zu sein scheinen. Nach Landois[24] wird der Laut durch die Schwingungen der Ränder der Luftöffnungen hervorgebracht, welche durch einen aus den Tracheen ausgestossenen Luftstrom in Bewegung gesetzt werden; doch wird diese Ansicht neuerdings bestritten. Dr. Powell scheint bewiesen zu haben,[25] dass er durch die Schwingungen einer durch einen speciellen Muskel in Bewegung gesetzten Membran hervorgebracht wird. Beim lebenden Insect kann man während des Stridulirens diese Membran [370] schwingen sehen, und beim todten Insect wird der richtige Ton gehört, wenn der etwas eingetrocknete und hart gewordene Muskel mit einer Stecknadelspitze angezogen wird. Beim Weibchen ist der ganze complicirte Stimmapparat vorhanden, aber viel weniger als bei dem Männchen entwickelt und wird niemals zum Hervorbringen von Lauten benutzt.

In Bezug auf den Zweck dieser Musik sagt Dr. Hartman,[26] wo er von der Cicada septemdecim der Vereinigten Staaten spricht: „Das „Trommeln ist jetzt (6. und 7. Juni 1851) in allen Richtungen zu hören. Ich glaube, dass dies die hochzeitliche Aufforderung seitens der Männchen ist. In dichtem Kastaniengebüsch ungefähr von Kopfhöhe stehend, wo Hunderte von Männchen um mich herum waren, beobachtete ich, dass die Weibchen sich um die trommelnden Männchen versammelten“. Er fügt dann hinzu: „In diesem Jahre (August 1868) brachte ein Zwergbirnbaum in meinem Garten ungefähr fünfzig Larven von Cicada pruinosa hervor, und ich beobachtete mehrere Male, dass die Weibchen sich in der Nähe eines Männchens niederliessen, während es seine schallenden Töne ausstiess“. Fritz Müller schreibt mir aus Südbrasilien, dass er oft einem musikalischen Streite zwischen zwei oder drei Männchen einer Cicade zugehört habe, welche eine besonders laute Stimme hatten und in einer beträchtlichen Entfernung von einander sassen. Sobald das erste seinen Gesang beendigt hatte, begann unmittelbar darauf ein zweites, dann ein anderes. Da hiernach so viele Rivalität zwischen den Männchen existirt, so ist es wahrscheinlich, dass die Weibchen sie nicht bloss an den von ihnen ausgestossenen Lauten erkennen, sondern dass sie, wie weibliche Vögel, von dem Männchen mit der anziehendsten Stimme angelockt oder angeregt werden.

Von ornamentalen Verschiedenheiten zwischen den beiden Geschlechtern bei den Homoptern habe ich keinen gut markirten Fall gefunden. Mr. Douglas theilt mir mit, dass es drei britische Arten gibt, bei denen das Männchen schwarz oder mit schwarzen Binden gezeichnet ist, während die Weibchen blass gefärbt oder düsterfarbig sind.

[371] Ordnung: Orthoptera (Grillen und Heuschrecken). — Die Männchen der drei durch ihre Springfüsse ausgezeichneten Familien dieser Ordnung sind merkwürdig wegen ihrer musikalischen Fähigkeit, nämlich die der Achetiden oder Grillen, der Locustiden und der Acridiiden oder Heuschrecken. Die von einigen Locustiden hervorgebrachten Geräusche sind so laut, dass sie während der Nacht in einer Entfernung von einer englischen Meile gehört werden,[27] und die von gewissen Species hervorgebrachten Laute sind selbst für das menschliche Ohr nicht unmusikalisch, so dass sie die Indianer am Amazonenstrom in Käfigen von geflochtenen Weiden halten. Alle Beobachter stimmen darin überein, dass die Geräusche dazu dienen, die stummen Weibchen zu rufen oder anzuregen. In Bezug auf die Wanderheuschrecke Russlands hat Körte[28] einen interessanten Fall von der Wahl eines Männchens Seitens des Weibchens gegeben. Während sich die Männchen dieser Art (Pachytylus migratorius) mit dem Weibchen paaren, bringen sie aus Aerger oder Eifersucht ein Geräusch hervor, sobald sich ein anderes Männchen nähert. Wird das Heimchen oder die Hausgrille während der Nacht überrascht, so gebraucht es seine Stimme, um seine Genossen zu warnen.[29] Das Katy-did (Platyphyllum concavum, eine Form der Locustiden) in Nordamerica steigt nach der Beschreibung[30] auf die oberen Zweige eines Baumes und beginnt am Abend „ein lärmendes Geschwätz, während rivalisirende Laute von den benachbarten Bäumen ausgehen, so dass die Gebüsche von dem Rufe des Katy-did-she-did die ganze liebe lange Nacht hindurch erschallen“. Mr. Bates sagt, indem er von der europäischen Feldgrille (einer der Achetiden) spricht: „Man hat beobachtet, wie sich das Männchen am Abend vor den Eingang zu seiner Höhle stellt und seine Stimme erhebt, bis sich ein Weibchen nähert; hierauf folgt den lauteren Tönen ein leises Geräusch, während der erfolgreiche Musiker mit seinen Antennen den neugewonnenen Genossen liebkost“.[31] Dr. Scudder [372] war im Stande, eines dieser Insecten dazu zu bringen, ihm zu antworten, dadurch dass er mit einer Feder auf einer Feile rieb.[32] In beiden Geschlechtern ist von von Siebold ein merkwürdiger Gehörapparat entdeckt worden, welcher in den Vorderschienen seinen Sitz hat.[33]

Fig. 11. Gryllus campestris (nach Landois). Die Figur rechts stellt die untere Seite eines Stücks der Schrillader dar, bedeutend vergrössert und die Zähne (st) zeigend.
Die Figur links ist die obere Fläche der Flügeldecke mit den vorspringenden glatten Adern (r), gegen welche die Zähne (st) gerieben werden.

In den drei Familien werden die Geräusche auf verschiedene Weise hervorgebracht. Bei den Männchen der Achetiden besitzen beide Flügeldecken dieselbe Bildung, und diese besteht bei der Feldgrille (Gryllus campestris Fig. 11), wie es Landois beschrieben hat,[34] aus 131 bis 138 scharfen Querleisten oder Zähnen (st) auf der unteren Seite einer der Adern der Flügeldecken. Diese gezahnte Ader (Schrillader Landois) wird mit grosser Schnelligkeit quer über eine vorspringende glatte harte Ader (r) auf der oberen Fläche des entgegengesetzten Flügels gerieben. Zuerst wird ein Flügel über den andern gerieben und dann wird die Bewegung umgekehrt. Beide Flügel werden zu derselben Zeit etwas in die Höhe gehoben, um die Resonanz zu verstärken. In einigen Species sind die Flügeldecken an ihrer Basis mit einer glimmerartigen Platte versehen.[35] Ich habe hier nebenstehend eine Zeichnung (Fig. 12) der Zähne von der unteren Seite der Aderung einer andern Species von Gryllus, nämlich von G. domesticus, gegeben. Was die Bildung dieser Zähne betrifft, so hat Dr. Gruber gezeigt,[36] dass sie mit Hülfe der Zuchtwahl sich aus den äusserst kleinen Schuppen und Haaren entwickelt haben, mit denen die Flügel und der Körper bedeckt sind; ich kam in Bezug auf diejenigen der Coleoptern zu demselben Schlusse. Dr. Gruber zeigt aber ferner, dass ihre Entwickelung [373] zum Theil eine directe Folge des aus der Reibung eines Flügels auf dem andern entstehenden Reizes ist.

Fig. 12. Zähne der Aderung von Gryllus domesticus (nach Landois).

Bei den Locustiden weichen die Flügeldecken der beiden einander gegenüberstehenden Seiten in ihrer Bildung ab (Fig. 13) und können nicht, wie es in der letzten Familie der Fall war, indifferent auch in umgekehrter Weise benutzt werden. Der linke Flügel, welcher als ein Violinbogen wirkt, liegt über dem rechten Flügel, welcher als Violine selbst dient. Einer der Nerven (a) an der unteren Fläche des ersteren ist fein gesägt und wird quer über die vorspringenden Nerven an der oberen Fläche des entgegengesetzten oder rechten Flügels hingezogen. Bei unserer englischen Phasgonura viridissima schien es mir, als ob der gesägte Nerv gegen die abgerundete hintere Ecke des entgegengesetzten Flügels gerieben würde, deren Rand verdickt, braun gefärbt und sehr scharf ist.

Fig. 13. Chlorocoelus Tanana (nach Bates). a b Abschnitte der beiderseitigen Flügeldecken

Am rechten Flügel, aber nicht am linken, findet sich eine kleine Platte, so durchscheinend wie ein Glimmerplättchen und von Nerven umgeben, welche der Spiegel genannt wird. In Ephippiger vitium, einem Mitgliede derselben Familie, finden wir eine merkwürdige untergeordnete Modification; [374] die Flügeldecken sind hier bedeutend an Grösse reducirt, aber „der hintere Theil des Prothorax ist in eine Art Gewölbe über die Flügeldecken erhoben, welches wahrscheinlich die Wirkung den Laut zu verstärken hat“.[37]

Wir sehen hiernach, dass der musikalische Apparat bei den Locustiden, welche, wie ich glaube, die kräftigsten Sänger in der Ordnung enthalten, mehr differenzirt und specialisirt ist als bei den Achetiden, bei denen die beiden Flügeldecken dieselbe Structur und dieselbe Function haben.[38] Indessen hat Landois bei einer Form der Locustiden, nämlich bei Decticus, eine kurze und schmale Reihe kleiner Zähne, fast blosser Rudimente, auf der unteren Fläche der rechten Flügeldecke entdeckt, welche unter der andern liegt und niemals als Bogen benutzt wird. Ich habe dieselbe rudimentäre Bildung an der unteren Fläche der rechten Flügeldecke bei Phasgonura viridissima beobachtet. Wir können daher mit Sicherheit schliessen, dass die Locustiden von einer Form abstammen, bei welcher, wie bei den jetzt lebenden Achetiden, beide Flügeldecken gezahnte Adern an der unteren Fläche besassen und beide ganz indifferent als Bogen benutzt werden konnten, dass aber bei den Locustiden die beiden Flügeldecken allmählich differenzirt und vervollkommnet wurden, und zwar nach dem Principe der Arbeitstheilung so, dass der eine ausschliesslich als Bogen, der andere nur als Violine wirkte. Dr. Gruber ist derselben Ansicht; er hat gezeigt, dass sich rudimentäre Zähne gewöhnlich an der unteren Fläche des rechten Flügels finden. Durch welche Stufen der einfachere Apparat bei den Achetiden entstand, wissen wir nicht; es ist aber wahrscheinlich, dass die basalen Theile der Flügeldecken einander früher überdeckten, so wie sie es jetzt noch thun, und dass die Reibung der Nerven einen kratzenden Ton hervorbrachte, wie es jetzt noch, wie ich sehe, der Fall mit den Flügeldecken der Weibchen ist.[39] Ein in dieser Weise gelegentlich und zufällig von den Männchen hervorgebrachter kratzender Laut kann, wenn er auch noch so wenig dazu diente, den Weibchen als liebender Zuruf zu erscheinen, [375] doch leicht durch geschlechtliche Zuchtwahl intensiver gemacht worden sein dadurch, dass passende Abänderungen in der Rauhigkeit der Flügeladern beständig erhalten blieben.

