Textdaten
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Autor: Georg Queri
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Titel: Der schönere Traum
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aus: Die Schnurren des Rochus Mang, S. 58-61
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Auflage:
Entstehungsdatum: 1909
Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag: Berthold Sutter
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Erscheinungsort: München
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Quelle: Scans auf commons
Kurzbeschreibung:
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[58] Der schönere Traum

Wie der Klauberer Toni geheirat hat, ist er zum Wirt gangen und hat gesagt: „Da muß ein Essen her an meiner Hochzet, daß es kein schöneres nie nit geben hat.“

„Ist gut“, hat der Wirt gesagt, „dann mach ich zuerst ein Voressen, dann Leberknödel, dann einen schweinernen Braten und dann – weißt, was ich dann noch mach?“

„Einen Zwetschgenkuchen?“

„Noch höher!“

„Ein Gselchtes gar mit Kraut?“

„Noch höher!“

„Itzt bleibt mir aber der Verstand still. Was willst dann noch machen?“

„Eine Gans!“

„Eine Gans!“

Der Klauberer ist im ganzen Dorf umeinand gerennt und hat gesagt: „Ein Essen laß ich machen an meiner Hochzet, wie es kein schöneres nie nit geben hat. Und am Schluß gibt es noch einen Gansbraten!“

„Einen Gansbraten!“ haben dann die Leut gesagt, „der Klauberer kriegt einen Gansbraten!“

Der Quirinhäusler aber hat gebrummt: „Einen Gansbraten hab ich noch nie nit gegessen. So einen möcht ich schon ganz gern. Und wann ein Trumm von der ewigen [59] Seligkeit draufgehen müßt – aber so einen Gansbraten möcht ich auch einmal essen!“

Sagt der Partenhauser: „Ich wüßt schon, wie man zu dem Gansbraten kommen tät!“

„Ja“, klagt der Quirinhäusler, „wann man halt das Geld hätt, einen zu kaufen. Oder wann man in der Verwandtschaft wär und er müßt einen zur Hochzet laden, der Glauberer Toni.“

„Und wann man nit zur Verwandtschaft gehören tät, und wann man nit das Geld hätt?“

„Alsdann wüßt ich nit, wie man zu einem Gansbraten käm!“

„So? Nit tätst es wissen? – Und wann man ihn aber stehlen tät, den Gansbraten?“

„Stehlen? Unser lieber Herrgott verzeih mir die Sünd!“

„So? Und tätst ein Trumm von der ewigen Seligkeit um einen Gansbraten geben? Weißt was: ich stehl ihn, den Gansbraten!“

Und hat ihn richtig aus der Kuchel beim Wirt gestohlen, der Partenhauser. Hat ihn heimtragen und hat zum Quirinhäusler gesagt: „Schau her, das ist er, der Gansbraten. Und wann er kalt ist, dann schmeckt er am besten. Morgen will ich ihn essen. Und heut will ich die ganze Nacht träumen von dem Gansbraten, da darfst auch mitträumen und das kostet noch kein Trumm von der ewigen Seligkeit.“

Und hat sich niedergelegt. Der Quirinhäusler nicht.

[60] „Warum legst Dich nit nieder, Quirinhäusler?“

„Weil ich in der Angst bin um die ewig Seligkeit.“

„Dann bleib nur in der Angst. Ich schlaf und wann ich aufwach, dann freß ich die Gans.“

Wie der Partenhauser aufgewacht ist, sieht er den Quirinhäusler neben sich liegen, so brav, so geruhig und so zufrieden. Weil er halt ein so viel gutes Gewissen hat. Der hat halt die Gans nicht gestohlen. Das ärgert ihn, den Partenhauser. „Der soll auch nit so ruhig sein in seinem Gewissen. Ein Trumm muß ihm draufgehen von der ewigen Seligkeit!“

Und weckt ihn auf und sagt: „Quirinhäusler, itzt sollst die Hälft haben von der Gans, wann Du einen schönern Traum gehabt hast in der Nacht als wie ich!“

„So verzähl Deinen Traum!“ sagt der Quirinhäusler.

„Ja“, lacht der Partenhauser, „ich bin in meinem Traum im Himmel gewesen die ganze Nacht. Quirinhäusler – aber da haben die Engerl gesungen! Und wie ich kommen bin, haben sie um mich herumgetanzt und eine helllichte Freud gehabt. Ja, weilst nur grad da bist, Partenhauser! Gar nix anders haben sie sonst gesagt, als wie immer: ja weilst nur grad da bist, Partenhauser! Ist das nit ein arg schöner Traum? Einen schönern wirst halt nit verzählen können, Quirinhäusler!“

Sagt der Quirinhäusler und nickt bedächtig: „Ja das weiß ich schon, daß Du im Himmel gewesen bist. Wie der Nachtwachter Elfe blasen hat, da bist zu den Engerln [61] aufgfahren. Und wie ich die Engerl immer schreien hör: ja, weilst nur grad da bist, Partenhauser, da hab ich mir denkt, schau, der Lump ist pfeilgrad in den Himmel kommen. Mit wem sollt ich itzt die Gans verteilen? hab ich mir denkt; der Partenhauser pfeift drauf, auf den Gansbraten, der kriegt im Himmel die Gäns dutzendweis. Hab ich recht oder hab ich nit recht?“

„Das weiß ich nit!“ sagt der Partenhauser, und kriegt’s mit der Angst zu tun.

„Ja, und ich hab mir denkt, wann er schon ein Engerl ist im Himmel droben, dann kann er auch für mich bitten, wann mir ein Trumm von der ewigen Seligkeit hin ist. Und hab die Gans gefressen.“