Fig. 14. Hinterbein von Stenobothrus pratorum; r die Schrill-Leiste; die untere Figur zeigt die die Leiste bildenden Zähne, bedeutend vergrössert (nach Landois).

In der letzten und dritten Familie, nämlich der der Acridiiden, wird das schrillende Geräusch in einer sehr verschiedenen Weise hervorgebracht und ist nach Dr. Scudder nicht so grell als in den vorhergehenden Familien. Die innere Oberfläche des Oberschenkels (Fig. 14 r) ist mit einer Längsreihe sehr kleiner eleganter, lancettförmiger, elastischer Zähne versehen, 85 bis 93 an Zahl,[40] und diese werden quer über die scharfen vorspringenden Adern der Flügeldecken herabgezogen, welche hierdurch zum Schwingen und zur Resonanz gebracht werden. Harris[41] sagt, dass wenn eins der Männchen zu spielen beginnt, es zuerst „die Tibien der Hinterbeine unter die Schenkel heraufzieht, wo sie in eine zu ihrer Aufnahme bestimmte Furche eingefügt werden, und dann zieht es das Bein scharf auf und nieder. Es spielt seine beiden Geigen nicht gleichzeitig auf einmal, sondern zuerst die eine, dann die der anderen Seite“. Bei vielen Arten ist die Basis des Hinterleibs zu einer grossen Blase ausgehöhlt, von welcher man annimmt, dass sie als Resonanzboden dient. Bei Pneumora (Fig. 15), einem südafricanischen Genus, welches zu derselben Familie gehört, begegnen wir einer neuen und merkwürdigen Modification. Bei dem Männchen springt eine kleine, mit Einschnitten versehene Leiste schräg von jeder Seite des Abdomen vor, gegen welche die Hinterschenkel gerieben werden.[42] Da das Männchen mit Flügeln versehen, das Weibchen flügellos ist, so ist es merkwürdig, dass die Oberschenkel nicht in der gewöhnlichen Art und Weise gegen die Flügeldecken gerieben werden; dies dürfte aber vielleicht durch die ungewöhnlich geringe Grösse der Hinterbeine erklärt werden. Ich bin nicht im Stande gewesen, die innere Fläche der Oberschenkel zu untersuchen, [376] welche der Analogie nach zu schliessen fein gesägt sein dürfte.

Fig. 15. Pneumora (nach Exemplaren im British Museum). Obere Figur Männchen, untere Figur Weibchen.

Die Species von Pneumora sind eingehender zum Zwecke der Stridulation modificirt worden als irgend ein anderes orthopteres Insect. Denn bei den Männchen ist der ganze Körper in ein musikalisches Instrument umgewandelt worden, er ist durch Luft zu einer grossen durchsichtigen Blase ausgedehnt, um die Resonanz zu verstärken. Mr. Trimen theilt mir mit, dass am Cap der guten Hoffnung diese Insecten während der Nacht ein wunderbares Geräusch hervorbringen.

In diesen drei Familien entbehren die Weibchen beinahe immer eines wirksamen musikalischen Apparats. Doch gibt es einige wenige Ausnahmen von dieser Regel; Dr. Gruber hat gezeigt, dass beide Geschlechter von Ephippiger (Locustiden) damit versehen sind, wennschon die Organe beim Männchen und Weibchen bis zu einem gewissen Grad verschieden sind. Wir können daher nicht annehmen, dass sie vom Männchen auf das Weibchen übertragen worden sind, was mit den secundären Sexualcharacteren vieler andern Thiere der Fall gewesen zu sein scheint. Sie müssen sich in beiden Geschlechtern unabhängig entwickelt haben, welche sich ohne Zweifel während der Zeit der Liebe einander gegenseitig rufen. Bei den meisten andern Locustiden (aber nach Landois Angabe nicht bei Decticus) haben die Weibchen Rudimente der den Männchen eigenthümlichen Stridulationsorgane, von denen sie wahrscheinlich auf die Weibchen übertragen worden sind. Landois hat auch derartige Rudimente an der untern Fläche der Flügeldecke der weiblichen Achetiden und an den Schenkeln der weiblichen Acridiiden gefunden. Auch bei den Homoptern besitzen die [377] Weibchen den eigenthümlichen Stimmapparat in einem functionsunfähigen Zustande; und wir werden noch später in anderen Abtheilungen des Thierreichs vielen Beispielen begegnen, wo Gebilde, welche dem Männchen eigenthümlich sind, in einem rudimentären Zustande beim Weibchen vorkommen.

Landois hat noch eine andere interessante Thatsache beobachtet, nämlich dass bei den Weibchen der Acridiiden die für das Lautgeben bestimmten Zähne an den Oberschenkeln durch das ganze Leben in demselben Zustande bleiben, in welchem sie zuerst während des Larvenzustands in beiden Geschlechtern erscheinen. Bei den Männchen werden sie dagegen vollständig entwickelt und erreichen ihre vollkommene Bildung mit der letzten Häutung, wenn das Insect geschlechtsreif und zur Fortpflanzung bereit ist.

Aus den jetzt gegebenen Thatsachen sehen wir, dass die Mittel, durch welche die Männchen der Orthoptern ihre Laute produciren, äusserst verschiedenartig und durchaus von denen, welche bei den Homoptern angewendet werden, abweichend sind.[43] Aber durch das ganze Thierreich hindurch sehen wir häufig, dass derselbe Zweck durch die verschiedenartigsten Mittel erreicht wird. Dies scheint eine Folge davon zu sein, dass die ganze Organisation im Laufe der Zeiten mannichfache Veränderungen erlitten hat und dass, da ein Theil nach dem andern variirt hat, aus verschiedenen Abänderungen zu einem und dem nämlichen allgemeinen Zwecke Vortheil gezogen worden ist. Die Verschiedenheit der Mittel zur Hervorbringung einer Stimme in den drei Familien der Orthoptern und bei den Homoptern lässt die grosse Bedeutung dieser Gebilde für die Männchen zu dem Zwecke des Herbeirufens oder Anlockens der Weibchen recht hervortreten. Wir dürfen von der Grösse der Modificationen nicht überrascht sein, welche die Orthoptern in dieser Beziehung erlitten haben, da wir jetzt in Folge von Dr. Scudder's merkwürdiger Entdeckung[44] wissen, dass die Zeit hierzu mehr als hinreichend gegeben war. Dieser Naturforscher hat neuerdings in der Devonischen Formation von Neu-Braunschweig ein fossiles Insect gefunden, welches mit „dem bekannten Paukenfell oder dem Stridulationsapparat der männlichen Locustiden“ versehen war. [378] Obgleich dieses Insect in den meisten Beziehungen mit den Neuroptern verwandt war, so scheint es doch, wie es so oft mit sehr alten Formen der Fall ist, die beiden Ordnungen der Neuroptern und Orthoptern noch näher, als sie sich jetzt schon stehen, mit einander zu verbinden.

Ich habe jetzt nur noch wenig über die Orthoptern zu sagen. Einige von ihren Species sind sehr kampfsüchtig. Wenn zwei männliche Feldgrillen (Gryllus campestris) mit einander gefangen genommen werden, so kämpfen sie so lange mit einander, bis eine getödtet ist, und die Species von Mantis manövriren der Beschreibung nach mit ihren schwertförmigen Vorderbeinen wie Husaren mit ihren Säbeln. Die Chinesen halten diese Insecten in kleinen aus Bambus geflochtenen Käfigen und bringen sie wie Kampfhähne mit einander zusammen.[45] Was die Färbung betrifft, so sind einige ausländische Heuschrecken wunderschön verziert. Die Hinterflügel sind mit Roth, Blau und Schwarz gezeichnet. Da aber in der ganzen Ordnung die beiden Geschlechter selten bedeutend in der Färbung von einander verschieden sind, so ist es nicht wahrscheinlich, dass sie diese glänzenden Tinten der geschlechtlichen Zuchtwahl verdanken. Auffallende Färbungen können für diese Insecten auch als Schutzmittel von Nutzen sein dadurch, dass sie ihren Feinden anzeigen, dass sie ungeniessbar sind. So ist beobachtet worden,[46] dass eine indische hell gefärbte Heuschrecke ohne Ausnahme verschmäht wurde, wenn man sie Vögeln und Eidechsen darbot. Es sind indessen auch einige Fälle von geschlechtlicher Verschiedenheit in der Färbung aus dieser Ordnung bekannt. Das Männchen einer americanischen Grille[47] wird beschrieben als weiss wie Elfenbein, während das Weibchen von einer beinahe weissen Farbe bis zu einer grünlich gelben oder schwärzlichen variirt, Mr. Walsh theilt mir mit, dass das erwachsene Männchen von Spectrum femoratum (eine Form der Phasmiden) „von einer glänzenden bräunlich-gelben Farbe, das erwachsene Weibchen dagegen von einem trüben opaken bräunlichen Aschgrau ist, während die Jungen beider Geschlechter [379] grün sind“. Endlich will ich noch erwähnen, dass das Männchen einer merkwürdigen Art von Grillen[48] mit „einem langen häutigen Anhange versehen ist, welcher wie ein Schleier über das Gesicht herabfällt“; was aber sein Gebrauch sein mag, ist nicht bekannt.

Ordnung: Neuroptera. — Hier braucht nur wenig bemerkt zu werden, ausgenommen hinsichtlich der Färbung. Bei den Ephemeriden weichen die Geschlechter oft unbedeutend in ihrer düsteren Farbe ab;[49] es ist aber nicht wahrscheinlich, dass die Männchen hierdurch für die Weibchen anziehend gemacht werden. Die Libelluliden oder Wasserjungfern sind mit glänzenden grünen, blauen, gelben und scharlachenen metallischen Färbungen geziert, und die Geschlechter weichen oft von einander ab. So sind die Männchen einiger der Agrioniden. wie Professor Westwood bemerkt,[50] „von einem reichen Blau mit schwarzen Flügeln, während die Weibchen schön grün mit farblosen Flügeln sind“. Aber bei Agrion Ramburii sind diese Farben in den beiden Geschlechtern gerade umgekehrt.[51] In der ausgedehnten Nordamericanischen Gattung Hetaerina haben allein die Männchen einen schönen karminrothen Fleck an der Basis jedes Flügels. Bei Anax junius ist der basale Theil des Abdomen beim Männchen von einem lebhaften Ultramarinblau und beim Weibchen grasgrün. Andererseits weichen bei der verwandten Gattung Gomphus und in einigen anderen Gattungen die Geschlechter nur wenig in der Färbung von einander ab. Durch das ganze Thierreich hindurch sind ähnliche Fälle, wo die Geschlechter nahe verwandter Formen entweder bedeutend oder sehr wenig oder durchaus nicht von einander abweichen, von häufigem Vorkommen. Obgleich bei vielen Libelluliden eine so beträchtliche Verschiedenheit in der Färbung zwischen den Geschlechtern besteht, so ist es doch oft schwer zu sagen, welches das am meisten glänzende ist, und die gewöhnliche Färbung der beiden Geschlechter ist, wie wir eben gesehen haben, bei einer Art von Agrioniden geradezu umgekehrt. Es ist nicht wahrscheinlich, dass in irgend einem dieser Fälle die [380] Farben als Schutzmittel erlangt worden sind. Wie Mr. Mac Lachlan, welcher dieser Familie eingehende Aufmerksamkeit gewidmet hat, mir schreibt, werden die Libellen, die Tyrannen der Insectenwelt, am wenigsten unter allen Insecten von den Vögeln oder anderen Feinden angegriffen. Er glaubt, dass ihre glänzenden Farben als ein geschlechtliches Anziehungsmittel dienen. Gewisse Libellen werden offenbar durch besondere Farben angezogen. So beobachtet Mr. Patterson,[52] dass diejenigen Species von Agrioniden, deren Männchen blau sind, sich in grosser Zahl auf das blaue Schwimmstück einer Angelleine niederliessen, während zwei andere Species von hellweissen Farben angezogen wurden.

Es ist eine zuerst von Schelver beobachtete interessante Thatsache, dass die Männchen mehrerer zu zwei Unterfamilien gehörigen Gattungen, wenn sie zuerst aus der Puppenhülle ausschlüpfen, genau so wie die Weibchen gefärbt sind, dass aber ihre Körper in einer kurzen Zeit eine auffallend milchigblaue Farbe erlangen in Folge der Ausschwitzung einer Art von Oel, welches in Aether und Alcohol löslich ist. Mr. Mac Lachlan glaubt, dass bei den Männchen von Libellula depressa diese Veränderung der Farbe nicht vor vierzehn Tagen nach der Metamorphose eintritt, wenn die Geschlechter bereit sind, sich zu paaren.

Gewisse Species von Neurothemis bieten einer Angabe von Brauer[53] zufolge einen merkwürdigen Fall von Dimorphismus dar, indem einige der Weibchen gewöhnliche Flügel haben, während andere Weibchen sie „wie bei den Männchen der nämlichen Species sehr reich netzförmig entwickelt haben“. Brauer erklärt die Erscheinung nach „Darwinschen Grundsätzen durch die Vermuthung, dass das dichte Netzwerk der Adern ein secundärer Sexualcharacter bei den Männchen ist, welcher plötzlich auf einige Weibchen, statt auf alle, wie es gewöhnlich vorkommt, überliefert worden ist“. Mr. Mac Lachlan theilt mir noch einen anderen Fall von Dimorphismus bei mehreren Species von Agrion mit, bei denen eine gewisse Zahl von Individuen von einer orangenen Färbung gefunden wird; und diese sind unabänderlich Weibchen. Dies ist wahrscheinlich ein Fall von Rückschlag; denn bei den echten Libelluliden sind, sobald die Geschlechter in der Färbung verschieden sind, die Weibchen immer orange oder gelb, so dass [381] es, – angenommen Agrion stamme von irgend einer primordialen Form ab, welche die characteristischen geschlechtlichen Färbungen der typischen Libelluliden besessen habe, — nicht überraschend wäre, wenn eine Neigung, in dieser Art und Weise zu variiren, allein bei den Weibchen einträte.

Obgleich viele Libelluliden so grosse, kraftvolle und wilde Insecten sind, so hat doch Mr. Mac Lachlan nicht beobachtet, dass die Männchen mit einander kämpften, mit Ausnahme, wie er meint, einiger der kleineren Species von Agrion. Bei einer anderen sehr verschiedenen Gruppe dieser Ordnung, nämlich bei den Termiten oder weissen Ameisen, kann man sehen, wie beide Geschlechter um die Zeit des Schwärmens herumlaufen, „das Männchen hinter dem Weibchen her, zuweilen zwei ein Weibchen jagend, und mit grossem Eifer kämpfend, wer den Preis gewinne“.[54] Von Atropos pulsatorius wird angegeben, dass er mit seinen Kiefern ein Geräusch mache, was von andern Individuen beantwortet wird.[55]

Ordnung: Hymenoptera. — Bei der Beschreibung der Lebensweise von Cerceris, einem wespenähnlichen Insect, bemerkt jener unnachahmliche Beobachter Fabre,[56] dass „häufig Kämpfe zwischen den Männchen um den Besitz eines besonderen Weibchens stattfinden, welches als ein dem Anscheine nach unbetheiligter Zuschauer des Kampfes um die Obergewalt daneben sitzt und wenn der Sieg entschieden ist, ruhig in Begleitung des Siegers davonfliegt“. Westwood sagt,[57] dass die Männchen einer der Blattwespen (Tenthredines) „beobachtet worden sind mit einander kämpfend und mit ihren Mandibeln in einander verbissen“. Da Fabre davon spricht, dass die Männchen von Cerceris um den Besitz eines besonderen Weibchens kämpfen, so verlohnt es sich der Mühe, sich daran zu erinnern, dass zu dieser Ordnung gehörige Insecten das Vermögen haben, sich nach langen Zeiträumen wiederzuerkennen, und grosse Anhänglichkeit an einander besitzen. So trennte z. B. Pierre Huber, dessen Genauigkeit Niemand bezweifelt, mehrere Ameisen von einander, und als sie nach einem Zwischenräume von vier Monaten andere antrafen, welche zu demselben [382] Haufen gehört hatten, erkannten sie sich gegenseitig und liebkosten einander mit ihren Antennen. Wären es fremde gewesen, so würden sie mit einander gekämpft haben. Wenn ferner zwei Ameisenhaufen mit einander in Kampf gerathen, so greifen die Ameisen einer und derselben Seite in der allgemeinen Verwirrung zuweilen einander an, bemerken aber bald den Irrthum, und die eine Ameise begütigt die andere.[58]

Unbedeutende Verschiedenheiten in der Färbung je nach dem Geschlecht sind in dieser Ordnung häufig, aber auffallende Verschiedenheiten sind selten, mit Ausnahme der Familie der Bienen; und doch sind beide Geschlechter gewisser Gruppen so brillant gefärbt, — z. B. bei Chrysis, bei welcher Gattung Scharlach und metallisches Grün vorherrschen, — dass wir dies als ein Resultat der geschlechtlichen Zuchtwahl anzusehen versucht werden. Der Angabe von Mr. Walsh zufolge[59] sind bei den Ichneumoniden die Männchen fast allgemein heller gefärbt als die Weibchen. Andererseits sind bei den Tenthrediniden die Männchen meistens dunkler als die Weibchen. Bei den Siriciden sind die Geschlechter häufig verschieden. So ist das Männchen von Sirex juvencus mit Orange gebändert, während das Weibchen dunkel purpurn ist; es ist aber schwierig zu sagen, welches Geschlecht das am meisten geschmückte sei. Bei Tremex columbae ist das Weibchen viel glänzender gefärbt als das Männchen. Wie mir Mr. F. Smith mittheilt, sind unter den Ameisen die Männchen mehrerer Species schwarz, während die Weibchen bräunlich sind.

In der Familie der Bienen, besonders bei den einzeln lebenden Arten, sind, wie ich von demselben ausgezeichneten Entomologen gehört habe, die Geschlechter öfters in der Färbung verschieden. Die Männchen sind allgemein die glänzenderen und bei Bombus ebensowohl wie bei Apathus viel variabler in der Färbung als die Weibchen. Bei Anthophora retusa ist das Männchen von einem gesättigten Röthlichbraun, während das Weibchen vollständig schwarz ist; ebenso sind die Weibchen mehrerer Species von Xylocopa schwarz, während die Männchen hellgelb sind. Andrerseits sind die Weibchen einiger Species, so bei Andraena fulva, viel heller gefärbt als die Männchen. Derartige Verschiedenheiten der Färbung können kaum dadurch erklärt werden, dass die Männchen vertheidigungslos sind und eines Schutzes bedürfen. [383] während die Weibchen durch ihren Stachel wohl vertheidigt sind. H. Müller,[60] welcher der Lebensweise der Bienen besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat, schreibt diese Verschiedenheit der Färbung hauptsächlich geschlechtlicher Zuchtwahl zu. Dass Bienen ein scharfes Beobachtungsvermögen für Farben haben, ist sicher. Er sagt, dass die Männchen eifrig die Weibchen suchen und um ihren Besitz kämpfen; er erklärt es aus derartigen Kämpfen, dass bei gewissen Arten die Mandibeln der Männchen grösser sind als die der Weibchen. In manchen Fällen sind die Männchen viel zahlreicher als die Weibchen, entweder zeitig im Jahre oder zu allen Zeiten und an allen Orten, wogegen in andern Fällen allem Anscheine nach die Weibchen überwiegen. In manchen Arten scheinen die schöneren Männchen von den Weibchen erwählt worden zu sein, und in andern die schöneren Weibchen von den Männchen. In Folge dessen weichen in gewissen Gattungen (Müller, p. 42) die Männchen mehrerer Arten in ihrer Erscheinung bedeutend ab, während die Weibchen beinahe nicht zu unterscheiden sind; bei andern Gattungen tritt das Umgekehrte ein. H. Müller glaubt (p. 82), dass die von einem Geschlecht durch sexuelle Zuchtwahl erhaltenen Farben häufig in einem variablen Grade auf das andre Geschlecht übertragen worden sind, gerade so wie der pollensammelnde Apparat des Weibchens oft auf das Männchen übertragen worden ist, für welches er absolut nutzlos ist.[61]

[384] Mutilla europaea gibt einen stridulirenden Laut von sich, und der Angabe von Goureau[62] zufolge haben beide Geschlechter diese Fähigkeit. Er schreibt den Laut einer Reibung des dritten und der vorhergehenden Hinterleibssegmente zu, und wie ich sehe, sind die oberen Flächen dieser mit sehr feinen concentrischen Leisten versehen; aber ebenso ist es auch der vorspringende Brustkragen, auf welchen der Kopf eingelenkt ist; und wird dieser Kragen mit einer Nadelspitze gekratzt, so gibt er den eigentümlichen Laut von sich. Es ist ziemlich überraschend, dass beide Geschlechter diese Fähigkeit, einen Laut hervorzubringen, besitzen, da das Männchen geflügelt und das Weibchen flügellos ist. Es ist notorisch, dass Bienen gewisse Gemüthsbewegungen, z. B. Aerger, durch den Ton ihres Summen ausdrücken; und der Angabe H. Müller's zufolge (p. 80) machen die Männchen mancher Arten ein eigenthümliches singendes Geräusch, wenn sie die Weibchen verfolgen.

Ordnung: Coleoptera (Käfer). — Viele Käfer sind so gefärbt, dass sie der Oberfläche der Orte ähnlich sind, welche sie gewöhnlich bewohnen, und dadurch dem entgehen, von ihren Feinden entdeckt zu werden. Andere Species sind mit prächtigen Färbungen geziert, z. B. die Diamantkäfer, welche häufig in Streifen, Flecken, Kreuzen und andern eleganten Mustern angeordnet sind. Derartige Färbungen können kaum direct als Schutzmittel dienen, ausgenommen in dem Fall einiger von Blüthen lebender Arten; sie können aber zur Warnung oder als Erkennungsmittel dienen, nach demselben Principe wie die Phosphorescenz der Leuchtkäfer. Da bei Käfern die Färbungen der beiden Geschlechter allgemein gleich sind, haben wir keine Belege dafür, dass sie durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt worden sind; dies ist aber wenigstens möglich, denn sie können sich in dem einen Geschlechte entwickelt haben und dann auf das andere übertragen worden sein. Diese Ansicht ist in denjenigen Gruppen, welche andre scharf ausgesprochene secundäre Sexualcharactere besitzen, selbst in einem gewissen Grade wahrscheinlich. Blinde Käfer, welche selbstverständlich nicht die Schönheit des anderen Geschlechts bewundern können, bieten, wie ich von Mr. Waterhouse jun. höre, niemals glänzende Farben dar, obgleich sie oft polirte Oberflächen haben. Doch [385] kann die Erklärung ihrer düsteren Färbung auch wohl darin liegen, dass blinde Insecten Höhlen und andere dunkle Oertlichkeiten bewohnen.

Fig. 16. Chalcosoma atlas. Obere Figur das Männchen (verkleinert); untere Figur das Weibchen (nat. Gr.).

Einige Longicornier, besonders gewisse Prioniden, bieten indess eine Ausnahme von der gewöhnlichen Regel dar, dass die Geschlechter der Käfer in der Färbung nicht von einander verschieden sind. Die meisten dieser Insecten sind gross und glänzend gefärbt. Die Männchen der Gattung Pyrodes[63] sind, wie ich in Mr. Bates' Sammlung sah, gewöhnlich röther, aber etwas dunkler als die Weibchen, welche letztere von einer mehr oder weniger glänzenden goldgrünen Färbung sind. Andererseits ist bei einer Species das Männchen goldgrün, während das Weibchen reich mit Roth und Purpur gefärbt ist. In der Gattung Esmeralda weichen die Geschlechter in der Färbung so bedeutend von einander ab, dass sie als verschiedene Arten angerührt wurden; bei einer Species sind Beide von einem schönen glänzenden Grün, aber das Männchen hat einen rothen Thorax. Im Ganzen sind, soweit ich es beurtheilen kann, die Weibchen derjenigen Prioniden, bei denen die Geschlechter verschieden sind, [386] reicher gefärbt als die Männchen, und dies stimmt nicht mit der gewöhnlichen Regel in Bezug auf die Färbung überein, sobald diese durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt wurden ist.

Eine äusserst merkwürdige Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern vieler Käfer bieten die grossen Hörner dar, welche vom Kopfe, dem Thorax oder dem Schildchen der Männchen entspringen; in einigen wenigen Fällen gehen dieselben von der unteren Fläche des Körpers aus. In der grossen Familie der Lamellicornia sind diese Hörner denen verschiedener Säugethiere ähnlich, wie der Hirsche, Rhinocerose u. s. w., und sind sowohl ihrer Grösse, als ihrer verschiedenartigen Formen wegen wunderbar. Statt sie zu beschreiben, habe ich Abbildungen der Männchen und Weibchen von einigen der merkwürdigeren Formen gegeben (Fig. 17—20). Die Weibchen bieten allgemein Rudimente der Hörner in der Form kleiner Höcker oder Leisten dar, aber einigen fehlt selbst jedes Rudiment davon. Andererseits sind bei den Weibchen von Phanaeus lancifer die Hörner nahezu so gut entwickelt wie beim Männchen und bei den Weibchen einiger anderer Species der nämlichen Gattung und der Gattung Copris nur unbedeutend weniger entwickelt. In den verschiedenen Unterabtheilungen der Familie laufen die Verschiedenheiten in der Structur der Hörner, wie mir Mr. Bates mitgetheilt hat, nicht mit ihren bedeutenderen und characteristischen Verschiedenheiten parallel. So gibt es innerhalb einer und derselben Section der Gattung Onthophagus Species, welche entweder ein einziges am Kopfe stehendes Horn haben, oder zwei verschiedene Hörner.

In beinahe allen Fällen sind die Hörner wegen excessiver Variabilität merkwürdig, so dass eine gradweise angeordnete Reihe sich bilden lässt von den am höchsten entwickelten zu anderen so entarteten Männchen, dass sie kaum von den Weibchen unterschieden werden können. Mr. Walsh[64] fand, dass bei Phanaeus carnifex die Hörner bei einigen Männchen dreimal so lang waren als bei anderen. Nachdem Mr. Bates über hundert Männchen von Onthophagus rangifer (Fig. 20) untersucht hatte, glaubte er, dass er endlich eine Species entdeckt habe, bei welcher die Hörner nicht variirten; und doch erwies eine noch weitere Untersuchung das Gegentheil.

Die ausserordentliche Grösse der Hörner und ihre sehr verschiedene [387] Bildung bei nahe verwandten Formen deutet darauf hin, dass sie zu irgend einem wichtigen Zwecke gebildet worden sind; aber ihre ausserordentliche Veränderlichkeit bei den Männchen einer und derselben Species führt wieder zu dem Schlusse, dass dieser Zweck nicht von einer ganz bestimmten Natur sein kann.

Fig. 17. Copris isidis. (Die Figuren links sind die Männchen.)

Fig. 18. Phanaeus faunus.

Fig. 19. Dipelicus cantori.

Fig. 20. Onthophagus rangifer (vergössert).

Die Hörner bieten kein Zeichen von Abreibung dar, als wenn sie zu irgend einer gewöhnlichen Arbeit benutzt würden. Einige Schriftsteller vermuthen,[65] dass die Männchen, weil sie viel mehr herumwandern als die Weibchen, [388] der Hörner als Vertheidigungsmittel gegen ihre Feinde bedürfen; aber in vielen Fällen scheinen die Hörner nicht gut zur Vertheidigung angepasst zu sein, da sie nicht scharf sind. Die am meisten in die Augen springende Vermuthung ist die, dass sie von den Männchen in ihren gegenseitigen Kämpfen benutzt werden. Aber man hat niemals beobachtet, dass sie mit einander kämpfen. Auch konnte Mr. Bates nach einer sorgfältigen Untersuchung zahlreicher Arten keine hinreichenden Belege in dem verstümmelten oder zerbrochenen Zustande der Hörner dafür finden, dass sie zu diesem Zwecke benutzt worden wären. Wenn die Männchen die Gewohnheit gehabt hätten, mit einander zu kämpfen, so würde wahrscheinlich die Grösse der Thiere selbst durch natürliche Zuchtwahl vermehrt worden sein, so dass sie die der Weibchen überträfen. Mr. Bates hat aber die beiden Geschlechter in über hundert Species von Copriden mit einander verglichen und findet bei gut entwickelten Individuen keine ausgesprochene Verschiedenheit in dieser Beziehung. Ueberdies gibt es einen zu der nämlichen grossen Abtheilung der Lamellicornier gehörigen Käfer, nämlich Lethrus, dessen Männchen wie man weiss mit einander kämpfen; doch sind diese nicht mit Hörnern versehen, wenn auch ihre Mandibeln viel grösser sind als die der Weibchen.

Die Schlussfolgerung, welche am besten mit der Thatsache übereinstimmt, dass die Hörner so immens und doch nicht in einer feststehenden Weise entwickelt worden sind — wie sich durch ihre ausserordentliche Variabilität in einer und derselben Species und durch ihre ausserordentliche Verschiedenartigkeit in nahe verwandten Species zeigt — ist die, dass sie zur Zierde erlangt worden sind. Diese Ansicht wird auf den ersten Blick äusserst unwahrscheinlich erscheinen; wir werden aber später bei vielen Thieren, welche in der Stufenleiter viel höher stehen, nämlich bei Fischen, Amphibien, Reptilien und Vögeln finden, dass verschiedene Arten von Leisten, Höckern, Hörnern und Kämmen allem Anscheine nach nur für diesen einen Zweck entwickelt worden sind.

Fig. 21. Onitis furcifer, Männchen, von unten gesehen.

Die Männchen von Onitis furcifer (Fig. 21) und einigen andern Arten der Gattung sind mit eigenthümlichen Vorsprüngen an den Oberschenkeln der Vorderbeine und mit einer grossen Gabel oder einem Paar Hörnern an der unteren Fläche des Thorax versehen. Nach andern Insecten [389] zu urtheilen, dürften dieselben das Männchen darin unterstützen, sich am Weibchen festzuhalten. Obgleich die Männchen auch nicht eine Spur von Hörnern an der oberen Fläche ihres Körpers darbieten, so ist doch bei den Weibchen ein Rudiment eines einfachen Horns auf dem Kopf (Fig. 22 a) und einer Leiste (b) am Thorax deutlich sichtbar.

Fig. 22. Linke Figur: das Männchen von Onitis furcifer, von der rechten Seite gesehen; die rechte Figur: das Weibchen. — a Rudiment des Horns am Kopfe; b Spur des Horns oder der Leiste am Thorax.

Dass die unbedeutende Thoraxleiste beim Weibchen ein Rudiment eines dem Männchen eigenthümlichen Vorsprungs ist, welcher freilich bei dem Männchen dieser besonderen Species vollständig fehlt, ist klar. Denn das Weibchen von Bubas bison, einer Onitis sehr nahe verwandten Form, hat eine ähnliche geringe Leiste am Thorax und das Männchen hat an derselben Stelle einen grossen Vorsprung. So kann ferner darüber kein Zweifel sein, dass der kleine Höcker (a) am Kopfe des weiblichen Onitis furcifer, ebenso wie bei den Weibchen zweier oder dreier verwandter Species, ein rudimentärer Repräsentant des am Kopfe stehenden Horns ist, welches den Männchen so vieler lamellicorner Käfer, wie z. B. Phanaeus (Fig. 18), häufig zukommt.

In diesem Falle bewährte sich der alte Glaube, dass Rudimente nur erschaffen worden sind, um das Schema der Natur zu vervollständigen, in einem Grade nicht, dass der gewöhnliche Zustand der Dinge in dieser Familie vollständig durchbrochen wird. Vernünftigerweise können wir vermuthen, dass die Männchen ursprünglich Hörner trugen und sie in einem rudimentären Zustande auf die Weibchen überlieferten, wie bei so vielen andern Lamellicorniern. Warum die Männchen später die Hörner verloren haben, wissen wir nicht; dies kann aber durch das Princip der Compensation verursacht worden sein, in Folge der Entwickelung der grossen Hörner und Vorsprünge an der untern Fläche; und da diese auf die Männchen beschränkt sind, werden hiernach die Rudimente der obern Hörner bei den Weibchen nicht zum Verschwinden gebracht worden sein.

[390] Die bisher mitgetheilten Fälle beziehen sieh auf die Lamellicornier; aber die Männchen einiger weniger anderen Käfer, welche zu zwei sehr weit von einander verschiedenen Gruppen gehören, nämlich den Curculioniden und Staphyliniden, sind mit Hörnern versehen, — bei den ersteren an der unteren Fläche des Körpers,[66] bei den letzteren an der oberen Fläche des Kopfes und Thorax. Bei den Staphyliniden sind die Hörner der Männchen einer und der nämlichen Species ausserordentlich variabel, genau so wie wir es bei den Lamellicorniern gesehen haben. Bei Siagonium haben wir einen Fall von Dimorphismus; denn die Männchen können in zwei Gruppen getheilt werden, welche bedeutend in der Grösse ihrer Körper und in der Entwickelung ihrer Hörner von einander abweichen ohne irgendwelche zwischenliegende Stufe. Bei einer Species von Bledius (Fig. 23). welche gleichfalls zu den Staphyliniden gehört, können an der nämlichen Oertlichkeit männliche Exemplare gefunden werden, wie Professur Westwood angibt, „bei welchen das centrale Horn des Thorax sehr gross ist, während die Hörner des Kopfes ziemlich rudimentär sind, und andere bei denen die Hörner des Thorax viel kürzer sind, während die Vorsprünge am Kopfe lang sind“.[67] Hier haben wir daher dem Anscheine nach ein Beispiel von Compensation, welches auf den eben mitgetheilten Fall von einem Verluste der oberen Hörner bei den Männchen von Onitis Licht wirft.

Fig. 23. Bledius aurus, vergrössert, Figur links: das Männchen, Figur rechts: das Weibchen.

Gesetz des Kampfes. — Einige männliche Käfer, welche zum Kampfe nur schlecht ausgerüstet zu sein scheinen, treten doch mit andern in einen Streit um den Besitz der Weibchen ein. Mr. Wallace[68] sah zwei Männchen von Leptorhyunchus angustatus, einem schmalen, [391] langen Käfer mit einem sehr verlängerten Rostrum, „die um ein Weibchen kämpften, welches dicht dabei emsig mit Bohren beschäftigt war. Sie stiessen einander mit ihren Rüsseln, kratzten und schlugen sich offenbar in der grössten Wuth“. Das kleinere indessen „rannte bald davon und gab sich dadurch als besiegt zu erkennen“. In einigen wenigen Fällen sind die Männchen gut zum Kämpfen ausgerüstet, und zwar durch den Besitz grosser, gezähnter Mandibeln, welche viel grösser als die der Weibchen sind. Dies ist bei dem gemeinen Hirschkäfer (Lucanus cervus) der Fall, dessen Männchen ungefähr eine Woche früher als die Weibchen aus der Puppe ausschlüpfen, so dass häufig mehrere Männchen zu sehen sind, welche ein und dasselbe Weibchen verfolgen. Um diese Zeit ereignen sich heftige Kämpfe zwischen ihnen. Als Mr. A. H. Davis[69] zwei Männchen mit einem Weibchen in einer Schachtel einschloss, knipp das grössere Männchen das kleinere so lange und so heftig, bis dieses seine Ansprüche aufgab. Ein Freund erzählte mir, dass er als Knabe oft die Männchen zusammengebracht, um sie kämpfen zu sehen, und dabei bemerkt habe, dass sie viel kühner und wüthender gewesen seien als die Weibchen, wie es ja auch bei den höheren Thieren bekanntlich der Fall ist. Die Männchen ergriffen seinen Finger, wenn er vor sie gehalten wurde, aber nicht so die Weibchen, obgleich sie stärkere Kiefer haben. Bei vielen der Lucaniden, ebenso wie bei dem vorhin erwähnten Leptorhynchus sind die Männchen grössere und kräftigere Insecten als die Weibchen. Die beiden Geschlechter von Lethrus cephalotes (einer der Lamellicornier) bewohnen eine und dieselbe Höhle, und das Männchen hat grössere Mandibeln als das Weibchen. Wenn ein fremdes Männchen während der Brunstzeit in die Höhle einzudringen versucht, so wird es angegriffen. Das Weibchen bleibt dabei nicht passiv, sondern schliesst die Oeffnung der Höhle und feuert sein Männchen dadurch an, dass es dasselbe beständig von hinten hervortreibt. Die ganze Handlung hört nicht eher auf, als bis der Angreifer getödtet ist oder davonläuft.[70] Die beiden Geschlechter eines andern lamellicornen Käfers, des Ateuchus cicatricosus, leben paarweise und scheinen sehr an einander zu hängen. Das Männchen treibt das Weibchen dazu an, die Kothballen [392] zu rollen, in denen die Eier abgelegt werden, und wenn das Weibchen entfernt wird, wird das Männchen sehr beunruhigt; wird dagegen das Männchen entfernt, so hört das Weibchen völlig auf zu arbeiten und würde, wie Mr. Brulerie[71] glaubt, auf ein und derselben Stelle bleiben, bis es stürbe.

Fig. 24. Chiasognathus Grantii, verkleinert. Obere Figur das Männchen, untere Figur das Weibchen.

Die grossen Mandibeln der männlichen Lucaniden sind in ausserordentlichem Grade sowohl der Grösse als der Structur nach variabel und sind in dieser Beziehung den Hörnern am Kopfe und Thorax vieler männlichen Lamellicornier und Staphyliniden ähnlich. Man kann von den bestausgerüsteten bis zu den schlechtest bedachten oder degenerirten Männchen eine vollkommene Reihe darstellen. Obgleich die Mandibeln des gemeinen Hirschkäfers und wahrscheinlich auch vieler anderen Species als wirksame Waffen im Kampfe benutzt werden, so ist es doch zweifelhaft, ob ihre bedeutende Grösse hierdurch erklärt werden kann. Wir haben gesehen, dass bei dem Lucanus elaphus von Nordamerica dieselben zum Ergreifen des Weibchens benutzt werden. Da sie so auffallend und elegant verzweigt und in Folge ihrer grossen Länge zum Kneipen nicht wohl geschickt sind, so ist mir zuweilen die Vermuthung durch den Kopf gegangen, dass sie den Männchen gleichfalls als Zierathen dienstbar seien, in derselben Weise wie die Hörner am Kopfe und Thorax der verschiedenen oben beschriebenen Species. Der männliche Chiasognathus Grantii von Süd-Chile, ein prachtvoller, zu derselben Familie gehöriger Käfer, hat enorm entwickelte Mandibeln (Fig. 24) und ist kühn und kampfsüchtig. Wird er von irgend einer Seite her bedroht, so dreht er sich herum, öffnet seine grossen Kiefern und beginnt [393] zu derselben Zeit ein lautes stridulirendes Geräusch zu machen. Seine Mandibeln waren aber nicht kräftig genug, meinen Finger so zu kneipen, dass ich einen wirklichen Schmerz empfunden hätte.

Geschlechtliche Zuchtwahl, welche den Besitz eines beträchtlichen Wahrnehmungsvermögens und starker leidenschaftlicher Empfindungen voraussetzt, scheint bei den Lamellicorniern eine grössere Wirksamkeit entfaltet zu haben als bei irgend einer andern Familie der Coleoptern oder Käfer. Bei einigen Species sind die Männchen mit Waffen zum Kampfe ausgerüstet; einige leben in Paaren und zeigen gegenseitige Anhänglichkeit; viele haben das Vermögen, Laute von sich zu geben, wenn sie erregt werden; viele sind mit den ausserordentlichsten Hörnern versehen, offenbar zum Zwecke eines Schmucks. Einige ihrer Lebensweise nach als Tagformen zu bezeichnende sind prächtig gefärbt; und endlich gehören mehrere der grössten Käfer in der Welt zu dieser Familie, welche von Linné und Fabricius an die Spitze der ganzen Ordnung der Coleoptern gestellt wurde.[72]

Stridulationsorgane. — Käfer, welche zu vielen und sehr von einander verschiedenen Familien gehören, besitzen derartige Organe. Der Laut kann zuweilen in der Entfernung mehrerer Fuss oder selbst Yards[73] gehört werden, ist aber nicht mit dem von den Orthoptern hervorgebrachten zu vergleichen. Der Theil, welchen man die Raspel nennen könnte, besteht allgemein aus einer schmalen, leicht erhobenen Fläche, welche von sehr feinen parallelen Rippen gekreuzt wird, die zuweilen so fein sind, dass sie iridescirende Farben hervorbringen und unter dem Mikroskope eine sehr elegante Erscheinung darbieten. In manchen Fällen, z. B. bei Typhoeus, kann deutlich gesehen werden, dass äusserst kleine borstige, schuppenartige Vorsprünge, welche die ganze umgebende Fläche in annähernd parallelen Linien bedecken, in die Rippen der Raspel übergehen. Der Uebergang findet so statt, dass die Linien zusammenfliessen, gerade und gleichzeitig vorspringend und glatt werden. Eine harte Leiste an irgend einem benachbarten Theile des Körpers, welcher indess in einigen Fällen speciell für diesen Zweck modificirt ist, dient als Kratzer für die Raspel. Dieser Kratzer wird schnell quer über die [394] Raspel bewegt oder auch umgekehrt die Raspel quer über den Kratzer.

Fig. 25. Necrophorus (nach Landois). r die beiden Reibzeuge oder Raspeln. Linke Figur: ein Theil der Raspel stark vergrössert.

Diese Organe sind an sehr verschiedenen Stellen des Körpers angebracht. Beim Todtengräber (Necrophorus) finden sich zwei parallele Raspeln (r Fig. 25) an der dorsalen Oberfläche des fünften Abdominalsegments, wobei jede Raspel oder jedes Reibzeug aus 126 bis 140 feinen Rippen besteht.[74] Diese Rippen werden gegen die hinteren Ränder der Flügeldecken gerieben, von denen ein kleines Stück über die allgemeinen Contouren vorspringt. Bei vielen Crioceriden und bei Clythra quadripunctata (einer der Chrysomeliden) und bei einigen Tenebrioniden etc.[75] liegt das Reibzeug auf der dorsalen Spitzenfläche des Abdomen, auf dem Pygidium oder Propygidium, und wird wie in dem obigen Falle von den Flügeldecken gerieben. Bei Heterocerus, welcher zu einer andern Familie gehört, liegen die Reibzeuge an den Seiten des ersten Abdominalsegments und werden von Leisten an den Oberschenkeln gerieben.[76] Bei gewissen Curculioniden und Carabiden[77] sind die betreffenden Theile in Bezug [395] auf ihre Stellung gerade umgekehrt; denn das Reibzeug liegt hier an der unteren Fläche der Flügeldecken in der Nähe ihrer Spitzen oder ihren äusseren Rändern entlang und die Kanten der Abdominalsegmente dienen als Reiber. Bei Pelobius Hermanni (einem der Dytisciden oder Wasserkäfer) läuft eine starke Leiste parallel und nahe dem Nahtrande der Flügeldecken und wird von Rippen gekreuzt, die in dem mittleren Theile grob, aber nach den beiden Enden hin und besonders nach dem oberen Ende zu allmählich immer feiner werden. Wird dieses Insect unter Wasser oder in der Luft festgehalten, so wird ein stridulirendes Geräusch durch Reiben des äussersten hornigen Randes des Abdomen gegen das Reibzeug hervorgebracht. Bei einer grossen Anzahl von longicornen Käfern liegen die Organe wieder durchaus verschieden. Das Reibzeug findet sich hier am Mesothorax, welcher gegen den Prothorax gerieben wird. Landois zählte 238 sehr feine Rippen an dem Reibzeuge von Cerambyx heros.

Fig. 26. Hinterbein von Geotrupes stercorarius (nach Landois). r. Reibzeug; e. Coxy; f. Femur; t. Tibia; tr: Tarsi.

Viele Lamellicornier haben das Vermögen, Laute hervorzubringen. Die betreffenden Organe weichen in Bezug auf ihre Lage sehr von einander ab. Einige Species striduliren sehr laut, so dass, als Mr. F. Smith einen Trox sabulosus gefangen hatte, ein dabei stehender Wildwart glaubte, er habe eine Maus gefangen. Ich bin aber nicht im Stande gewesen, die betreffenden Organe bei diesem Käfer nachzuweisen. Bei Geotrupes und Typhoeus läuft eine schmale Leiste schräg (r Fig. 26) über die Coxa jedes Hinterbeins (und hat bei G. stercorarius vierundachtzig Rippen), welche von einem speciell hierzu vorspringenden Theile eines der Abdominalsegmente gerieben werden. Bei dem nahe verwandten Copris lunaris läuft eine ausserordentlich schmale feine Raspel dem Nahtrande der Flügeldecken entlang mit einer andern kurzen Raspel nahe dem basalen Aussenrande. Aber bei einigen andern Coprinen liegt der Angabe von Leconte[78] zufolge das Reibzeug auf der dorsalen Oberfläche des Abdomen. Bei Oryctes ist es [396] auf dem Propygidium gelegen und der Angabe desselben Entomologen zufolge bei einigen andern Dynastinen an der unteren Fläche der Flügeldecken. Endlich gibt Westring an, dass bei Omaloplia brunnea das Reibzeug an dem Prosternum, der Reiber an dem Metasternum gelegen sei. Hier nehmen also diese Theile die untere Fläche des Körpers ein, statt wie bei den Longicorniern auf der oberen Fläche gelegen zu sein.

Wir sehen hieraus, dass die Stridulationsorgane in den verschiedenen Familien der Coleoptern der Lage nach wunderbar verschiedenartig sind, aber nicht so bedeutend der Structur nach. Innerhalb einer und derselben Familie sind einige Species mit diesen Organen versehen und einigen fehlen dieselben vollständig. Diese Verschiedenartigkeit wird verständlich, wenn wir annehmen, dass ursprünglich verschiedene Species ein reibendes oder zischendes Geräusch durch das Aufeinanderreiben der harten und rauhen Theile ihrer Körper, die zufällig mit einander in Berührung waren, hervorbrachten, und dass in Folge des Umstandes, dass der hierdurch hervorgebrachte Laut in irgendwelcher Weise nützlich war, die rauhen Stellen allmählich in regelmässige Stridulationsorgane entwickelt wurden. Einige Käfer bringen, wenn sie sich bewegen, entweder absichtlich oder unabsichtlich jetzt ein reibendes Geräusch hervor, ohne irgend besondere Organe zu diesem Zwecke zu besitzen. Mr. Wallace theilt mir mit, dass der Euchirus longimanus (ein Lamellicornier, dessen Vorderbeine beim Männchen wunderbar verlängert sind) „während er sich bewegt, ein leises, zischendes Geräusch durch das Vorstrecken und das Nachziehen des Abdomen hervorbringt, und wenn er ergriffen wird, bringt er ein kratzendes Geräusch hervor dadurch, dass er seine Hinterbeine gegen die Kanten der Flügeldecken reibt“. Das zischende Geräusch wird ganz offenbar hervorgebracht durch ein schmales, feilenartiges Reibzeug, welches dem Nahtrande jeder Flügeldecke entlang läuft; und ich konnte in gleicher Weise das kratzende Geräusch hervorbringen, als ich die chagrinirte Oberfläche des Oberschenkels gegen den granulirten Rand der entsprechenden Flügeldecke rieb. Ich konnte aber hier kein eigentlich feilenartiges Reibzeug entdecken, auch ist es nicht wahrscheinlich, dass ich dasselbe bei einem Insect von dieser Grösse übersehen haben sollte. Nach den Untersuchungen von Cychrus und nach dem, was Westring in seinen zwei Abhandlungen über diesen Käfer geschrieben bat, scheint [397] es sehr zweifelhaft, ob derselbe irgend ein echtes Reibzeug besitzt, trotzdem er das Vermögen hat, einen Laut hervorzubringen.

Nach der Analogie mit den Orthoptern und Homoptern erwartete ich auch bei den Coleoptern zu finden, dass die Stridulationsorgane je nach dem Geschlecht verschieden seien. Doch hat Landois, welcher mehrere Species sorgfältig untersucht hat, keine solche Verschiedenheit gefunden, ebensowenig Westring und Mr. G. R. Crotch, welcher letztere die Freundlichkeit gehabt hat, zahlreiche Präparate zu machen, die er mir zur Untersuchung mitgetheilt hat. Es würde indessen schwer sein, irgendwelche unbedeutende geschlechtliche Verschiedenheit hier nachzuweisen wegen der grossen Variabilität dieser Organe. So war bei dem ersten Paare von Necrophorus humator und von Pelobius, welches ich untersuchte, das Reibzeug beim Männchen beträchtlich grösser als beim Weibchen; bei später untersuchten Exemplaren war dies aber nicht der Fall. Bei Geotrupes stercorarius schien mir das Reibzeug bei drei Männchen dicker, opaker und vorspringender zu sein als bei derselben Zahl von Weibchen. In Folge dessen sammelte mein Sohn, Mr. F. Darwin, um nachzuweisen, ob die Geschlechter in ihrem Stridulationsvermögen von einander abweichen, siebenundfünfzig lebende Exemplare, welche er in zwei Gruppen theilte, je nachdem sie in derselben Art und Weise gehalten ein grösseres oder unbedeutenderes Geräusch machten. Er untersuchte dann ihr Geschlecht, fand aber, dass die Männchen in beiden Theilen sich sehr nahe in demselben Verhältnisse zu den Weibchen befanden. Mr. F. Smith hat zahlreiche Exemplare von Mononychus pseudacori (ein Curculionide) lebendig gehalten und ist überzeugt, dass beide Geschlechter Laute hervorbringen, und zwar dem Anscheine nach in gleichem Grade.

Nichtsdestoweniger ist das Stridulationsvermögen sicher bei einigen wenigen Coleoptern ein sexueller Character. Mr. Crotch hat die Entdeckung gemacht, dass nur die Männchen zweier Species von Heliopathes (Tenebrionidae) Stridulationsorgane besitzen. Ich untersuchte fünf Männchen von Heliopathes gibbus und bei allen diesen fand sich ein wohlentwickeltes Reibzeug, zum Theil in zwei getheilt, an der dorsalen Fläche des terminalen Abdominalsegments, während in derselben Anzahl von Weibchen auch nicht ein Rudiment des Reibzeugs zu finden, die häufige Bedeckung des Segments im Gegentheil durchscheinend und viel dünner als beim Männchen war. Bei [398] H. cribratostriatus besitzt das Männchen ein ähnliches Reibzeug, ausgenommen, dass es nicht theilweise in zwei Abtheilungen getrennt ist; und dem Weibchen fehlt dieses Organ vollständig. Aber ausserdem hat das Männchen noch an den Spitzenrändern der Flügeldecken auf jeder Seite der Naht drei oder vier kurze Längsleisten, welche von äusserst feinen Rippen gekreuzt werden, die parallel mit den auf dem abdominalen Reibzeug und diesem ähnlich sind. Ob diese Leisten als ein selbständiges Reibzeug oder als ein Reiber für das Abdominalreibzeug dienen, konnte ich nicht nachweisen. Das Weibchen bietet nicht die Spur von dieser letzteren Bildung dar.

Wir haben ferner bei drei Species des lamellicornen Genus Oryctes einen nahezu parallelen Fall. Bei dem Weibchen des O. gryphus und nasicornis sind die Rippen auf den Reibzeugen des Propygidiums weniger continuirlich und weniger deutlich als beim Männchen. Die hauptsächlichste Verschiedenheit liegt aber darin, dass die ganze Oberfläche dieses Segments, wenn sie in dem gehörigen Lichte gehalten wird, dicht mit Haaren bekleidet erscheint, welche bei den Männchen fehlen oder durch ausserordentlich feinen Flaum dargestellt werden. Es muss bemerkt werden, dass bei allen Coleoptern der wirksame Theil des Reibzeugs von Haaren entblösst ist. Bei O. senegalensis ist die Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern schärfer markirt, und dies ist am besten zu sehen, wenn das betreffende Segment gereinigt und als durchscheinendes Object betrachtet wird. Beim Weibchen ist die ganze Oberfläche mit kleinen separaten Leisten bedeckt, welche Dornen tragen, während beim Männchen diese Leisten, je weiter sie nach der Spitze zu sich finden, immer mehr und mehr zusammenfliessen, regelmässig und nackt werden, so dass drei Viertel des Segments mit äusserst feinen parallelen Rippen bedeckt werden, welche beim Weibchen vollständig fehlen. Man kann indessen bei den Weibchen aller drei Species von Oryctes, wenn das Abdomen eines aufgeweichten Exemplars vorwärts und rückwärts gezogen wird, einen leichten kratzenden oder stridulirenden Laut hervorbringen.

Was Heliopathes und Oryctes betrifft, so lässt sich kaum daran zweifeln, dass die Männchen den stridulirenden Laut hervorbringen, um die Weibchen zu rufen oder zu reizen; aber bei den meisten Käfern dient dem Anscheine nach die Stridulation beiden Geschlechtern [399] als gegenseitiger Lockruf. Käfer striduliren bei verschiedenen Erregungen in derselben Art wie Vögel ihre Stimme zu verschiedenen Zwecken benutzen ausser dem an ihre Genossen gerichteten Gesange. Der grosse Chiasognathus stridulirt aus Aerger oder zur Herausforderung, viele Species thun dasselbe in der Angst oder Furcht, wenn sie so gehalten werden, dass sie nicht entschlüpfen können. Die Herren Wollaston und Crotch waren im Stande, durch Klopfen an die hohlen Baumstämme auf den Canarischen Inseln die Gegenwart von Käfern, die zur Gattung Acalles gehören, durch ihre Stridulation zu entdecken. Endlich bringt der männliche Ateuchus seinen Laut hervor, um das Weibchen in seiner Arbeit zu ermuthigen, und aus Unruhe, wenn dasselbe entfernt wird.[79] Einige Naturforscher glauben, dass die Käfer diesen Laut hervorbringen, um ihre Feinde damit fortzuschrecken; ich kann aber nicht glauben, dass ein Vierfüsser oder Vogel, welcher im Stande ist, einen grossen Käfer zu verschlingen, durch ein so unbedeutendes Geräusch weggeschreckt werden könne. Die Annahme, dass die Stridulation als ein geschlechtlicher Lockruf dient, wird durch die Thatsache unterstützt, dass die Individuen der Todtenuhr, Anobium tesselatum, bekanntlich das Klopfen unter einander beantworten oder, wie ich selbst beobachtet habe, selbst auf ein künstlich gemachtes klopfendes Geräusch antworten. Mr. Doubleday theilt mir auch mit, dass er zwei oder drei Mal beobachtet habe, wie ein Weibchen klopfte,[80] und im Verlaufe von einer oder zwei Stunden fand er es mit einem Männchen vereint und bei einer Gelegenheit sogar von mehreren Männchen umgeben. Endlich erscheint es wahrscheinlich, dass die beiden Geschlechter vieler Arten von Käfern zunächst in den Stand gesetzt [400] wurden, durch das unbedeutende reibende Geräusch, welches durch das Reiben der benachbarten Theile ihres harten Körpers auf einander hervorgerufen wurde, einander zu finden, und dass in dem Maasse als die Männchen oder die Weibchen, welche das stärkste Geräusch machten, den besten Erfolg beim Finden von Genossen hatten, die Rauhigkeiten an verschiedenen Theilen ihrer Körper allmählich durch geschlechtliche Zuchtwahl zu echten Stridulationsorganen entwickelt wurden.


  1. Sir J. Lubbock, Transact. Linnean. Soc. Vol. XXV 1866, p. 484. In Bezug auf die Mutilliden s. Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. II. p. 213.
  2. Diese Organe der Männchen sind häufig bei nahe verwandten Species verschieden und bieten ausgezeichnete specifische Merkmale dar. Doch ist von einem functionellen Gesichtspunkte aus, wie mir Mr. R. MacLachlan bemerkt hat, ihre Bedeutsamkeit wahrscheinlich überschätzt worden. Es ist die Vermuthung aufgestellt worden, dass unbedeutende Verschiedenheiten in diesen Organen genügen würden, die Kreuzung gut ausgesprochener Varietäten oder beginnender Species zu verhindern, und daher die Entwicklung solcher befördern würden. Dass dies aber schwerlich der Fall sein kann, können wir aus den vielen mitgetheilten Fällen schliessen, wo verschiedene Species in der Begattung gesehen worden sind (s. z. B. Bronn, Geschichte der Natur. Bd. 2. 1843, S. 164 und Westwood, in: Transact. Entomol. Soc. Vol. III. 1842, p. 195). Mr. MacLachlan theilt mir mit (s. Stettiner Entomolog. Zeitung. 1867, S. 155), dass, als von Dr. Aug. Meyer mehrere Species von Phryganiden, welche scharf ausgesprochene Verschiedenheiten dieser Art darbieten, zusammen gefangen gehalten wurden, sie sich begatteten und das eine Paar befruchtete Eier producirte.
  3. The Practical Entomologist. Philadelphia. Vol. II. May, 1867. p. 88.
  4. Mr. Walsh, a. a. O. p. 107.
  5. Modern Classification of Insects. Vol. II. 1840, p. 205, 206. Mr. Walsh, welcher meine Aufmerksamkeit auf diesen doppelten Gebrauch der Kinnladen lenkte, sagt, dass er wiederholt diese Thatsache beobachtet habe.
  6. Wir haben hier einen merkwürdigen und unerklärlichen Fall von Dimorphismus; denn einige Weibchen von vier europäischen Species von Dytiscus und gewisser Species von Hydroporus haben glatte Flügeldecken; und intermediäre Abstufungen zwischen gefurchten oder puncturirten und völlig glatten Flügeldecken sind nicht beobachtet worden, s. Dr. H. Schaum, citirt im „Zoologist“ Vol. V—VI, 1847—48. p. 1896; auch Kirby und Spence, Introduction to Entomology. Vol. III. 1826, p. 305.
  7. Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. II. p. 193. Die folgende Angabe in Bezug auf Penthe und andere in Anführungszeichen mitgeteilte sind aus Walsh, Practical Entomologist. Philadelphia. Vol. II, p. 88 entnommen.
  8. Kirby and Spence. Introduction to Entomology. Vol. III. p. 332-336.
  9. Insecta Maderensia. 1854, p. 20.
  10. E. Doubleday, in: Annals and Magaz. of Natur. Hist. Vol. I 1818, p. 379. Ich will hier noch hinzufügen, dass bei gewissen Hymenoptern (s. Shuckard, Fossorial Hymenoptera. 1837, p. 39-43) die Flügel nach dem Geschlechte in der Aderung verschieden sind.
  11. H. W. Bates in: Journal of Proceed. Linnean Soc. Vol. VI. 1862. p. 74. Mr. Wonfor's Beobachtungen werden citirt in: Popular Science Review. 1868. p. 343.
  12. The Naturalist in Nicaragua, 1874, p. 316—320. Ueber das Phosphoresciren der Eier s. Annals and Mag. of Nat. Hist. 1871. Nov., p. 372.
  13. Robinet, Vers à Soie. 1848, p. 207.
  14. Transact. Entomol. Soc. 3. Series. Vol. V. p. 486.
  15. Journal of Proceed. Entomol. Soc. 4. Febr. 1867, p. LXXI.
  16. In Bezug auf diese und andere Angaben über die Grösse der Geschlechter s. Kirby and Spence, Introduction etc. Vol. III. p. 300; über die Lebensdauer bei Insecten s. ebenda p. 314.
  17. Transact. Linnean Soc. Vol. XXVI. 1868, p. 296.
  18. The Malay Archipelago. Vol. II. 1809, p. 313.
  19. Modern Classification of Insects. Vol. II. 1840. p. 526.
  20. Anwendung d. Darwinschen Lehre etc. in: Verhdlg. d. nat. Ver. d. preuss. Rheinl. 20. Jahrg., p. 80. Mayer, in: American Naturalist, 1874, p. 236.
  21. s. Mr. B. T. Lowne's sehr interessantes Werk: On the Anatomy of the Blow-Fly, Musca vomitoria. 1870, p. 14. Er bemerkt (p. 33), dass „die gefangenen Fliegen einen eigenthümlichen klagenden Ton ausstossen und dass dieser Ton das Verschwinden anderer Fliegen verursacht“.
  22. Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. II, p. 473.
  23. Diese Einzelnheiten sind entnommen aus Westwood's Modern Classification of Insects. Vol. II. 1840, p. 422. s. auch über die Fulgoriden Kirby and Spence, Introduction etc. Vol. II, p. 401.
  24. Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. Bd. 17. 1867, S. 152-158.
  25. Transact. New Zealand Institut. Vol. V. 1873, p. 286.
  26. Für diesen Auszug aus einem „Journal of the Doings of Cicada septemdecim“ von Dr. Hartman bin ich Mr. Walsh verbunden.
  27. L. Guilding in: Transact. Linnean Soc. Vol. XV, p. 154.
  28. Ich führe dies nach der Gewähr von Köppen, Ueber die Heuschrecken in Südrussland, 1866, p. 32, an; ich habe mich vergebens bemüht, mir Körte's Buch zu verschaffen.
  29. Gilbert White, Natur. History of Selborne. Vol. II. 1825, p. 262.
  30. Harris, Insects of New England. 1842, p. 128.
  31. The Naturalist on the Amazons. Vol. I. 1863, p. 252. Mr. Bates gibt eine sehr interessante Erörterung über die Abstufungen in der Entwickelung der Stimmorgane der drei Familien; s. auch Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. II, p. 445 und 453.
  32. Proceed. Boston Soc. of Natur. History. Vol. XI. April 1868.
  33. Lehrbuch der vergleichenden Anatomie. Bd. I. 1848, S. 583.
  34. Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. Bd. 17. 1867, S. 117.
  35. Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. I. p. 440.
  36. Ueber den Tonapparat der Locustiden, ein Beitrag zum Darwinismus, in: Zeitschr. f. wissensch. Zoologie. Bd. 22. 1872, p. 100.
  37. Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. I, p. 453.
  38. Landois a. a. O. S. 121, 122.
  39. Mr. Walsh theilt mir auch mit, wie er bemerkt habe, dass das Weibchen von Platyphyllum concavum, „wenn es gefangen wird, ein schwaches kratzendes Geräusch durch das Reiben der beiden Flügeldecken aufeinander hervorbringe“.
  40. Landois, a. a. O. S. 113.
  41. Insects of New England. 1842, p. 133.
  42. Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. I. p. 462.
  43. Landois hat neuerdings bei gewissen Orthoptern rudimentäre Bildungen gefunden, welche den lauterzeugenden Organen bei den Homoptern sehr ähnlich sind; dies ist eine überraschende Thatsache. s. Zeitschr. f. wissensch. Zool. Bd. 22. Hft. 3. 1871. p. 348.
  44. Transact. Entomol. Soc. 3. Series. Vol. II. Journal of Proceedings. p. 117.
  45. Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. 1. p. 427, wegen der Grillen, p. 445.
  46. Ch. Horne in Proceed. Entomolog. Soc, 3. May, 1869, p. XII.
  47. Der Oecanthus nivalis. Harris, Insects of New-England. 1842, p. 124. Die beiden Geschlechter des europäischen Oe. pellucidus weichen, wie ich von Victor Carus höre, in nahezu derselben Art von einander ab.
  48. Platyblemmus: Westwood, Modern Classificat. Vol. I, p. 447.
  49. B. D. Walsh, The Pseudo-Neuroptera of Illinois, in: Proceed. Entomol. Soc. of Philadelphia, 1862, p. 361.
  50. Modern Classification etc. Vol. II, p. 37.
  51. Walsh, a. a. O. p. 381. Ich bin diesem Forscher für Mittheilung der folgenden Thatsachen in Bezug auf Hetaerina, Anax und Gomphus verbunden.
  52. Transact. Entomol. Soc. Vol. I, 1836. p. LXXXI.
  53. s. den Auszug in dem Zoological Record for 1867, p. 450.
  54. Kirby and Spence, Introduction to Entomology. Vol. II. 1818, p. 35.
  55. Houzeau, les Facultés Mentales etc. Tom. I, p. 104.
  56. s. einen interessanten Artikel: The Writings of Fabre, in: Natur. History Review. April, 1862, p. 122.
  57. Journal of Proceed. Entomolog. Soc. Sept. 7., 1863, p. 169.
  58. P. Huber. Recherches sur les moeurs des Fourmis. 1810 p. 150, 165.
  59. Proceed. Entomolog. Soc. of Philadelphia. 1866, p. 238—239.
  60. Anwendung der Darwin'schen Lehre auf Bienen, a. a. O.
  61. Offenbar ohne viel über den Gegenstand nachgedacht zu haben, wirft Mr. Perrier in seinem Artikel „la Sélection sexuelle d'après Darwin“ (Revue scientifique, Febr, 1873, p. 868) hier ein, dass die Männchen socialer Bienen, welche sich bekanntermaassen aus nicht befruchteten Eiern entwickeln, neue Charactere nicht ihren männlichen Nachkommen überliefern können. Dies ist ein ausserordentlich seltsamer Einwurf. Eine weibliche Biene, welche von einem Männchen befruchtet wurde, das gewisse die Vereinigung der Geschlechter erleichternde oder dasselbe für das Weibchen anziehender machende Charactere darbot, wird Eier legen, aus denen sich nur Weibchen entwickeln; aber diese jungen Weibchen werden nächstes Jahr Männchen hervorbringen; und wird man behaupten mögen, dass solche Männchen Charactere ihrer Grossväter väterlicher Seite nicht erben werden? Um einen so nahe parallelen Fall als möglich von andern Thieren anzuführen: wenn das Weibchen irgend eines weissen Säugethiers oder Vogels mit dem Männchen einer schwarzen Rasse gekreuzt würde und die männlichen und weiblichen Nachkommen würden mit einander gepaart, wird man behaupten wollen, dass die Enkel nicht eine Neigung zur schwarzen Farbe von ihrem Grossvater väterlicher Seite erben? Das Erlangen neuer Charactere von sterilen Arbeiterbienen ist ein viel schwierigerer Fall; ich habe aber in meiner „Entstehung der Arten“ zu zeigen versucht, wie diese sterilen Wesen der Thätigkeit der natürlichen Zuchtwahl unterliegen.
  62. citirt von Westwood in: Modern Classification of Insects. Vol. II, p. 214.
  63. Pyrodes pulcherrimus, bei welcher Art die Geschlechter auffallend von einander verschieden sind, ist von Mr. Bates in den Transact. Entomolog. Soc. 1869. p. 50, beschrieben worden. Ich will hier noch die wenigen anderen Fälle anführen, bei denen ich eine Verschiedenheit der Farbe zwischen den beiden Geschlechtern bei Käfern habe erwähnen hören. Kirby und Spence führen (Introduction to Entomology. Vol. III. p. 301) eine Cantharis, Meloë, ein Rhagium und die Leptura testacea an; das Männchen der letzteren ist bräunlich mit einem schwarzen Thorax, das Weibchen durchaus schmutzig roth. Diese beiden letzten Käfer gehören zur Ordnung der Longicornia. Die Herren R. Trimen und Waterhouse jun. nennen mir zwei Lamellicornier, nämlich eine Peritrichia und einen Trichius; das Männchen des letzteren ist dunkler gefärbt als das Weibchen. Bei Tillus elongatus ist das Männchen schwarz, das Weibchen dagegen, wie angenommen wird, immer dunkelblau gefärbt mit einem rothen Thorax. Wie ich von Mr. Walsh höre, ist auch das Männchen von Orsodacna atra schwarz, während das Weibchen (die sogenannte O. ruficollis) einen röthlich braunen Thorax hat.
  64. Proceed. Entomolog. Soc. of Philadelphia. 1864, p. 228.
  65. Kirby and Spence. Introduction to Entomology. Vol. III. p. 300.
  66. Kirby and Spence, Introduction to Entomology. Vol. III, p 329.
  67. Modern Classification of Insects. Vol. I. p. 172. Auf derselben Seite wird auch Siagonium geschildert. Im British Museum bemerkte ich ein männliches Exemplar von Siagonium, welches einen intermediären Zustand darbot, so dass der Dimorphismus nicht streng durchgeführt ist.
  68. The Malay Archipelago. Vol. II. 1869, p. 276. Riley, Sixth Report on Insects of Missouri, 1874, p.115.
  69. Entomological Magazine. Vol. I. 1833, p. 82. s. auch in Bezug auf die Kämpfe dieser Species: Kirby and Spence, Introduction etc. Vol. III, p. 314 und Westwood, Modern Classification. Vol. I. p. 187.
  70. Citirt aus Fischer in: Dictionaire class. d'Hist. Nat. Tom. X, p. 324.
  71. Annales Soc. Entomol. de Franc. 1866, citirt in Journal of Travel by A. Murray. 1868, p. 135.
  72. Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. I. p. 184.
  73. Wollaston, On certain musical Curculionidae in: Annals and Magaz. of Natur. Hist. Vol. VI. 1860. p. 14.
  74. Landois, in: Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. 17. 1867, S. 127.
  75. Ich bin Mr. G. R. Crotch sehr dafür verbunden, dass er mir zahlreiche Präparate von verschiedenen Käfern dieser drei sowohl, als anderer Familien, ebenso wie werthvolle Information aller Art mitgetheilt hat. Er glaubt, dass das Stridulationsvermögen bei Clythra früher noch nicht beobachtet worden ist. Auch Mr. E. W. Janson bin ich für Mittheilungen und für Präparate Dank schuldig. Ich will hinzufügen, dass mein Sohn, Mr. F. Darwin, gefunden hat, dass Dermestes murinus stridulirt; er hat aber vergebens nach dem betreffenden Apparate gesucht. Neuerdings ist auch Scolytus von Dr. Chapman als ein schrillender Käfer beschrieben worden in: Entomologist's Monthly Magazine, Vol. VI. p. 130.
  76. Schiödte, übersetzt in: Annals and Magaz. of Natur. Hist. Vol. XX. 1867, p 87.
  77. Westring hat in Kröyer's Naturhistor. Tidskrift. Bd. 2. 1848-49, p. 334 die Stridulationsorgane sowohl von diesen beiden als auch von andern Familien beschrieben. Unter den Carabiden habe ich Elaphrus uliginosus und Blethisa multipunctata, die mir Mr. Crotch übersandt hatte, untersucht. Bei Blethisa kommen die queren Leisten an dem gefurchten Rande des Abdominalsegments, soviel ich es beurtheilen kann, nicht mit beim Kratzen der Reibzeuge auf den Flügeldecken in's Spiel.
  78. Mr. Walsh, von Illinois, ist so gut gewesen, mir Auszüge von Leconte's Introduction to Entomology. p. 101, 143 zu schicken, wofür ich ihm sehr verbunden bin.
  79. M. P. de la Brulerie, citirt in: Journal of Travel by A. Murray. Vol. I. 1868, p. 135.
  80. Mr. Doubleday theilt mir mit, dass „das Geräusch von dem Insect dadurch hervorgebracht wird, dass es sich so hoch auf seinen Beinen erhebt, als es nur kann, und dann seinen Thorax fünf- oder sechsmal in rapider Aufeinanderfolge gegen die Unterlage aufstösst, auf welcher es sitzt“. Wegen Nachweisungen über diesen Gegenstand s. Landois in: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie Bd. 17, S. 131. Olivier sagt (nach dem Citat bei Kirby and Spence, Introduction etc. Vol. II, p. 395), dass das Weibchen von Pimelia striata einen ziemlich lauten Ton hervorbringt durch das Aufschlagen ihres Abdomen gegen irgend eine harte Substanz „und dass das Männchen, dieses Rufes gewärtig, ihr bald aufwartet und sie sich paaren“.
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